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Special: Bandrecording – Drums

Schlagartig

Marco Sulek am 30.09.2013

Schlagartig

Zu den umfangreichsten und schwierigsten Aufgaben eines Tontechnikers gehören Schlagzeugaufnahmen – es braucht einiges an Know-how, damit die Drums am Ende gut klingen. Wir vermitteln dir in diesem Special die nötigen Grundlagen dafür.

Die meisten sehen das Schlagzeug als ein Instrument. Das stimmt aber nur bedingt. Denn im Prinzip handelt es sich um viele einzelne Instrumente, die zu einem großen zusammengesetzt sind. Hier findet man nicht nur Trommeln in verschiedenen Größen und Stimmlagen, sondern ebenso vielfältige Beckenvariationen. Außerdem übernehmen die einzelnen Komponenten eines Drumsets unterschiedliche Aufgaben – je nach Stilrichtung sind beispielsweise gewisse Elemente weiter im Vordergrund als andere.

Mitunter das wichtigste Ziel beim Mischen eines Drumsets ist es, dieses so klingen zu lassen, als wäre es ein nur Instrument. Und genau hier liegt das eigentlich Schwierige an der ganzen Sache: Bei der Aufnahme sind alle Komponenten, die man einzeln aufnimmt, als eigenständige Signalquellen zu behandeln. Zwar finden die einzelnen Signale in der Mischung richtig zusammen, sie sollten aber trotzdem schon vorher gut miteinander harmonieren.

Ein guter Sound beginnt schon am Anfang der Signalkette: direkt bei den Aufnahmen. Das heißt vor allem, dass neben einem gutklingenden und gestimmten Drumset auch die Mikrofone und deren Position passend zu wählen sind. Hier scheiden sich jedoch die Geister, denn es gibt quasi unzählige Herangehensweisen, ein Schlagzeug aufzunehmen. Viele Toningenieure haben mit der Zeit ihre ganz eigenen Techniken entwickelt, die oft unkonventionelle Mikrofonpositionen zeigen – mit herausragenden Ergebnissen.

Doch es gibt noch einen sehr wichtigen Faktor, der den Klang merklich beeinflusst: Bei akustischen Drums spielt der Raum eine große Rolle. Klingt dieser nicht gut oder verursacht bedingt durch die Raummoden störende Resonanzfrequenzen, ist guter Rat teuer. Mit entsprechenden Hilfsmitteln wie Equalizer oder Kompressor lässt sich zwar viel retten, doch dazu braucht es einiges an Erfahrung. Schau deswegen von Anfang an darauf, dass alle klangbeeinflussenden Gegebenheiten stimmen.

Overhead-Mikrofone werden meist in AB-Stereo-Technik ungefähr 40 cm über den Schlagzeugbecken positioniert.

Standards

In vielen Genres wird das Drumset nur mit einem Stereo-Pärchen Overhead-Mikrofonen abgenommen. Dies gilt besonders für Jazz, bei dem Kenner einen natürlichen Sound verlangen. Mit jedem Stützmikrofon, das eine zusätzliche Signalquelle darstellt, verändert sich der Klang auf irreale Art und Weise. Warum? Ganz einfach: Kein Mensch hat den Kopf in der Kick oder direkt an der Snare, während er das Instrument hört – und direkt an den Komponenten klingt es anders, als wenn man davor steht.

Für die Overheads verwendet man meist Kleinmembrankondensatormikrofone. Im Gegensatz zu anderen Bautypen bieten diese einen linearen Übertragungsbereich, wodurch alle Signalanteile relativ unverfälscht aufgenommen werden können. Als Mikrofonierungstechnik sieht man am häufigsten das AB-Stereoverfahren. Bei kleineren Schlagzeugen ist aber auch die XY-Anordnung zu sehen. Egal für welche Mikrofonierungsart du dich entscheidest: Lege bei den Overheads viel Wert auf stabile Mikrofonstative, deren Galgen sich nicht selbständig machen.

Bei AB ist der Abstand der Mikrofone zueinander passend zur Größe des Drumsets zu wählen. Damit verhinderst du später in der Mischung, dass ein akustisches Loch in der Mitte entsteht oder sich die Stereo-Breite nicht vollkommen ausnutzen lässt. Positioniere die Mikros deswegen nicht am äußersten Rand über den Drums. Stelle sie aber auch nicht zu nah aneinander auf. Eine gute Ausgangsstellung sieht so aus: Teile das Schlagzeug der Breite nach in drei gleichgroße Abschnitte. An die beiden Schnittpunkte „1 zu 2“ und „2 zu 3“ sind dann die Mikros zu stellen.

Je nachdem, welches Klangbild du erzielen möchtest, sind die Mikros zu stellen: Kommen nur Overheads und eventuelle Stützmikrofone für Kick und Snare zum Einsatz, ist es ratsam, die Mikrofone sowohl über alle Becken als auch über die Trommeln schauen zu lassen. Sind hingegen alle Komponenten eines Schlagzeugs einzeln abgenommen, macht es Sinn, die Mikros so aufzustellen, dass die Crashes möglichst alle Toms sowie Hi-Hat und Ride verdecken – so garantierst du eine hohe Kanaltrennung.

Eine hohe Kanaltrennung der Snare lässt sich unter anderem dadurch erzielen, indem die Off-Axis des Mikrofons möglichst in Richtung Hi-Hat schaut.

Mehr Punch

Einen druckvolleren Sound erhältst du, wenn du Kickdrum und Snare zusätzlich mit Stützmikrofonen abnimmst. Als Richtcharakteristik benutzt du am besten die Niere. Für die Kick eignen sich am besten spezielle Bassdrum-Mikrofone, die den Tieftonbereich besser als andere Modelle übertragen. Dafür finden meist dynamische Bauweisen Verwendung – hier können enorm hohe Schalldruckpegel entstehen, die so manche Kondensatormikrofone in die Knie zwingen. Ob das Mikrofon in der Kick, am Resonanzloch oder vor dem Kessel steht, hängt vom akustischen Ziel ab. Allgemein kann man sagen: Je mehr Attack gewünscht ist, desto näher gehört das Mikro ans Schlagfell gerückt.

Um viele tieffrequente Anteile mit gleichzeitig deutlichem Attack zu erhalten, verwenden einige zum eigentlichen Kickdrum-Mikro ein Grenzflächenmikrofon. Dieses liegt in der Regel einfach in der Kick und ist hauptsächlich für den höheren Frequenzbereich zuständig. Beim Mischen ist es oft sinnvoll, für das dynamische Mikrofon einen Highcut und für die Grenzfläche einen Lowcut zu setzen. Damit verhinderst du, dass sich die Frequenzanteile beider Mikrofone überlagern und sich dadurch Auslöschungen oder Überbetonungen bemerkbar machen.

Im einfachsten Fall wird auch die Snare mit nur einem Mikrofon von oben abgenommen. Dazu kommen aufgrund der hohen Schalldruckpegel ebenfalls hauptsächlich dynamische Mikros zum Einsatz. Eine gute Ausgangsposition für das Mikro ist fünf Zentimeter vom Rand hinein und fünf Zentimeter über dem Schlagfell ragend, wobei die Einsprechrichtung auf die Mitte des Schlagfells zeigt. Mikrofone an der Snare stehen oft sehr nah an der Hi-Hat, weswegen es zu starkem Übersprechen und nur schwer zu kontrollierenden Pegeln kommt. Nutze deswegen die Off-Axis des Mikrofons, um eine hohe Kanaltrennung zu erzielen.

Damit die Snare lebendiger und facettenreicher ertönt, gehört ein weiteres Mikrofon an die Unterseite des Kessels. Am besten schaut das Mikro dabei leicht auf den Teppich, um auch fein-gespielte Nuancen auf Festplatte zu bannen. Sind zwei Mikrofone an der Snare positioniert, muss womöglich die Phase in einem Signal gedreht werden – da beide Mikrofone mit entgegengesetzter Einsprechrichtung auf die Snare zeigen, machen sich sonst womöglich Auslöschungen bemerkbar.

Mikrofone an der Tom kannst du entweder mittels Clip-Halterung oder Mikrofonstativ befestigen – beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile.

Tomton

Bei den meisten Produktionen werden alle Toms einzeln abgenommen. Damit lässt sich ein breiteres Klangspektrum realisieren und auch auf einzelne Kessel mehr oder weniger Hall legen, ohne gleich das ganze Set damit zu belasten. Gleiches gilt auch für die Kompression, die Toms viel wuchtiger klingen lässt. Einzeln abgenommene Trommeln bieten aber noch einen weiteren Vorteil: Störende Resonanzgeräusche lassen sich so gezielter entfernen, als wenn nur Overhead-Mikrofone eingesetzt werden.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Mikrofone an den Toms zu befestigen: Zum einen Mikrofone, die konventionell an ein Stativ geschraubt und an das Tom gestellt werden. Dies birgt jedoch den Nachteil, dass man platzbedingt nicht immer mit dem Stativ richtig an den Kessel kommt und irgendwann alles vollgestellt ist. Zum anderen bieten viele Hersteller spezielle Clipmikrofone an, die sich einfach am Kessel befestigen lassen. Allerdings kann es hierbei durch die Vibrationen der Trommel zu Störgeräuschen im Signal kommen.

Genau wie bei der Snare liegt hier ein guter Ausgangspunkt bei fünf Zentimeter vom Kesselrand hinein und fünf Zentimeter über dem Schlagfell. Das Mikrofon schaut dabei am besten auf die Mitte des Schlagfells. Damit auch hier eine hohe Kanaltrennung garantiert ist, sollte die Snare nicht gerade in der Einsprechrichtung des Mikrofons liegen. Sprich: Platziere die Mikros am besten so, dass sie wenig andere Einzelkomponenten des Sets mitaufnehmen.

Sind nicht genügend Kanäle am Mischpult oder Interface geboten, kannst du die Toms auch zusammenfassen. Normalerweise vereint man entweder alle Einzelsignale zu einem Stereo-Signal oder mischt gewisse Gruppen zusammen. Achtung: Sind erst einmal mehrere Signale miteinander vereint, lässt sich nur noch schwer eingreifen. Wähle deswegen zumindest die Lautstärkenverhältnisse passend und sinnvoll.

Damit das Mikrofon an der Hi-Hat nicht so viel Pegel von anderen Schlagzeug-Komponenten abbekommt, sollte es leicht nach außen gerichtet sein.

Blechkomponente

Neben den Overheads ist es möglich, gewisse Becken einzeln aufzunehmen. Dazu zählen vor allem Hi-Hat und Ride. Das hat den Vorteil, dass sich bestimmte Sounds viel einfacher realisieren lassen. Beispielsweise erzielt man einen typischen Disko-Hi-Hat-Sound, wenn man mit einem dynamischen Mikrofon ganz nah an das Hi-Hat-Becken rangeht. Aber auch für anderen Klangästhetiken ist es wichtig, diese Komponenten separat zu behandeln.

An der Hi-Hat kommen meist Kleimembrankondensatormikrofone zum Einsatz. Wähle, je nachdem, welche Nuancen du im Signal haben möchtest, die Position: Soll beispielsweise das Anschlaggeräusch der Sticks zu hören sein, ist das Mikrofon auf das obere Becken zu richten, bei einem etwas undefinierteren Sound schaut das Mikro am besten auf die Unterseite des Hi-Hat-Beckens. Bestimme den Abstand mindestens so, dass bei geöffneter oder stark angespielter Hi-Hat noch mindestens fünf Zentimeter Abstand zum Mikrofon gegeben sind.

Das Ride ist ähnlich abzunehmen wie die Hi-Hat. Mehr Anschlaggeräusche werden bei einer Abnahme von oben übertragen – vor allem beim Spielen mit Besen ist das gewünscht. Bei normal, mit Sticks gespieltem Ride reicht es aus, wenn das Becken von unten abgenommen wird. Somit ist auch oft eine höhere Kanaltrennung zu anderen Komponenten am Drumset gegeben. Achtung: Da die Glocke am Ride oft höhere Lautstärkepegel verursacht als die Schulter, solltest du das Mikrofon nicht unbedingt direkt auf die Kuppe zeigen lassen.

Ein wichtiger Punkt bei den Aufnahmen von einzelnen Becken ist die Kanaltrennung. Aus diesem Grund sollte das Mikrofon mit der Einsprechrichtung nicht auf andere Komponenten des Drumsets schauen. Achte also darauf, dass das Mikro eher nach außen zeigt. Schon beim Recording kannst du einen Lowcut bei gut 200 Hz für Hi-Hat und Ride setzen, um Rumpelgeräusche von Kick und Toms konsequent abzuschneiden.

Eine gute Raummikrofonierung kannst du nutzen, um den Sound des Drumsets viel fetter und tiefer zu gestalten.

Volles Klangspektrum

Neben den Overheads gibt es die sogenannten Underheads. Das sind im Prinzip von unten nach oben zeigende Mikrofone. Dadurch lässt sich ein zusätzlicher Klangeindruck der Becken umsetzen. Underheads kannst du aber auch als Overhead-Alternative einsetzen. Sollen Over- und Underheads verwendet werden, musst du mit den Laufzeiten des Schalls aufpassen, da es sonst zu Kammfiltereffekten kommen kann. Auch auf die Phase des Signals solltest du achten – schließlich sind hierbei Mikrofone im Einsatz, deren Einsprechrichtung zueinander zeigen.

Mehr Räumlichkeit und Fülle erzielst du mit zusätzlichen Mikrofonen. Dabei sind sogenannte Raummikrofone in einer gewissen Distanz zum Schlagzeug aufzustellen. Am besten eignen sich dafür Großmembrankondensatormikrofone, die einzeln, als Stereo-Pärchen oder sogar quadrophon in den Raumecken platziert werden. Die Richtcharakteristik kann dabei entweder gerichtet – beispielsweise eine Niere – oder ungerichtete (Kugel) sein.

Interessante Ergebnisse erzielst du mit Grenzflächenmikrofonen, die einfach in zwei oder mehreren Raumecken liegen. Dadurch, dass sie den Schall in den Ecken einfangen, kommt es zu einer Bassanhebung. Diese kannst du nutzen, um einen fetteren und breiten Sound zu erhalten. Ebenfalls machen einzeln aufgestellte Raummikrofone in einem großen, gutklingenden Raum Sinn. Sofern genug Mikros und Eingangskanäle vorhanden sind, kommen alleine für das Schlagzeug mehr als 20 Spuren zusammen – rechne also damit.

Wie genau aber verwendet man nun Raummikrofone? Die Signale kannst du natürlich einfach zum restlichen Set hinzufahren, um mehr Raumeindruck zu erhalten – und ein echter Raum klingt normalerweise besser als ein Halleffekt. Einen richtig fetten Sound kriegst du, wenn du die Raumsignale stark komprimierst und leicht zur Drummischung hinzufährst. Gehe aber vorsichtig mit der Dosierung um, denn zu viel des Guten kann das Klangbild ruinieren und auf Dauer anstrengend beim Hören sein.







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