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Reportage: Vom Rohbau zum Greenscreen-Studio

Visionen in Grün

Marco Sulek am 29.01.2014

Visionen in Grün

Im Juli 2013 eröffnete die Greenscreen-Werkstatt GMW Studio bei Ingolstadt ihre Pforten. Wir begleiteten das Projekt während der Bauphase von sechs Monaten. Dabei durften wir erfahren, was es heißt, eine Foto- und Videoproduktionsstätte der besonderen Art umzusetzen.

Bei der Recherche nach geeigneten Greenscreen-Studios für die Umsetzung eines Projektes stießen Christopher Männlein und Karsten Wirth auf gewisse Probleme: In ihrer unmittelbaren Umgebung bei Ingolstadt war kein passendes Studio ausfindig zu machen. Erst in München fanden sie in Größe und Ausstattung geeignete Räumlichkeiten. Jedoch waren diese für ihren Budgetrahmen schlichtweg zu teuer.

Christopher Männlein, zu diesem Zeitpunkt bereits mehrfacher Gründer (u.a. Soundart Mediagroup, Liluna.de, Infopodcast.de), stellte die entscheidende Frage: „Warum bauen wir nicht einfach ein Greenscreen-Studio, das all unsere Bedürfnisse erfüllt, bei uns im Raum Ingolstadt?“ Nach einer Analyse aller marktrelevanter Daten, diverser technischer Betrachtungen und einer Machbarkeitsstudie entschied man sich für die Gründung des GMW-Greenscreen-Studios mit professioneller Fotosuite.

Wie es der Zufall wollte, ergab sich in unmittelbarer Nähe zu den bereits bestehenden Tonstudios der Soundart Mediagroup im Baar-Ebenhausener Gewerbegebiet „Am Bahnhof“ die Möglichkeit, eine speziell an die Bedürfnisse eines Greenscreen-Studios angepasste Halle zu bauen. Auch eine städtische Zusage für Parkplätze und eine LKW-Wendeplatte hatten die beiden Gründer schnell in der Tasche. Zu dieser Zeit entstanden bereits erste konkrete Kalkulationen, Finanzierungsmodelle und Hallenvisualisierungen.

Karsten Wirth kommentiert die Entscheidung wie folgt: „Natürlich war es ein Glücksfall, dass ausgerechnet in unserer unmittelbaren Nachbarschaft eine Halle nach unseren Vorstellungen gebaut werden konnte, deren Gestaltung wir zusammen mit dem Bauherren bis ins kleinste Detail mehr als freundschaftlich planen und umsetzen konnten. So haben wir eine Infrastruktur geschaffen, die in einem großen Umkreis keine Konkurrenz scheuen muss.“

Um das geplante GMW Studio in der gewünschten Größe und Ausstattung umsetzen zu können, suchten sich Männlein und Wirth professionelle Unterstützung. Allein für Planung und Vorbereitung vergingen so knapp zwei Jahre. Dabei wurde jeder einzelne Bauschritt unzählige Male durchgeplant, um gleich von vornherein alle Schwierigkeiten und Probleme, die eventuell auftreten könnten, zu umgehen.

Ein großes Rolltor ermöglicht das schnelle Ent- und Beladen eines LKWs. Außerdem gibt es direkt vor der Halle viele Parkplätze für ein großes Produktionsteam.

Stahl statt Rigips

Ein Manko vieler Studios, die man im Vorfeld besichtigt hatte, besteht in der Stabilität der Hohlkehlen. Hier betrieben die Gründer des GMW Studios viel Aufwand, um die Konstruktion in den sensiblen Übergängen zwischen Boden und Seitenwänden sowie in den Raumecken möglichst robust zu gestalten. Ein weiteres Problem, das häufig erst in der Postproduktion zum Vorschein tritt, ist die inhomogene Farbbeschichtung und sich daraus ergebende minimale Farbunterschiede des Greenscreens, wenn mit unterschiedlichen Untergrundmaterialien gearbeitet wird.

Um diesem Problem entgegenzuwirken, setzte man im GMW Studio auf eine belastbare Metallkonstruktion. Zur Vermeidung von Farbunterschieden wurden an den Wänden die gleichen drei Millimeter starken Metallplatten eingesetzt wie in den Hohlkehlen. Eine hohe Gleichmäßigkeit erzielte man dabei durch das Biegen des Werkstoffs mittels Laser. Anschließend wurden die Platten miteinander verschweißt und die Gesamtfläche grundiert. Die entstandenen Übergänge wurden schließlich final verspachtelt. Insgesamt sechs Tonnen Metall verbaute man hierbei.

„Wir haben bei der Planung der Halle und speziell der Hohlkehlen und Rundhorizonte des Greenscreens einen immensen Aufwand betrieben. Wir sind zu einigen Studios gefahren, haben on- wie offline intensiv recherchiert und uns abschließend für einen kompletten Eigenbau entschieden, da wir einen hohen Anspruch an die Belastbarkeit des Greenscreens, die Robustheit der verbauten Materialien und die Konkurrenzfähigkeit unseres Studios gelegt haben.“, äußert sich Christopher Männlein.

Metall weist einen geringen Wärmekoeffizienten auf, wodurch sich bei großen Temperaturunterschieden die Ausdehnung der Oberflächen minimiert. Auf diese Weise lässt sich eine Rissbildung an den Übergängen vermeiden. Auch der Bodenbelag wurde unter Rücksicht auf maximale Robustheit gewählt und besteht aus geschliffenem Estrich. Dieses Material verfügt über die gleiche Wärmeausdehnung wie die Metallplatten. Außerdem wurde die gesamte Halle mit einer Fußbodenheizung ausgestattet, womit auch in der kalten Jahreszeit einer Produktion im GMW Studio nichts im Wege steht.

Eine besondere Herausforderung beim Bau des GMW-Greenscreen-Studios stellte die Hohlkehle dar. Eine hohe Formgenauigkeit wurde hier mittels Laserbiegung erreicht.

Alles Grün?

Essenziell beim Bau eines Greenscreen-Studios ist ein einfarbiger Hintergrund. Im Hobby-Bereich kommt hierfür oft grüner Stoff zum Einsatz. Als private Lösung ist dies auch vollkommen ausreichend, bei aufwändigen Produktionen mit professionellen Ansprüchen benötigt man jedoch mehr: einen gleichmäßigen Hintergrund, der die Nachbearbeitung erleichtert. Außerdem ist es wichtig, genügend Platz zu haben. Bei Aufnahmen, die zu nah an der Wand entstanden, ist sogenannter Spill zu sehen – so nennt man Berechnungsfehler, die sich an schwierigen Stellen, wie beispielsweise bei Haaren, durch grüne Fransen oder Konturen bemerkbar machen.

Besonders bei der Auswahl einer geeigneten grünen Wand- und Bodenfarbe prüfte man viele Möglichkeiten. Den Zuschlag erhielt eine spezielle Farbe der Firma Rosco, die im sogenannten Airless-Verfahren zweifach aufgebracht wurde. Auf diese Weise konnte die Farboberfläche gleichmäßiger gestaltet werden, als wenn man versuchen würde, die Farbe mit Rolle oder Pinsel aufzutragen. „Im gleichen Verfahren wurde übrigens auch das Weiß in der Fotosuite aufgetragen. Der gesamte Bodenbereich wurde anschließend mit einem farblosen und schützenden Lack eingelassen.“, ergänzt Karsten Wirth.

Blau, wie man es aus diversen Studios kennt, kam früher häufig zum Einsatz – heute ist es Grün. Denn dadurch, dass Grün seltener am menschlichen Körper vorkommt, lassen sich bessere Ergebnisse erzielen. Doch prinzipiell handelt es sich bei beiden Hintergrundfarben um die gleiche Technologie, die für das Entfernen und Ersetzen des Hintergrunds in der Postproduktion (der Nachbearbeitung des Foto- und Videomaterials) zum Einsatz kommt. Mittels Software lässt sich hierbei bestimmen, welche Farbe ausgeschnitten werden soll. Dabei ist darauf zu achten, dass die Protagonisten keine grüne Farbe tragen.

Die grüne Rosco-Spezialfarbe wurde im sogenannten Airless-Verfahren zweifach aufgetragen, um eine möglichst hohe Gleichmäßigkeit zu erzielen.

Rohrmatrix am Hallendach

Der komplette Studiobereich ist mit einem speziellen Rohrsystem überzogen, das sich mit bis zu zwei Tonnen Traglast beladen lässt. Dieses Grid aus 48 mm dicken Metallrohren und einem optionalen Butterfly aus Zweipunkt-Traversen mit höhenverstellbarem Reutlinger-Hängesystem ist in der Grundausstattung mit diversen Flächenleuchten bestückt. Dieses Konzept entstand in Eigenentwicklung und bietet neben der Befestigung von Lampen und Filmobjekten an diversen Gitterpunkten die Möglichkeit, weitere Stromabnehmer zu versorgen.

Die Wahl für die Beleuchtung im gesamten Studio fiel auf die Marke Kino Flo. Diese versprechen eine homogene Ausleuchtung, was besonders für gelungene Greenscreen-Aufnahmen essenziell ist, und verfügen über spezielle Richtgitter. Die verwendeten Leuchtröhren sind speziell an die spektrale Sensibilität der Kameras angepasst. Zudem arbeiten die Lampen besonders energieeffizient: Sie übertreffen mit einem Leuchtwert von 80 Lumen/Watt sogar LED-Leuchtmittel, die rund 60 Lumen/Watt erzeugen.

Diese Basisausleuchtung wird für die meisten Standardaufnahmen bereits gehobenen Ansprüchen gerecht. Bei einem Gesamtgewicht von etwa 300 kg stehen dann weitere 1,7 Tonnen Tragelast zur Verfügung. Es spricht also nichts dagegen, neben weiteren Lampen zusätzlich Mensch und Maschine „einfliegen“ zu lassen. Zur Basisausstattung gehören weiterhin zwei Standsoftboxen (100 cm x 200 cm), zwei Reflektoren (150 cm x 200 cm) und zwei Studioblitze mit Fernauslöser für den Blitzschuh.

Ein schönes, da ergonomisch gut gelöstes Detail der Beleuchtung liegt in der
Steuerung der Lampen. Die geschieht per Touchdisplay an einem iPad. Eine einminütige Einführung und der Benutzer ist sein eigener Lichttechniker der Studiogrundbeleuchtung. Übrigens: Im Komplex des GMW Studios wurden mehr als 2,5 km Kabel verlegt, davon in etwa 2 km Stromleitungen und 500 Steuerleitungen für die technischen Einrichtungen. Des Weiteren ist eine Datenleitung zum benachbarten Ton- und Videostudio der Soundart Mediagroup vorbereitet.

Am Hallendach wurde ein spezielles Rohrmatrix-System installiert, das nicht nur die Basisbeleuchtung trägt, sondern zusätzlich noch für eine Belastung von 1,7 Tonnen ausgelegt ist.

Komfortable Ausstattung

„Wir waren uns schnell darüber einig, eher ein Greenscreen-Studio internationalen Formates zu bauen, in dem neben den üblichen Aufnahmen auch ausgefallenere und größere Produktionen durchgeführt werden können. Da wir wissen, mit welch limitierten Räumlichkeiten Profifotografen oftmals auskommen müssen, haben wir uns schon früh dazu entschlossen, eine Seite der Halle in strahlendem Weiß zu lackieren und eine gehobene Fotosuite einzurichten. So können Videos und Fotos in einem Projekt durchgezogen werden.“, kommentiert Christopher Männlein die Entscheidung für die höheren Anfangsinvestitionen.

Im kombinierten Küchen- und Aufenthaltsraum können Künstler inklusive Team selbst für ihr leibliches Wohl sorgen und das frei verfügbare WLAN für Backoffice- oder Datentransferaufgaben nutzen. Der zweite Raum ist mit drei Schminkplätzen als Garderobe für Models, Musiker und andere Protagonisten eingerichtet. Obwohl es sich beim GMW Studio vornehmlich um Mieträumlichkeiten handelt, wird die technische Crew nicht alleine gelassen: Christopher Männleins Produktionsfirma Soundart Mediagroup befindet sich nur einen Steinwurf entfernt.

Doch ein so großes Studio mit entsprechend guter Ausstattung muss ja unbezahlbar sein – könnte man meinen. In Wirklichkeit beträgt die Miete inklusive Basisausstattung für einen Tag 900 Euro, sofern man mit einem eigenen Produktionsteam kommt. Sollte man ein solches nicht zur Verfügung haben, organisiert das GMW-Team die nötige Manpower – vom Kameramann über den Cutter bis hin zum VFX-Designer.

Mit der umfangreichen und dennoch einfach zu handhabenden Technikausstattung sowie der Größe, die das GMW Studio bietet, lassen sich professionelle Bandvideos gut umsetzen – und das mit jedem Hintergrund. Im zweiten Teil unseres Specials erfährst du, wie ein Bandvideo im Greenscreen des GMW Studios realisiert wird.

Weitere Infos zum GMW Studio unter: www.gmw-studio.de







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