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Reportage: Shenaniganz im GMW Greenscreen Studio

Aus grün mach bunt

Marco Sulek am 20.08.2014

Aus grün mach bunt

Musikclips sind heute essenziell, um auf den gängigen Social-Media- und Streaming-Plattformen auf sich aufmerksam zu machen. Das wissen auch die vier Jungs von Shenaniganz. Für ihren Videodreh zu ihrem Song „Supermodels“ besetzten sie zwei Tag das Ingolstädter GMW Greenscreen Studio. Wir waren dabei.

YouTube, MyVideo und Tape.tv gehören zu den angesagtesten Streaming-Plattformen für Musikvideos. Allerdings erschwert das schier grenzenlose Angebot an qualitativ hochwertigen Clips es ambitionierten Bands, sich richtig zu platzieren. Und driftet man nicht gerade ins Extreme ab, scheint es fast so, als wären alle Ideen schon einmal umgesetzt worden. Dennoch: Viele Musiker wollen ihr Schaffen mit passenden Bildern untermalen, um die Massage ihrer Songs zu verdeutlichen. So auch Shenaniganz aus dem oberbayerischen Haag.

Möchte man heutzutage auf sich und seine Songs aufmerksam machen, braucht es eine deftige Portion Innovation. Damit aber nicht genug: Shenaniganz mischten ihre Einfälle darüber hinaus mit einem Verfahren, das nicht jede Band nutzen kann – das sogenannte Keying mithilfe eines Greenscreens. Die Umsetzung selbst klingt einfach: Man nehme eine gleichmäßige grüne Basis, stelle die Musiker drauf und tausche das Grün mittels Software gegen einen beliebigen Hintergrund aus. Um eine ganze Band inklusive Equipment ordentlich in Szene setzen zu können, braucht es jedoch ein recht großes Studio.

Eine ideale Aufnahmestätte fand man im GMW Greenscreen Studio bei Ingolstadt. Dessen Grünfläche misst zehn Meter in der Breite, sechs Meter in der Tiefe und vier Meter in der Höhe. Damit bot es genügend Raum für alle vier Musiker plus Instrumente. Auch die Künstler selbst würden sich hier nicht so stark in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken müssen und ausgelassen performen können. Ein weiterer Vorteil im GMW Greenscreen Studio war genügend Platz, um Crew, Statisten und Equipment unterzukriegen. Georg Raig von Shenaniganz kommentiert: „Für eine so professionelle und entspannte Atmosphäre gibt es nur wenige Alternativen.“

Mit der Band und den Räumlichkeiten war es allerdings nicht getan: Ein Fachmann musste her, der sich in Sachen Greenscreen bestens auskennt und die Wünsche der Band umzusetzen weiß. Diesen fanden Shenaniganz in Patrick Jahns, der sich bereits als Regisseur und Schauspieler behaupten konnte. Die Wahl der Crew fiel außerdem auf Robert von Münchhofen an der Kamera, Harald Mauch fürs Colorgrading und Christoph Wende sowie Peter Hrynio, die als Setrunner mithalfen.

Patrick Jahns übernahm für das Video zu „Supermodels“ die Regie.

Eine Idee

Bevor es ins Studio ging, musste erst ein Konzept her. Dafür war es wichtig, sich überhaupt auf einen Song zu einigen. Shenaniganz fiel die Wahl jedoch nicht schwer: Sie entschieden sich für „Supermodels“, den ersten Track auf ihrer aktuellen Scheibe „Salto Mortale“. Anders als der Titel vermuten lässt, handelt der Text nicht von „perfekten“ Damen in knapper Kleidung. Im Gegenteil,  die vier Musiker lehnen sich darin gegen den ganzen Schönheitswahn auf, dem man täglich im Fernsehen oder auf Werbetafeln begegnet.

Ausgehend vom Text zu „Supermodels“, kamen die vier Jungs auf die Idee, den Clip mit vielen unterschiedlichen Statisten auszuschmücken, die nicht zum übertriebenen Schönheitsideal der Modeindustrie passen. Es war also notwendig, sich um ausreichend Darsteller zu kümmern, die sich zuverlässig am Drehtag im GMW Greenscreen Studio einfinden würden, um ihr bestes zu geben. Rekrutiert wurden Freunde und Bekannte – eine bunte Mischung unterschiedlicher Typen eben.

Aber einfach nur verschiedene Gesichter zu zeigen, wäre doch etwas zu statisch gewesen. Deswegen entstand der Gedanke, die Band und ihr Equipment so aufzustellen, als würden sie auf einer Bühne stehen. Zuerst sollte sie in der normalen Besetzung spielen, dann aber Schritt für Schritt durch andere Mitspieler ausgetasucht werden – darunter Bänker, Gothics und Rollstuhlfahrer. Nun stellte sich noch die Frage des passenden Hintergrundes. Dieser sollte wild durchwechseln, angefangen von schlichten Steinwänden bis hin zu Städten wie Paris, New York und Las Vegas – Orte an denen man eben Supermodels erwartet.

Um für den Drehtag alles vorzubereiten, war allerdings noch viel mehr nötig. Das meiste Equipment in Form von zwei Sony PMW 200 Camcorder, Unmengen an Scheinwerfern und Spots sowie einen Schneideplatz direkt am Set stellte das GMW Greenscreen Studio bereit. „Es fehlte absolut nichts. Das war wirklich klasse“, so Patrick Jahns, der neben der Regie auch den Großteil der Planung übernahm. Von der ersten Idee bis zum Dreh vergingen so insgesamt vier Wochen.

Der Großteil des Samstags wurde für das Ausleuchten des Greenscreens genutzt.

Auf grüner Fläche

Als Drehtermin wurde Sonntag, der 16. Februar festgelegt. Das hieß aber nicht, dass alle am Samstag davor feiern und am nächsten Tag gemütlich drehen konnten. Im Gegenteil, der 15. Februar wurde genutzt, um die Greenscreen-Fläche mit dem vorhandenen Scheinwerfern so auszuleuchten, dass bei der Aufnahme optimale Lichtverhältnisse vorherrschten. „Zum Grundlicht kamen noch einige Spots zum Einsatz, um dem Bild mehr Tiefe zugeben. Licht ist das A und O, damit fällt und steigt die Stimmung – und auf dem Gebiet ist Rob (Robert von Münchhofen) richtig gut“, so Patrick Jahns.

Sonntag in der Früh ging es endlich los. Zuerst musste die Band ran, die mehrere Durchläufe lang ihren Song „Supermodels“ spielen durfte – oder vielmehr so tat. Das Stück wurde währenddessen als Playback über eine PA in ordentlicher Lautstärke wiedergegeben. So war garantiert, dass später im Schnitt das Video zum im Vorfeld produzierten Titel synchron sein würde. Stück für Stück wechselten nun die Bandmitglieder mit den Gastschauspielern, um den Song wieder und wieder in unterschiedlicher Besetzung zu performen. Insgesamt zeichnete das Team 35 Durchläufe auf.

„Der Dreh war geplantes Chaos. Wir hatten das Konzept – und das schrieb uns vor, dass jedes Bandmitglied durch Person X ausgetauscht wird. Das war es aber auch“, so Patrick Jahns, der während der Aufnahmen oft nur knappe Kommandos wie „Rein ins Set“ oder „Jetzt du ans Schlagzeug“ von sich gab. Und das klappte hervorragend. Am Ende des Tages waren alle geschafft, dafür hatte man für einen 3-Minuten-Clip ganze 250 GB Videomaterial im Kasten.

Aber wie fühlte sich eigentlich die Band dabei? „Wir waren zu Beginn des Drehs schon völlig erschöpft vom Aufbau. Aber wir bissen die Zähne zusammen und sorgten trotzdem für gute Laune. Das war fast noch härter als sich den ganzen Tag die Stimme wund zu schreien“, kommentiert Georg Raig. „Für unsere Co-Stars war es zum Teil schwer, mal zwei Stunden zu warten, um dann fünf Minuten gut drauf zu sein und dann wieder zu warten. Es war deswegen ständig einer der Band bei den Leuten und hat für Entertainment gesorgt.“



Clip ahoi

Nachdem Tonnen an Material gesichtet waren, ging es auch schon an den Schnitt. Patrick Jahns nutze hierfür Premiere Pro von Adobe. Für das Keying kam After Effects vom gleichen Entwickler zum Einsatz. Beim Keying wird ein einfarbiger Hintergrund – wie in diesem Fall der grüne – durch beliebige Bilder ersetzt. Der Vorteil dabei ist, dass man nur an einem Aufnahmeplatz alle gewünschten Backgrounds einfügen kann, ohne tatsächlich vor Ort sein zu müssen. Das spart Zeit, Geld und Nerven. Das abschließende Colorgrading erfolgte mit der Software Scratch von Assimilate.

Doch wer entschied, was im Schnitt passieren würde? „Die Band hatte mir die Freiheit gegeben, zu tun und zu lassen, was ich will. Nur wegen den Hintergründen hatten wir längere Gespräche“, so Patrick Jahns. „Ich hatte eine Datenbank mit Stockvideos über das GMW Greenscreen Studio zur Verfügung. Allerdings haben Videos einfach nicht funktioniert. Sie machten den Clip extrem unruhig und holprig. Daher sind wir uns einig geworden, dass wir nur in den Nahaufnahmen etwas Bewegtes im Hintergrund verwenden. Der Rest sind gekaufte Stockfotos“, erklärt der Regisseur weiter.

Das wichtigste ist jedoch das Ergebnis. Und das weiß alle zu begeistern. Erstaunlich ist vor allem die Anzahl an Versionen, die gerendert wurden, bis sich Band und Regie einig waren – denn es gab nur eine einzige. Georg Raig erklärt: „Für alle war es die erste kommerzielle Arbeit mit Greenscreen. Da war natürlich einiges knifflig.“ Patrick Jahns fügt hinzu: „Das war alles nur machbar, indem wir als Team Hand in Hand zusammengearbeitet haben. Und wenn man bedeckt, dass wir wenig Budget und Zeit hatten, ist das wirklich ein klasse Ergebnis.“

Auf die abschließende Frage, was Shenaniganz mit ihrem neuen Video vorhätten, antwortet Georg Raig unbeirrt: „Man muss immer versuchen, möglichst viele Sinne der Menschen anzusprechen. Hören ist doch viel schöner, wenn Sehen noch mit dazukommt. Wir wollen damit einfach unsere Musik weiter verbreiten und so vielleicht mehr Menschen erreichen, die sich an uns erfreuen.“



Weitere Infos unter:
www.stiftung.attl.de
www.gmw-studio.de
www.shenaniganz.de
www.patrickjahns.com







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