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Workshop: Remixing – eine Kunstform unter der Lupe (Folge 4)

Arrangieren und effektieren

Markus Limmer am 07.07.2014

Arrangieren und ...

In dieser Folge widmen wir uns dem Arrangement deines Remixes und allem, was dazugehört. Dabei beleuchten wir exemplarisch den Songaufbau eines Club-Remixes und gehen zusätzlich auf einige abgefahrene Effekt-Plug-Ins ein.

Abhängig von deiner Arbeitsweise, deiner bevorzugten Software und deinem Workflow schraubst du womöglich schon während der kreativen Phase am Arrangement herum. Vielleicht widmest du dich diesem Schritt aber auch erst, wenn alle nötigen Spuren beisammen sind. So oder so: Irgendwann musst du die kompositorische Phase abschließen. Wie es die eigene Erfahrung immer wieder zeigt, ist genau diese Entscheidung für viele das Schwierigste der gesamten Produktion.

Egal, ob du schon Vorarbeit geleistet hast oder nicht – spätestens jetzt musst du dich dem Thema Arrangement stellen. Allerdings gibt es nicht das eine, richtige Arrangement. Vielmehr hängt die Anordnung deiner Spuren vom Einsatzgebiet deines Remixes beziehungsweise von etwaigen Vorgaben durch Plattenlabel oder Auftraggeber ab. Je nach Genre und Zielgruppe sind also gewisse Vorüberlegungen nötig, um sich einem passenden Arrangement zu nähern. Wir gehen an dieser Stelle exemplarisch auf ein mögliches Arrangement für einen Club-Remix ein.

Ein Club- oder Dance-Remix besteht in der Regel aus folgenden Elementen: Intro – Part 1 – Break – Part 2 – Break 2 – Part 3 (Höhepunkt) – Breakdown – Outro. Zwar nutzt nicht jeder Produzent diesen Aufbau, für deinen Remix stellt das aber eine gute Ausgangslage dar. Anders als ein Radio-Edit, der normalerweise drei Minuten lang ist, dauert ein Club-Mix gut und gerne sechs bis acht Minuten – manchmal sogar länger. Wichtig ist in jedem Fall, dass du immer mit einer geraden Taktanzahl arbeitest.

Das Hinzufügen oder Muten von Spuren erfolgt meist in Vier-Takt-Schritten, während die einzelnen Parts in der Regel 16 bis 32 Takte – Breaks mitunter nur 4 oder 8 Takte – dauern. Doch nicht nur die Anordnung der Spuren ist für das Arrangement relevant. Auch der Einsatz von Effekten spielt bei der Planung des Arrangements eine wichtige Rolle. Darum schauen wir uns nach der Erklärung einzelner Elemente eines Arrangements einige abgefahrene Effekt-Plug-Ins an.

Ein Beispiel-Arrangement für einen Dance-Remix mit Intro (32 Takte), Part 1 (32 Takte), Break (8 Takte), Part 2 (16 Takte), Break 2 (16 Takte), Part 3/Peak (64 Takte), Breakdown (8 Takte) und Outro (32 Takte)

Das Arrangement

Intro und Outro sind wichtige Phasen für den Mix zweier Platten. Gestalte sie folglich so, dass ein DJ genug Zeit für das Beatmatching der Scheiben und den Übergang hat. Dabei eignen sich perkussive Ein- und Ausstiege, um disharmonische Fades zu vermeiden. Sprich: Die ersten und letzten 16 bis 32 Takte sind für gewöhnlich dem nackten Beat vorbehalten, meist bestehend aus Kick, Snare, Hi-Hat und Percussion. Doch wie so oft bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel; ein melodisches Intro in ein perkussives Outro gemischt kann durchaus seinen Reiz haben.

In Part 1 setzt das erste melodische Instrument ein – oftmals der Bass. Nach 16 Takten folgt ein weiteres. Vermeide es aber, dein Pulver schon hier zu verschießen und die prägnantesten Samples einzubauen. Wähle stattdessen melodische Elemente, die später die Samples der Hookline stützen. Viele gestalten den ersten Break, indem sie den Beat komplett oder bis auf die Kickdrum für 4 bis 32 Takte muten. Ebenfalls denkbar ist es, alles bis auf den Beat auszublenden. Der Break eignet sich dabei besonders, um erstmals kurze, prägnante Samples des Original-Songs einzubauen und somit zu zeigen: „Hey, ich bin ein Remix von Song XY.“

Alles, was bereits in Part 1 zu hören war, setzt auch wieder in Part 2 ein. Zudem kommen Adlips und die bereits im Break vorgestellten Samples aus dem Original-Song hinzu. Auch Variationen, etwa einzelner Percussions, sind hier denkbar. Fülle diesen Part, der bis zu 32 Takte dauern kann, langsam mit Effekten und kurzen Schnipseln aus dem Original. Behalte aber, wenn möglich, noch ein Ass für den Höhepunkt deines Remixes im Ärmel.

Falls in Break 1 nicht ohnehin schon passiert, solltest du spätestens in Break 2 die Kick muten. Auch der Bass kann hier wegbleiben. Dieser Part soll Spannung aufbauen, die sich im nachfolgenden Höhepunkt des Songs löst. Fade in diesen 16 bis 32 Takten etwa langsam Synthies ein. Jetzt ist auch der richtige Moment, um die Hookline des Originals oder längere prägnante Stellen langsam einzublenden. Eine gerne gewählte Methode ist ein sich langsam öffnender Lowpass-Filter. Auch Snare-Rolls und weitere spannungssteigernde Sounds sind hier gefragt, um zielstrebig auf den Höhepunkt zuzusteuern.

Alle Elemente deines Tracks sind schließlich in Part 3 – dem Höhepunkt – zu hören. In diesen 32 bis 64 Takten läuft auch die Hookline des Original-Songs durch. Nach und nach kannst du noch weitere Adlips hinzufahren. Auch Varianten im Rhythmus und der Melodielinie sind denkbar. Gib jetzt einfach alles! Im Breakdown geht es schließlich darum, die einzelnen Elemente der Reihe nach rauszunehmen. Am Ende des Breakdowns sollte nur noch der Basisbeat ohne melodische Parts übrigbleiben. Das folgende Outro nutzt der DJ nun wieder für den Übergang zur nächsten Platte.

Traktors 12 ist eine Sammlung verschiedener DJ-Effekte von Native Instruments für Guitar Rig und den kostenlosen Guitar Rig Player.

Kreativer Effekteinsatz

Effekte sind essenziell: In der Mischung kommen EQ, Kompressor oder Panorama in erster Linie zum Einsatz, um Einzelspuren in Frequenzspektrum, Dynamik und Stereobild homogen zu verteilen. Neben rein technischen Zwecken dienen Effekte aber auch dazu, bestimmte Passagen zu akzentuieren. Gerade in der elektronischen Musikproduktion und beim Remixen spielen sie eine besondere Rolle, da hier neben kurzen Akzentuierungen oft weite Teile einer Produktion mit Bitcrusher, Delay und Reverb beladen werden.  

Obwohl einige Effekte erst nach dem Mixdown erfolgen können, sind diese schon im Arrangement entsprechend vorzubereiten – etwa in der Länge der Passagen. Mach dir daher schon im Vorfeld Gedanken über das gewünschte Ergebnis. Da das Remixen stark mit der DJ-Kultur verwoben ist, wundert es nicht, dass in Remixen immer wieder typische DJ-Effekte verwendet werden, die manchmal auf Einzelspuren, häufig aber auf dem kompletten Beat zu hören sind. Nachfolgend stellen wir dir einige abgefahrene Tools vor, die deine Remixe bereichern können.

Native Instruments hält gleich mehrere geniale Plug-Ins bereit, wie Traktors 12 – ein zwölfteiliges DJ-Effekt-Set für Guitar Rig, das vom Beat Slicer, Beatmasher, Transpose Stretcher bis zu Reverb und Delay alles bietet. Auf dem kompletten Beat angewandt kannst du hiermit interessante Glitch- und Stutter-Effekte erzielen. Hingegen kannst du mit dem Plug-In The Finger jeder MIDI-Keyboard-Taste einen anderen Effekt zuweisen und diese intuitiv spielen. Während die eine Note einen Loop-Effekt steuert, kannst du etwa mit der nächsten einen Filter-Verlauf oder Stretch-Effekt auslösen.

Ganz neu im Sortiment von Native Instruments ist Molekular. Hierbei handelt es sich um eine modulare Effekteinheit mit 35 verschiedenen Effekten, die sich nach Belieben miteinander verbinden lassen und sich damit gegenseitig beeinflussen können. Ein gezieltes Ergebnis zu erreichen ist zwar nicht ganz trivial, die Möglichkeiten damit jedoch unbegrenzt. Dank der zahlreichen Presets ist Molekular trotzdem auch für weniger erfahrene User äußerst empfehlenswert. 

Mit Effektrix von Sugar Bytes kannst du verschiedene Effekte via MIDI-Tastatur abfeuern oder aber verschiedene Effekte über den integrierten Step-Sequencer abspielen.

Noch mehr Effekte

Auch Sugar Bytes hat herausragende Effekt-Spezialisten im Programm. Effectrix etwa ähnelt von der Grundidee The Finger, lässt sich aber in der Praxis sowohl im Step-Sequencer-Modus als auch via MIDI-Tastatur steuern. 14 verschiedene zeitgleich einstellbare Effekte erlauben absolute Narrenfreiheit. Die 24 Effekte des Plug-Ins Turnado lassen sich in acht Slots ablegt, um je mit einem Taster intuitiv bedient zu werden. Zusammen mit einem MIDI-Controller kannst du die Effekte ganz einfach steuern und deinen Remix nach Wunsch bereichern.

WOW2 von Sugar Bytes hingegen ist ein ausgeklügeltes Filter-Plug-In mit umfangreicher Modulations-Einheit. Was sich auf konventionellem Weg mit einzelnen Filtern und EQs zusammen mit verschiedenen Modulationen nur mühselig umsetzen lassen würde, kannst du mit WOW2 fix bewerkstelligen. Ein weiterer kreativer Effekt ist Stutter Edit 2 von iZotope. Dieses Plug-In ist ein Spezialist zum Erstellen von Stutter-Effekten, wie sie in aktuellen Dubstep-Produktionen und Remixen zu hören sind. Neben der eigentlichen Stutter-Engine bietet die Software auch Reverb-, Delay- und Filter-Einheiten sowie Lo-Fi-Effekte und vieles mehr.

Viele Remixer greifen bei der Produktion ihrer Remixe auch auf DJ-Equipment zurück. Eine empfehlenswerte Effekt-Hybrib-Lösung ist in diesem Kontext die Pioneer Remix Station RMX 1000. Hier hast du einen Hardware-Controller, den du im Live-Einsatz in dein DJ-Setup integrieren, zugleich aber dieselben Effekte als Plug-In auf deinem Rechner installieren kannst. Auch sollte Korgs Chaos-Pad nicht unerwähnt bleiben. Seit das erste Modell 1999 auf den Markt kam, ist es aus unzähligen DJ- und Remix-Sets weltweit nicht mehr wegzudenken.

Wir wollen an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese kleine Auswahl an Effekt-Spezialisten nur ein Auszug aus den aktuell erhältlichen Multieffekt-Lösungen darstellt. Vergiss dabei nicht, dass du auch mit den On-Board-Effekten deiner DAW sowie ein wenig Arrangier-Arbeit mit Audio-Schnipseln sehr interessante Effekte erzeugen kannst. In der nächsten Folge wollen wir noch grundlegende Punkte zum eigentlichen Mixdown und zum großen Mysterium Mastering erwähnen und damit diese Workshop-Serie abschließen.







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