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Workshop: Remixing – eine Kunstform unter der Lupe (Folge 3)

Der Sampler als Remix-Tool

Markus Limmer am 13.01.2014

Der Sampler als ...

Nachdem du bereits das Tempo deines Projektes gewählt und das Ausgangsmaterial auf die gewünschte Geschwindigkeit gebracht hast, ist dein musikalischer Beitrag gefragt. Neben verschiedenen realen und virtuellen Instrumenten bietet vor allem der Sampler sehr viele Einsatz- und Klangmöglichkeiten für einen Remix. Daher schenken wir diesem Kreativ-Tool in dieser Workshop-Folge besondere Aufmerksamkeit.

Um einen guten Remix zu produzieren, genügt es nicht, lediglich die eine oder andere Originalspur auszublenden und gegebenenfalls durch eine selbsteingespielte zu ersetzen. Kreativität ist vielmehr auf ganzer Linie gefragt. Ein Remix sollte zudem immer deinen musikalischen Fingerabdruck tragen. Sofern du ohnehin ein Instrument spielst oder singst, liegt es nahe, zusätzliche Spuren aufzunehmen. Entsprechendes Equipment vorausgesetzt, kannst du also dein Mikrofon- oder Line-Signal über das Interface direkt mit der Software aufnehmen. Deinen Ideenreichtum steht – bis auf etwaige Vorgaben durch ein Plattenlabel –  nichts im Wege. Ein Gitarrist spielt hier womöglich die ein oder andere Gitarrenspur dazu, der Saxophonist jammt gegebenenfalls zum vorliegenden Audiomaterial und der Sänger liefert vielleicht noch die ein oder anderen Adlips.

Sofern du kein Hardware-Instrument zur Hand hast, kannst du dank einem umfangreichen Software-Angebot deine Vorstellungen verwirklichen. Von vielen analogen Synthesizer-Legenden beispielsweise gibt es qualitativ hochwertige Emulationen. Alternativ sind eine Vielzahl akustischer und elektronischer Instrumente in Form von akribisch aufgenommenen Samplelibraries erhältlich, die sich mit einem MIDI-Controller authentisch einspielen lassen. Wer also keinen Flügel im Wohnzimmer oder eine Stradivari im Schrank hat, muss dank Sampling nicht auf diese Klangquellen in der eigenen Produktion verzichten.

Zudem ist zu erwähnen, dass eine Vielzahl von Libraries, bestehend aus Einzelsamples (One-Shots) und Loops, die begehrten Quellen für zusätzlichen Audioinput darstellen. Diese Libraries sind meist für ein bestimmtes Genre zusammengestellt, um sie in diesem musikalischen Kontext zu verwenden. Für euren Remix macht es unter Umständen Sinn, einzelne Sounds einer solchen Sample-Ansammlung zu verwenden.

Doch Samples müssen nicht zwingend aus einer „fremden“ Library stammen, um sie im Remix zu verwenden: Dein Ausgangssong bietet einen großen Fundus an Samples, an dem du dich nach Lust und Laune bedienen kannst. Natürlich lässt sich jede Schallquelle aufnehmen und als Sample an der einen oder anderen Stelle in deinem Remix verwenden. Für die Arbeit mit Audioschnipseln bietet sich jedoch in jedem Fall ein Sampler an. Dieses Kreativ-Tool ist eng mit der Remix-Kultur verbandelt und hat außerdem viele Musikrichtungen wie etwa Hip-Hop stark geprägt.

Ein sehr beliebter Drumsampler: Battery 4 von Native Instruments.

Das Tool

Sampler gibt es als Hardware, Software oder Hybrid-Ausführungen (also Software mit darauf abgestimmtem Hardware-Controller). Für die Arbeit mit Samplern gilt das Gleiche wie für alle Software-Instrumente: Mit einem MIDI-Controller oder -Keyboard ist die Arbeit wesentlich intuitiver und macht mehr Spaß. Entweder du verwendest einen anschlagdynamischen Pad-Controller oder legst dir ein MIDI-Keyboard zu, das viele Hersteller in einfacher Ausführung schon ab unter 100 Euro anbieten.

Neben chronischer Knappheit an internem Speicher war die Klangqualität der ersten Sampler-Modelle alles andere als Hi-Fi. Dennoch war der daraus resultierende Klang charakteristisch für die Sampler und prägte in dieser Zeit viele Musikproduktionen. Im Laufe der Jahre und dank fortschreitender Digitaltechnik gab es diese Limitierung allerdings bald nicht mehr. Nun ist Lo-Fi-Sound schon lange kein Synonym mehr für schlechte Klangqualität, sondern beschreibt gewissermaßen einen Retro-Kult. Diesem Trend ist es auch geschuldet, dass einige Software-Sampler mittlerweile die Möglichkeit bieten, den Klangcharakter alter Modelle zu simulieren.

Doch damit nicht genug: Beinahe jeder Sampler hat eine mehr oder weniger umfangreiche Filter- beziehungsweise EQ-Sektion an Bord, um technische und kreative Klangmanipulationen vorzunehmen. Auch Modulationseinheiten sind in aktuellen Modellen keine Seltenheit. Zudem findest du häufig noch Delay-, Reverb- und Kompressor-Module, was dieses Tool zur ausgereiften Produktionsumgebung macht.

Auch ein iPad mit entsprechender App eignet sich als Controller zum Anspielen von Samples – wie Liines Lemur LiveControl-2-Oberfläche im Drum-Rack-Modus.

Grundlagen

Da Sampler in vielen Remix-Produktionen zum Einsatz kommen, möchten wir dir anhand wichtiger Parameter die Möglichkeiten dieses Tools aufzeigen. Doch nicht alle Modelle bieten die gleichen Bedienelemente, weswegen wir hier von großen Software-Instrumenten mit einem entsprechenden Funktionsumfang ausgehen, um möglichst viele Parameter anzusprechen.

Jedem importierten Sample lässt sich in der Regel sowohl ein Notenumfang als auch ein Bereich für die Anschlagstärke (Velocity) zuweisen. Basierend auf dem MIDI-Format ist die Anschlagdynamik eines Samplers in 128 Stufen unterteilt. Die gewählten Bereiche entscheiden darüber, wann ein Sample zu hören ist und wann nicht. Bei vielen Software-Samplern wird ein importiertes Sample automatisch auf den gesamten Notenbereich gelegt. Beim Spielen unterschiedlicher Tasten ändert sich so die Abspielgeschwindigkeit und entsprechend der Pitch. Ebenso standardmäßig ist der komplette Velocity-Bereich angelegt und mit dem Lautstärkepegel gekoppelt: Leichtes Anspielen bedeutet geringe Lautstärke, fester Druck heißt hohe Lautstärke.  

An dieser Stelle sei die Spezialform „Drumsampler“ erwähnt. Wie der Name verrät, ist dieser auf das Triggern von Drums spezialisiert – du erkennst ihn an seiner Pad-Architektur. Da du Drum-Samples in der Regel nur in einer Tonhöhe spielst, sind die Pads eines Drumsamplers jeweils nur auf einen Notenwert vorkonfiguriert. Das Sample, das zum Beispiel auf dem Pad mit dem Notenwert „C1“ liegt, ertönt auch nur beim Anschlag des Pads „C1“. Bei den meisten Modellen kannst du diese Voreinstellung aber ändern und ein importiertes Sample auch auf verschiedenen Pads mit variablem Pitch abspielen. Dies kann gewünscht sein, wenn du eine Melodie oder Akkorde mit den hinterlegten Samples erzeugen willst.

Apropos Tonhöhe: Eine Veränderung der Tonhöhe (Pitch) eines importierten Samples basiert, wie bereits erwähnt, auf einer Veränderung seiner Abspielgeschwindigkeit. Die ursprüngliche Abspielgeschwindigkeit, also der Original-Pitch, lässt sich mit dem Parameter Root-Key einstellen. Liegt das Sample auf dem Notenwert „C1“ und als Root-Key ist „C1“ gewählt, hörst du das Sample originalgetreu. Wählst du bei diesem Notenwert (C1) allerdings einen Root-Key, der in der Tonleiter höher liegt, hörst du das Sample tiefer – es wird langsamer gespielt. Ein tieferer Root-Key bewirkt entsprechend das Gegenteil.

Produzenten von Sample-Libraries machen sich die Möglichkeiten der wählbaren Noten- und Velocity-Bereiche zunutze, um realistisch klingende Software-Replikate – unter anderem von Naturinstrumenten – zu erstellen. Bei einem Klavier zum Beispiel wird jede Note mit unterschiedlicher Anschlagstärke aufgenommen. Die vielen Samples werden dann im Sampler in verschiedenen Tasten- und Velocity-Bereichen so angelegt, dass sich ein authentisches Spielgefühl einstellt.

Das Mapping in Native Instruments Kontakt: Links siehst du Samples mit unterschiedlichen Tastatur- und Velocity-Bereichen, rechts die typische Sample-Anordnung für den Drum-Modus.

Weitere Parameter

Jedes importierte Sample lässt sich im Start- und Endpunkt noch verändern. Was sich relativ banal anhört, birgt in der Praxis enorme Möglichkeiten, denn ein Drumsample kann durch verschiedene Start- und Endpunkte ganz unterschiedlich klingen. Gepaart mit einer Manipulation am Pitch lässt sich ein ganzes Drumkit auf Basis eines einzigen Samples erstellen.

Eine weitere, sehr wichtige Funktion ist der Loop. Sobald du ein Sample loopst, kannst du beispielsweise aus kurzen Ausgangs-Samples einen mehr oder weniger brauchbaren Pad-Sound kreieren. Beim Ableton-Sampler zum Beispiel lässt sich außerdem einstellen, ob der Loop am Ende wieder von vorne beginnt oder immer in entgegengesetzter Richtung abgespielt wird.

Eine Lautstärke-ADSR-Hüllkurve, wie du sie wahrscheinlich von Synthesizern kennst, hilft dir darüberhinaus, den Klang des jeweiligen Samples von dem Einschwing- bis zum Ausklingvorgang zu manipulieren. Neben dem Root-Key ermöglichen es viele Modelle zusätzlich, Samples in der Tonhöhe bis in den Cent-Bereich zu verändern. Dies dient unter anderem dazu, die Tonhöhe der Produktion auch mit produktionsfremden Samples exakt abzustimmen.

Normalerweise ertönt ein Sample so lange, wie du die jeweilige Taste beziehungsweise das Pad gedrückt hältst. Einige Modelle bieten aber auch den One-Shot-Modus, bei dem das Sample, unabhängig von der Anspielzeit, komplett bis zum Ende abgespielt wird. Dies ist vor allem bei der Arbeit mit Drums sinnvoll, damit einzelne Samples durch zu kurze Trigger-Zeiten nicht abgeschnitten werden. Ist dieser Parameter an deinem Modell nicht verfügbar, kannst du dir mit dem Release-Parameter der Lautstärke-Hüllkurve behelfen, indem du hier einen möglichst langen Wert einstellst. Für das „normale“ Antriggern – also entsprechend des Tastendrucks – stellst du die Release-Zeit einfach wieder auf den kleinstmöglichen Wert, der in der Regel bei 0 ms liegt.

Der Sampler von Ableton Live 9 mit sichtbarem Sample-Editor bietet dir unter dem entsprechenden Reiter (siehe oben rechts) umfangreiche Modulationsmöglichkeiten.

Der Sampler im Remix

Doch was kannst du nun alles mit einem Sampler anstellen? Vor allem: Ausprobieren und Herumspielen. Alles, was gefällt, ist hierbei erlaubt. Sieh den Sampler als eigenständiges Instrument, mit dem du sehr kreativ arbeiten kannst. Nutze die Tatsache, dass ein Remix von den Erkennungsmerkmalen des Originalsongs lebt und füttere den Sampler mit entsprechendem Ausgangsmaterial. Hier einige Tipps:

Aus dem Drumbeat deines Originalsongs kannst du beispielsweise einzelne Drum-Bestandteile isolieren, in deinen Sampler importieren und einen neuen Groove einspielen. Hierfür schickt es sich, den Notenbereich auf eine Taste festzulegen – die typische Drumsampler-Konfiguration also. Gepaart mit einigen One-Shot-Samples aus einer gekauften Sample-Library erhältst du den Klangcharakter des Originals, kannst aber dennoch moderne Clubmusik produzieren. Dies mag sicher nicht bei jedem Ausgangssong passend sein, dennoch ist es einen Versuch wert.  

Aus einem Bass-Sample des Originals kannst du mitunter eine komplett andere Bassline einspielen.  Hierfür musst du allerdings deinen Notenbereich etwas größer als beim eben angesprochenen Drum-Modus wählen. Dies funktioniert natürlich genauso mit einem Lead-Sample oder anderen Song-Bestandteilen. Eine andere Möglichkeit wäre, einen kurzen Bereich, zum Beispiel einen Takt, zu isolieren und diesen immer wieder im Loop abzuspielen. Dies sorgt für einen hypnotischen Groove.

Vocals bieten immer einen hohen Wiedererkennungswert. Isoliere darum einzelne Vocal-Parts und probiere unterschiedliche Start- und Endpunkte der erzeugten Samples aus. Wenn du eine Gesangspassage in kürzere Samples unterteilst und in den Sampler importierst, kannst du die Vocals auch mit neuem Groove einspielen. Unter Umständen kommt es ganz gut, mit Teilen der Hook oder mit Adlips verschiedene Akkorde einzuspielen.

Auch wenn dir das Ausgangsmaterial in Form von Einzelspuren vorliegt, kann es dennoch interessant sein, kurze Stellen aus dem kompletten Mix zu isolieren. Lege die verschiedenen Samples auf je eine Taste. Ein Metronom-Klick oder Basis-Beat im Zieltempo als Grundlage und du kannst bequem ausprobieren, wie die verschiedenen Samples zueinanderpassen.

Abschließend noch ein Tipp für alle DJs und Besitzer von digitalen DJ-Hybrid-Lösungen wie Rane Serato Scratch oder Native Instruments Traktor Scratch. Diese Tools sind genau genommen nichts anderes als sehr umfangreiche Sampler. Wenn du nun einige Samples deines Original-Songs in die Software importierst, kannst du diese nach Belieben scratchen, backspinnen und vieles mehr und anschließend wieder in dein Remix-Projekt reimportieren. So kannst du auch ganz dezent deinen Namen oder den Titel des Remixes (auf Basis einer eigenen Mikrofonaufnahme) scratchen und in die Produktion einstreuen.

In der nächsten Folge beleuchten wir unter anderem ein typisches Arrangement für einen Dance-Remix. Auch einige Tipps und Kniffe für den kreativen Effekt-Einsatz, den Mixdown und letztendlich auch das Mastering hält diese Workshop-Serie noch für dich bereit.







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