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Test: Universal Audio Apollo Twin Duo

Jetzt noch kompakter und vielseitiger

Felix Haala am 05.05.2014

Jetzt noch ...

Bereits in den 1950er Jahren schrieb Universal Audio mit Tonstudio-Equipment Geschichte. Auch die jüngsten Entwicklungen des amerikanischen Herstellers sind nicht mehr wegzudenken. Der letzte große Wurf war das Apollo – ein Recording-Interface, mit dem sich Plug-Ins während der Aufnahme und mit niedriger Latenz einbinden lassen. Diese Technik gibt es jetzt auch für kleine Studios, Home-Recorder und den mobilen Einsatz: das Apollo Twin.

Seit etlichen Jahren entwickelt Universal Audio Plug-Ins, die vorrangig analoges Audio-Equipment simulieren. Zur Nutzung ist eine spezielle DSP-Karte nötig, auf der die Berechnungen stattfinden, um den Host-Rechner zu entlasten. Mit dem Recording-Interface Apollo war es dann erstmals möglich, diese Plug-Ins in „Echtzeit“ während der Aufnahme zu nutzen. Jetzt hat UA die Serie um eine kleinere Desktop-Variante erweitert: dem Apollo Twin. Wir haben für dich getestet, mit welchen Features der Neuling aufwartet und wie er sich im Alltag schlägt.

Wie viele Hersteller orientierte sich auch Universal Audio bei der Verpackung des Apollo Twin am beliebten Apple-Design: Hier wird ein hochwertiger, matter Look und eine sehr stabile Kartonage geboten. Das verwundert nicht weiter, da das Apollo Twin nur an Apple-Rechnern funktioniert. Nach dem Öffnen blicken wir auf das eigentliche Glanzstück, stabil in Schaumstoff eingebettet.

Unter dem Interface befindet sich eine Kartonscheibe mit einem Bild von Ray Charles an einer UA-610-Konsole – ein Hinweis auf eines der interessantesten Apollo-Features: Unison. Doch dazu später mehr. Darunter versteckt sich noch das Netzteil. That‘s it. Leider liegt kein Anschlusskabel für die Verbindung zum Computer bei – das sollte man beim Kauf auf jeden Fall bedenken. Das Gehäuse des Apollo Twin selbst ist extrem stabil und mit seiner matten Metalloberfläche ein wahres Designerstück.

Auf der Oberseite fallen sofort mehrere LED-Meter auf, die unter anderem als optische Kontrolle für Channel-Gain, Stereosumme und Kopfhörermix dienen. Mittig prangt ein großer drückbarer Drehgeber, den ein LED-Kranz umgibt. Der Druckpunkt und das Gefühl beim Drehen sind nicht optimal, aber durchaus akzeptabel. Darunter befinden sich die zugehörigen Buttons „Preamp“ und „Monitor“ sowie einige weitere Taster: Eingangswahl, Trittschallfilter, Phantomspeisung, Pad, Polaritätsumkehrung und Channel-Link. Das Leuchten des entsprechenden Icons darüber verrät, welche Funktion aktiv ist.

Das Apollo Twin kommt in einem ansprechenden Look und punktet in Sachen Übersichtlichkeit und Usability.

Angedockt

Bei den Anschlüssen setzt Universal Audio auf Qualität und Performance. So hat man sich entschlossen, dem Apollo Twin eine moderne und überaus schnelle Thunderbolt-Schnittstelle zu spendieren. Diese sitzt an der Rückseite des Geräts und bietet die Leistung einer in den Rechner integrierten Karte. Im direkten Umfeld finden sich auch der Power-Switch, eine arretierbare 12-Volt-Netzbuchse und ein optischer Eingang – es lässt sich also auch ein weiteres digitales Gerät koppeln.

Zwei Monitor- sowie zwei Line-Ausgänge – beide symmetrisch aufgebaut – und die beiden Inputs mit Kombibuchsen ermöglichen vielfältige Setup-Szenarien. Auf der Vorderseite gibt es noch einen Hi-Z-Gitarreneingang sowie den Kopfhörerausgang. Auffällig ist, dass alle relevanten Buchsen gesondert mit dem Gehäuse verschraubt sind. Das ist wirklich überaus vorbildlich und verspricht Langlebigkeit.

Wie zuvor erwähnt, ist im Lieferumfang kein Thunderbolt-Kabel enthalten. Als wir die nötige Datenleitung endlich hergestellt haben, starten wir. Zunächst registrieren wir uns auf der Universal-Audio-Homepage, um die notwendige Software für die Karte zu bekommen. Das sind: die virtuelle Mischpultoberfläche, die zugehörigen Plug-Ins, die Treiber mit Verwaltungssoftware und das Manual. Nach der Verkabelung und Installation wird die Software über eine Authentifizierungsdatei freigeschaltet, die ebenfalls im Benutzerkonto auf der UA-Seite bereitsteht.

Nun kann es losgehen: Ein Klick auf die Console-App im Dock – und der Software-Mixer kommt zum Vorschein. Die Oberfläche ist übersichtlich und intuitiv gestaltet, sodass die vielen Features des Interfaces schnell und einfach zugänglich sind. Das Apollo Twin arbeitet übrigens derzeit noch nicht mit UAD-PCIe-Karten und FireWire-Interfaces zusammen – aber man arbeitet daran. Die gleichzeitige Nutzung eines Apollo oder Apollo 16 und des Apollo Twin am selben Rechner wird jedoch grundsätzlich nicht unterstützt.

Auf der Rückseite finden sich alle nötigen Anschlüsse – ausnahmslos bombenfest montiert.

Auf in die DAW

Als nächstes fahren wir die DAW hoch und konfigurieren sie so, wie es Universal Audio auf der Produktwebsite vorschlägt. Dies verspricht eine optimale Performance. Mit einem E-Bass am Hi-Z-Input folgt der erste Soundcheck. Das Interface erkennt dabei das Instrument und schaltet automatisch den Eingang um. Jetzt kommt eines der Highlights und eine absolute Neuheit beim Apollo Twin zum Einsatz: die Unison-Technologie. Dabei handelt es sich um eine neuartige Vernetzung zwischen analoger und digitaler Ebene: Über Unison-fähige Plug-Ins lassen sich verschiedene Parameter wie Impedanz und Gain am Preamp vor der A/D-Wandlung anpassen. Weitere Nuancen wie die Wahl von Röhren und Übertrager werden nach der Wandlung direkt auf dem DSP gerechnet.

Das Signal der überaus cleanen Preamps wird so verändert, dass es wie durch einen UA 610 oder API 212L klingt – weitere Modelle folgen noch. Dieser Klangunterschied ist merklich hörbar und gefällt. Jetzt spielt das Apollo Twin seinen nächsten Trumpf aus: Alle Plug-Ins der UAD2-Serie können bei der Aufnahme abgehört und sogar mitaufgezeichnet werden. Somit lässt sich, wie in der Analogwelt, der Bass einfach vorkomprimieren und EQen. Sämtliche Plug-Ins kann man übrigens bis zu 14 Tage nach Erstnutzung uneingeschränkt testen.

Für Saitenschrammler und -zupfer ein absoluter Knüller: Universal Audio hat sich mit den Kollegen von Softube zusammengetan und verschiedene Gitarren- und Bassamp-Simulationen in Form von Plug-Ins erstellt. Auch von Brainworx gibt es mittlerweile drei Emulationen: Engl E765 Retro Tube, Engl E646 VS Limited Edition und Chandler Limited GAV19T. Ein extra Modeller ist somit nicht mehr nötig, um Gitarren- oder Bassspuren schnell, unkompliziert oder sogar auch unterwegs einzuspielen.

Als nächstes muss sich das Interface in einer weiteren Standard-Recordingsitution beweisen: Ein Mikrofon mit Micscreen steht im Nebenraum und wird mit dem Interface verbunden. Zudem schließen wir für den Sänger einen Kopfhörer an das Apollo Twin an. Das Interessante ist nun, dass der Sänger seinen eigenen Kopfhörer-Mix bekommt – unabhängig von dem, was der Engineer hört. Das ist eine enorme Erleichterung, wenn der Sänger ein leises Playback und viel Hall auf seiner Stimme zum Einsingen verlangt, während man als Engineer für die Beurteilung der Performance einen ganz anderen Mix benötigt. All das lässt sich ganz einfach über die Software-Konsole realisieren.

Mit diesem Interface lassen sich ganz einfach Bass- und Gitarrenspuren in hoher Qualität einspielen – die nötigen Modeling-Amps sind als Plug-In verfügbar.

Das wird ja immer schöner

Wie zuvor erwähnt, bietet die analoge Produktionsumgebung den Vorteil, das Signal vor dem Recording zu bearbeiten. So etwas in einer DAW nachzubilden ging bis auf wenige Ausnahmen stets mit großen Latenzen einher. Das irritiert den Musiker oder Sänger, da er sich immer zeitversetzt hört. Das ist beim UA Apollo Twin jedoch nicht der Fall: Die Bearbeitung des Signals findet direkt im Gerät statt und nimmt nicht den Umweg über den Rechner.

Einen LA-2A für fette Vocals direkt bei der Aufnahme? Kein Problem! Dazu noch ein Lexicon 224 für das richtige Feeling? Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Die Konfiguration lässt sich übrigens jederzeit absichern, sodass sämtliche gesetzten Parameter stets wieder abrufbar sind.  Natürlich lassen sich die Plug-Ins des Apollo Twin auch innerhalb der DAW verwenden, wo sie wiederum eine fabelhafte Figur abgeben. Kein Wunder, dass bekannte Tontechniker weltweit den Hersteller für seine realitätsnahen Hardware-Emulationen loben.

Je nachdem, welche Plug-Ins man verwendet, stößt die Karte irgendwann mehr oder weniger schnell an ihre Leistungsgrenze. Während sich zum Beispiel viele einfache EQs öffnen lassen, überfordert man die Prozessoren schon mit wenigen aufwändigen Bandmaschinensimulationen. Die externe Anbindung der Karte beeinträchtigt die Performance im Vergleich zu den Einbaukarten übrigens nicht – dank Thunderbolt lässt sich hier kein Unterschied mehr feststellen. Übrigens: das Apollo Twin wird in zwei Versionen angeboten – das Solo mit einem DSP und das von uns getestete Duo mit zwei Chips.

Unterm Strich ist das Universal Audio Apollo Twin eine geniale Lösung, um flexibel hochklassige Aufnahmen realisieren zu können. Egal ob einfache Sessions zu Hause, professionelle Stereo-Recordings „On The Road“, die Aufzeichnung von Gitarren ohne Amp, hochwertige Mixe und Masterings mit Analog-Sound oder einfach nur als Dongle, um die beliebten UAD-Plug-Ins auch unterwegs zu verwenden: die Einsatzmöglichkeiten sind unbegrenzt und die Qualität überragend. Außerdem ist das Interface mit den neuen Unison-Preamp-Simulationen der Konkurrenz einen großen Schritt voraus.

Nur die besten Originalgeräte werden von Universal Audio emuliert.

Technische Daten

Bauweise  2-Kanal-Thunderbolt-Audio-Interface mit DSP-Processing
Auflösung 24 Bit zu 192 kHz
Anschlüsse

2x Kombibuchse-In, 2x TRS-Monitor-Out, 2x TRS-Line-Out, Thunderbolt, Optical-In, Hi-Z-In, Kopfhörer-Out & Netzbuchse

Regler & Schalter

Power-Switch, Preamp-Toggle, Input-Select, Highpass, Phantompower, Pad, Phase, Channel-Link, Monitor-Toggle & drückbarer Drehgeber

Besonderheit UAD2-Karte integriert & Unison-Technologie für simulierte Preamps
Lieferumfang

Apollo Twin, Netzteil, UAD2-Plug-Ins & Preamps mit Unison Technologie


Wertung:
+ solide Verarbeitung
+ integrierte DSP-Karte für hochwertige UAD2-Plug-Ins
+ Plug-Ins lassen sich beim Recording abhören oder aufnehmen
+ dank Unison verschiedene virtuelle Preamps wählbar
+ hochklassige Vorverstärker und Wandler
- kein Thunderbolt-Kabel enthalten

Preis (UVP): 1.097 Euro

Weitere Infos unter: www.uaudio.com

Vertrieb: S.E.A.







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