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Live-Reportage Xavier Naidoo

Reduce To The Groove

Jan Hoffmann am 22.09.2014

Reduce To The Groove

Er ist das Aushängeschild des deutschen Soul und füllt die größten Hallen – oder auch das Münchner Olympiastadion: Xavier Naidoo. Wir besuchten die Show anlässlich des Münchner Sommernachtstraums, warfen einen Blick hinter die Kulissen und sprachen mit Xaviers Tontechniker Timo Hollmann. In unserer Live-Reportage erfährst du, welches Equipment bei der Show zum Einsatz kam und warum.

Im ersten Teil unserer Reportage haben wir ja von Xavier Naidoos langjährigem Tontechniker Timo Hollmann schon erfahren, wie sein beruflicher Werdegang aussah und welche Vor- und Nachteile er bei digitalem Beschallungsequipment so sieht. Diesmal legen wir den Fokus auf das Equipment der Band – und dessen Abnahme. Denn wenn etwas von gestandenen Profis wie den Musikern von Xavier Naidoo verwendet wird, dann kann man davon ausgehen, dass es höchsten Ansprüchen in Sachen Sound und Haltbarkeit gerecht wird. Aber natürlich beleuchten wir auch, wie ein typischer Arbeitstag auf Tour aussieht und warum Timo bestimmtes Equipment gerne benutzt.

People nStuff: Gehst du die Abnahme der Instrumente für jede Tour wieder neu an?
Timo Hollmann:
Ja, wir haben diesmal auch wieder die Mikros getauscht. Deswegen zeichnen wir die Proben vor der Tour auch auf und besprechen dann abends die Sachen, die noch fraglich sind. Da werden dann auch noch Mikrofone ausprobiert und geschaut, was noch so im Portfolio ist. Wir sind ja ganz eng mit Sennheiser befreundet und haben dadurch ganz viele Sennheiser-Produkte. Außer am Schlagzeug, weil der Drummer (Ralf Gustke; Anm. d. A.) ein anderes Endorsement hat.

Das Hauptmikro für die Abnahme des Gitarrenamps ist das Neumann TLM 103, dazu kommt noch ein Sennheiser MD421 für Vintage-Sounds.

Laute Gitarre ganz leise

PnS: An der Gitarrenbox verwendet ihr ein Neumann TLM 103 und ein Sennheiser MD421. Wie seid ihr auf diese Kombination gekommen?
Timo:
Das war Zufall. Ich bin ja ein Freund vom TLM 103 an Gitarrenamps. Das ist ein sehr gutes Mikrofon – eigentlich für alles. Und Xaviers Gitarrist (Alex Auer; Anm. d. A.) hat das Mikro dann bei seinen Recordings auch für sich entdeckt. Und er hat uns dann gefragt, ob wir das nicht hier für die Gitarren verwenden wollen. Und Sascha (Kohl, der Monitormischer; Anm. d. A.) und ich haben natürlich gleich gesagt „Klar, es gibt nichts Besseres“. Das Sennheiser MD421 gibt es dann noch mal für zwei, drei Songs, die etwas vintagemäßiger klingen sollen. Und dann haben wir auf dieser Tour noch was ganz Neues, und zwar eine zweite Gitarrenbox mit einem TLM 103, die nur für die Effektsounds zuständig ist. Das Signal kommt dann auf einen zweiten Kanal am Mischpult. Wir haben also auf einem Kanal die pure Gitarre, ganz direkt, und auf den zweiten Kanal kommen die ganzen Sachen wie Delay, Hall, Flanger, Chorus und was er sonst noch so abfeuert.

PnS: Ich habe gesehen, ihr arbeitet mit dem Grossmann Isolation Cabinet. Musstest du da klanglich viel anpassen? Schließlich befindet der Speaker sich da ja in einem kleinen geschlossenen Raum.
Timo:
Nee, ich war positiv überrascht. Man hat da ja immer die Befürchtung, dass es dann irgendwie dosig klingt. Aber er hat da ja irgendwelche Absorber eingebaut, die das kompensieren. Also, die klingen echt gut. Wir haben auch zwei verschiedene Speaker drin – ich weiß jetzt grad nicht welche – und damit ist das echt 'ne gute Box.

PnS: Vor allem ist erstaunlich, wie leise es von außen ist, gerade wenn man das zusätzliche Case verwendet.
Timo:
Bis auf das Schlagzeug ist auf der auf der Bühne sowieso fast nichts zu hören. Wir verwenden seit diesem Sommer wieder Sidefills für Xavier auf der Bühne, weil er gerne bisschen Druck hat und manchmal auch seine In-Ear-Hörer rausnimmt. Aber das ist alles noch im sehr humanen Bereich, alles im Rahmen, das stresst mich nicht.

Live setzt Xavier Naidoo aktuell auf Sennheisers ew2000-Funksystem in Kombination mit der e935-Kapsel.

Eine Kehle aus Gold

PnS: Wie sorgst du dafür, dass Xaviers Stimme optimal glänzen kann?
Timo:
Er liefert ja echt gut ab, das muss man sagen. Der macht da echt Druck. Wir benutzen ja eine Sennheiser ew2000-Funkstrecke mit der 935er-Kapsel für Xavier. Wir haben da vorher auch alle anderen Kapseln ausprobiert, aber die spiegelt seine Stimme am Besten wieder. Und dann gibt es noch einen SSL-Filter, um einige Frequenzen aus seiner Stimme zu dämpfen. Zudem benutze ich einen API-2500-Kompressor, der das alles noch ein bisschen runterdrückt, wenn er mal etwas zu viel Gas gibt – und das war es eigentlich schon. Und bei der Vocalgruppe gehe ich dann gerne noch mit einem Multibandkompressor ran, wo man eben direkt vor Ort noch mal schauen kann, was man noch so machen muss. Und ich schicke die Summe am Ende noch mal durch einen Midas XL42-Preamp, das gibt dem Ganzen dann noch mal so einen analogen Schmatz. Und das Stereobild ist breiter als das rein digitale. Ich weiß auch nicht warum.

PnS: Fallen dir Dynamikeinschränkungen durch das Funksystem auf?
Timo:
Das ist marginal. Und man muss ja auch sagen, dass wir hier keine Goldene Schallplatte aufnehmen, das ist ja 'ne Liveshow. Die Leute wollen Xavier sehen und singen hören. Und das sind dann so Nuancen, das wäre Meckern auf ganz hohem Niveau. Im Studio ist das noch mal was anderes. Aber die Leute hier quatschen ja auch, oder es ist 'ne Gruppe dabei, die die ganze Zeit schreit „Ich will ein Kind von dir!“. Ich glaube nicht, dass der, der daneben steht, jetzt hört, ob das ein Funk- oder ein kabelgebundenes Mikrofon ist. So kann Xavier sich frei bewegen. Wir haben ja teilweise auch Laufstege ins Publikum oder ähnliches. Da wäre ein Kabel nur hinderlich – und man gewöhnt sich ja auch daran.  

Unser Interviewpartner Timo Hollmann voll konzentriert am Pult während der Xavier-Naidoo-Show.

Touralltag

PnS: Wie sieht ein typischer Tag auf Tour bei dir aus?
Timo:
Wir fangen etwa zwei Stunden nach den Lichtleuten an, parallel mit den Backlinern, weil wir das alles in einem Trailer haben. Und dann erstmal aufbauen und das Multicore verlegen – das haben wir ja auch immer selbst dabei – und dann gehen wir zu zweit an die Anlage, ich und der Systemmann. Und während er die ganze Messarie durchzieht, bau ich schon mal mein Pult auf. Und dann wird die Location abgegangen, das ist für mich das A und O. Wo mein FoH-Platz ist, ist für mich da nicht so wichtig. Wichtig ist, dass die Leute überall stehen. Und die haben viel Geld bezahlt und wollen überall gut hören können. Wir haben auch ein Publikum, dass das danach dann auch äußert, wenn es mal nicht so gut war. Wenn es einen Platz gab, der nicht so gut beschallt war, kommt dann auch schon mal eine böse Mail.


Im dritten und letzten Teil dieses Interviews verrät euch Timo dann, warum er es gut findet, auch nach 20 Jahren im Geschäft immer noch nervös vor der Show zu sein, worauf es ankommt, wenn man als professioneller Tontechniker Erfolg haben möchte und gibt interessante Einblicke in das Leben eines Profi-Mischers. Du darfst gespannt sein.


Weitere Infos zu Timo: Harbor Inn Studio Bremen
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Weitere Infos zu Xavier Naidoo: Facebook







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