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Live-Reportage: Helene Fischer auf Stadiontour 2015

Und das Stadion singt

Jan Hoffmann am 25.07.2015

Und das Stadion ...

Man kann von Schlager-Superstar Helene Fischer halten, was man will – doch dass ihre Konzerte an Perfektion kaum zu übertreffen sind, dürfte kaum jemand bestreiten. Nun war sie auf großer Tour durch Deutschlands Stadien. Wir warfen einen Blick hinter die Kulissen und zeigen, mit welchem Equipment für makellosen Sound gesorgt wurde.


Wer ein Konzert von Helene Fischer besucht, der möchte nicht nur seine Lieblingssongs live hören, nein, der erwartet auch eine perfekt durchchoreografierte Show mit reichlich Special Effects. Und die bekommt er geboten: Konfettikanonen verteilen zehntausende gelbe Papierschmetterlinge über den Köpfen des Publikums, die Pyrotechnik feuert aus allen Rohren und riesige LED-Flächen stellen eindrucksvoll unter Beweis, welche Leucht- und Farbkraft sie entfalten können. Wer jetzt denkt, dass hier das Ende der Show beschrieben wird, der irrt! Hier geht’s um den Anfang.

Als kurz nach dem explosiven Auftakt der bunte Vorhang fällt und den Blick auf Bühne wie Band freigibt, reißt es 40.000 Zuschauer von den Stühlen, auf denen bis zum Ende der Show niemand mehr Platz nimmt. Und schon intoniert Helene Fischer den ersten Song „Das ist unser Tag“. Danach arbeitet sich die Queen des deutschen Schlagers mit ihrer Band durch eine ausführliche Setlist, die neben eigenen, für die Open-Air-Shows neu arrangierten Titeln, auch geschmackvoll interpretierte Coverversionen beinhaltet und zum Finale im Megahit „Atemlos“ gipfelt. Doch mit welchem Equipment wird diese nach außen perfekt wirkende Show umgesetzt?

Perfektionistin Helene Fischer setzt bei ihren Liveshows auf Sennheisers SKM-2000-Handsender mit Echtkondensatorkapsel MMK 965.

Keine Kompromisse beim Gesang

Mehrfach hintereinander verkaufte Helene Fischer bei ihrer Farbenspiel-Sommertournee die größten deutschen Stadien aus und begeisterte ihre Anhänger auch in Österreich und der Schweiz. Den Fans wurden atemberaubende Shows auf internationalem Niveau geboten, welche die Fischermania auf ein neues Level hoben. Keine Frage: Helene Fischer ist derzeit die erfolgreichste deutschsprachige Künstlerin – an ihre Besucherzahlen kommen aktuell selbst angloamerikanische Top-Acts im deutschsprachigen Raum nicht heran. Dieser Erfolg ist natürlich auch eine Verpflichtung – schließlich will man seine Fans nicht enttäuschen.

Dazu gehört zunächst erstklassiger Sound. Die Basis für das im akustisch schwierigen Stadionumfeld außerordentlich überzeugende Klangerlebnis bildete eine aus exzellenten Musikern zusammengestellte Band um Musical Director Christoph Papendieck. Zeitweise standen bis zu 18 Instrumentalisten und Sänger auf der Bühne, deren Zusammenspiel mehr ergab, als die Summe der Einzelleistungen. Der Bass und Teile der Keyboardsounds wurden direkt abgenommen, ebenso setzte einer der beiden Gitarristen auf den Kemper Profiling Amplifier, der direkt ins Pult geht.

An den meisten der restlichen Instrumente setzte man auf hochwertige Mikrofone aus dem Hause Sennheiser. So entdeckten wir beispielsweise an den Toms die kompakten Sennheiser e 604, die direkt an den Spannreifen befestigt wurden, wodurch keine zusätzlichen Stative nötigt waren. Die gleichen Mikrofone kamen auch am Leslie-Cabinet zum Einsatz: Zwei e 604 übertrugen das Stereobild der rotierenden Hörner, während ein weiteres e 604 in der Nähe des Tieftöners für eine kraftvolle Reproduktion der Bassanteile sorgte. Die Kombination lieferte lebendige Orgelklänge, die das Ohr angenehm umschmeichelten. Kleinmikrofonklassiker wie das KM 184 von Neumann fanden am Drumkit sowie am Percussion-Set als Overheads Verwendung.

Helene Fischer selbst singt bei ihren Live-Shows seit Jahren mit Sennheisers SKM-2000-Handsendern, die mit Echtkondensatorkapseln MMK 965 in Großmembrantechnik betrieben werden. Passend zur jeweiligen Garderobe sind Ausführungen im Gold- und Platin-Look, aber auch eine schwarze, mit glitzernden Swarovski-Steinen besetzte Variante verfügbar. Bei artistischen Einlagen wie einem spektakulären Flug über den Arena-Innenraum setzt Helene Fischer dagegen auf ein Headset. Während der Sommertournee 2015 kam eine Spezialanfertigung zum Einsatz, die auf dem Nackenbügelmikrofon SL Headmic 1 beruht und mit einer neuartigen Kapsel aus dem Hause Sennheiser betrieben wird. Der dynamische Wandler zeichnet sich durch seine besonders hohe Feedback-Festigkeit aus. Bei den Backing-Vocals konnte auf Headsets verzichtet werden. Die bewährten SKM-2000-Handsender mit MMK-965-Kapseln gaben die Stimmen nuanciert und schön dynamisch wieder.

In Sachen Funktechnik setzt Helene Fischers Crew voll auf Produkte aus dem Hause Sennheiser.

Drahtlos glücklich

Für den reibungslosen Betrieb der Wireless-Technik sorgte Svenja Dunkel. Auf die besonderen Herausforderungen der Stadiontournee hatte sich die Drahtlosspezialistin ausgiebig vorbereitet und im Vorfeld unter anderem mit der Bundesnetzagentur Kontakt aufgenommen: „Es war gut, sich über die aktuellen Entwicklungen bezüglich der Digitalen Dividende II zu informieren“, so Dunkel. „Überraschungen können unterwegs jederzeit auftreten, und es ist von Vorteil, auf dem Laufenden zu sein.“ Weiterführende Infos zum Thema kannst du unter diesem Link finden.

In den Funk-Racks standen Svenja Dunkel Sennheisers EM-2050-Doppelempfänger zur Verfügung; für Übersicht sorgte die Sennheiser WSM Software („Wireless System Manager“). Helene Fischer waren zwei Receiver zugeordnet, die bei identischer Parametereinstellung auf die gleiche Empfangsfrequenz gesetzt worden waren. Ein Empfänger war am Monitorplatz neben der Bühne untergebracht, während der andere weit entfernt am FOH-Platz seinen Dienst verrichtete. Beim Flug über das Publikum wurde je nach Empfangsstärke am FOH- ebenso wie am Monitorpult zwischen den Ausgangssignalen der beiden Empfänger umgeschaltet – jedem Receiver war auf den Pultoberflächen ein eigener Kanal zugeordnet.

Alle Musiker konnten sich während des Auftritts über In-Ear-Systeme hören. Sennheiser SR 2050 IEM Doppelsender wurden mit AC 3200 Combinern betrieben. Die Akteure empfingen die Signale über die passenden Bodypacks, an welche individuell geformte Hörer angeschlossen waren. Für Helene Fischer waren zwei modifizierte SR 2000 IEM Single-Transmitter (1x Spare-Gerät) mit integriertem Booster vorgesehen, die im GW-Band betrieben wurden und während der Show mit einer Leistung von 1 Watt sendeten.

Für eine lückenlose Funkabdeckung sorgten zahlreiche Antennen. Verwendung fanden mehrere zirkular polarisierte Wendelantennen A 5000-CP für die In-Ear-Systeme, und auch die liebevoll als „Paddel“ bezeichneten Sennheiser A 2003-UHF waren auf der Hauptbühne in größerer Zahl anzutreffen. Auf der C-Stage (siehe unten) stellten zwei passive Sennheiser Rundstrahlantennen A 1031-U die Signalübertragung sicher.

In Sachen PA kamen diverse Line-Array-Komponenten von L-Acoustics zum Einsatz.

Fetter Sound von allen Bühnen

Im Verlauf der perfekt choreografierten XXL-Stadionshows wurden drei Areale bespielt: Das Hauptaugenmerk war auf die beeindruckend große Hauptbühne (A-Stage) gerichtet, doch auch auf einem vorgelagerten Laufsteg (B-Stage) hielten sich Helene Fischer und ihre Musiker häufig auf. Die B-Stage umschloss einen speziellen Publikumsbereich, der Gästen mit limitierten VIP-Karten vorbehalten war. Eine tontechnische Herausforderung stellte ein Akustik-Set auf der C-Stage dar, welche auf dem Dach des FOH-Platzes errichtet worden war: Helene Fischer erreichte die C-Stage live singend mit einem Flug über den Innenraum des Stadions und wechselte nach der Landung fließend vom Headset zum Handsender.

Von der Sängerin wie von ihren Musikern war auf der C-Stage höchste Konzentration gefordert, da sich der Klang der In-Ear-Hörer mit den Signalen der PA mischte – die Signale der Main-PA erreichten die Protagonisten aufgrund der Entfernung mit einer erheblichen Zeitverzögerung. Das Audio-Team um FOH-Mischer Alex Spengler, Monitormann Holger Wild und Systemtechniker Udo Fleischmann ergriff geeignete Gegenmaßnahmen: So wurde beispielsweise während des Sets auf der C-Stage die Menge der auf den In-Ear-Systemen zu hörenden Signale reduziert, und auch die Pegel einzelner Signale wurden angehoben – Ziel war weniger der größtmögliche Klanggenuss, als vielmehr eine Signalbeschaffenheit, die in der besonderen Situation Vorteile für Timing und Intonation bot.

Die Wiedergabeverhältnisse innerhalb des verteilten Beschallungssystems wurden ebenfalls leicht angepasst, so dass für die Hörer nahe der C-Stage – die unverhofft „in der ersten Reihe“ waren – keine befremdliche Ortung entstand. Tontechnische Aufmerksamkeit verlangten darüber hinaus Situationen, in denen sich Helene Fischer auf zwei links und rechts auf der Hauptbühne aufgebauten Show-Treppen bewegte, wo im direkten Einflussbereich der PA eine erhöhte Feedback-Gefahr bestand. Systemtechniker Udo Fleischmann hatte für diese Momente vorab an sensiblen Frequenzen schmalbandige Filter gesetzt, die in den betreffenden Show-Parts aktiviert wurden.

Die Beschallung kam zum Großteil von der Soundhouse Veranstaltungstechnik GmbH. Die Lautsprecher stammten durchweg von L-Acoustics. Verfügbar waren unter anderem 60 K1, 52 K2 und 36 SB28, die von LA8-Endstufen angetrieben wurden. Ein ausgeklügeltes Beschallungskonzept sorgte dafür, dass alle Plätze einschließlich der weit nach oben reichenden Ränge sowie des Nahfelds gut versorgt wurden und die Gefahr von Rückkopplungen während der vor der Hauptbühne stattfindenden Show-Parts minimiert werden konnte.

Helene Fischers Gesang wurde unter anderem mit dem Avid-Plugin-Kompressor Smack! bearbeitet.

Digital = effektiv

FOH-Mischer Alex Spengler nutzte für seine fein abgestimmte Rock/Pop-Mischung ein Avid|VENUE|Profile-System in Kombination mit Pro Tools, so dass virtuelle Soundchecks die nachmittäglichen Vorbereitungsarbeiten mit der Band stark verkürzen konnten. Für das Profile-System sind zahlreiche leistungsfähige Plug-Ins erhältlich; Helene Fischers Stimme wurde unter anderem mit einem Avid Smack!-Kompressor bearbeitet. Monitormischer Holger Wild verwendete eine Soundcraft Vi6 Konsole, deren Kanalkapazität bei den Stadion-Shows vollständig ausgeschöpft wurde: 96 Inputs und 52 Aux-Wege wurden von Wild zur Freude von Künstlern und Technikkollegen virtuos gehandhabt. Und wer die begeisterten Fans beim Konzert sah, der wusste, dass der ganze Aufwand sich gelohnt hatte. Nur: Wie wollen Helene Fischer und ihre Crew das noch toppen? Man darf gespannt sein. Wahrscheinlich wird schon an den Shows für nächstes Jahr getüftelt.

Weitere Infos: Helene Fischers Website
Helene Fischer auf Facebook







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