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Kolumne – What does the Voss say?: DJ vs Musiker

Warum werden Musiker und DJs eigentlich keine Freunde?


Warum werden ...

Musik ist ja weit mehr als bloße Theorie und Technik – Emotionen stehen oft im Vordergrund. Nur so ist es zu erklären, dass sich Musiker und DJs oft feindlich gegenüberstehen. Doch gibt es dafür auch objektive Gründe?

„Jetzt isses soweit, jetzt schreibt er auch noch!“, so oder so ähnlich werden sicher einige hier denken. Ja, auch ich kann es kaum glauben und entschuldige mich schon vorab (auch im Namen meines Hamsters) für diesen Umstand. Allerdings hielt Music nStuff es für eine gute Idee, eine Kolumne von mir zu veröffentlichen. Eigentlich habe ich mich ja seit meiner Tätigkeit im Online-Video-Bereich immer gegen die schnöde Textform als Mittel der Meinungspublikation gewehrt. Damit ist nun Schluss: Ich bekomme ein Thema vorgegeben und versuche es in ein Textkorsett zu pressen. Ob ich das kann? Keine Ahnung. Aber ich sage mal: „Challenge accepted!“

Eins vorweg: In 20 Jahren Tätigkeit als mobiler Party-DJ habe ich mich mit den meisten Vertretern der Live-Mucker-Fraktion gut verstanden. Allerdings: Auch ich habe mir hin und wieder gewünscht, die Bundeswehr hätte mich damals doch eingezogen! Den Nahkampf auf der Bühne musste ich so ohne vorherige Ausbildung überstehen.  Eins sollte für den DJ klar sein: Der Musiker ist einfach eine bessere, ja gar unübertroffene Version des Homo Sapiens. Seine Präzision im Spiel, die Anmut seiner Bewegungen und die tiefgründigen Moderationen sind unerreicht. Selbst wenn ein DJ wollte, durch die Evolution ist er zu solchen Ausnahmeleistungen einfach nicht in der Lage. Thilo Sarrazin lässt grüßen.

Die Frage, die sich mir dann nur stellt: Wenn der Musiker, dieses geile Stück DNA, ein solcher Virtuose ist, warum hängen wir beide dann auf derselben abgeranzten Schützenfestbühne in Klein-Kleckersdorf rum? Für mich ist das Totnudeln von Helenes Werken im Mix mit Scooters Döp-Döp-Kopfschuss-Musik Alltag. Das ist das Problem des Musikers: Pro Jahr kommen höchstens drei Studiobookings und vielleicht noch ein paar kulturelle Engagements rein. Leider macht das aber den Kühlschrank nicht voll! Also fristet der fleischgewordene Notengott nun sein Dasein in der gut gebuchten Top-40-Truppe. An dieser Stelle müssen sich DJ und Musiker nun arrangieren, den Abend gemeinsam über die Bühne bringen. Es endet jedoch oft im Kleinkrieg.

Der DJ wird schon vor Beginn des Abends in den hintersten Bereich der Bühne verbannt, die Setlist bereits zum Warm-up ignoriert und vom DJ gepflegt minimiert. Die darauffolgende Künstleranweisung an den FOH folgt prompt und besagt, dass der „Kasper“ Minimum 30 % leiser zu sein hat. Damit auch ja keine gute Laune aufkommt, sind die Buffetfräsen der Band zusätzlich darauf bedacht, dem DJ ein möglichst karges Schlachtfeld zu hinterlassen. Aufgrund des Lautstärkendefizits kotzen die Gain-Regler des DJ-Mixers, die roten LEDs leisten Überstunden, und der schlechte Sound bringt erste Gäste an den Rand eines gepflegten Hörsturzes. Die Meinungen auf beiden Seiten sind verhärtet. Erste Mitglieder der Band diskutieren den Gegenschlag.

Keine Sorge, der will nur spielen – gerne auch gemeinsam mit Musikern. :)

Die Situation spitzt sich zu

Im zweiten Set der Band kommt es zum völligen Zerwürfnis, die Musiker scheuen sich nicht, das von DJs gefürchtete „Best of 2008 - 2015“-Hit-Medley schon vor 22:30 Uhr zu zünden. Die darin verwursteten 37 Titel hätten dem „MP3-Schubser“ eigentlich für zwei Stunden eine volle Tanzfläche beschert. Die „Kollegenschweine“ zocken es aber munter in 11 Minuten durch. Verächtliche Blicke werden ausgetauscht. Der finale Endschlag in Form einer Lautsprechersprengung misslingt. Auch wenn der DJ sich alle Mühe gibt, die Limiter sind stärker.

Was von so einem Abend bleibt, sind die bekannten Vorurteile: DJs sind Geschöpfe ohne Ahnung, aber mit Profilneurose und Musiker sind zwar keine Götter, 50% können aber dennoch übers Wasser gehen. Zurück bleibt auch die verstörte Schützengilde, die eine Schlacht erlebte, wie sie seit 1109, seit der Erstürmung der Höcklager Senke durch den Hunnenprinz „Bernward der Schlächter“ in dieser Gegend nicht mehr erlebt wurde.

Was mir aber auch in den Sinn kommt. Warum klappt die friedliche Koexistenz eigentlich bei den Hip-Hoppern und in den verschiedenen Metalgenres? Die Antwort sind Rauschmittel! Es muss also auf Dorffesten einfach mehr gekifft werden. Zumal dann auch Proklamation und die 128-BPM-Parade leichter zu ertragen wären. Bis die Bundesregierung das Hanf freigibt, sollten sich beide Seiten einfach in gegenseitigem Respekt üben, der Konkurrenzkampf hinterlässt nämlich nur hässliche Kollateralschäden.

Euer Vossi

Mehr zu Vossi gibts bei seinem GIGXX-Blog







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