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Interview: Timo Hollmann (FoH-Mischer bei Xavier Naidoo) – Teil 1

Alles im Griff

Jan Hoffmann am 20.08.2014

Alles im Griff

Sie sind die Personen, die über das Wohl und Wehe ganzer Konzerte entscheiden, aber nie im Rampenlicht stehen: die Tontechniker. Doch wie kommt man an diesen begehrten Job bei einem Top Act und wie sieht der Alltag auf Tour aus? Dazu befragten wir den FoH-Mann von Xavier Naidoo, Timo Hollmann, vor dem Konzert im Münchner Olympiastadion ausführlich.

Nicht jedermanns Traum ist es, als Musiker auf der Bühne zu stehen – denn auch hinter den Kulissen gibt es einige coole Jobs im Tour-Geschäft. Timo Hollmann beispielsweise ist schon seit einigen Jahren der FoH-Mischer unter anderem von den Söhnen Mannheims und Xavier Naidoo. Vor dessen Konzert im Münchner Olympiastadion hatten wir Gelegenheit ihn in einem ausführlichen und spannenden Interview zu befragen. Da wir dir nichts davon vorenthalten wollen, teilen wir es in mehrere Teile auf – sonst wäre es einfach zu lang. Heute erfährst du, wie Timo seine ersten Schritte ins Business gemacht hat und mit welchem Equipment er heutzutage am liebsten arbeitet und warum. Viel Spaß.

People nStuff: Du bist ja zu einer Zeit in das ganze Thema Audiotechnik eingestiegen, als die Geräte zwar eher teuer aber dafür überschaubar waren. Denkst du, das hat dir geholfen, die wirklich wichtigen Fähigkeiten zu erlernen?
Timo Hollmann:
Doch, ich denke schon. Ich hab ja selbst Musik gemacht und am Anfang mit dem 8-Spur-Tape-Recorder die eigene Band aufgenommen. Und dann bin ich so da reingerutscht. Ich bin ja ein ungelernter Tonmann sozusagen. Also bin nicht, wie das heutzutage üblich ist, gelernter Veranstaltungstechniker. Ich hatte einfach Interesse und wollte das machen. Ich denke schon, dass mein Einstieg ganz gut war. Heutzutage hat man zwar viele Möglichkeiten, aber den jungen Leuten fehlen teilweise einfache logische Sachen. Alles wird halt mit dem Computer gemacht, aber das grundlegende Wissen zu einigen Audiosignalketten fehlt dann schon.

Ich hab 1992 als Stagehand angefangen, hab bei U2 in Bremen meine ersten Kisten für Geld geschoben. Und irgendwann kam die Zeit mit den Aktivlautsprechern, wo die Endstufe direkt in der Box war – das war nur noch Strom- und XLR-Kabel rein und dann kommt was raus. Aber warum das da jetzt so rauskommt, war für viele junge Leute damals total unlogisch. Frequenzweiche – was ist das? Und wenn dann plötzlich ’ne konventionelle PA zum Einsatz kam, mit Endstufen und Frequenzweichen, dann standen die da und wussten nicht, was das ist und wie sie damit umgehen sollten. Das ist dann schon bitter. 

Wir trafen Timo vor der Show mit Xavier Naidoo im Münchner Olympiastadion

Maximal Rational

PnS: Suchst du auch heute teilweise noch dein Equipment nach diesem Old-School-Ansatz aus? Auch wenn es vielleicht etwas umständlicher zu bedienen ist?
Timo:
Am Anfang bei Xavier war das so; da hatte ich auch noch jede Menge Equipment dabei. Der Unterschied ist aber mittlerweile so marginal, dass der Aufwand, das alles mitzuschleppen, in keinem Verhältnis mehr steht. Wir sind ja heutzutage schon so nahe dran mit den Computern und den Plug-Ins. Und auch die Mikrofone werden immer besser. Dann stellt sich irgendwann die Frage, ob der Kosten- und der Organisationsaufwand im Vorfeld das noch wert sind.

Heutzutage muss ja alles immer schneller gehen und darf nichts kosten, muss aber trotzdem funktionieren. So ist die Branche heute. Die Künstler gucken ja auch – ist ja nicht so, dass das Geld da jetzt übermäßig locker sitzt. Die schauen natürlich auch, wo sie Geld sparen können. Das war auch der Grund, warum damals bei den Söhnen Mannheims und Xavier Naidoo auf Digital Equipment gewechselt wurde. Weil die Vorbereitungszeit für eine Tournee oder auch einen Einzelgig mit einem analogen Pult locker zwei Tage betrug. Also: die Racks wieder zusammenschrauben, das Pult – anhand von Fotos – wieder so einstellen, wie das mal war. Das geht heute mit einem USB-Stick: Recall drücken – und los. Oder bei einer Auslandsshow: Da bestellt man sich einfach das gleiche Pult, bringt seinen USB-Stick mit und einen Laptop und ist innerhalb von 10 Minuten spielfertig. Das ist der Vorteil. Klar, ein analoges Pult zu bedienen – und auch klanglich – ist immer noch das Schönste, was du dir vorstellen kannst.

Jetzt mit der kleineren Band bei Xavier Naidoo ändert sich auch die Arbeit für Timo

Digitale Spannung

PnS: Programmierst du dann auch Szenen für einzelne Songs oder lässt du den Sound während des kompletten Konzerts grundsätzlich gleich?
Timo: Das hängt von der Band und der Besetzung ab. Hier haben wir den Luxus, dass wir vor jeder Tour beziehungsweise Show vier bis fünf Tage proben. Dabei stellen wir alles ein, gehen das Set durch und wissen natürlich, was alles passiert. Bei der großen Band vor drei Jahren hatte ich Song für Song abgespeichert, weil da zu viel passiert ist, mit Pannings, der Kompression und so weiter. Aber jetzt mit dem Quartett war das bei den Proben nicht mehr so viel. Und damit ich nicht ganz einschlafe und nicht immer nur „Next“ drücke, hab ich mir gedacht, ich mach das On The Fly und notier mir das ganz analog auf ’nem Zettel und hab dadurch noch ein bisschen Action. Das geht halt schon ein bisschen verloren, wenn man alles nur abspeichert. Dann isses echt so „Next“ und du passt das noch minimal an, weil der Raum anders klingt. Aber das war es.

Ich hatte früher mal bei 4Lyn, da hab ich noch Monitormischer gemacht, das Erlebnis, dass wir im Ausland gespielt haben und da war das digitale Monitorpult nicht mit dabei. Und man wusste den Mix gar nicht mehr. Früher hast du analog schnell den Premix so hingedreht, wie du es im Kopf hattest und dann ging das schon los. Und dann stehst du plötzlich da und denkst dir „Ach du Scheiße, wie waren denn jetzt die Fader?“ Früher hatte man das so im Kopf, da 9 Uhr, da 12 Uhr ... Deswegen ist es auch manchmal ganz interessant, einfach mal wieder ein blankes Pult zu haben. Ich mache das auch vor jeder Tour ganz gerne, dass ich mit einem leeren Pult starte, um nicht in so einen Trott zu geraten.

Timo Hollmann mit seinem Lieblingspult, dem Avid Profile

Ganz oder gar nicht

PnS: Wechselst du dann auch von Tour zu Tour das Pult beziehungsweise mietet ihr euch das dazu? Oder hast du dein Standardpult?
Timo:
Ich hab mein Lieblingspult, weil ich mich da an die Arbeitsweise und die Oberfläche gewöhnt habe. Das ist das Avid Profile (ehemals Digidesign Venue). Das wird gemietet, für den ganzen Sommer beziehungsweise eben eine Tour. Wir sind auch noch „klassisch“ unterwegs, wir haben noch einen analogen Splitter. Sascha (Kohl, der Monitormischer; Anm. d. A.) hat ein ganz anderes Pult, ein Allen & Heath iLive, da haben er und die Band mit dem Hersteller ein Agreement. Ich bin aber sowieso ein Freund analoger Splitter, denn wenn dann doch mal jemand von Radio oder Fernsehen oder so kommt und die Signale braucht, hat man 48 XLR-Ausgänge und kann sagen: „Steck dich einfach drauf, mach was du willst.“ Und unsere Show wird davon einfach nicht beeinflusst.

PnS: Vertraust du der digitalen Technik aber mittlerweile genauso wie der analogen? Was machst du denn, wenn doch mal was schief geht? Da ist ja dann nicht ein Kanal defekt und man kann schnell umstecken.
Timo:
Tja, wenn es aus ist, ist es aus. Ich hatte das auch schon mal auf Tour mit den Söhnen Mannheims, dass morgens das Pult kaputt war und abends die Show. Da haben wir dann mit dem örtlichen analogen Pult die Show gemacht. Das war halt anders (lacht). Ich finde es schon einen Nachteil. Wie du schon sagst, konnte man früher schnell auf einen anderen Kanal umstecken und heute ist halt alles aus. Ich hatte das auch schon, dass ich mit einem nagelneuen Pult ab der Hälfte der Show einen blauen Bildschirm hatte, alles aus, es gingen nur noch die Fader, also laut/leise. Dann hab ich mir gedacht „Na gut, was machste jetzt?“ und dann die Show so durchgezogen bis zum Ende, hab es ausgeschaltet und es ging auch nicht wieder an. Ging dann gleich zurück zum Service – Festplatte kaputt.

Der Fokus des Mixes liegt natürlich auf der prägnanten Stimme von Xavier Naidoo

Klein aber fein

PnS: Wie viele Spuren hast du dann aktuell während der Show so anliegen?
Timo:
Aktuell haben wir das Ganze mit dem Quartett auf 37 Spuren aufgeblasen. Vorher waren wir ja 14 Leute auf der Bühne, mit Gebläse und zweitem Keyboarder usw. Musikalisch wird das dadurch jetzt auch etwas anders umgesetzt, eher in die Trance-Dance-Richtung. Ist natürlich auch viel aufgeräumter jetzt das Ganze, weil nicht so viel passiert.

PnS: Macht dir das jetzt mehr oder weniger Spaß?
Timo:
Am Anfang war das schon komisch. Wenn man drei Jahre lang mit der großen Band unterwegs ist, alles so soulig und mit Bläsern, echt geil. Und dann fehlt schon erst mal was, da muss man sich dran gewöhnen. Aber bei dieser Band ist es eh so, dass es zwar wieder die gleichen Songs sind, es aber jedes Jahr ein neues Gewand gibt. Es ist jetzt nicht so, dass wir noch mal genauso wie letztes Jahr spielen.

PnS: Habt ihr dann auch die Sounds an die kleinere Besetzung angepasst?
Timo:
Die Keyboardburg ist größer geworden, dadurch dass das so trancig geworden ist. Dazu spielen wir auch vier Songs von Xavers Projekt „Der Xer“, so Dubstep-Nummern. Da gibt es dann auch mehr Pads und Loops an den Drums und der Bassist spielt auch Moog und ’nen R3 (ein kompakter Synthie von Korg; Anm. d. A.) dazu, also ’nen Synthiebass. Aber das ist bei der Band eh so. Jedes Jahr gibt es ein neues Schlagzeug, neue Gitarrenverstärker, die Musiker bringen jedes Jahr neues Zeug mit.


So viel in Teil 1 dieses Interviews schon mal zum grundsätzlichen Aufbau des Setups auf der aktuellen Xavier-Naidoo-Tour. Im nächsten Teil gibts dann alle Details zum verwendeten Bandequipment und der eingesetzten Mikrofonierung – und auch, mit welchem Equipment Xavier Naidoo seine Stimme optimal auf die PA bringt.

Weitere Infos zu Timo: Harbor Inn Studio Bremen
Facebook


Weitere Infos zu Xavier Naidoo: www.xaviernaidoo.de
Facebook







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