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Interview: Tim Quinby (FoH-Mann bei Slayer)

Reign In Sound

Tony Grubnik am 09.07.2014

Reign In Sound

Slayer gelten zurecht als eine der beeindruckendsten Live-Bands überhaupt. Das liegt zum einen an ihren Songklassikern und der perfekt darauf abgestimmten Lightshow, aber auch am Sound. Und für den ist FoH-Mann Tim Quinby nun schon seit 15 Jahren verantwortlich.

Tim Quinby ist seit Jahren der hauptverantwortliche Soundingenieur bei Slayer-Konzerten, auch besser bekannt als „FoH“ (Front of House)-Mann. Also der Typ, der beim Gig alles am Mischpult regelt und sich den Unmut der Fans zuzieht, wenn der Sound mal nicht stimmt – was Tim aber denkbar selten passiert. In diesem Interview macht der Ami deutlich, dass den Mann am Pult sowieso nicht immer die Schuld für ein Klangdebakel trifft und warum er bei Terminen wie diesem beim Stadion-Gig mit Metallica in der Hamburger Imtech-Arena besonders entspannt zum Gespräch erscheinen kann.

People nStuff: Hallo Tim – stell dich doch einfach mal kurz vor. Denn selbst von den Slayer-Fans werden dich nur wenige kennen.
Tim Quinby:
Ich komme aus Ohio, mein Alter verrate ich nicht – aber glaub mir, ich bin alt genug ... Ich arbeite seit 15 Jahren als Konzert-Soundingenieur oder Live-Soundproduzent – wie auch immer man es nennen will – für Slayer und habe in der Zeit über 800 Shows mit den Jungs absolviert.

PnS: Wie bist du an diesen Job gekommen?
Tim:
Ich habe irgendwann mal angefangen bei irgendwelchen kleinen Garagenbands den Sound zu mischen, und als ich merkte, dass ich mir das als ernsthafte Beschäftigung vorstellen kann, habe ich angefangen die theoretischen Grundlagen zu studieren. Den Job bei Slayer habe ich quasi vererbt bekommen: Ich arbeitete als Assistent für ihren vorherigen Soundingenieur und als er aufhörte, führte er mich als Nachfolger ein.

PnS: Hat es lange gedauert, bis du dich in den Job eingefunden hattest?
Tim:
Nein, eigentlich nicht. Das Wichtigste ist die Lieder gut zu kennen, die man abmischen soll. Und auch wenn ich kein lupenreiner Metal-Fan bin, habe ich früher viel solche Musik gehört. Außerdem muss man wissen, wie sich die Band ihre Shows vorstellt, worauf sie hinaus will. Wenn man das schnell verinnerlicht hat und sein Handwerk beherrscht, geht so ein Einstieg relativ leicht von der Hand.

In Sachen Sound orientiert sich Hanneman-Ersatz Gary Holt offensichtlich an seinem 2013 verstorbenen Vorgänger

Vertrauensverhältnis

PnS: Vertraut die Band dir voll und ganz? Oder reden sie dir auch mal rein?
Tim:
Wie weit sie mir vertrauen, müsste man sie letztlich selbst fragen, aber ich habe bis jetzt noch keine Beschwerden gehört und sie mischen sich eigentlich auch nicht ein. Ich denke, wenn sie mir nicht vertrauen würden, würden sie mich den Job nicht seit 15 Jahren machen lassen.

PnS: Sind irgendwelche Bandmitglieder besonders pingelig oder speziell, was ihren Sound angeht?
Tim:
Nein – bei dieser Band sind die Sounds ziemlich konsequent vorgegeben – und jeder der Jungs hat eigentlich nur ein Ziel: nach Slayer zu klingen. Sie geben ihr Bestes die Songs so gut wie möglich zu spielen, und ich, das Gespielte so gut wie möglich und eben eindeutig nach Slayer klingen zu lassen.

PnS: Was bedeutete es für dich, als in jüngerer Vergangenheit mit Gary Holt (Gitarre; u.a. Exodus) und Paul Bostaph (Schlagzeug) zwei neue Mitglieder in die Band integriert werden mussten?
Tim:
Im Grunde genommen gilt zunächst das Gleiche wie bei der Frage zuvor. In erster Linie geht es mir darum, die Band so klingen zu lassen, wie Slayer klingen soll. Und letztlich müssen sich neue Bandmitglieder da eher einfügen, als dass ich mich an sie gewöhnen muss. Natürlich bringt jeder einen anderen Spielstil mit, aber auf den Live-Mix hat das eher nebensächliche Auswirkungen. Für mich zählt das Setup auf der Bühne und da spielt Gary nahezu das Gleiche wie Jeff Hannemann. Was auch sonst, der Exodus-Gitarrensound macht hier ja einfach keinen Sinn. Dazu kommt, dass ich Gary schon von Exodus kenne, weil ich die früher auch abgemischt habe, und Paul nicht zum ersten Mal bei Slayer spielt.

Tontechniker Tim Quinby hat schon über 800 Shows mit Slayer auf dem Buckel

Routine On The Road

PnS: Kannst du deinen typischen Tour-Tagesablauf beschreiben?
Tim:
Ich stehe für gewöhnlich früh auf und kümmere mich dann darum, dass alles vor Ort und an der richtigen Stelle ist, vernünftig steht und funktioniert. Wobei wir dafür natürlich auch ein tolles Team von erfahrenen Technikern haben, die von sich aus dafür sorgen, dass alles läuft. Ich selbst muss mich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut machen und mit den PA-Leuten unterhalten, damit ich im Bilde bin. Dann kommt irgendwann der Soundcheck als erster Ernstfall und später halt der Gig. Ansonsten bietet mein Job kein sonderlich breites Aufgabenspektrum, was von der Kernkompetenz abweicht. Aber es ist auch so genug zu tun.

PnS: Und was machst du, wenn du nicht mit den Jungs auf Tour bist?
Tim:
Oft mache ich dann den Sound bei anderen Konzerten – wobei meine Priorität immer bei Slayer liegt. Und wenn sie, so wie jetzt, bei den Vorbereitungen für ein neues Album sind, bin ich mittlerweile auch involviert – in erster Linie deshalb, weil ich die Lieder natürlich so früh wie möglich kennenlernen muss, damit ich sie verinnerlicht habe, wenn es damit wieder auf Tour geht.

PnS: Geht die Vorbereitungsarbeit über das Songs kennenlernen hinaus?
Tim:
Klar, ich muss vor allem schauen, wie die Jungs die Tracks live umsetzen – das ist ja doch immer eine andere Sache als bei der Aufnahme. Ich muss vor einer Tour wissen, wie ich welchen Song für die Bühne abzumischen habe. Außerdem geht es in der Tourvorbereitung auch viel um die gesamte Setlist – Welches Lied lässt man wie in welches übergehen?

PnS: Gibt es denn so etwas wie einen generellen Mix oder ist jeder Song anders abgemischt?
Tim:
Natürlich nicht von Null an, aber jeder Song ist tatsächlich etwas anders. Ich habe, auch wenn der Grundsound steht, während des Konzerts alle Hände voll zu tun.

PnS: Macht es für dich denn einen großen Unterschied, ob es ein Open Air oder ein Hallenkonzert ist?
Tim:
Die Location ist sowieso jedes Mal etwas anderes, egal ob mit oder ohne Dach. Heute sind wir in einem Stadion – und es klingt komplett anders als das offene Feld, auf dem wir gestern waren. Aber ich habe wie gesagt über 800 Shows alleine mit Slayer gemacht und dazu unzählige mit anderen Bands. So etwas kann mich nicht mehr schocken. Bei einer Tour wie heute ist der Unterschied, dass wir nicht die Hauptband sind. Das ganze Drumherum wird maßgeblich von den Metallica-Leuten gemanagt, was bedeutet, dass ich mich um nicht viel mehr als den Sound beim Slayer-Gig kümmern muss. Wenn aber alles über unsere Organisation läuft, bin ich natürlich viel mehr in der Verantwortung, dass von Anfang an für alle Beteiligten beim Sound alles rundläuft. Noch eine andere Geschichte sind die richtigen Festivals, wo alles von für mich weitgehend unbekannten Leuten organisiert wird, die ich nicht so gut einschätzen kann wie die Metallica-Crew. 

Für den fetten Sound bei Slayer sorgen unter anderem Mikros von Heil Sound

Shit Happens

PnS: Erinnerst du dich an eine Show, die so richtig gründlich in die Hose gegangen ist?
Tim:
Ja, ein einziges Mal hat wirklich nichts gepasst. Ich erinnere mich nur zu gut an diesen Tag. Es war ein Gig in Istanbul, und es hat wirklich nichts funktioniert. Und ich war nicht in der Lage, daran irgendetwas zu ändern. Es fing schon mit den Monitoren auf der Bühne an: Die Band konnte einfach nichts hören. Naja, doch – brutales Feedback, was alles nur noch schlimmer gemacht hat. Die Jungs wussten teilweise nicht, wer grade welchen Song spielt. Nach vorne raus war es dann natürlich auch nicht viel besser, das Equipment sowieso nicht. Und was sollte bei dem Chaos auf der Bühne auch schon Gutes herauskommen? Das war überhaupt nicht witzig, ein ganz übler Tag. Aber zum Glück bis jetzt der einzige in dieser Form. Kleinigkeiten gehen immer mal schief, aber das dann auszubügeln ist eben genau mein Job – ich bin der Soundingenieur.

PnS: Was ist das Anstregendste an deinem Job?
Tim:
Die permanente Reiserei. Das zehrt nicht nur an der Psyche, sondern geht tatsächlich auch auf den Körper. Man lebt monatelang mit anderen Leuten in einem Bus und fährt mit einer LKW-Karawane durch die Lande. Aber letztlich wusste ich, dass das zum Job gehört und der Job ist es mir dann auch wert. Man lernt damit umzugehen. Und wenn ich wie kürzlich mal eine Pause habe und nicht mit Slayer unterwegs bin, merke ich schnell, dass ich unzufrieden werde ...

PnS: Was macht dir denn am meisten Spaß?
Tim:
Das, warum ich überhaupt da bin: Die Live-Show abzumischen! Wenn ich das mein restliches Leben lang an sieben Tagen die Woche machen müsste, wäre ich wohl zufrieden. Wenn ich hinter dem Pult stehe, bin ich glücklich.

Das Heil Sound PR35 ist eines der wenigen Mikrofone, das mit der massiven Stimmgewalt von Slayers Frontmann Tom Araya klarkommt

Druckwandler

PnS: Lass uns noch ein bisschen über Equipment reden: Warum setzt ihr auf Heil-Sound-Mikrofone?
Tim:
Wir haben viel ausprobiert und das sind die besten für unsere Zwecke. Beim Gesangsmikrofon von Tom (Araya, Leadsänger und Bassist; Anm.d.A.) sogar die einzigen, die überhaupt gut funktionieren. Er ist einer der lautesten, wenn nicht der lauteste Mensch, den ich in meinem ganzen Leben getroffen habe! Er entwickelt mit seiner Stimme einen brutalen, unglaublichen Druck, und damit kommen tatsächlich die meisten Mikrofone nicht klar und kapitulieren – wenn sie nicht sogar kaputtgehen. Ich tausche wesentlich seltener sein Gesangsmikro aus, seit wir das Heil PR35 benutzen. Mittlerweile haben wir für Tom vier Gesangsmikrofone dabei, die wir regelmäßig rotieren lassen, damit sie ihre Ruhepausen bekommen. Bevor wir die PR35 benutzten, sind wir nicht mit weniger als zwölf ausgekommen. Die sind einfach die robustesten. Man muss sich das vorstellen: Wenn Tom aus voller Kehle schreit – und das tut er bei Slayer ziemlich oft – sind das auf die kurze Entfernung zwischen Mund und Mikro sicherlich um die 150 Dezibel! Mir klingeln die Ohren, wenn er mir vom anderen Ende des Tisches etwas zubrüllt.

PnS: Mit diesen Qualitäten sind die Heil-Mikros wahrscheinlich auch für die Instrumentenabnahme erste Wahl?
Tim:
Ja. Bei den Drums nutzen wir die PR28 und die PR48 für die großen Kessel. Gerade hier sind sie auch wegen ihrer guten Störgeräuschunterdrückung super – wir nehmen schließlich am Schlagzeug alleine 22 Spuren ab. Jedes einzelne Becken wird mit einem eigenen Mikro abgenommen, damit ich am Pult wirklich die absolute Kontrolle habe. Bassdrums und Snare haben beispielsweise auch je zwei Mikrofone für Schlag- und Resonanzfell, die ich einzeln bearbeiten kann.

PnS: Und die Gitarren nehmt ihr auch per Mirko am Amp ab? Oder benutzt ihr für irgendwas eine DI-Box oder ähnliches?
Tim:
Nein, wir nehmen ausschließlich die Boxen ab, bevorzugt mit Heil Sound PR31BW- und PR40-Mikros. Die bis jetzt genannten Qualitäten kann man hier auch gut gebrauchen. Wir stellen die Mikros direkt an die Amps, so nah wie möglich. So transportieren sie einfach einen herrlich fetten, satten Gitarrensound. 

Für massive Tom-Gewitter sorgen Heil Sound PR48, die eigentlich für die Bassdrum-Abnahme optimiert sind

Mischer aus Überzeugung

PnS: Da tragen aber auch die Amps selbst ihren Teil dazu bei ...
Tim: Deswegen setzen wir auch voll und ganz auf Marshall. Beim Monitoring setzen wir dann auf In-Ear-Funkstrecken von Audio-Technica, vorwiegend die Modelle M2 und M4.

PnS: Trifft du die Entscheidungen über solches Equipment?
Tim: Nein. Bei den Mikrofonen hab ich natürlich großen Einfluss, weil die der direkte Weg zu meinem Mischpult sind. Aber bei den Verstärkern und bei allem anderen spielen die Jungs, was sie wollen – sie sind die Musiker und wissen am besten, womit sie was erreichen können. Ich muss mit dem arbeiten, was sie mir hinstellen, das ist mein Job.

PnS: Spielst du eigentlich auch ein Instrument?
Tim: Ja, ich habe es zu Highschool-Zeiten als Gitarrist versucht. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass die meisten mich nicht wegen meiner spielerischen Fähigkeiten in ihrer Band haben wollten, sondern nur, weil mein Gitarrensound so gut war. Da wurde mir klar, dass meine Bestimmung eher auf der anderen Seite des Mischpults liegt ...

Übrigens: Ein Interview mit Slayer-Drumtech John Goss, dass wir ebenfalls beim Sonisphere in Hamburg gemacht haben, findest du hier.

Wenn ihr euch selbst in nächster Zeit von Tims Fähigkeiten und der Qualität einer Slayer-Show überzeugen wollt, habt ihr hier die Chance dazu:

01.08.: Wacken Open Air; Wacken        

02.08.: Seerock Festival, A-Graz


Weitere Infos: www.slayer.net; www.facebook.com/slayer


Und hier noch ein paar Impressionen vom Slayer-Gig aus Hamburg:







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