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Interview: Subway To Sally (Simon Michael)

Auf düsteren Pfaden

Jan Hoffmann am 04.04.2014

Auf düsteren Pfaden

Subway To Sally hat bei vielen Leuten ja den Ruf einer Mittelalterband. Dabei sieht das Septett sich selbst als Metalband mit ungewöhnlicher Instrumentierung. Und nach Hören ihres neuen Albums „Mitgift“ kann man da nur zustimmen. Die Songs drücken und schieben äußerst modern und vielseitig. Die Band hat sogar mit einem Electro-Produzenten zusammengearbeitet, um ihre Musik noch vielschichtiger zu machen. Wir sprachen mit Drummer Simon Michael.

Wahnsinn! Seit 1992 arbeiten Subway To Sally schon an ihrer Karriere, und es ging stetig bergauf (das aktuelle Album „Mitgift“ landete übrigens auf Platz 5 in den deutschen Charts). Spätestens seit der Jahrtausendwende sind sie Rockfans in ganz Deutschland ein Begriff, was auch an Hits wie „Falscher Heiland“ und „Sieben“ liegt. Dazu kommen ihre begeisternden Live-Performances. Für das neue Album „Mitgift“ wollte die Band noch einen Schritt weiter gehen und suchte sich in Johannes Schlump aka Cop Dickie einen fähigen Electro-Spezialisten, der ihren Songs noch mehr Tiefe verleihen sollte. Wie es dazu kam, wie die Zusammenarbeit verlief und wie das Ganze dann live umgesetzt wird, verriet uns STS-Drummer Simon Michael im Gespräch.

People nStuff: Bei euch steht ein neues Album in den Startlöchern, das klanglich schon anders als die Vorgänger. Wie kam es zu dieser Veränderung?
Simon Michael:
Naja. Wir haben ja ein Konzeptalbum gemacht. Wir singen über Mordfälle beziehungsweise Verbrechen. Weil es relativ harte Themen sind, sollte auch der Sound entsprechend sein. Wir wollten, dass das richtig rau klingt und wollten dem Inhalt auch gerecht werden.

PnS: Ok und wie darf man sich dann das Songwriting bei euch vorstellen? Ihr werdet ja kaum zusammen im Bandraum hocken ...
Simon:
Das haben wir auch schon gemacht in der Vergangenheit. Ich glaube bei einer Band, die seit 20 Jahren existiert, hat man alles schon mal gemacht, aber das war bei Mitgift gar nicht der Fall. Das sind alles Songs, die in unseren Vorproduktionsstudios entstanden sind.

PnS: Gibt es da dann einen Hauptsongwriter, der für den roten Faden sorgt?
Simon:
Die Musik auf Mitgift ist hauptsächlich von Ingo, unserem Gitarristen, und mir geschrieben worden. Wir treffen uns natürlich auch mal und machen nicht alles übers Internet. Man muss sich schon auch zusammensetzen und gemeinsam Musik hören und an Ideen rumspinnen.

Unser Interview-Partner Simon Michael im Stil des aktuellen Albums.

Neue Wege

PnS: Ihr habt für dieses Album noch Johannes Schlump dazu geholt, der die Electrosounds gemacht hat. Wie kam es dazu?
Simon:
Ingo kam irgendwann mit der Idee, ein paar moderne elektronische Elemente einzubinden. Dann haben wir beide begonnen, an ersten Demos zu schrauben und sind relativ schnell zu dem Schluss gekommen, dass es ziemlich kompliziert ist, wenn man da anständige Sounds haben möchte. Das selber hinzukriegen ist eigentlich kaum möglich. Ich meine diese ganzen modernen Softwaresynthesizer sind ja eigenständige Instrumente, die man quasi erlernen muss, und das haben wir relativ schnell aufgegeben. Und wir wollten, was Songstrukturen und so angeht, auch Einfluss von jemandem haben, der ganz tief in dieser Materie drin ist. Wir haben zwar sehr viel Musik aus diesem Bereich gehört, aber dank Cop Dickie sind wir Gott sei dank auch noch auf andere, frischere Ideen gekommen. Der hat uns da sehr geholfen.

PnS: Also habt ihr ihm Demos geschickt, die Grundidee erklärt, und er hatte dann freie Hand?
Simon:
Teils, teils. Bei manchen Songs haben wir gesagt: „Hier, mach was dir dazu einfällt“. Bei anderen Titeln hatten wir konkrete Ideen, wie genau es klingen soll und er hat das dann exakt umgesetzt.

PnS: Habt ihr euch instrumental auch zurückgenommen, um Platz für die Elektrosounds zu lassen, oder hat sich das natürlich ergeben?
Simon:
Nee, wir haben uns dann – wenn er Sachen an der Struktur verändert hat – darauf eingestellt, ganz klar. Und Platz ist sowieso so ein Problem in dieser Band. Es gibt grundsätzlich bei Subway-Produktionen für alles relativ wenig Platz, einfach weil das Instrumentarium schon so riesig ist und meistens die Arrangements auch noch so ausladend.

PnS: Ihr seid also eh darauf eingestellt, euch als einzelne Musiker zurückzunehmen.
Simon:
Als einzelner Musiker sowieso, aber auch Soundtechnisch muss man etwas aufpassen, dass es nicht zu überladen und voll wird.

PnS: Seit ihr mit der Zusammenarbeit so zufrieden, dass ihr euch das für die Zukunft vorstellen könnt, wieder so etwas zu machen?
Simon:
Ja, mal sehen, welche Ideen wir so für die Zukunft haben. Im Moment schweben uns so ein, zwei Sachen vor, bei denen Electro wieder eine Rolle spielen könnte.

Das Artwork von „Mitgift“ ist dem Thema des Albums angepasst.

Lang lebe die Kunst!

PnS: Eure letzten Alben waren ja alle ziemlich erfolgreich. Macht ihr euch Sorgen, wenn ihr den Sound umstellt, dass ihr eure Fans verärgern könntet?
Simon:
Nö, die sind, was das angeht, eh Leiderfahren. Das ist auch ganz ganz wichtig. Das ist das Essentiellste daran, ein Künstler zu sein: sich diese Freiheit zu bewahren, das zu machen, was man selber gut findet, und nicht das zu tun, was von einem Erwartet wird. Angst, jemanden vor den Kopf zu stoßen, hatte ich gar nicht. Weil ich es selber gut finde. Und wenn ich es gut finde, dann finden es die anderen meistens auch gut.

PnS: Ist dieses "Einfach sein Ding machen zu können" auch ein Grund, warum ihr jetzt schon das zweite Album bei eurer eigenen Plattenfirma veröffentlicht?
Simon:
Nein, nicht unbedingt. Ich habe in der Zeit, wo wir bei Labels unter Vertrag waren, nie erlebt, dass die uns irgendwie reingequatscht hätten, was die Kreativarbeit angeht. Das war nicht der Grund, das eigene Label aufzumachen. Der Grund war schlicht und ergreifend: Wir haben jetzt als Band eine gewisse Anzahl an Alben verkauft. Und in der heutigen Zeit, in der der Plattenmarkt einfach nicht mehr wachsen wird, war die Überlegung ganz klar, wie kann man schlicht und ergreifend den Gewinn optimieren. Und das funktioniert natürlich über das Label ganz gut. Es funktioniert allerdings auch nur so gut, solange du auch Platten verkaufst. Wenn einmal so ein Ding floppt, dann hängen wir halt auch alle finanziell drin. Denn es ist ja unser eigenes Geld.

PnS: Wie steht ihr zu Streaming? Lohnt sich das für euch?
Simon:
Das ist ein reines Promotiontool für Konzerte. Wenn ich mal gucke, was bei mir auf Abrechnungen ankommt vom Streaming, also das geht gar nicht. Ich hab mal letztens ausgerechnet, was unser erfolgreichster Song bei Spotify eingebracht hat – das sind so ungefähr 200 Euro.

PnS: Dann nehme ich mal an, dass Konzerte in dieser Hinsicht ein wichtiges Thema für euch sind.
Simon:
Alles ist wichtig heutzutage, weil du tatsächlich alles brauchst, um deine Rechnungen zu bezahlen. Es ist nicht mehr so, dass du alle zwei Jahre mal ne Tour spielst, dann ein Album machst und dann bist du Millionär oder kannst dir ein Haus kaufen oder ein Auto. (Lachen) Man lebt tatsächlich mittlerweile von der Hand in den Mund, und das ist krasser den je. Denn live gibt es ein ziemliches Überangebot. Weil einfach jeder Künstler auf die Straße muss. Ist ja klar, du verkaufst keine Platten mehr und dann hast du immer direkte Konkurrenz, weil 1.000 Bands zeitgleich auf Tour sind. Und auch dieser Markt ist sehr sehr hart umkämpft, und auch der läuft nicht mehr so einwandfrei, wie es zu den besten Zeiten in der Musikindustrie der Fall war.

Hier ein kurzer Eindruck vom aktuellen Subway-To-Sally-Sound:

On The Road Again

PnS: Wie bindet ihr die Electrosounds live ein? Machst du das als Schlagzeuger?
Simon:
Das müssen wir mal sehen. Die Sounds werden von einem Harddisksystem eingeflogen werden, weil um das live umzusetzen bräuchte man erstens einen Gastmusiker und zweitens weiß ich gar nicht, ob sich diese ganzen Automationen, diese ganzen Wobblebässe und so überhaupt live spielen lassen. Das wage ich mal zu bezweifeln. Die Idee war ja auch weniger alles mit Wobblebässen oder extremen Sägezahnsynthies zuzumachen, sondern die Idee war viel mehr, gewisse Songstrukturen und eine gewisse Art von Härte mit unserem Instrumentarium zu spielen. Also diese moderne Musik in unsere Sounddimension zu übertragen. Und dazu brauch ich ja live nichts einspielen. Das machen wir so. Hoffe ich (Lachen).

PnS: Wie stellt ihr eure Setlist zusammen? Wie viel vom neuen Album können die Fans von euch erwarten?
Simon:
Das ist extrem schwierig, wenn du in einer Band spielst, die zwölf Alben gemacht hat und ne Menge erfolgreicher Songs vorzuweisen hat. Mir fällt es von Jahr zu Jahr schwerer, Songs aus der Setlist rauszuschmeißen. Wir versuchen immer so viel neues Zeug wie möglich zu spielen, weil uns das am meisten Spaß macht, statt zum 1.000ten Mal "Julia und die Räuber" zu spielen. Das Konzert wird zweigeteilt sein. Es wird einen ersten Teil geben, der nur aus Mördergeschichten besteht. Es ist ja in der Vergangenheit so, dass die Band schon vor Mitgift einige Mörderballaden veröffentlicht hat. Der zweite Teil wird dann aus einem Best-Of-Programm bestehen.

PnS: Ist auch ein Unplugged-Teil geplant?
Simon:
Japp, das auch. In der Mitte. Um ein bisschen Ruhe reinzubringen. Das hat sich bei uns bewährt. 

Das aktuelle Album von Subway To Sally, „Mitgift“, dreht sich rund um Gewaltverbrechen.

Training ist alles

PnS: Schafft man es denn bei einem zweistündigen Programm, jeden Abend topfit zu sein?
Simon:
Man sollte nicht krank werden. Ich war auf der Tour im Dezember beispielsweise richtig krank, mit Fieber, und das ist dann wirklich anstrengend. Gerade für einen Schlagzeuger. Aber solange man nicht krank wird, sollte man eigentlich eine 2-Stunden-Show ganz gut spielen können. Es ist schon etwas anderes, als den ganzen Tag im Büro zu hocken. Wenn man so ein Programm mit dem ganzen Feuer auf der Bühne gespielt hat, dann ist man schon ziemlich ausgebrannt. Aber so muss das ja auch sein.

PnS: Machst du etwas spezielles, um dich auf Tour fit zu halten?
Simon:
Ich mache Kraftsport, ja. Und auch was für den Rücken. Pilates heißt das. Ich habe mich jetzt die letzten Wochen intensiv auf die Proben und die Tour vorbereitet und jetzt zehre ich davon. Ich versuche auch, mir auf Tour ab und zu ein Fitnessstudio zu suchen und was zu machen. Ist halt zeitaufwändig. Aber ich merke das ganz deutlich, wenn ich mal paar Monate kein Sport gemacht habe. Die ganze Muskulatur nimmt ab und man ist weniger geschmeidig. Es spielt sich einfach besser, wenn der Körper gut im Saft steht. Man muss selber keine mords Muskelpakete haben. Ich bin ja auch weit davon entfernt, ein Bodybuilder zu sein, ich mache das wirklich ganz gezielt nur zum Trommeln, um einfach fit zu bleiben.

PnS: Man möchte den Leuten ja auch eine gute Show bieten. Andere Sache: Das Album ist raus, ihr geht auf Tour: Gibt es dann schon Pläne für die Zeit danach, beziehungsweise wie weit im Voraus plant ihr?
Simon:
Mit den Konzertterminen planen wir relativ weit voraus, etwa zwei Jahre mittlerweile. Was da jetzt genau nach der Tour passiert, kann ich nicht sagen, weil das so eine krasse und anstrengende Zeit bis dahin war. Ich glaube, dass wir ein paar Festivals spielen werden und im Dezember stehen dann wieder die Eisheiligen Nächte mit Saltatio Mortis zusammen an. Und weiter reicht meine Planung erstmal nicht.

Hier kannst du in alle Songs von „Mitgift“ schon mal reinhören:

Album & Tour

Das neue Album „Mitgift“

Mit ihrem neuen Album Mitgift bleiben Subway To Sally ganz sie selbst – entwickeln sich aber dennoch weiter. Ihre Fans wird es freuen, denn man merkt der Band den Spaß an, den sie beim schreiben dieses doch recht düsteren Albums hatte. Eine anderes Feeling würde einem Album, dass von Mord und Totschlag handelt, aber auch schlecht zu Gesicht stehen. Abgesehen davon bietet der Longplayer reichlich fette Riffs, die vom gewohnt vielschichtigen Arrangement beziehungsweise der gewohnten Subway-To-Sally-Instrumentierung gelungen aufgelockert werden. Neu sind die Electro-Sounds, die die Band sich von Johannes Schlump aka Cop Dickie hat maßschneidern lassen. Diese sorgen für zusätzliche Farbtupfer, sind aber so dezent und elegant ins klangliche Universum des Septetts verwoben, dass sie auch keinen der bisherigen Fans verstören dürfte. Operation gelungen, Patient mehr als wohlauf.

Tourdates Subway To Sally

04.04.    Magdeburg, Altes Theater
05.04.    Leipzig, Werk 2
10.04.    Frankfurt, Neue Batschkapp
11.04.    München, Muffathalle
12.04.    A-Wien, Arena
24.04.    Berlin, Huxleys
25.04.    Hannover, Capitol
26.04.    Rostock, Moya
27.04.    Osnabrück, Halle Gartlage
29.04.    Köln, E-Werk
30.04.    Würzburg, Posthalle
02.05.    Losheim am See, Hexentanz Festival
03.05.    Erfurt, Stadtgarten

Info: www.subwaytosally.com; www.facebook.com/subwaytosally







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