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Interview: Phela

Die ersten Schritte

Jan Hoffmann am 28.04.2016

Die ersten Schritte

Wie macht man als neuer Act auf sich aufmerksam, um in der Masse der Bands, die auf dem Markt sind, herauszustechen? Noch schwerer wird es, wenn man einen eher dezenten Stil pflegt und nicht mit wilden Social-Media-Aktionen punkten kann oder will. Phela setzt einfach auf die Qualität ihrer Songs und stetige Konzerte. Wir sprachen mit der jungen Künstlerin über ihr Debütalbum „Seite 24“.

Ist das Debütalbum das schwerste für einen Künstler? Es könnte schon sein, schließlich muss man sich erst mal einen Namen machen. Noch komplizierter ist das Ganze, wenn man musikalisch einen unaufgeregten Stil pflegt und auch nicht mit Skandalen von sich Reden machen möchte. In diese Kategorie fällt auch Phela, die mit ihrem Debütalbum „Seite 24“ gerade einen der ersten Schritte in ihrer Karriere macht. Wir baten sie zum Interview, um ihre Beweggründe zum Musikmachen zu erfahren – und was sie für ihre Karriere so geplant hat.

Music nStuff: Du kommst ja aus einer eher ländlichen Gegend in Bayern, bist jetzt aber in Berlin gelandet. Wie kam es dazu? Und hast du irgendwelche Erwartungen an den Umzug gehabt?
Phela:
Das war nicht wirklich geplant. Ich habe vor zweieinhalb Jahren begonnen in Hannover Jazzgeige zu studieren, hab das dann aber nach drei Semestern abgebrochen, da mir das Hochschulsystem nicht so zugesagt hat. In Hannover hatte ich schon begonnen, ein, zwei Songs zu schreiben und wusste, dass ich die Stadt wechseln müsste, wenn ich das ernsthaft durchziehen möchte. Ich bin da dann auch immer ziemlich schnell, wenn es mir irgendwo nicht mehr gefällt. Und es war klar, wenn dann nur nach Berlin. Innerhalb einer Woche habe ich mich dann dafür entschieden, das ging ganz flott – und ich habe es bislang auch noch nicht bereut.

MnS: Hat Berlin also deine Vorstellungen voll erfüllt?
Phela:
Absolut. Gerade am Anfang fühlt man wie hier alles brodelt. Es gibt eine riesige kreative Szene und man hat das Gefühl, dass man alles darf, dass alles erlaubt ist. Viele Leute probieren Neues aus, und man wird von dieser kreativen Stimmung angesteckt. Ich bin froh, dass ich inzwischen meinen eigenen Raum gefunden habe, meinen Rückzugsort. Das ist schon wichtig, weil es draußen in Berlin oft so nervös ist. Und gerade als Songwriter braucht man schon einen Raum, um sich abkapseln zu können.

EIne Sammlung toller, emotionaler Songs: Phelas Debütalbum „Seite 24“.

Künstler = Privatperson

MnS: Deine Musik ist ja schon recht intim und zeigt deine Gefühle. Spiegelt das dich als introvertierten Menschen wider?
Phela:
Ich würde gar nicht mal sagen, dass ich so introvertiert bin. Ich habe beides in mir, ich genieße den Kontakt und gehe auch sehr offen auf Menschen zu. Dann gibt es aber auch Phasen, in denen ich total schüchtern bin und nachdenken möchte. Und dann gibt es wieder Momente, in denen ich einfach mit Freunden tanzen gehen möchte oder wegfahre, raus aus Berlin. Aber man kann schon sagen, dass ich ein sehr nachdenklicher Mensch bin. Ich schnappe beispielsweise immer wieder irgendwelche Sätze auf, die ich dann im Kopf habe, bis ich sie formen und in Songs loswerden kann.   

MnS: War für dich deshalb auch immer klar, dass du in deutscher Sprache singen willst?
Phela:
Es ist witzig, denn mein erster Song war auf Englisch. Aber nur, weil ich dachte, wenn man Songs schreibt, dann müssen die auf Englisch sein. Das lag sicher auch daran, dass ich immer Bob Dylan gehört habe und Jimi Hendrix, also ganz viel englischsprachige Musik. Aber mir war ganz schnell klar, dass ich eben ehrlich sein will, das heißt, wenn man Gefühle äußert, wenn man Geschichten erzählt, dann war für mich klar, dass ich das auf das ehrlichste Niveau bringen will. Deshalb habe ich die deutsche Sprache gewählt. Das ist halt meine Muttersprache, und in der kann ich mich am besten ausdrücken.

MnS: Also wäre es für dich keine Option, die Privatperson und die Künstlerin zu trennen? Das scheint ja bei dir schon sehr vernetzt zu sein.
Phela:
Absolut. Ich glaube das kommt daher, dass ich in einem Künstlerhaushalt aufgewachsen bin. Und man darf ja nicht vergessen, dass man sich auch künstlerisch ausleben kann, wenn man authentisch ist – man darf das ja trotzdem. Man kann eine Rolle annehmen oder ausprobieren. Aber mir war schon immer klar, dass ich als Künstler ehrlich sein will und das keine geschauspielerte Rolle ist. Ich will ich sein und auch die Geschichten erzählen, die ich wirklich erlebt habe. Ich hab es auch schon ausprobiert, über Themen zu schreiben, die mir von meinen Jungs vorgeschlagen wurden. Ich hab dann gesagt: Okay, ich nehm‘ das mal mit nach Hause. Und dann war ich daheim mit diesem Thema, und es hat überhaupt nicht geklappt, ist in eine komplett andere Richtung gekippt und hat dann doch wieder zu einer Geschichte geführt, die ich selbst erlebt hab. Und das ist auch gut so.

Hier ein kleiner Vorgeschmack auf Phelas Musik, der Song „Still“:



Der Weg zur Sängerin

MnS: Du hast ja schon erwähnt, dass du in Hannover Jazzgeige studiert hast. Aber wie sah denn deine Musikerkarriere davor aus. Wann hast du begonnen, dich für Musik zu interessieren?
Phela:
Ich versuche das mal kurz zu halten. Ich hab mit vier Jahren angefangen Geige zu spielen und hatte damals verschiedene Lehrer, unter anderem auch meinen Vater, der ja selbst Musiker ist, und hab viel mit meiner Schwester gemeinsam gespielt – sie am Klavier, ich an der Geige. Das war so eine typische klassische Ausbildung, auch mit Wettbewerben, und das hab ich durchgezogen bis ich 14 Jahre war. Dann habe ich intuitiv festgestellt – vielleicht auch wegen der Pubertät –, dass ich darauf keine Lust mehr habe. Ich habe dann alles abgebrochen und meinen eigenen Weg gesucht. Dann habe ich verschiedene Künstler, die ich schätze, angeschrieben und war dann eine gewisse Zeit bei ihnen, um von ihnen zu lernen. Da waren dann viele Sänger dabei, aber auch Instrumentalisten. Und nach und nach habe ich angefangen, eigene Texte zu schreiben, aber ich war noch überhaupt keine Sängerin. Nach dem Abi bin ich dann erst mal nach Paris gegangen, weil ich ursprünglich eigentlich Fotografin werden wollte, bin aber nach einem Jahr zurück, um Jazzgeige zu studieren. Das war immer so ein hin und her, ich wusste also nicht von Beginn an, dass ich Sängerin werden wollte. Das musste sich erst nach und nach herauskristallisieren, auch weil ich früher viel zu schüchtern war, um hätte singen zu können.

MnS: Wie hast du denn dann gemerkt, dass du auch als Sängerin gut bist?
Phela:
Ich habe während des Studiums gemerkt, dass sich in mir über die Jahre ganz viel angesammelt hatte, was ich loswerden wollte und dass ich das über das Geigespielen nicht schaffen würde. Ich hab dann ja auch gemerkt, dass das Hochschulsystem nicht so meins ist und dass ich etwas Freieres will. Ich möchte Songs schreiben, ich will kreativ sein. Also hab ich mich dann einfach hingesetzt und einen Song geschrieben. Da wusste ich noch gar nicht, dass ich singen würde. Bis dahin hatte ich sehr wenig gesungen, und wenn doch, dann in anderen Bands als Backing Vocals. Das ist ein ganz langer Prozess, und ich entdecke ja immer noch wie ich singen möchte. Das dauert wahrscheinlich ein Leben lang.

Phela lässt einfach die Welt auf sich einwirken und zaubert daraus hochemotionale Songperlen.

Songwriting nach Gefühlslage

Wie sieht das Songwriting dann typischerweise bei dir aus? Eher mit dem Klavier, auch wenn du Geigerin bist?
Phela:
Auf jeden Fall. Ich hab meine Songs immer am Klavier geschrieben. Inzwischen spiel ich auf der Bühne viel Geige, ich zupf die ja wie eine Gitarre oder streiche über die Saiten. Aber die Songs schreibe ich immer am Klavier, weil ich finde, dass es von der Stimmung her gut zu meinen Songs passt. Es gibt da gar keine klassische Herangehensweise. Ich hab immer zwei Skizzenbücher dabei, in die ich ständig etwas schreibe, wenn ich unterwegs bin. Einzelne Wörter oder Sätze. Da ist dann viel Quatsch dabei, aber hin und wieder eben auch was, was mich inspiriert. So geht es eigentlich meistens los, mit einem Satz oder einer Melodie, die ich im Kopf hab und mit der ich mich dann ans Klavier setze und bisschen rumprobiere. Aber es ist immer anders. Manchmal setze ich mich auch einfach ans Klavier und es entsteht dort etwas. Es ist immer neu, und das ist ja auch das Schöne daran, dass es nicht den einen Weg gibt. Ich glaub, sonst würde ich ganz schnell das Interesse verlieren.

MnS: Es gibt also keinen klassischen Ablauf wie „Erst die Musik, dann der Text“ oder so?
Phela:
Nee, gar nicht. Und das würde ich auch nicht wollen. Es soll immer bisschen spielerisch bleiben und einen auch selbst herausfordern. Es ist mir wichtig, dass ich nicht in Routine verfalle beim Schreiben.

Hier ein weiterer wunderschöner Song von Phela, „Wieder alleine“:

Ab auf die Bühne

MnS: Und wie ist es live? Bist du da mit Band unterwegs?
Phela:
Ja, ich habe eine Band, wir sind zu fünft. Ich habe einen Pianisten, einen Drummer, einen Bassisten und einen Cellisten, das wurden nach und nach immer mehr. Anfangs waren wir zu dritt, aber ich bin jetzt ziemlich froh, dass wir zu fünft sind, weil das Spektrum so größer wird. Wir sind live laut und dynamisch. Wir können die Power ganz herunterfahren, aber auch sehr massiv werden, das ist genau das, was ich brauche, um meine Songs zu erzählen.

MnS: Wie hast du deine Mitmusiker gefunden? Und was zeichnet sie aus?
Phela:
Zwei der Musiker waren schon lange mit mir befreundet. Und da lag es auf der Hand, dass wir zusammen Musik machen würden. Da war aber anfangs gar nicht klar, dass daraus dann die Band entsteht. Mir ist es sehr wichtig, dass innerhalb der Band kein Berufsverhältnis entsteht, sondern dass man gefühlt ‘ne kleine Familie ist. Deshalb ist es mir als Ausgangslage sehr wichtig, dass man sich gut versteht, weil ich das auf der Bühne brauche, dass man sich anschaut und anlächelt und spürt, dass es dem anderen auch Spaß macht und er voll dabei ist. Und natürlich eine bestimmte Spielweise, also dass man verschiedene Spektren anbieten kann. Und dass alle Lust haben, sich einen Song gemeinsam zu erarbeiten in einem kreativen Miteinander. Das finde ich schön.

MnS: Gibt es dann live Raum für Improvisation oder sind die Songs schon recht starr vorgegeben?
Phela:
Auf der Bühne gibt es immer Raum für Improvisation, zum Beispiel wenn ich spontan entscheide, dass ein bestimmter Teil länger sein soll als normal, dann gebe ich den Jungs ein Zeichen oder sie verstehen es sogar automatisch. Mir ist auch absolut wichtig, dass nicht alles vom Band kommt oder alles nach Klick gespielt wird, wo man dann ganz tight sein muss. Mir geht es um das Gefühl immer neu reagieren zu können, etwa auf das Publikum und auch auf meine Stimmung, wie ich gerade Lust habe, den Song zu spielen. Natürlich ist ein gewisser Ablauf schon gegeben, ganz klar, aber etwas Spielraum ist mir da schon wichtig.

Phela schafft es, ihre Gedanken in wunderschöne Musik umzusetzen.

Die nächsten Live-Termine

So emotionale Musik wie die von Phela erlebt man natürlich am besten und intensivsten live. Hier die nächsten Konzerte dieser interessanten Künstlerin:

09.07: Hamburg, Kulturflut Festival
05.08.: Böblingen, Böblinger Songtage am See
17.08.: Kassel, 17. Kulturzelt Festival
04.10.: München, Freiheiz     
05.10.: Erlangen, E-Werk     
06.10.: Leipzig, Täubchenthal

Weitere Infos: Phela im Netz
Phela auf Facebook







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