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Interview: Pentatonix

A-Cappella an die Spitze

Jan Hoffmann am 21.11.2015

A-Cappella an die ...

Was als YouTube-Phänomen mit toll gemachten Coverversionen begann, ist mittlerweile eine tolle und erfolgreiche Band. Pentatonix aus den USA haben es sich zur Aufgabe gemacht, A-Cappella-Musik (also Musik ohne Instrumente) Mainstream-kompatibel zu machen. Da ihr aktuelles Album „Pentatonix“ in ihrem Heimatland bis auf Platz 1 in den Charts schoss, kann man die Aufgabe als erledigt betrachten. Jetzt wollen sie auch Deutschland im Sturm erobern.

Ihren ersten großen Erfolg feierten Pentatonix – die A-Cappella-Band besteht aus Kirstie Maldonado (Mezzosopran), Mitchell Grassi (Countertenor), Scott Hoying (Bariton), Avriel Kaplan (Bass, Oberton) und Kevin Olusola (Beatboxing) – 2011, als sie die TV-Show „The Sing-Off“ gewannen – was ihnen 200.000 $ und einen Plattenvertrag mit Sony Music einbrachte. Wer jetzt allerdings denkt, dass damit die Arbeit getan war und sich der Erfolg quasi automatisch einstellte, der täuscht sich.

Die Band verließ sich nicht auf ihr Label sondern setzte voll und ganz auf YouTube als Plattform um die Bekanntheit zu steigern. Das Mittel dafür waren sympathisch gemachte Videos, in denen das Quintett bekannte Popsongs in ihrem ganz eigenen Arrangement präsentierte. Und der Erfolg gibt ihnen recht. Ihr „Daft Punk“-Medley hat mittlerweile über 160 Millionen Plays, diverse weitere Videos mit mehreren 10 Millionen Plays zeigen, dass das keine Eintagsfliege war.

Mittlerweile setzt die Band mehr und mehr auf eigene Kompositionen – wie auf ihrem neuen Album, auf dem von 13 Songs lediglich einer ein Coversong ist. Dem Erfolg tut das keinen Abbruch, schließlich landete das Album „Pentatonix“ in den USA auf Platz 1 in den Charts. Hierzulande reichte es immerhin noch für Platz 38 (Österreich Platz 14, Schweiz Platz 24). Doch wenn man sieht, mit welcher Zielstrebigkeit die jungen Musiker ihre Karriere vorantreiben ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch hier der große Durchbruch gelingt.    

Mit Eigenkompositionen an die Spitze der US-Charts, das gelang dem Quintett mit „Pentatonix“.

A-Cappella als Lebensgefühl

Wir trafen Kirstie, Scott, Avriel und Kevin während eines kurzen Deutschlandbesuchs zum Interview.

Music nStuff: Erinnert ihr euch noch, wann euch A-Cappella-Musik das erste Mal bewusst wurde?
Scott Hoying:
Ich hörte auf dem College das erste Mal wirklich A-Cappella-Musik. Es gab einige Bands am Campus und viele Leute redeten über Auditions. Und ich wollte einfach nur Freunde finden und was mit Musik machen.
Kirstie Maldonado: Ich hatte vor Pentatonix eigentlich nur ein bisschen im Chor gesungen.

MnS: Es gab also kein spezielles Ereignis, an dem ihr euch für A-Cappella-Musik entschieden habt?
Avriel Kaplan:
Also ich bin in der High School einem richtig tollen Chor beigetreten. Ich erinnere mich noch genau, wie wir bei einem Festival waren und diesen College-Marching-Gesang gemacht haben, das hat mich wirklich komplett umgehauen. Da dachte ich mir „Das will ich für den Rest meines Lebens machen“.
 
MnS: Aber gab es ein bestimmtes Ereignis oder ist euer Sound quasi einfach so passiert?
Scott:
Ich glaube, es hat sich ganz natürlich so ergeben, als wir bei „The Sing-Off“ (ein A-Capella-Wettbewerb, der im US-Fernsehen stattfindet, Anm. d. A.) waren. Wir haben da Popsongs gecovert, und wir wollten sie hip und anders machen – auch weil wir so eine kleine Gruppe waren. Alle anderen waren ja mindestens 16 Leute. Da mussten wir uns etwas einfallen lassen, um mithalten zu können. 

MnS: War Pentatonix als Coverband gedacht  oder gab es schon immer den Wunsch, eigene Kompositionen zu schreiben?
Kirstie:
Naja, bei der TV-Show, durch die wir zusammen kamen, mussten wir ja covern. Jede Woche mussten wir ein anderes musikalisches Genre covern, also suchten wir uns einen entsprechenden Song aus und setzten ihn auf unsere Weise um. Auf diesem Weg haben wir auch als ganz neue Band unseren eigenen Sound entwickelt. Dann haben wir mit Covers weitergemacht – und jetzt haben wir eigene Songs.

Pentatonix beim Interview mit Music nStuff

Ungeplant erfolgreich

MnS: Ist es wahr, dass ihr fünf euch erst einen Tag vor der ersten Sendung alle getroffen habt ?
Kirstie:
Ja, wir kommen ja aus verschiedenen Regionen der USA.

MnS: Wie habt ihr dann vorher geprobt?
Kirstie:
Naja, wir waren während der Zeit alle so beschäftigt, deshalb hat jeder seine Parts für sich geübt. Die einzige Möglichkeit, die wir hatten, alle gemeinsam zu proben, war einen Tag vor der ersten Show – und es hat auf magische Weise direkt perfekt zusammengepasst, das war echt verrückt. Und das weißt du vor der ersten Probe ja nie. Wird es schlecht klingen oder passt die Dynamik nicht –  aber es war wirklich toll. Und dann sind wir zur Show gegangen.

MnS: Sollte die Sendung der Beginn eurer Karriere werden oder habt ihr es einfach mal probiert?
Kirstie:
Naja, der ursprüngliche Plan war: Lasst uns einfach zusammen abhängen. Drei von uns waren ja gemeinsam zur High School gegangen, und wir dachten, wir würden uns dann aus den Augen verlieren. Aber je länger wir in der Show waren, desto mehr wurde uns bewusst, dass wir da etwas ganz Besonderes geschaffen hatten. Wir hatten das Gefühl, dass das wirklich zu etwas führen könnte und wir begannen, an uns zu glauben und dass wir im Anschluss eine Profikarriere starten könnten.

MnS: Was war das dann für ein Gefühl, als ihr das Finale gewonnen hattet?
Scott:
Wenn du dir die Sendung anschaust, wirst du an unseren Gesichtern sehen, wie nervös wir waren.  Das war definitiv einer der Momente, an denen sich dein Leben ändert.  

MnS: Habt ihr euch danach zusammengesetzt und erst mal Pläne gemacht?
Avriel:
Ja, wir sind danach alle nach Los Angeles gezogen und haben uns gesagt „Lassen wir es darauf ankommen“. Wir waren sehr naiv und optimistisch, aber auf eine gute Art. Wir haben einfach an uns geglaubt und haben unser Ding gemacht.

MnS: Wie kamt ihr auf die Idee, vor allem YouTube als Kanal für eure Musik zu nutzen?
Avriel:
Wir konnten uns einfach keinen besseren Weg vorstellen, wie wir im Kontakt mit unseren Zuhörern bleiben könnten. Wir wollten, dass sie uns sehen können und sich so besser an uns und das, was wir tun, erinnern.  



Vom Coveract ...

MnS: Lest ihr euch auch die Kommentare unter euren Videos durch? Oder ziehen euch negative Posts nur unnötig runter?
Avriel:
Zu Beginn habe ich mich wirklich über einige Kommentare geärgert, aber die Zeiten sind vorbei. Wir haben bemerkt, dass, wenn wir negative Kommentare bekommen, das Video viral funktioniert. So gesehen ist es fast schon etwas Positives.

MnS: Ihr habt ja mit Covers angefangen. Was ist für euch ein guter Ausgangssong?
Avriel:
Wir wählen im Normalfall sehr populäre Songs aus, die wir quasi von Innen nach Außen drehen und komplett umkrempeln können. Das ist sehr reizvoll für uns. Ansonsten wählen wir einfach Songs aus, die für uns gut funktionieren.

MnS: Wie geht ihr die Arrangements an? Versucht ihr die Instrumente nachzubilden?
Scott:
Wir versuchen nicht wirklich die Instrumente nachzusingen, aber wenn es einen Instrumentalpart gibt, der ein essentieller Teil des Songs ist, dann arbeiten wir den natürlich ein. Aber im Normalfall starten wir einfach mit dem Beatboxing, Avi macht die Akkordfolgen und dazu gibt es zwei Back­ground- und eine Solostimme. Wenn man es also in Einzelteile herunterbricht, sind die Songs leichter zu arrangieren als man vielleicht denken würde.

Pentatonix haben mit „That's Christmas to Me“ ein richtig fettes Weihnachtsalbum am Start

... zu überzeugenden Komponisten

MnS: Was hat euch dazu bewegt, auf dem neuen Album fast nur noch eigene Kompositionen zu performen? Musstet ihr dafür erst genug Selbstvertrauen sammeln und üben?
Kevin Olusola:
Absolut. Wir haben uns erst mal über eine ganze Weile eine Fanbase aufgebaut und unseren eigenen Sound gefunden. Und irgendwann sind wir einfach an den Punkt gekommen, wo es an der Zeit war, eigene Songs zu schreiben. Und wir fühlten uns darauf gut vorbereitet. Es begann ein toller, experimenteller Prozess, und wir sind sehr dankbar dafür, welcher Sound am Ende dabei herausgekommen ist.

MnS: War es schwer für euch, einen Song von Null an zu kreieren?
Kevin:
Ehrlich gesagt war es nicht so schlimm wie wir gedacht hatten. Wir schrieben die Songs einfach so, als gäbe es Gitarren und all die verschiedenen Instrumente. Und von dieser Basis aus haben wir den Song dann so arrangiert, wie wir es auch bei Covers machen. Wir wollten einfach gute Popmusik schaffen, wie man sie im Radio hören kann.

MnS: Denkt ihr euch nie „Schade, mit einem Klavier oder Streichern würde das toll klingen“?
Scott:
Ja, das kommt schon vor. Unser Produzent hat einen unserer Songs im Studio mal auf dem Klavier gespielt. Er meinte, er wolle den Song einfach mal auch so hören.

MnS: Wäre es auch vorstellbar für euch, Songs für andere Bands zu schreiben?
Scott:
Ich habe ehrlich gesagt erst vor kurzem darüber nachgedacht. Wir haben so viele Songs geschrieben und benutzen nur einige davon. Da denkt man sich dann schon „Oh, das wäre so ein toller Song für Rihanna“. Das wäre schon toll.

MnS: Wie habt ihr euch gefühlt, als klar war, dass euer Album in den USA auf Platz 1 kommt?
Scott:
Das war eine der aufregendsten Sachen, die ich jemals erlebt habe.
Avriel: Wir haben sehr hart dafür gearbeitet und wollten es unbedingt schaffen. Ich bin einfach nur auf und ab gesprungen, so aufgeregt war ich, wie ein kleines Kind.
Scott: In der Woche der Veröffentlichung haben wir jeden Tag, jede Stunde das Album promoted und uns neue Sachen ausgedacht, was wir noch machen könnten. Wir haben getwittert, Radiosender angerufen, und haben mit jedem gesprochen, der uns gelassen hat.  Und es hat sich gelohnt, denn wir waren nur 71 Albumverkäufe vor Platz 2. Es kam also wirklich auf alles an, was wir gemacht haben.

Das neue Album „Pentatonix“

Es war sicher ein mutiger Schritt, sich mit dem neuen Album quasi komplett vom bisher erfolgreichen Coversong-Konzept zu verabschieden – doch er ist hervorragend gelungen. Schon nach kürzester Zeit vergisst man fast, dass man ein A-Cappella-Album hört und erfreut sich einfach an toll komponierten und erstklassig performten Popsongs. Gerade Fans glasklarer Vocals kommen hier voll auf ihre Kosten. Da bekommt man direkt Lust darauf, sich die Band auch live reinzuziehen – auch wenn man hierzulande wohl noch etwas auf diese Gelegenheit warten muss.

Weitere Infos: Pentatonix-Website
Pentatonix bei Facebook







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