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Interview: Panzerballett-Bandleader Jan Zehrfeld

Jazz goes Krass!

Jan Hoffmann am 27.09.2013

Jazz goes Krass!

Welche Band kann schon von sich behaupten, einen ganz eigenständigen, unverwechselbaren Sound zu haben? Nicht viele, doch Panzerballett aus München zweifelsohne. Sie kombinieren das Heftigste, was Jazz und Metal zu bieten haben mit exzellenten musikalischen Fähigkeiten und einer durchaus poppigen Note. Wir trafen Bandleader Jan Zehrfeld zum Interview.

Schwierige Aufgabe: Wie beschreibt man jemandem, der noch nie Panzerballett gehört hat, wie diese einzigartige Band klingt? Wirklich heikel, denn so auf dem Papier klingt eine Kombination aus heftigstem Metal mit abgefahrenem Jazz und verschiedensten Rhythmen so gar nicht genießbar. Doch das Quintett um Gitarrist und Bandleader Jan Zehrfeld schafft es ganz elegant, diese so gegensätzlichen musikalischen Pole zu etwas komplett Eigenständigem zu verknüpfen.


Die ersten begeisterten Reaktionen erntete die Band mit Cover-Songs, denen sie ihren ganz eigenen Stempel aufdrückten – und bei denen dadurch teilweise das Original kaum noch zu erkennen war. Jan Zehrfeld „verkrasst“ bis heute gerne bekannte Titel auf seine ganz eigene Art und Weise, komponiert aber zunehmend eigene Stücke. Und die können durchaus mit den bearbeiteten Songs von Bands wie AC/DC, Abba oder Klassikern wie Some Skunk Funk oder Take Five mithalten.

Ein weiteres großes Plus von Panzerballett ist die aktuelle Besetzung. Hier hat Jan Zehrfeld mit Joe Doblhofer (Guitar), Alexander von Hagke (Sax), Heiko Jung (Bass) und Sebastian Lanser (Drums) absolute Ausnahmemusiker um sich geschart, die die Songs auch live scheinbar mühelos performen können und sich trotz ihrer herausragenden Fähigkeiten voll und ganz in den Dienst der Band stellen. Dementsprechend kann man die makellosen Live-Performances dieses Quintetts fast nicht hoch genug einschätzen.

Wir besuchten die Band bei einem Konzert im Theatron, einem schönen Amphiteater im Münchner Olympiapark, bei dem die Band gleich noch Material für eine demnächst erscheinende DVD mitschnitt. Erwartungsgemäß spielte das Quintett vor dieser Kulisse ganz famos auf und zog die mehreren Tausend Besucher in ihren Bann. Ein paar Tage später trafen wir Jan Zehrfeld zu einem ausführlichen Interview. Hier kommt nun Teil 1 für dich.

Panzerballett-Gründer Jan Zehrfeld voll konzentriert auf der Bühne

Jazz oder Metal? Beides!

People nStuff: Die Frage hörst du sicher nicht zum ersten Mal: Was war zuerst da? Der Jazz oder der Metal?
Jan Zehrfeld: Es war über weite Strecken eigentlich beides da. Man könnte sagen, dass es harter Rock und Metal waren, die mich überhaupt erst zur Gitarre gebracht haben, aber der Jazz kam relativ schnell dazu. Ich hab mit 16 Jahren angefangen, Gitarre zu speilen, und dann kam nach etwa einem Jahr der Jazz durch die Big Band der Schule dazu, die ein entsprechendes Repertoire spielten. Es hat mir einfach Spaß gemacht, bei deren Konzerten zuzuhören, und es war einfach eine Grundsympathie da.

Irgendwann kam Joe Viera, ein Saxofonist und Jazz-Dozent hier aus Schwabing, der jedes Jahr Jazzkurse in Burghausen gibt. Er hielt bei uns an der Schule einen Vortrag über Jazz und machte dabei auch Werbung für seine Kurze. Gleichzeitig habe ich auch damit begonnen, in einer Hobby-Jazzband zu spielen und merkte gleich, dass das eine ganz andere Art des Musizierens ist, als im Rock oder Metal.  

Ich hab einen Workshop in Burghausen mitgemacht und sofort Blut geleckt. Das hat mir direkt mental etwas gegeben, gerade von der Überlegtheit, die dahinter steckt. Wie man Klänge aus der Jazzwelt erzeugt, die Harmoniezusammenhänge – das fand ich immer cool, das hat mich interessiert. Ich hab aber immer auch die Brachialität des Metal in der Musik gebraucht, die wollte ich auch haben. Ich kannte aber nichts, das beides gleichzeitig vereinte.

Als ich mich dann ernsthaft mit Musik auseinander setzte, gab es eigentlich nur zwei Studiengänge – Jazz und Klassik. Und dann dachte ich, naja, Jazz gefällt mir und das kenn ich eh schon ein bisschen und hab dann Jazz studiert. Es gibt aber auch so die reine Lehre des Jazz, die ich mitbekommen habe, die Rock – vielleicht auch ganz bewusst – gar nicht akzeptiert. Die sagen dann, das Rock viel primitiver ist, was aber gar nicht stimmen muss. Es ist einfach nur eine komplett andere Klangästhetik. Im Metal steckt unter allen Popmusik-Spielarten am meisten Virtuosität, die ein Spielniveau wie in der Klassik erfordert. Die handwerklich fittesten Musiker außer Klassikern sind für mich Metaller. Und diese virtuose Welt des Metal hat mich immer fasziniert.

Live sind die Musiker von Panzerballett ein beeindruckend eingespieltes Team.

Ein Hoch auf innovative Bands

People nStuff: Wer waren denn deine früheren Metal-Lieblingsbands? Du hast ja auch eine Arbeit über Meshuggah verfasst, oder?
Jan: Am Anfang waren das Bands wie Dream Theater und Prog Metal. Meshuggah  war für mich dann ein Haupteinfluss. Was die gemacht haben, was vor denen niemand gemacht hat und was sie auch konsequent machen, ist, indische Rhythmen mit Heavy-Sounds zu vermengen. Das ist das Besondere. Zusätzlich haben sie ihren Stil ständig weiterentwickelt. Das ist bei den meisten Bands anders. Die kopieren erst was, was schon geil ist, und bleiben dann meist dabei. Oder sie warten ab, was originelle Bands wie Meshuggah weiterentwickeln und kopieren das.

Meshuggah sind einfach die Könige eines ganzen Genres (gerne Djent genannt; Anm. d. A.). Ich höre sonst eigentlich ganz wenig Metal, aber das begeistert mich immer noch. Planet X fand ich auch geil, die haben so Metal-Fusion-artigen Sound gemacht, mit tiefen Gitarren, aber auch sehr virtuos und überlegt. Das hat mich sehr gepackt. Und eine coole Band, die eher aus dem Jazz kam und sich Richtung Metal bewegte, waren Tribal Tech. Auch die Brecker Brothers waren ein wichtiger Einfluss – und die Screaming Headless Torsos.

Aber dennoch gab es einfach keine Band, die das, was ich aus der jeweiligen Musikrichtung am geilsten fand oder was für mich am meisten Sinn ergeben hätte. Also musste ich mir das eben selbst bauen. Die Metaller haben einerseits immer gesagt: „Das Jazz-Gefuddel, das langweilt“, und die Jazzer sagen im Gegenzug: „Ach, diese Metal-Proleten“, und ich wollte beiden Seiten das Gegenteil beweisen und versuche immer noch zu beweisen, dass es funktioniert. Ich finde jedenfalls schon.

People nStuff: Die Massen kann man mit dem Panzerballett-Sound allerdings kaum begeistern, oder?
Jan: Das schon. Aber das schöne ist, dass sowohl Kritiker wie auch Gönner sich einig sind, dass es etwas Neuartiges ist, was wir mit Panzerballett machen, und wir auf sehr hohem Niveau musizieren. Und das ist für mich schon ein großes Lob und eine Bestätigung. Auch wenn es den Leuten nicht gefällt, bestätigen sie zumindest, dass wir da etwas sehr Gutes machen.

Sebastian Lanser schafft es, auch vertrackteste Takte noch groovig zu spielen.

Erste Schritte Richtung Erfolg

People nStuff: Hast du dir von Anfang an nie Gedanken über Erfolg gemacht?
Jan: Ich hab mir nie über eine Art von kommerziellen Erfolg Gedanken gemacht. Das wäre vielleicht auch wichtig gewesen und ich war etwas naiv, aber ich dachte mir, ich mach jetzt einfach nur, was ich geil finde. Klar, irgendwann stellt sich die Frage, wovon man leben soll, wenn keiner einem zuhört. Und mit so einem ersten Erfolg ergeben sich dann auch andere Ideen. Man denkt dann schon drüber nach, kommerzielle Aspekte einzubringen. Was wir ja auch gemacht haben.

Das Songscovern beispielsweise war eine rein kommerzielle Überlegung, die ich dann aber gut fand, weil ich die Songs ja so arrangiere, wie ich das möchte. Ich verende eben nur keine eigenen Ideen, sondern hole mit Input von anderer Seite. Es war nicht meine Idee, sondern die von Siggi Loch (deutscher Musikmanager, Produzent und Gründer des Jazzlabels ACT; Anm. d. A.), der uns erst nicht signen wollte, dass dann aber später gemacht hat, als wir Coversongs am Start hatten. Und das funktioniert bis heute gut.

Ich möchte das jetzt auch nicht zu stark forcieren. Wir haben das eigentlich immer im Verhältnis 50:50 zu den Originalsongs gehalten. In Zukunft möchte ich das wieder etwas reduzieren und mehr eigene Sachen machen, aber trotzdem ist die Idee gut. Insbesondere bei Konzerten macht man es Leuten, die uns vorher noch nie gehört haben, durch den Wiedererkennungseffekt viel leichter. Am meisten Klicks auf YouTube hat beispielsweise unsere Version des „The Simpsons“-Themas, das hat sich musikalisch einfach total angeboten.

Es gibt ja verschiedene Kriterien, nach denen wir die Coversongs ausgewählt haben. Aber die „The Simpsons“ war es eben ganz offensichtlich. Erstens kennt es quasi jeder, es ist von vorne herein schon virtuos, es hat sich einfach angeboten. Und es trägt seine Früchte.

Reichlich Saiten für massiven Druck – und das funktioniert bestens.

Musikersuche extrem

People nStuff: War es denn kompliziert, die passenden Musiker zu finden, die sowohl Jazz wie auch Metal mögen und beides virtuos spielen können?
Jan: Das war schon nicht so leicht. Ich habe das Gefühl, dass München schon ein Fleckchen ist, wo nicht ganz so viele Freaks rumlaufen, wie vielleicht in Berlin oder im Norden. Deswegen war es schon großes Glück, etwa einen Saxofonisten zu finden, der mit dieser Lautstärke umgehen kann. Normalerweise steigen die einem alle sofort aufs Dach. Das Können hätten vielleicht schon viele, aber die nötige Offenheit gegenüber dem Heavy-Sound und der Lautstärke, das ist schon selten. Zusätzlich ist Alexander (von Hagke; Anm. d. A.) auch ein fantastischer Saxofonist.

Das mit dem Schlagzeuger war auch so eine Sache. Sebastian (Lanser, der aktuelle Panzerballett-Drummer; Anm. d. A.) kommt aus Salzburg, was die Logistik natürlich etwas erschwert. Ich kenne natürlich schon viele gute Schlagzeuger, aber diejenigen, die diese ganz spezielle Spielästhetik haben, die zu meinen sehr mathematischen und detailversessenen Kompositionen passt, sind schon rar. Bei uns basiert viel auf Polyrhytmen, also gegeneinander laufenden Takten, und das Schlagzeug hat da die Aufgabe, alles zusammenzuhalten. Alle anderen Musiker spielen jeweils nur ein Timing, aber der Drummer muss eben beide abdecken.

Das ist natürlich auch eine Spielwiese für ihn, aber es ist andererseits auch sehr komplex und wahnsinnig anspruchsvoll. Und in dieser speziellen Richtung, da muss man schon ein besonderes Faible dafür haben. Ich kenne jetzt niemanden in München, der das so hat. Deswegen habe ich mich auch weiter weg umgeschaut. Und je weiter man den Radius zieht, desto wahrscheinlicher wird es, dass man doch jemanden findet.

Unseren Bassisten Heiko (Jung; Anm. d. A.) hatte ich zufällig kennengelernt. Da war ich mit einem Bekannten bei seiner Abschlussprüfung am Konservatorium, und Heiko war direkt danach. Ich bin dann noch dageblieben und hab mir das angehört. Und ich fand es so gut und war sowieso gerade auf Bassistensuche, und hatte das Glück, dass er nicht so viele andere Projekte am laufen hatte, dass das geklappt hat. Und Joe (Doblhofer, der andere Panzerballett-Gitarrist; Anm. d. A) kannte Sebastian schon, und so sind wir auf ihn gestoßen. Und die Besetzung ist schon sehr nah an dem, was ich mir ursprünglich bei der Band gedacht habe.

Das Konzert zu den Panzerballett-DVD-Aufnahmen fand im Münchner Olympiapark statt.

Jazz ist was für Könner

People nStuff: Du komponierst die Stücke sehr fein durch. Ist es dir wichtig, dass die Leute auch einen musiktheoretischen Background haben oder reicht es, wenn sie einfach die Noten nachspielen?
Jan: Naja, das eine ist mit dem anderen direkt verbunden. Wenn die Musiker einfach nur das Handwerk des Notenlesens könnten, wäre das schon ein sehr klassischer Ansatz. Aber bei uns gibt es ja nicht nur die komponierten Teile, sondern auch Improvisationen. Es ist also schon wichtig, dass man sowohl Kompositionen korrekt spielen als auch improvisieren kann. Und dazu ist es nötig, dass man sich jahrelang mit Jazz auseinander gesetzt hat.

Wir haben das alle studiert und das ist schon wichtig fürs gemeinsame musizieren. Man muss schon wissen, was alles in der Musik drinsteckt. Es ist also wichtig, dass alle Noten lesen können, aber auch, dass alle Jazz studiert haben, wenn man dann improvisiert. Man muss sich mit Harmonielehre und der Struktur dieser Musik auseinander gesetzt haben. Das ist wahnsinnig wichtig. Ich kann da jetzt nicht irgendwen reinsetzen, der wahnsinnig fit an seinem Instrument ist, aber gar nicht weiß, was er da macht. Die Zeit ihm das alles beizubringen, hätte ich gar nicht.

People nStuff: Wie frei sind denn die anderen Musiker in ihren Parts?
Jan: Im Improvisationsteil gibt es schon Spielräume für das, was die Leute tun – da kann jeder selbst dran basteln. Bei den komponierten Teilen geht es wirklich um die Tinte, da kann man noch ein bisschen improvisieren. Bein Schlagzeug etwa programmiere ich das schon grob vor. Aber Sebastian hat da mittlerweile seine eigenen Wege, wie er spielt, und macht Kombinationen, die ich so gar nicht kenne. Ich teile ihm eigentlich nur noch das Grundgerüst der Grooves mit und schreibe ihm Eckpunkte auf. Ich kann das zwar vorprogrammieren, aber wenn er das als Schlagzeuger spielt, klingt das natürlich viel besser. Aber sonst wird sich bei den komponierten Parts schon sehr genau an die Noten gehalten. Da wird im Proberaum schon noch etwas gefeilt, aber im Endeffekt ist das vorher schon klar, und ich hab mir da auch lange Gedanken dazu gemacht.

 

Soviel zu Teil 1 des Interviews, in Teil 2 geht es dann um die Notwendigkeit zu Üben, das verwendete Equipment und was in nächster Zeit so in Sachen Panzerballett geplant ist.

Gitarrist Joe Doblhofer übernimmt gerne die zarten Parts bei Panzerballett.

Biografie Panzerballett

Rund 10 Jahre ist es her, seit der Münchner Gitarrist und Komponist Jan Zehrfeld die erste Besetzung, die unter dem Namen Panzerballett auftreten sollte, zusammenstellte. Er suchte die passenden Leute, um genau den Sound umzusetzen, den er sich vorstellte, aber nirgends bekommen konnte. Aus dieser Anfangsidee hat sich mittlerweile eine absolut eigenständig klingende Band entwickelt, die die Grenzen des Machbaren auslotet und das Taktgefühl der Zuhörer richtig fordert. Gleichzeitig performt die Band live eine richtig fette Show und hat einen Sound zum mit der Zunge schnalzen. Absoluter Tipp für Freunde heftiger, aber extrem smarter Sounds.

Weitere Infos: www.panzerballett.de & Facebook







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