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Interview: Linkin Park

Auf der Jagd nach neuen Sounds

Thomas Clausen am 10.06.2014

Auf der Jagd nach ...

Schon seit ihrem längst zum Genre-Meilenstein avancierten 2000er Debüt „Hybrid Theory“ haben die kalifornischen Alternative-Rock-Superstars von Linkin Park mit immer neuen Soundwendungen überrascht. Auf ihrem neuesten Werk „The Hunting Party“ präsentiert sich das US-Sextett so aggressiv und heavy wie nie zuvor. Music nStuff besuchte die Band im Studio in Los Angeles zum Tech-Talk!

Vorsicht, Anhören auf eigene Gefahr! Schon auf der im März releasten Vorabsingle „Guilty All The Same (feat. Rakim)“ hat sich der drastische Kurswechsel der mit Multi-Platin ausgezeichneten Sechsertruppe aus der Stadt der Engel angekündigt – ein erbarmungslos nach vorne marschierender Industrial-Metal-meets-Punkrock, der sich auf Linkin Parks sechstem Album „The Hunting Party“ fortsetzt. Nach den letzten beiden, eher poprockig bis elektronisch ausgefallenen Platten lassen die beiden Frontmänner Chester Bennington und Mike Shinoda, Gitarrist Brad Delson, Bassist Phoenix Farrell, Drummer Rob Bourdon sowie DJ Joseph Hahn heute laute Rockgitarren, verzerrte Electronics und Vocals zwischen eingängiger Melancholie und ungebremster Wut sprechen. Rapper Mike Shinoda und Saitenkämpfer Brad Delson im Interview über die Aufnahmen zu „The Hunting Party“.
 
People nStuff: Gab es vor den Aufnahmen eine Art Masterplan?
Mike Shinoda:
Ich sagte zu Brad, er sollte Gitarrenparts komponieren, die den 16-Jährigen in mir dazu bringen würden, Gitarre spielen lernen zu wollen! Wir haben sehr lange Unterhaltungen darüber geführt, wohin die Reise stilistisch gehen sollte. Wir wären als Band nicht in der Lage gewesen diese Sache durchzuziehen, wenn Brad nicht hundertprozentig dahinter gestanden hätte. Wenn er gesagt hätte, er hätte keinen Bock auf heavy Gitarrenmusik, wären wir absolut aufgeschmissen gewesen. Auf den letzten Alben habe ich den größten Teil der Gitarrenarbeit übernommen. Brad war zu dieser Zeit mehr an anderen Sachen wie Arrangements und Songstrukturen interessiert. Er hat sich nicht gerade darum gerissen Gitarrenparts beizusteuern.

PnS: Warum das, Brad?
Brad Delson:
Ich spiele seit meinem 12. Lebensjahr Gitarre. Das ist eine Ewigkeit. Unsere ersten beiden Alben waren sehr gitarrenlastig. Und als wir dann „Minutes To Midnight“ machten, begann ich mich für andere Sachen im Studio zu interessieren. Sei es, andere Instrumente zu spielen oder mich anderweitig zu beschäftigen. Ich liebe den Schaffensprozess und ich liebe es, mit Mike zusammenzuarbeiten. Jeder Studiotag ist eine extrem inspirierende Herausforderung. Auf den letzten Alben habe ich mir andere Nischen gesucht. Ich habe mich eher mit Pro-Tools beschäftigt, mit neuen Keyboardsounds und anderen Sachen. Ich habe unterdessen zwar noch immer Gitarre gespielt, aber meine Tätigkeiten ständig in die Bereiche erweitert, in denen ich mich noch nicht so wohl gefühlt habe. Das Schöne an dieser Band ist ja, dass man als Musiker die Möglichkeit hat seinen Standpunkt zu vertreten, mag er noch so eigen sein. Ich als Musiker möchte mich natürlich nicht wiederholen, und wir als Band auch nicht. Mikes Plan war es, gitarrenlastige, heavy Songs zu machen, aber eben auf eine unkonventionelle Art. Eine Art, wie wir es bisher noch nicht gemacht hatten und die man so nicht schon irgendwo anders gehört hatte.

Linkin Park wollten dem neuen Album einen sehr organischen Sound verpassen.

Songwriting Light

PnS: Verglichen mit euren vorherigen Alben klingt das Material von „The Hunting Party“ einmal mehr komplett anders...
Mike:
Wir versuchen immer andere, immer neue, unbekannte Wege zu gehen. Auf unserem letzten Remixalbum „Recharged“ gab es die Single „A Light That Never Comes“ mit Steve Aoki. Man hört, dass zwischen diesem Song und unserem neuen Output „Guilty All The Same“ Welten liegen. Es ist sehr interessant sich einmal anzuschauen, was man alles von einem EDM-Song lernen kann und wie man das eventuell mit einem Metallica-Song verbindet. Oder wenn man sich vor Augen führt, was wir während der Arbeiten zu „A Thousand Suns“ gelernt und wie wir das mit lauten heavy Rocksongs verbunden haben. Für mich persönlich ist das der aufregendste Teil der Arbeit. Andere Rockbands haben nicht die Möglichkeiten, die wir haben: Statt nur Gitarre, Bass und Drums, haben wir glücklicherweise ein paar wirklich versierte Jungs in der Band, die sich gerne mit nicht so traditionellen Musikstilen und Wegen beschäftigen.  

PnS: Wie genau seid ihr beim Songwriting vorgegangen?
Mike:
Wir haben alles vereinfacht und reduziert, viel Noise weggenommen. Heute hat man im Studio so viele verschiedene Möglichkeiten Sounds zu erzeugen. Am Anfang war es immer unser Ziel zu entscheiden, welche verschiedenen Puzzlesteine wir mögen und weiter verbauen wollen, um einen gewissen Schlüsselsound zu erschaffen. Alles andere wurde wieder verworfen. Es ist auch so, dass wir nicht wie andere Bands tausend verschiedene Verstärker benutzen, sondern nur zwei. Das gleiche gilt für die Keyboards.

PnS: Das Material entstand in zwei verschiedenen Studios in Hollywood: Einerseits in den kleinen aber feinen Larrabee Studios, in denen Stars von Rihanna über Depeche Mode bis U2 aufgenommen haben, sowie in den legendären EastWest Studios, in denen damals schon Frank Sinatra oder die Beach Boys zu Gast waren.
Mike:
Alle vorherigen Alben haben wir größtenteils in einem Studio eingespielt. Diesmal wollten wir etwas anderes. Wir wussten im Vorfeld, dass wir einen organischeren Sound haben wollten. Drums, Vocals, handgespielte Percussion oder Sounds mit viel Raumklang sollten nicht im gleichen Studio wie der Rest aufgenommen werden, sondern in einem weiteren, mit einem völlig anderen, charakteristischen Klang. Also haben wir uns für zwei Studios entschieden. Ein Studio, in dem wir viel Pre-Production gemacht und an der Musik und den Vocals gefeilt haben. Im zweiten Studio – den EastWest Studios – haben wir tatsächlich aufgenommen.

Auch Brad Delson ziegt auf „The Hunting Party“ mehr von sich als Gitarrist.

Immer wieder neue Sounds

PnS: Was war der schwierigste Teil während der Entstehung des Albums?
Mike:
Nur kleine Sachen, nichts wirklich Nennenswertes. Wenn man sich „Guilty All The Same“ anhört, kann man genau die Leidenschaft fühlen, die Rob in seinen Part eingebracht hat. Er hat wochenlang an dieser Performance gearbeitet. Ich denke, dieses Level technischer Versiertheit ist etwas, was unsere Fans in dieser Form bisher noch nie von uns gehört haben. Wobei ich gar nicht sagen will, dass es der technisch anspruchsvollste Song der Welt ist. Man ist das bloß nicht von uns gewöhnt. Mir gefällt, dass die Jungs wenig mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten angeben. Das machen wir sonst nie, aber diesmal ist es völlig okay. Es ist nicht so, dass die Jungs es nicht drauf hätten technische Sachen zu spielen. Sie machen es nur nicht so oft.
Brad: Das stimmt. Im Vordergrund steht bei uns immer der Song und das was ihm gut tut. Und nicht unbedingt das, was wir tatsächlich drauf haben. Diesmal war der Plan, dass die Songs ein wenig technischer als sonst sein sollten.
Mike: Ich finde, es ist extrem schwierig einen Song zu schreiben, der den Leuten im Ohr hängen bleibt und sie wirklich berührt. Noch schwieriger wird es, wenn man einen technischen Song machen will, der anspruchsvoller rüberkommt als der durchschnittliche Kram, den man jeden Tag im Radio hört.

Mike Shinoda ist immer auf der Suche nach neuen Klängen.

Soundsucher

PnS: Linkin Park existieren nun bereits seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten. Wie schwer ist es nach so langer Zeit, bei eurem ausgeprägten Entdeckerdrang noch neue Wege zu finden?
Brad:
Man wird ständig vor neue Herausforderungen gestellt. Man könnte annehmen, dass es nach 15 Jahren leichter wird einen guten Song zu schreiben, weil man mittlerweile so erfahren ist und so viel Wissen angesammelt hat, wie die Dinge vermeintlich laufen. Doch tatsächlich wird die Herausforderung immer größer, weil nur der Moment zählt und man den Leuten nicht das anbieten kann, was schon einmal funktioniert hat. Man muss sich ständig weiter entwickeln und kann sich nicht darauf verlassen, was in der Vergangenheit war. Außerdem ist eine Art von Weiterentwicklung schon alleine für uns sechs wichtig, damit die Band nicht Routine wird.

PnS: Manche Gruppen haben eine regelrechte Phobie davor sich zu wiederholen. Wie schaut das bei Linkin Park aus?
Brad:
Nein, keine Angst, aber wenn uns etwas bekannt vorkommt, dann fällt die Reaktion dementsprechend aus.
Mike: Manchmal kommen einem Dinge sehr bekannt vor, doch es gibt so etwas wie eine Schwelle, die keiner von uns überschreitet. Es kann zwischendurch vorkommen, dass wir Songs schreiben, deren Signature-Sound sehr markant hervorsticht. In anderen Zeiten vermeiden wir das völlig. Manchmal sind wir einfach in der Stimmung komplett verrücktes Zeug zu machen, manchmal nicht so sehr. Wir wissen sehr gut, was wir schon gemacht haben und wie sich Sachen anhören. Wir hören sofort, wenn etwas klingt, als wäre es schon mal dagewesen. Bei manchen Songs ist das okay, bei anderen nicht. Ich denke, jedes unserer Alben ist eine gute Mischung zwischen diesen beiden Faktoren. Auf „The Hunting Party“ zum Beispiel klingen wir so wie man es noch nie von uns gehört hat. Trotzdem hört man sofort heraus, dass es Linkin Park ist.

Da kann man Brad und Mike nur zustimmen. Übrigens, einen kleinen Einblick wie Linkin Park im Studio arbeiten bekommt ihr in diesem Video:




Weitere Infos: www.linkinpark.de; www.facebook.com/linkinPark







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