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Interview: Johannes Schlump (u. a. Electro für Subway to Sally)

Die zusätzliche Dimension

Jan Hoffmann am 02.05.2014

Die zusätzliche ...

Wie wird man eigentlich Electro-Produzent? Wir sprachen darüber mit Johannes Schlump, mitverantwortlich unter anderem für „Mitgift“ von Subway To Sally.

Bei den klassischen Bandmusikern ist ja meist recht klar, wie ihre Karriere begann. Irgendwann hatten sie Bock auf ein Instrument oder haben es bei älteren Geschwistern gesehen und mal ausprobiert. Nach ersten Gehversuchen folgten Banderfahrungen – und wer dann am Ball blieb, machte das Hobby zum Beruf. Doch wie läuft das eigentlich bei Electro-Produzenten? Und wie kommt man als Einzelkämpfer an interessante und hoffentlich auch lukrative Jobs? Über diese Themen und seine Zusammenarbeit mit Subway To Sally bei deren neuem Album „Mitgift“ sprachen wir mit Producer Johannes Schlump.

People nStuff: Klassische Frage zum Einstieg: Wie hast du mit dem Musikmachen angefangen?
Johannes Schlump:
Angefangen habe ich so um 2006. Mein Bruder hat immer schon Musik gemacht, also hatten wir ein Studio im Keller. Da saß ich dann immer so ein bisschen dabei und schaute zu. Das fand ich interessant und so holte ich mir dann irgendwann Fruity Loops (eine beliebte Musikproduktions-Software; Anm. d. A.) und fing selbst an. Und dann bin ich in dieses ganze Producing-Ding reingerutscht. Ich hab am Anfang ganz billige Hip-Hop-Sachen gemacht. Ich war aber vorher auch schon musikalisch unterwegs, habe ganz lange Schlagzeug gespielt. Aber ich habe das dann gelassen. Ab dem Zeitpunkt, wo ich anfing alles am Computer zu machen, fand ich das irgendwie cooler. Und dann hab ich ganz lange Hip-Hop gemacht und bin erst so vor fünf bis sechs Jahren auf die Electro-Sounds gekommen.

PnS: Hast du, als du gemerkt hast, dass es dir ernst ist, noch eine Ausbildung gemacht oder war es Learning by Doing?
Johannes:
Ich hab 2009 Abi und dann noch ein Berufskolleg beim Popcollege in Stuttgart (http://www.popcollege.de/) zum Musik- und Sounddesigner gemacht. Das machte ich, weil ich mit Musik arbeiten wollte und das in der Nähe war. Ich wollte das als Vorbereitung für die Hochschule der Medien in Stuttgart machen. Beim Popcollege habe ich auf jeden Fall viel gelernt. In der Zeit verbesserte ich mich extrem, weil ich mir sehr viel Zeit für Musik genommen habe. Und da hatte ich das Gefühl, dass es das ist, was ich wirklich machen will. Ich war mir vorher nie wirklich sicher, ob ich das jemals hauptberuflich schaffen würde.

PnS: Für die Hochschule der Medien hast du dich dann gar nicht mehr beworben?
Johannes:
Nee, weil mein Abi einfach zu schlecht war. Dann wollte ich eigentlich an die Popakademie in Mannheim und bin hingezogen, was ziemlich dumm war, weil ich dann nicht genommen wurde. Das war schon ein Dämpfer, weil ich nicht wusste, was ich machen sollte. Deswegen habe ich überlegt, ob ich doch was anderes studiere und einen Bürojob machen soll. Und bereitete mich auf ein BWL-Studium vor. Dann bin ich aber zum Glück in das Naidoo-Herberger-Tonstudio (http://www.naidoo-herberger.de/) reingerutscht. Ansonsten wäre ich in eine andere Richtung abgedriftet.

Eines seiner aktuellen Projekte: Johannes Schlump zeichnet für die Electrosounds des neuen Subway-To-Sally-Albums „Mitgift“ verantwortlich.

Plötzlich Profi

PnS: Wie hat sich das ergeben?
Johannes:
Das kam dadurch, weil mein Bruder für das Musikermagazin Keys schreibt und den Produzenten von Xavier Naidoo interviewt hat. Dabei ging es auch um das damalige Projekt von Xavier, und der Produzent hat ihm dann gesagt, dass Xavier gerade mit elektronischer Musik experimentiert. Mein Bruder gab ihm dann einen Link zu meiner Soundcloud-Seite. Ich war damals schon recht aktiv im Internet. Ich hab so ein bisschen Dubstep gemacht und hatte eine kleine Fanbase, das war schon ganz cool. Und der Produzent hat reingehört und sich dann bei mir gemeldet. Und dann ergab sich das alles. Ich besuchte dann das Studio und sie meinten: „Xavier hat Bock was Elektronisches zu machen.“ Es gab auch schon Songs, aber die haben jemanden gesucht, der aus der Richtung kommt und der das richtig ausproduziert. Hier im Studio sind hauptsächlich „richtige Musiker“, die mit echten Instrumenten, sehr viel mit Aufnahmen arbeiten. Ich dagegen bin der komplette klassische Laptopproduzent und so was haben die gesucht. Dann meinten sie: „Du kannst hier einziehen.“ Und so bin ich Ende 2011 hier gelandet.

PnS: Warst du Mitproduzent des Xer-Albums „Mordsmusik“ oder gab es genaue Vorgaben?
Johannes:
Da war ich eigentlich komplett frei. Ich hab einfach irgendwas gebaut und dann nahm Xavier das und sang drauf. Ich hatte wirklich komplette Freiheit. Bei ein paar Sachen gab es schon Feedback und Kritik, aber ansonsten konnte ich eigentlich machen, was ich wollte. Deswegen war es auch in der Endphase so, dass ich manche Songs komplett umgebaut habe und das instrumental teilweise ganz neu produziert habe. Ich hatte alle Freiheiten, das war schon echt fett.

PnS: Hast du das Album auch gemixt?
Johannes:
Ja, bei „Mordsmusik“ hab ich auch selber gemischt. Das war das erste richtig große Projekt, das ich selber gemixt habe. Ich dachte mir, ich versuch’s halt mal. Und wenn es nicht geklappt hätte, hätte es immer noch jemand anderes mischen können. Dann habe ich es konzentriert durchgemischt und war eigentlich ganz zufrieden. Seitdem mache ich den Mix ganz gerne selber.

PnS: Hast du Vorbilder?
Johannes:
Meine absoluten Götter sind Noisia. Die sind ihrer Zeit soundtechnisch immer um fünf Jahre voraus. Ansonsten gibt es so viele unbekannte Produzenten, die ich so unglaublich geil finde. Aber generell, also abgesehen von Electro, stehe ich auch auf die ganz klassische Pop-Mucke. Da sind auch ganz oft meine klanglichen Vorbilder. Katy Perry, Justin Bieber und wie sie nicht alle heißen. Ich gebe mir das alles und feier das teilweise extrem. Die sind klanglich extrem gut produziert. So hat meine Mucke auch zu klingen.

In diesem kleinen und unspektakulären Raum arbeitet Johannes an seinen Sounds.

Electro goes Mittelalter

PnS: Du hast ja jetzt gerade mit Subway to Sally zusammengearbeitet. Wie hat sich das ergeben?
Johannes:
Das weiß ich auch nicht genau. Ingo, der Gitarrist der Band, hat irgendwie meine Soundcloud-Seite gefunden. Es gab vor etwa zwei Jahren mal eine Blogreihe, in der ich in einer Folge auch vorkam. Wenn man dann „Dubstep Deutschland“ bei Google eingegeben hat, dann kam direkt diese Reihe und dadurch wurde man direkt promotet. Ich kann mir gut vorstellen, dass es so kam. Jedenfalls hat er irgendwie meine Seite gefunden und mir eine Mail geschrieben. "Hey, wir machen gerade ein Album", und die Band wollte ein paar elektronische Elemente mit einfließen lassen, um es ein bisschen interessanter zu machen. Da habe ich sofort zugesagt.

PnS: Zu welchem Zeitpunkt der Produktion bist du dazugekommen?
Johannes:
Das war in der Songwriting-Phase. Als ich das erste Mal mit Ingo telefoniert hatte, hieß es, dass sie fünf bis sechs Songs als Demo hätten. Das war vor etwa einem halben Jahr. Über die Monate kam dann immer mehr Material von den Jungs. Die wollten das möglichst früh machen, um diese Elemente auch ins Songwriting einbeziehen zu können.

PnS: Hatte die Band denn schon genaue Vorstellungen, was zu welchem Song soll?
Johannes:
Sie hatten schon ein bisschen was reingebaut. Teilweise konnte ich mich nach den Ideen richten, die sie eingesetzt hatten und teilweise war ich frei. Aber sie meinten auch: „Hier ist unser Song. Mach mal!“ Ich habe also die Spuren bekommen, dann habe ich Sounds eingebaut und zurückgeschickt. Und die Band hat die passenden dann ausgewählt.

PnS: Hast du auch in diesem Fall das Mischen übernommen?
Johannes:
Nee, das haben die selber gemacht. Ich wüsste auch nicht, wie man Metal mischt. Ich hab am Ende mit der Band telefoniert und die erzählten mir, dass sie bis zu 170 Spuren in einem Projekt haben. Da war ich ganz froh, dass ich das nicht mischen muss. Das war auch gut so, weil man ja sein „Instrument“ möglichst gut im Track hören möchte. Und so wäre das bei mir mit meinen Elektrosachen gewesen. Und das hätte manchen Songs nicht gut getan.

PnS: Wie muss man sich die Bezahlung vorstellen?
Johannes:
Das ganze ist projektweise geregelt worden. Bei einem Song bin ich Co-Produzent, aber ansonsten bin ich als Programmer aufgeführt. Wir haben vorher für das Album schon was ausgemacht und dann wurde das auch so abgerechnet. Ich hab jetzt bei ein, zwei Songs Credits. Dabei kam es drauf an, wie viel ich am jeweiligen Song geändert hatte. Das musste man dann individuell ausbaldowern, was jetzt wirklich ein kreativer Einschnitt war und was nicht. Und so wurde das dann berechnet. 

Mit wenigen Mitteln und viel Software erschafft Johannes neue Klänge.

Neue Aufträge dank Vitamin B

PnS: Ist das dann üblich bei deinen Projekten, dass man einen festen Betrag ausmacht?
Johannes:
Ja, schon. Was relativ blöd war, dass das auch erst während des Projektes ausgemacht wurde, als wir schon angefangen hatten. Und das ist dann immer unangenehm. Es ist viel schlauer, wenn man das vorher festlegt, nach dem Motto „Ich soll das und das machen, das krieg ich und fertig.“ Haben wir bei diesem Projekt nicht gemacht. Das haben wir erst so nach zwei bis drei Tracks ausgehandelt. Und das ist schon ein bisschen unangenehm, wenn man mit Leuten Musik machen will und gleichzeitig über Geld verhandeln muss. Eigentlich sollte man das immer vorher klären, damit man sich nicht drüber streiten muss.

PnS: Wie sieht dein typisches Arbeitssetup aus?
Johannes:
Ich arbeite mit Logic und komplett digital. Ich habe nur ein MIDI-Keyboard, die Software, zwei Monitorboxen und noch Maschine von Native Instruments. Ich arbeite sonst nur mit Plug-Ins. An Hardware hab ich nur so Spielereien, weil ich die auch nicht brauche. Vor ein paar Jahren hab ich gar nicht verstanden, welche Vorteile Hardware gegenüber Software haben sollte. Mittlerweile sehe ich die schon, aber es ist halt einfach teuer. Wenn ich in Geld schwimmen würde, würde ich mir aber bestimmt ein paar geile Hardware-Sachen holen.

PnS: Bist du fest angestellt? Oder verdienst du nur, wenn du Projekte hast?
Johannes:
Ich bin Freiberufler. Ich bin zwar in einem Räumchen, aber ich bin nicht fest eingestellt. Und über Wasser halte ich mich über Projekte. Das mit Subway To Sally war jetzt schon was Größeres. Ansonsten sind es immer mal kleinere Sachen. Da muss man schon gucken, dass man immer am Ball bleibt. Und es ist wichtig, dass man abliefern kann. Wenn einer zu einem bestimmten Zeitpunkt was braucht, dann muss man es bis dann auch haben. Das ist knallhart. Man muss schnell und effektiv sein, aber ich lebe jetzt schon ganz gut. Das Problem ist, man weiß nie, was als nächstes kommt. Bei mir kommt aber seit ’nem Jahr immer was Neues rein, wenn ein Projekt beendet ist. Wie am Fließband eigentlich.

PnS: Da kommt wahrscheinlich viel über Empfehlungen zustande.
Johannes:
Das ist alles, was zählt. Dass man jemanden trifft und mit ihm redet. Und dann hat der wieder irgendwelche Projekte oder kennt jemanden, der was hat. Das läuft wirklich nur über Kontakte. Außer das „Mitgift“-Album. Das war das einzige, was übers Internet kam.

PnS: Und was steht in nächster Zeit so bei dir an?
Johannes:
Ich mache gerade mehrere kleine Sachen. Ich habe ein Nebenprojekt namens Donkong, da machen wir Clubmusik, aber eher Trap und Bass, bisschen afrikanisch angehaucht. Da kommt bald eine EP raus. Ansonsten arbeite ich im Studio gerade mit einem Sänger an einem Album und schreibe Songs mit vielen Leuten. Dann gucken wir, dass wir die Songs an den Mann bringen. Das ist gerade ganz entspannt, weil man nicht so eine alles vernichtende Deadline hat. Man kann entspannt die verschiedenen Projekte voranbringen.

Seit einiger Zeit setzt Johannes auch etwas mehr Hardware ein.

Das Equipment von Johannes

Mit folgendem Equipment arbeitet Johannes hauptsächlich, wenn es um die Produktion neuer Sounds geht:

Hardware:
Apple Mac Pro Quad-Core
Steinberg UR22 Audio Interface
Klein+Hummel O 110 Monitorboxen
Teufel Subwoofer
Native Instruments Maschine Mikro
Mackie Big Knob
M-Audio Oxygen 61 MIDI-Keyboard
Banshee Amplifier Talkbox
Waldorf Rocket Synthesizer

Software:
Apple Logic Pro X Sequencer
Native Instruments Plug-Ins
FabFilter Plug-Ins
U-He Plug-Ins
Reveal Sound Spire Plug-In
Dada Life Sausage Fattener Plug-In


Weitere Infos: www.facebook.com/cop.dickie.5; soundcloud.com/cop-dickie







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