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Interview: Jack Bruno (Joe Cocker & Tina Turner)

Keep it simple – im Schatten der Stars


Keep it simple – ...

Jack Bruno weiß ganz genau, was Tina Turner hören will und worauf er bei Joe Cocker achten muss. Jack ist ein typischer Session Drummer und zählt zu den ganz großen Namen. Er bespielt rund um den Globus die größten Hallen und Stadien und trotzdem kennt ihn kaum jemand. Sein Tipp: Hör auf deine Mitmusiker und bediene die Musik, mache das, was du tust, stets mit dem Herzen und dir stehen alle Türen offen. Auch Jack bekam erst durch Umwege diesen Traumjob. Welche das waren, erfährst du im folgenden Interview.

Drums nStuff: Du spielst schon sehr lange mit Joe Cocker zusammen …
Jack Bruno:
Ja, 20 Jahre, um genau zu sein.

DnS: … und mit Tina Turner.
Jack:
Oh ja … 28 Jahre!

DnS: Das sind beides sehr große Namen. Deiner ist – zumindest hier in Deutschland – nicht so bekannt. Wie bist du an diese Jobs rangekommen?
Jack:
Oh je, das ist echt lange her. Damals wohnte ich in Los Angeles und Tina suchte eine Band. Es gab ein Vorspielen, an dem ich teilnahm – das war 1981 oder 1980, glaube ich. Sie haben mich damals aber nicht zurückgerufen. Damals hab ich mich gewundert, dass ich so gar keine Infos bekam, worauf ich zwei Wochen später den Typen anrief und ihn fragte, was denn los sei und warum keiner anruft. Er meinte nur: „Oh sorry, wir haben schon jemand anderen gefunden. Ciao.“ Gleichzeitig fragte er mich aber auch, ob ich ein paar Gitarristen kennen würde. Klar kannte ich einige und ich gab ihm die Namen. Einer von ihnen, James Rabston bekam schließlich den Job bei Tina. Vier bis fünf Wochen später bekam ich erneut einen Anruf: „Tina mag den Schlagzeuger nicht. Sie ist wieder auf der Suche.“ James Rabston, mein Freund – mein wirklich guter Freund – meinte zu ihr: „Ruf Jack an“ (lacht). Ja, das wars. Ich spielte noch einmal vor – aber diesmal nur Tina, ein Gitarrist und ich. Das war meine ganze Audition. Und sie gab mir den Job. Ach ja, was sie noch wissen wollte war, was ich für ein Sternzeichen habe (lacht). Ja, das war ihre erste Frage: „Welches Sternzeichen bist du“ – aber erst, nachdem sie mich spielen gehört hat.

DnS: Und wie bist du dann zu Joe gekommen?
Jack:
Einige Leute, die in Tinas Band waren, spielten auch für Joe … das läuft immer so … ein Freund kennt einen anderen Freund und so weiter … viele, die in Tinas Band sind, sind auch in Joes. Wir sind eingespielt und für Joe ist das okay.

Der Arbeitsplatz von Jack Bruno.

Das Besondere an Jack Bruno

DnS: Was ist das Besondere an deinem Spiel? Was mag Tina oder Joe am meisten?
Jack:
Ich glaube, vor allem Sänger – aber auch für jede Pop-Band – vor allem aber Sänger mögen es, wenn das Schlagzeug nur so nebenher läuft. Sie brauchen jemanden, der sie unterstützt – der sie begleitet. Deswegen spiele ich nicht zu viel. Vor allem weiß ich, wo der Back-Beat liegt. Ich halte den Rhythmus und den so simpel wie möglich. Die nur wenigen Spots nutze ich dann, um Highlights zu zeigen. Ich denk auch nicht permanent an die Time. Ansonsten ist es eigentlich recht simpel. Das ist alles, was ich mache. Ich bin kein Frickler an den Drums. Ich mag es auch nicht zu viel zu spielen.

DnS: Ich habe gehört, dass du als menschliches Metronom giltst.
Jack:
Nein, ich glaube nicht, dass ich das bin. Mein Timing ist wirklich gut – aber nein – ich glaube, nicht gut genug dafür. Und ehrlich gesagt will ich das gar nicht. Ich will kein Metronom sein (lacht). Die Time soll leben, soll sich bewegen können.

DnS: Spielst du manchmal mit Klick?
Jack:
Bei manchen Songs muss ich das. Dann, wenn ich genau in Time spielen muss. Joe verwendet zwar keine Backings, aber manchmal Keyboardsounds, zum Beispiel: Wow-Wow-Wow-Wow-Wow. Da muss das alles natürlich passen. Normalerweise ist es aber so: Ich schalte das Metronom an, um das Tempo zu haben und dann geht es los. Früher haben wir mehr mit Backing-Tracks – zum Beispiel Streicher oder Percussion-Tracks – gearbeitet und spielten daher auch öfters mit Click. Das war all das Zeug, was der Keyboarder nicht ohne Weiteres abdecken konnte. Bei Tina hatten wir das auch, bei so drei bis vier Tracks.

DnS: Und? Was magst du mehr? Das Spielen mit oder ohne Klick?
Jack:
Natürlich ohne! Das ist menschlicher (lacht) und hat mehr Dynamik.

DnS: Du bist der Live-Drummer, spielst du auch auf den Alben?
Jack:
Manche, aber in der Regel spiele ich alle Live-Geschichten. Bei Joe war das letzte Album, auf dem ich mitwirkte „Have a little Faith“, bei Tina – wow, das ist schon lange her … „Private Dancer“ … aber ich kann es nicht genau sagen. Also, ich trommle nicht immer automatisch auch auf dem Album. Das kommt immer drauf an, wer das Album produziert.

DnS: Hast du dann Lücken für deine Ideen? Oder wird dir immer alles vorgegeben.
Jack:
Manchmal … bei Joe ist das einfach. Er ist für alles offen. Für ihn ist vieles okay. Bei Tina ist das anders. Sie weiß, was sie hören will. Bei ihr ist alles durchkonzipiert. Da muss alles passen. Ich hab zwar ein paar Räume für mich, aber bei Tina ist es so, dass es viele sehr spezielle Parts gibt, die ich so und nicht anders spielen darf. Bei Joe ist das nicht. Er ist in der Hinsicht einfach. Tina ist auch einfach. Ich weiß ja, was sie will. Bei Tina ist es so, dass sie einfach viele Sachen hört: Sie hört, was der Gitarrist, was der Bassist was der Keyboarder spielt und eben auch die Drums. Und sie will einen bestimmten Sound. Sie sagt auch „Spiel mal das anstelle von dem.“ Sie kann dir sagen, was sie will und sie hört es auch.

DnS: Sie hat quasi ein Bild vor Augen?
Jack:
Ja genau … sie malte es, bzw. schrieb den Song. Deswegen sollen wir ihn eben auch so umsetzen. (lacht) Wir spielen das, was sie mag.

DnS: Wie lange bereitet ihr euch auf eine Tour vor?
Jack:
Mit Joe gar nicht. Wir sind so eingespielt. Bei den Soundchecks gehen wir das ein oder andere durch.

DnS: Bist du immer auf Tour gewesen mit Joe und Tina?
Jack:
Tina geht nicht mehr auf Tour. Das ist vorbei. Mit Joe … da bin ich auch nicht immer dabei.

DnS: Bist du auch mit anderen Künstlern unterwegs?
Jack:
Natürlich, zum Beispiel mit Elton John …

DnS: Cher?
Jack:
Nein, Cher nicht. Aber Cher hat den gleichen Manager.

DnS: Ich habe es gelesen.
Jack:
Nein, ich sag dir die Wahrheit. Glaube mir. (lacht) Ich habe niemals mit Cher zusammen gespielt. (Denkt kurz nach) Ach warte … doch! Ich hab eine Fernsehshow mit ihr gespielt. Da war ich damals Drummer in der Hausband. (lacht) Also okay. Ich habe zwei oder drei Songs mit Cher gespielt – 15 min maximal.

DnS: Das zählt. (alle lachen)

Jack Bruno, der Taktgeber von Joe Cocker.

Jack Bruno privat & seine Anfänge

DnS: Wenn du nicht auf Tour bist. Was machst du dann?
Jack:
Ich suche Arbeit. Ich suche immer Arbeit. (lacht) Ich spiele Audition und auch kleinere Gigs – ich wohne mittlerweile in Nashville (früher in LA). Da spiele ich sehr viel. Ich kenne dort viele Musiker. Ich liebe es einfach zu spielen … es ist ja auch mein Job. Aber ich mache auch andere Dinge: Ich liebe es raus zu gehen, fahre gerne mit dem Kajak oder Rad.

DnS: Hat dich Nashville als Drummer bzw. deine Art zu spielen verändert? Nashville ist ja berühmt für seine Country-Szene.
Jack:
Nein. Es leben so viele großartige Musiker in Nashville. Und alle sind ziemlich cool drauf. Viele kommen ursprünglich aus anderen Regionen – aus Alabama, Memphis, Mississippi, New York. Und alle bringen ein anderes Feeling mit und das ist wirklich schön. Es ist immer anders. Das ist toll. Man hört es und man spürt es auch, wenn die Leute spielen.

DnS: Unterrichtest du auch?
Jack:
Nein, das hab ich nie gemacht. Ich hab mal versucht einem Kind was beizubringen, was auch interessiert war … aber nein, dass war so gar nicht meins. (lacht und verzieht das Gesicht) Das ist zu hart. Dafür muss man geschaffen sein.

DnS: Wann hast du angefangen Schlagzeug zu spielen?
Jack:
Als ich 8 oder 9 Jahre alt war. Ich glaube, das ist die Zeit, wo die meisten anfangen ein Instrument zu spielen. Viele Musiker, mit denen ich gesprochen habe, begannen auch so um den Dreh.

DnS: Spielst du noch ein anderes Instrument?
Jack:
Ich habe mit Klavier angefangen, bevor ich Drummer wurde. Das war Tradition: Jeder aus meiner Familie fing mit dem Klavier an. Aber ich spielte es nicht lange.

DnS: Denkst du, dass das Können am Klavier dir als Drummer geholfen hat?
Jack:
Ich wünschte, ich hätte damals mehr Piano gelernt, denn ich denke, das hilft sehr viel. Ich glaube, dass wenn man als Drummer ein anderes Instrument spielt oder gespielt hat, man einen ganz anderen Bezug zur Musik bekommt. Man trommelt anders. Ich denke, dass es eine gute Sache ist. Aber ich glaube nicht, dass mein weniger Unterricht dazu beigetragen hat.

DnS: Wann hast du angefangen mit deinem Drumming Geld zu verdienen?
Jack:
Ich spielte in den verschiedensten Bands – auch in der Kirche. Da war ich etwa 12. Meine ersten Gigs in den Bostoner Clubs hatte ich dann etwa mit 15 Jahren.

DnS: Hattest du jemals vor, was anderes zu machen außer zu Trommeln? Hattest du quasi einen Notfallplan?
Jack:
Nein, nicht wirklich. Deswegen bin ich wirklich froh, dass ich es geschafft habe. Und ich hoffe, dass ich es noch viel länger machen kann. Ja, ich wollte immer nur trommeln.

DnS: Was ist für dich persönlich das Wichtigste am Schlagzeugspielen?
Jack:
Ich denke, das Feeling und auch die Time – dem Song bestmöglich zu dienen und ihn zu unterstreichen. Mit den anderen Musikern spielen und auch drauf zu hören, was sie spielen. Das ist ganz wichtig. Im Endeffekt das zu spielen, was der Song braucht und nicht einfach irgendetwas. Keep it simple.

DnS: Was hat dich beeinflusst – gab es da irgendwelche Schlagzeuger?
Jack:
Ich mag Root-Player. Ich mag Typen wie Jim Keltner, John Coulton, Steve Gadd, Richie Hayward … ich mag Schlagzeuger, die ein großartiges Feeling haben und die jeden Song so gestalten, dass er sich einfach gut anfühlt.

DnS: Nenn uns jemanden, mit dem du gerne mal zusammen musizieren möchtest?
Jack:
Da gibt es viele … (lacht & überlegt) … Aretha Franklin. Nur einmal. Ich liebe ihre Musik. Ich mag ihren Stil, ihre Musik, einfach alles. Aber es gibt viele großartige Musiker. (lacht)

DnS: Siehst du eine trommlerische Herausforderung darin mit Aretha zu spielen?
Jack:
Nein. Ich liebe nur ihre Songs. Sie sind ansonsten einfach. Was ich aber nicht weiß, ist, ob ich dieses Feel hinbekomme. Spielerisch ist es also keine Herausforderung. Die Songs sind nicht wie Chick Koreas „Return Forever“, das wäre eine Herausforderung. (lacht) Das kann ich nicht spielen. Ich spiele 2 und 4, das ist alles. (lacht)

Jack Bruno – entspannt beim Interview.

Jack Brunos Equipment

DnS: Du kommst aus Boston. Dort kommen auch die Becken her, die du spielst. Ist das der Grund, warum du dich für Zildjian-Cymbals entschieden hast?
Jack:
Nein, deswegen nicht. Ich finde, dass die Becken einfach die besten sind – oder eher, dass sie für mich und meine Musik die besten Becken sind. Für das, was ich mache, sind sie einfach perfekt. Bevor ich mich für Zildjian entschieden habe, spielte ich eine ganze Zeitlang auch Paiste-Cymbals. Sie waren super als ich jung war.

DnS: Bist du eher ein Heavy-Drummer? Deine Becken sehen danach aus.
Jack:
Nein! Vielleicht (lacht) – ich weiß es nicht. Schauen meine Becken so sehr groß aus?

DnS: … und du spielst DW-Drums.
Jack:
Oh ja. DW spiele ich schon sehr sehr lange. Das Set, was ich momentan spiele, ist eine Kombination aus Maple und Mahagony. Eine wirklich sehr gute Kombination, wenn man druckvollen Sound haben möchte. Mahagoni macht ihn fett und warm, und Maple als Hartholz macht den Ton schön bissig und Attack-voll.

DnS: Hast du dein Set zusammen mit John Good (DW) ausgetüftelt?
Jack:
Nein. Ich hab ihm lediglich gesagt, was ich haben möchte und welche Größen. Dann hab ich es bezahlt. So wie jeder andere auch.

 


Jacks Equipment:


Drums: DW Maple-Mahagony
  24" x 14" Bassdrum, 12“ x 8“ Tom, 14“ x 12“ & 16“ x 14“ Floortom
Snares: verschiedene, z.Z.
  Craviotto Maple
 

DW Nickel over Brass

Cymbals: Zildjian
  Hi-Hat: Mastersound 14", manchmal auch K Light 15"
  Ride: Zildjian 21" Hybride
  Crashes: Custom A Protection
Stöcke:  

Vic Firth HD9 (Holzkuppe)

Video – Konzert 2013







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