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Interview: Frida Gold

Dicht am Gefühl

David Fabian am 27.09.2016

Dicht am Gefühl

Hausbesuch bei Frida Gold: Wir haben Sängerin Alina Süggeler und Bassist Andi Weizel in ihrem Berliner Studio getroffen und über das neue Album „Alina“, das darauf verwendete Equipment und das Songwriting gesprochen. Und darüber, wie man am besten mit Kritik von Außen und Songwriting-Blockaden umgeht.

Eigentlich sollte das neue Album von Frida Gold, „Alina“, schon letztes Jahr erscheinen. Nachdem die Reaktion auf die erste englischsprachige Single „Run Run Run“ aber bloß lauwarm ausfiel, entschlossen sich Alina Süggeler und Andi Weizel, die beiden kreativen Köpfe hinter Frida Gold, dazu, die Songs der kommenden Platte noch einmal zu überarbeiten und überwiegend ins Deutsche zu übertragen. Wir haben die beiden während der Endphase der Produktion des Albums in ihrem Studio in Berlin besucht.

Music nStuff: Demnächst erscheint euer neues Album. Wo liegen die Unterschiede zum Vorgänger?
Andi Weizel:
Ein Großteil der Songs wurde ins Deutsche übersetzt oder es wurde eine neue Thematik entwickelt. Ich habe teilweise mit Stem-Files aus der englischen Produktion gearbeitet, aber es gab trotzdem noch einen Anpassungsprozess. Die deutsche Sprache funktioniert halt ganz anders. Es mussten auch Tonarten und Tempi geändert werden.

MnS: Wie schaut es bei euch generell mit dem Songwriting aus. Was ist da euer Prozess?
Alina Süggeler:
Der Ursprung der Songs liegt eigentlich immer bei mir. Je nachdem, ob sich der Song einfach schreiben lässt, komme ich dann mit einer fertigen Idee zu Andi und wir arrangieren das Stück, oder wir schreiben noch dran. Manchmal gebe ich ihm aber auch nur einen Satz als Idee und er fängt schon mal mit der Produktion an, wodurch ich mich dann wieder inspirieren lasse.

MnS: Hat sich für dich ein bestimmter Prozess herauskristallisiert, der dir beim Ideen finden hilft?
Alina:
Leider noch gar nicht. Diesmal sah es so aus, dass ich wieder zurück zu den Wurzeln gegangen bin – das heißt, ich habe am Klavier geschrieben. Das tut dem Songwriting total gut. Man muss sich ja entscheiden: Entweder man kreiert zuerst eine Soundwelt für das Album und nimmt das als roten Faden. Oder man schreibt erst mal und verfügt dann über eine Essenz der Aussagen und schaut, wo man vom Sound her hin will. Letztlich war es beim neuen Album dann ein Mix aus beiden Ansätzen. Am liebsten mag ich es aber, wenn der Song sich sozusagen von alleine schreibt, weil ich denke, dass man den Emotionen dann am nächsten ist. Aber manche Stücke muss man sich eben erst erarbeiten.

Mit frischer Power Back to the Roots: Frida Gold mit „Alina“.

Auf neuen Wegen

MnS: Gibt es denn, was das Songwriting betrifft, konkrete Unterschiede zwischen dem neuen und dem vorigen Album?
Alina:
Ich habe diesmal etwas getan, was ich seit dem ersten Album („Juwel“; Anm. d. Verf.) nicht mehr gemacht habe – viele Songs wurden direkt aus einer Gefühlslage heraus geschrieben. Beim zweiten Album wurde sehr viel in Reflektion geschrieben, dieses Mal habe ich alles aber wieder ganz nah an mich herangelassen. Ein Song, der direkt aus der Emotion heraus geschrieben wird, klingt weniger erdacht.

MnS: Und wenn es dann mal nicht ganz schnell geht und du kreativ in eine Sackgasse gerätst? Gibt es Tricks, dir die dann weiterhelfen?
Alina:
Es hilft, dass wir jeden Tag in dieser Wohnung sind und Leben mit Kreieren verbinden (Alinas und Andis WG fungiert gleichzeitig als Studio – Anm. d. Verf.). Dadurch ist es sicherlich so, dass all das, was ich drumherum mache, irgendwie auch zum Komponieren wird. Ich räume ganz oft die Wohnung um und wir kochen auch viel … Das ist vom Kern her schon irgendwie alles dasselbe für mich. Was mir nicht hilft, ist, mich abzulenken.

MnS: Wäre es denn für euch möglich, etwas zu tun, was früher die Regel war, nämlich für einen bestimmten Zeitraum in ein Studio zu gehen und dort ein Album komplett zu produzieren?
Alina:
Nein.
Andi: Es wäre sicherlich spannend, herauszufinden, wohin man dann kommt. Aber ich glaube, es würde nicht passieren, dass wir dann sagen: Okay, das ist jetzt ein fertiges Album.
Alina: Ich habe letztens viel darüber nachgedacht, was man sich eigentlich für eine Struktur wünscht. Klar ist der der Gedanke auch schön, in abgeschlossenen Prozessen zu leben. Also einen Schwerpunkt für eine bestimmte Zeit zu legen und in dieser Zeit die Sache abzuschließen. Wir haben aber gelernt, dass unsere Dinge Zeit brauchen. Ich muss mit den Songs leben. Nur weil ich ein Stück geschrieben habe, heißt das nicht auch, dass ich in der Interpretation des Songs super sicher bin. Ich muss den Song wirklich nehmen, als hätte ihn jemand anders geschrieben, und dann einen Zugang dazu schaffen, um herauszufinden, wie ich ihn als Performerin interpretiere. Wir haben im letzten Jahr gleichzeitig zur Entstehung des englischen Albums auch schon ganz viele Videos gedreht und sozusagen visuelle Welten geöffnet. Dabei haben wir gemerkt, wie gut es sich anfühlt, wenn sich unterschiedliche Künste beflügeln. Das hilft bei der Einordnung der eigenen Songs. Genauso wie Live-Shows, bei denen man dann überprüfen kann, ob der Song die Energie, die er live erzeugt, auch auf der Platte hat. Wir schneiden auch oft Shows mit und bauen dann zum Beispiel Live-Drums noch in einen Song.

MnS: Zusammengefasst: Es gibt bei euch keine eng abgesteckte Produktionsphase …
Andi:
Alles ist Schreiben, und alles ist Produzieren.

MnS: Wie ist das eigentlich, wenn ihr euch im Zuge einer Produktion andere Künstler anhört?
Andi:
Das passiert eigentlich nicht (lacht). Nein, im Ernst: Natürlich hören wir auch Musik.
Alina: Aber nichts Neues. Wir sind schon interessiert an Musik, aber in den Phasen, in denen wir kreativ sind, eben nicht so super interessiert. Wir greifen dann auf die Künstler zurück, von denen wir wissen, dass sie uns als Privatpersonen ein gutes Gefühl geben. That’s it. Wir schauen nicht danach, wo sich die anderen gerade künstlerisch befinden oder was aktuell aus dem Untergrund kommt.

Daheim ist's doch am schönsten: So sieht es bei Frida Gold im Homestudio aus.

Inside vs. Outside

MnS: Die Reaktionen auf euer englisches Album waren ja nicht gerade überschwänglich.
Alina:
Das stimmt. Aber wir haben uns gedacht: Gut, wenn die Platte keiner hören will, dann will sie halt keiner hören. Wir hatten nicht das Gefühl, etwas Bestimmtes tun zu müssen. Es war einfach so, dass wir daran geglaubt haben. Ich fand, dass es das Ehrlichste war, was ich zu dem Zeitpunkt schreiben konnte. Ich hätte mich als Dienstleister gefühlt, wenn es anders gelaufen wäre.

MnS: Die Reaktionen waren so krass?
Alina:
Na ja, das Album war jetzt kein Erfolgsgarant. Alle drum herum waren auch eher verunsichert als besonders sattelfest.

MnS: Vermutlich war das Gefühl, als ihr euer Debüt veröffentlicht habt, ganz anders, oder?
Alina:
Damals wollten wir gehört werden. Die Songs sind relativ ursprünglich entstanden, aber bei der Sound-Findung haben wir einen Platz gesucht, der noch nicht besetzt war. Wir wollten schauen wie weit wir den Weg gehen können und von der Musik leben. Wenn man dann merkt, wie es sich anfühlt, mit einem Album da draußen zu sein, ändert sich etwas. Bei der zweiten Platte habe ich mir ein bisschen zu viel Gedanken darüber gemacht, was ich sagen wollte. Das hat sich irgendwann nicht mehr ganz so gut angefühlt, weil ich mich da selbst in ein Korsett gestopft habe. Aber irgendwann findet man seine Mitte.

MnS: Kannst du das an einem Beispiel festmachen?
Alina:
Auf dem neuen Album, gibt es einen Song „Wer einmal lügt“. Ich beschäftige mich in dem Stück einfach nur damit, dass man jemandem, der einmal gelogen hat, nie wieder glauben kann und mit meiner Enttäuschung und der Trauer darüber. Früher hätte ich mir abverlangt auch noch die Gegenseite zu beleuchten und deutlich zu machen warum jemand keinen anderen Ausweg gefunden hat als zu lügen.

MnS: Ein Essay quasi?
Alina
: Ja. Früher hab ich mir meine Texte angeschaut und mich gefragt: Wie werde ich jetzt allen gerecht? Beim ersten Album war das noch intuitiver und frei raus. Aber bei der zweiten Platte hab ich da was anderes von mir erwartet. Jetzt sage ich mir: Nein, es darf auch mal nur um meine Wahrheit gehen.

Andi Weizel steht auf Equipment, dass man spielerisch nutzen kann.

Equipment im Studio

Bei unserem Besuch sprachen wir mit Andi Weizel auch noch über Frida Golds Studio und das Equipment, mit dem am neuen Album „Alina“ gearbeitet wurde.

Studio
„Wir haben zwei Räume: einen großen, in dem das Piano steht, und diesen kleinen hier. Wir haben herausgefunden, dass das Zusammensitzen in diesem kleinen Raum zu einem besseren Workflow führt. Per Talkback zu kommunizieren geht eigentlich nur, wenn man in einem Studio ist, in dem alle Gegebenheiten ideal sind. Was den Klang angeht, hat sich bis jetzt auch noch niemand beschwert. Wobei aber auch noch keiner gesagt hat, dass dieser Raum wahnsinnig gut klingt (lacht). Letztendlich beeinflusst der Umstand, ob man sich als Sänger wohlfühlt oder nicht, das Endergebnis wesentlich mehr als jeder Raum, jedes Mikrofon oder jeder Wandler. Wenn man es schafft, den Moment einzufangen, ist der Sound zweitrangig.“

Digitaler Amp und Plug-Ins
„Wir haben diesmal super viel über den Kemper gemacht. Der ist einfach geil. Ein paar Profiles habe ich mit anderen Leuten getauscht und bisschen was gekauft. Ich mache aber auch echt viel mit Guitar Rig. Obwohl das nicht die beste Simulation ist, die es gibt, finde ich sie unheimlich interessant, weil man so spielerisch damit arbeiten kann. Das gefällt mir generell bei Native-Instruments-Produkten: dieser Mix aus Funktionalität und spielerischem Umgang. Alles, was einem dabei hilft, in den kreativen Prozess einzutauchen, ist mir willkommen. Seien es Schieberegler auf einem Juno oder Drehregler auf einem Moog – oder eben ein Knopf an einem Plug-In. Was virtuelle Instrumente angeht, nutze ich auch super gern die Arturia Collection. Ich mache aber auch echt viel Logic-intern. Ansonsten, wie gesagt, sehr viel Native-Instruments-Sachen.“

Vocal-Mic
„Als Gesangsmikro nutzen wir hier ein Manley Reference. Wir haben richtig viel durchprobiert, unter anderem die ganze Neumann-Riege, Telefunken, Bock Audio. Was aber alles nicht dazu geführt hat, dass wir richtig dicht an unsere Sound-Vorstellung kamen. Die ersten beiden Alben wurden dann mit einem Shure SM7b aufgenommen. Das hatte für Alinas Stimme eine geile Präsenz und war trotzdem klanglich sehr griffig. Das Manley ist jetzt aber das erste Kondensator-Mic, bei dem ich denke, dass wir wirklich den Punch haben, den wir brauchen, und aber gleichzeitig ein großes Spektrum an Frequenzen eingefangen wird, wie man es für einen wirklich amtlichen Vocal-Sound braucht.“


Tourdates Frida Gold

27.11.: Hannover, Capitol
28.11.: Dortmund, FZW
29.11.: Mannheim, Capitol
30.11.: Stuttgart, Im Wizemann
07.12.: Berlin, PBHFCLUB
08.12.: Frankfurt, Batschkapp
09.12.: Dresden, Alter Schlachthof
11.12.: Hamburg, Mojo
12.12.: Leipzig, Täubchenthal
14.12.: München, Muffathalle
15.12.: Köln, Gloria

Weitere Infos: Frida-Gold-Website







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