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Interview: Crowbar (Kirk Windstein)

Slow And Heavy

Jan Hoffmann am 13.06.2014

Slow And Heavy

So könnte man Crowbar ganz kurz beschrieben. Seit rund 25 Jahren verwirklicht Sludge-Urgestein Kirk Windstein mit dieser Band seine Vorstellung von rohem Heavy-Sound. Wir trafen ihn anlässlich des neuen Albums „Symmetry In Black“ zum Interview.

Seit kaum vorstellbaren 25 Jahren verfolgt Kirk Windstein nun schon seine Vorstellung von Heavy Music mit seiner Band Crowbar. Und mit dem jetzt erscheinenden „Symmetry In Black“ hat man nicht nur das zehnte offizielle Studioalbum am Start, nein, man lässt auch noch die bisherige Bandgeschichte musikalisch Revue passieren – und das mit einem fetten Sound, der dem Hörer direkt das Grinsen ins Gesicht meißelt. Wir sprachen mit dem Meister der groovig-schleppenden Riffs über das neue Album, die Vor- und Nachteile des Internets für Bands und das Touring-Geschäft.

People nStuff: Mit welcher Herangehensweise seid ihr an das Songwriting von „Symmetry In Black“ gegangen?
Kirk Windstein:
Wir wollten diesmal mehr Abwechslung auf dem Album haben, als das früher der Fall war. Also neue Elemente einbauen und mehr Dynamik einbringen, um am Ende zwölf Songs zu haben, die alle unterschiedlich klingen. Früher hatten wir oft Alben, auf denen alle Songs sehr ähnlich klangen. Aber mit jedem Album haben wir dazugelernt. Wir hören uns ja alle möglichen Stilrichtungen an, und dadurch kommen immer wieder neue Elemente in unsere Musik.

PnS: Gibt es denn bestimmte Bands oder Alben, die das aktuelle Album beeinflusst haben?
Kirk:
Nicht wirklich. Ich habe mir wieder viel von den alten Sachen reingezogen, die ich früher gerne gehört habe. Während des Songwritings zu diesem Album habe ich zum Beispiel viel Type O Negative gehört, aber ich weiß nicht, ob man das wirklich auf der Platte hören kann. Aber ich bin momentan auch immer so beschäftigt, dass ich nicht wirklich Zeit habe, mich mal hinzusetzen und mir in Ruhe ein ganzes Album reinzuziehen. Deshalb bin ich auch nicht so auf dem aktuellen Stand, was neue Bands betrifft. Ich höre schon von dieser oder jener Band, und wie populär sie gerade sind, was mich dann überrascht. Aber ich bin halt ein Oldschool-Typ, ich höre mir lieber eine alte Kiss-CD oder so etwas an.

Seit mittlerweile 25 Jahren ist Frontmann Kirk Windstein der Fels in der Brandung bei Crowbar

Harte Arbeit

PnS: Lag es auch an diesem Stress, dass du dich jetzt voll und ganz auf Crowbar konzentrierst? Ist es heutzutage anstrengender, eine Band am Laufen zu halten als früher?
Kirk:
Naja, es ist schon sehr stressig. Die Musikindustrie hat sich in den 25 Jahren, seit es Crowbar gibt, so sehr gewandelt. Alles, was so im Internet stattfindet und die ganzen Social-Media-Seiten sind so ein wichtiger Teil in Sachen Promoarbeit geworden. Ich mag es mit den Fans in Kontakt zu bleiben. Ich meine, in jedem Moment, den ich wach bin, bin ich komplett auf Crowbar fokussiert. Ob es darum geht, Touren zu organisieren, Songs zu schreiben, diese aufzunehmen, oder wie jetzt die Pressearbeit zu machen, ich halte die ganze Geschichte am Laufen. Das ist nicht wirklich stressig, es ist einfach harte Arbeit. Aber ich liebe das. Es ist großartig, wenn man seinen Job liebt. Ich arbeite mit tollen Leuten zusammen, wie den Jungs in der Band oder meiner Frau, die unser Road Manager ist und sich auf der Tour auch ums Merch kümmert. Und all diese Personen arbeiten daran, Crowbar aufs nächste Level zu pushen.

PnS: Überwiegen für dich eher die Vorteile, die das Internet der Branche gebracht hat oder ist es eher schlecht für Bands?
Kirk:
Beides stimmt irgendwie. Es ist übers Internet ziemlich leicht seine Band zu promoten, wir posten beispielsweise täglich etwas auf unserer Facebook-Seite. Die negative Seite sind die ganzen Download-Möglichkeiten – selbst wenn sie legal sind. Ich finde es schon schade, dass meine Tochter – sie ist jetzt 11 Jahre jung – nie in einen Plattenladen gehen wird, und dort Stunden verbringen wird, um sich all die Alben anzuschauen, so wie ich damals. Mir hat das immer so viel Spaß gemacht – und heutzutage ist es echt schwer, überhaupt einen Plattenladen zu finden, zumindest in den USA. Und bei Ketten wie Best Buy ist ein Album von uns nur verfügbar, wenn es ganz neu ist, es wird schnell von den nachkommenden Veröffentlichungen verdrängt. Das ist schon eine negative Entwicklung.


Herausforderung Tour

PnS: Ich gehe mal davon aus, dass Touren auch deshalb immer wichtiger für eine Band wie Crowbar werden. Wie bereitet ihr euch darauf vor?
Kirk:
Wir proben einfach ganz normal. Was für mich viel schwieriger ist, ist, dass ich mittlerweile für alles verantwortlich bin. Das war früher einfacher. Jetzt muss ich sehen, dass alle Rechnungen bezahlt werden können, dass alles organisiert ist und sich um alles gekümmert wurde. Für mich bedeutet das also deutlich mehr Vorbereitungsarbeit. Der musikalische Teil ist sehr einfach, ich mach das ja schon so lange.

PnS: Kümmerst du dich denn auch während der Tour um das Organisatorische?
Kirk:
Naja, jeder in der Band kümmert sich mit darum. Wir haben einen Tourmanager und meine Frau ist der Assistant Tourmanager, sie kümmert sich um die Kommunikation mit dem Konzertveranstalter, der Plattenfirma und der Presse. Sie organisiert die Interviews und solche Sachen. Das ist viel Arbeit, aber gleichzeitig auch eine tolle Sache.

PnS: Mit einer rund 25-jährigen Bandgeschichte und einer Unmenge an Songs, wie entscheidest du da, was ihr live spielt?
Kirk:
Das ist schon ziemlich schwierig. Wir haben mittlerweile ja zehn Alben mit insgesamt über 100 Songs, aus denen wir auswählen können. Und bei einem normalen Konzert spielen wir etwa 15 Songs, also rund 75 Minuten. Das ist echt kompliziert. Wir versuchen immer auch alte Titel unterzubringen, Sachen, die wir noch nie gespielt haben und mischen die dann mit den neueren Songs. 

Kirk Windstein konzentriert sich jetzt voll und ganz auf Crowbar – und seine Fans

Sommer = Festivalzeit

PnS: Hier in Deutschland sind oft riesige Band-Packages auf Tour. Ihr spielt aber nur mit einem Opener. Ist euch das wichtig?
Kirk:
Naja, am liebsten würde ich mit einer bekannteren Band und Crowbar als Main-Support auf Tour gehen. Aber jetzt ist Festivalsaison, und das sind die gut bezahlten Gigs, bei denen man maximale Aufmerksamkeit bekommt und vor großem Publikum spielt. Und wenn wir dann Gigs während der Woche spielen, ist es einfacher, wenn wir der Headliner sind und nur ein lokaler Support-Act dabei ist. Denn das Problem ist: Wären wir mit einer zweiten Band auf Tour, wäre es wahrscheinlich, dass nicht beide Bands immer auf den gleichen Festivals spielen würden. Und dann hätte immer eine der Bands freie Tage, an denen sie kein Geld verdient. Deshalb ist es im Sommer kompliziert, als Package auf Tour zu gehen.

PnS: Ihr werdet dieses Jahr also auch für Festivals nach Europa kommen?
Kirk:
Ja, wir werden noch zweimal kommen. Unter anderem spielen wir beim Sweden Rock und beim Hellfest in Frankreich Ende Juni. Und dann kommen wir Ende Juli wieder um noch ein paar Festivals wie das Summer Breeze, auf das ich mich sehr freue, oder das Bloodstock in England zu spielen. Das ist ein richtig gutes aufstrebendes Festival, dass es jetzt seit einiger Zeit gibt und das jedes Jahr größer wird. Wir haben da vor ein paar Jahren schon mal gespielt und das war wirklich toll. Wir sind diesen Sommer wirklich viel in Europa unterwegs.

PnS: Sind Festivals in Europa anders als in den USA?
Kirk:
Absolut. Hier in den USA sind das eher Kunstfestivals, oft mit einem Tross an Bands, der durchs Land reist wie etwa beim Ozzfest. Es ist nicht so wie in Europa, wo man das komplette Wochenende auf einem Festival ist.

PnS: Wie sieht dein Standard-Tourequipment aus?
Kirk:
Unser Kram ist wirklich simpel. Normalerweise spielen wir Randall-Amps und Ampeg-Bassverstärker. Wir sind was das betrifft echt Oldschool, einfach nur Gitarren und Amps, das wars. Wir machen keine große Show, es ist ganz purer In-Your-Face-Sound, den wir machen. Wir brauchen also nichts besonderes.

PnS: Ihr mietet das Equipment wenn ihr in Europa tourt?
Kirk:
Genau. Wir holen alles von einer Berliner Verleihfirma und nehmen es für die komplette Tour mit On The Road. Die Gitarren bringen wir von Zuhause mit und mieten dann Amps und das Drumkit dazu. 

Die aktuelle Besetzung von Crowbar ist ein eingeschworenes Team

Low Grooves

PnS: Nutzt ihr verschiedene Stimmungen?
Kirk:
Nicht wirklich. Wir spielen meist im Standard-B-Tuning und stimmen ab und zu noch auf Drop A runter. Ich stimme schon seit 1988 so, das ist ganz normal für mich. 90 Prozent der Songs sind auf B, und wenn wir doch einen in Drop A spielen, stimmen wir schnell nach Gehör runter. Alles ganz simpel.

PnS: Hast du früher auch mit Equipment herumexperimentiert oder wolltest du es von Anfang an so überschaubar halten?
Kirk:
Wir sind einfach so, Crowbar hält es so einfach wie es geht. Wir haben keine Keyboards, wir haben keine Samples – es sind einfach Drums, Gitarren und meine Stimme. Und dann geht es ab.

PnS: Dann benutzt ihr vermutlich auch Monitorboxen auf der Bühne. Hast du schon mal In-Ear-Monitoring ausprobiert?
Kirk:
Nein, wir nutzen einfach Boxen, ich hab nie In-Ear-Monitoring ausprobiert. Dafür bin ich einfach zu Oldschool. Es klingt sonst nicht für mich. Ich will es ja nicht irrsinnig laut auf der Bühne haben, aber ich muss den Sound schon spüren können.

PnS: Crowbar ist ja bekannt für seinen ganz speziellen Groove. Kann man das lernen oder ist das für dich ganz natürlich?
Kirk:
Für mich ist das ganz natürlich, für uns alles. Das ist so eine New-Orleans-Geschichte. Funk kommt beispielsweise auch von hier. Wir spielen auch hinter dem Beat, wir sind einfach damit aufgewachsen.

PnS: Was ist nach dem neuen Album und der Tour geplant?
Kirk:
Wir wollen die Maschine einfach am Laufen halten und weiterhin touren und Platten aufnehmen.

Info: www.facebook.com/crowbarmusic

Ein alles zermalmender Groove-Batzen: Crowbars „Symmetry in Black“

Das neue Album & Tourtermine

Auf dem aktuellen Album „Symmetry in Black“, übrigens der zehnte Longplayer der Sludge-Pioniere aus New Orleans, zelebriert das Quartett, wofür es schon seit rund 25 Jahren bekannt ist: schleppnde bis groovige Abrissbirnen, die massiv auf die Gehörgänge niederprasseln. In Sachen Songwriting betreibt Mastermind Kirk Windstein dabei quasi einen Rückblick auf das beste aus einem Vierteljahrhundert Crowbar – aber natürlich immer im fetten Sound des Jahres 2014.

Noch fetter klingt es nur, wenn man sich die Band live reinzieht, wozu es aktuell reichlich Möglichkeiten gibt:

14.06.: Kantine, Augsburg
15.06.: Nova Rock Festival, A-Nickelsdorf
22.06.: Hellfest, F-Clisson
26.07.: 11er Club, Frankfurt a. M.
27.07.: Sputnik Halle, Münster
29.07.: Musikbunker, Aachen
30.07.: Zakk, Düsseldorf
04.08.: Vortex Musikclub, Siegen
06.08.: Bogaloo, Pfarrkirchen 







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