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Im Fokus: Einstieg ins InEar-Monitoring (Teil 1)

Der kleine Mann im Ohr

Paul Horgen am 22.11.2015

Der kleine Mann im ...

Früher war ja nicht wirklich alles besser. Zum Beispiel konnten sich nur absolute Superstars einen perfekten Monitorsound auf der Bühne leisten. Doch dank der immer erschwinglicheren Technik kann sich heute jeder ein InEar-Monitoring-Setup leisten. Wir zeigen, was du dabei beachten musst.

„So richtig im Bühnensound baden“ – welcher Musiker träumt nicht davon? Über die größten Bühnen fetzen, immer den perfekten Sound auf den Ohren, die Crowd toben hören und die Band im Rücken rockt, als gäbe es kein Morgen mehr. Für Superstars wie Bono und U2 oder Madonna ist der perfekte Mix auf dem InEar Abend für Abend selbstverständlich und ebenso selbstverständlich kümmert sich auch eine ganze Armada an Technikern um die optimalen Bedingungen für alle Musiker auf der Bühne. In diesen Größenordnungen ist ein separates Pult für den Monitormix obligatorisch.

Oft genug ist der Aufwand, der hinter dem Monitoring einer Show steckt, weitaus größer als der Aufwand für den Saalsound. Klingt paradox – ist aber so. Denn der Mann am Monitorpult ist oft genug auch noch Band-Psychologe, verwaltet die Kommunikation der Backliner und Bühnentechniker gleich mit und erledigt im gleichen Atemzug auch gerne noch Live-Recording, Funkfrequenzen oder kümmert sich um Zuspieler und Einzähler für komplexe Showabläufe. Auf den kleinen Bühnen, in den Clubs dieses Landes und bei unzähligen Festivals hingegen kann man als Musiker oft schon zufrieden sein, wenn vier Wedges auf der Bühnenkante stehen und funktionieren und ein wahlweise gelangweilter oder überforderter Techniker etwas mehr Gitarre oder Gesang auf den Monitor gibt.

So kann es sein – muss es aber nicht unbedingt! Wer den Markt ein wenig beobachtet, die monatlichen Werbeblättchen der Musikhäuser und Versandhändler studiert und sich in Sachen neuem Equipment auf dem Stand hält, der stellt eine ganz deutlich Tendenz fest: InEar Monitoring Systeme werden immer erschwinglicher und gleichzeitig bieten digitale Konsolen zu immer unglaublicheren Preisen immer mehr ebenso unglaubliche Möglichkeiten. Zusammen macht diese Entwicklung inzwischen funktionale und preisgünstige InEar-Lösungen auch für kleine und unbekannte Acts und Künstler zumindest technisch und finanziell locker möglich. Grund genug, das Thema hier mal etwas genauer zu beleuchten.

Gilt als einer der Wegbereiter des InEar-Monitoring: Stevie Wonder.

Bestandsaufnahme

Rund um das Thema „Monitoring“ und ganz speziell um das Thema „InEar Monitoring“ ranken sich einige Mythen und Geschichten. Während von Ray Charles berichtet wird, dass es in seiner Band keine Monitore gab, sondern die Musiker so nah beieinander stehen sollten, dass alle sich gegenseitig über die Backline hören konnten, hört man beim Thema InEar sehr häufig die Anekdote rund um den ebenfalls blinden Pianisten Stevie Wonder. Dessen Manager suchte nach einer Methode, dem Künstler auf ihm unbekannten Bühnen Anweisungen geben zu können, damit er sich zurecht findet. Funk und ein Ohrhörer schienen dazu die beste Methode zu sein – allerdings konnte Stevie Wonder so auch nur noch eingeschränkt die Monitore auf der Bühne hören. Was lag also näher, als nicht nur die Anweisungen des Managers, sondern auch gleich noch den Sound der Band mit über Funk auf die Ohren zu schicken – fertig war die Idee des InEar Monitorings.

Richtig in Fahrt kam der „Knopf im Ohr“ Mitte der 80er Jahre – damals waren insbesondere Popacts wie die Pet Shop Boys, New Order oder Depeche Mode vorne dran und schöpften die Möglichkeiten der damals brandneuen Technologie voll aus. Clicktracks zum Beispiel waren für diesen Musikstil essentiell – und bei den harten Jungs von der Gitarrenfraktion völlig verpönt, weshalb die Rocker der 80er und 90er weit öfters noch auf konventionelle Wedges setzten, als die damals angesagten Popbands. Zudem war auch das klassische Bandbild des Rockacts mit dem Fuß auf dem Monitor und den infernalischen Lautstärken aus Backline und Monitor deutlich weiter weg vom klinisch-sauberen Pop-Image mit dem Knopf im Ohr und der akkuraten Kontrolle über einen Kopfhörer.

Doch auch dieser Umstand änderte sich mit der Zeit – früher oder später kamen InEar Systeme auch bei den Freunden der härteren Gangart an. Aktuell gibt es sogar einen gewissen Trend zurück zu den Wedges, auch wenn InEar Systeme immer noch häufiger auf Bühnen anzutreffen sind.

Ordnung muss sein: Ein wohlklingender InEar-Mix muss gut vorbereitet werden.

Strategien für einen funktionierenden InEar Mix

Beim Erstellen des InEar-Mixes kommt es nicht nur aufs Equipment an, sondern auch, wie man es nutzt. Hier drei typische Varianten für den InEar-Mix.

1. Personal-Mix: der Klassiker, funktioniert immer dann, wenn genug Mixe für alle Musiker zur Verfügung stehen und der Mann am Pult Kapazitäten hat, um für jeden Musiker einen Mix zu erstellen. Alternativ erledigt sowas auch ein zweiter Techniker von einem getrennten Arbeitsplatz aus. Moderne Digitalpulte mit der Möglichkeit, Tablets oder Smartphones einzubinden, ermöglichen auch noch einen dritten Weg für den Personal-Mix: jeder Musiker erhält über sein Smartphone und eine App zugriff auf einen Auxweg und erstellt sich aus den angebotenen Signalen seinen eigenen Mix. Der Personal-Mix kann Mono oder Stereo sein.

2. Summe+X: Wenn kein separater Monitormix und kein eigener Techniker zur Verfügung stehen eine gut funktionierende Alternativ – jedes Bandmitglied bekommt einen gemeinsamen, runden Bandmix und zusätzlich das eigene Instrument auf einem separaten Weg. Diese Methode erlaubt schnelleres und einfaches Aufsetzen des Monitormixes, ist allerdings auch nicht so flexibel wie Methode 1. Am besten funktioniert diese Variante zusammen mit einem Stereo-System, welches auf Mono betrieben wird. Jeder Musiker mischt sich dann am Beltpack selbst das für ihn stimmige Verhältnis von Bandmix und eigenem Instrument.

3. Summe: Klingt komisch, kommt aber sehr häufig vor und ist wohl die einfachste aller Möglichkeiten. Roger Hodgson zum Beispiel schwört auf diese Art der Selbstkontrolle und hat damit immer das Gesamtergebnis auf den Ohren – hört also das, was sein Publikum auch hört. Wer gerne alles im Griff und unter Kontrolle hat, der ist damit womöglich am besten bedient.   

Man sollte sich vorher genau überlegen, was genau auf welchem Empfänger zu hören sein soll.

Mono oder Stereo?

Für diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort, nur gewisse Vor- und Nachteile jeder Variante. Für Stereo-Systeme spricht die bessere Möglichkeit, Signale entsprechend ihrer Anordnung auf der Bühne oder in einem Arrangement auch im Mix zu positionieren. Das verschafft den Musikern mitunter ein lebendigeres Gefühl und hilft, sich mit dem InEar wohler zu fühlen. Vorausgesetzt, das System kann nicht nur Stereo, sondern auch Dual-Mono, dann sind mit so einer Variante auch Monitormixe mit Summensignal plus separaten Kanal möglich.

Allerdings sind echte Stereosysteme in aller Regel auch deutlich teurer als ihre einkanaligen Pendants. Landläufig wird Monosystemen auch eine geringfügig höhere Reichweite bei gleicher Sendeleistung nachgesagt. Kommt man Stereo an die Reichweitengrenze, lässt sich eventuell durch Umschalten auf den Mono-Modus etwas Reichweite gewinnen.

Analog oder Digital?

Bislang war Monitoring immer analog. Mit gutem Grund, denn jede Wandlung eines Signals auf die digitale Ebene oder von der digitalen Ebene benötigt Zeit. Und dieser Zeitverlust kommt womöglich dann auch beim InEar Monitoring zum Tragen, insbesondere dann, wenn im Lauf der Bearbeitung mehrmals hin und her gewandelt werden muss. Dennoch werden immer mehr digitale IEM-Systeme kommen und dieser Technologie wird die Zukunft gehören. Es kommt eben darauf an, die Latenzen möglichst gering zu halten.

Aktuell sind quasi alle InEar-Funksysteme noch analog – auch, weil die Latenz sonst zu groß sein könnte.

Woher kommt das Signal?

Bis vor kurzem war die Quelle für einen Monitormix noch immer die Aux-Sektion des Saalmischpultes oder – ab einer gewissen Größenordnung – die Ausspielwege eines separaten Monitorpultes, welches im Idealfall über einen Splitter angeschlossen wurde. Vorteil dabei – völlige Kontrolle der Signale für den Monitor, alle Parameter können unabhängig vom Saalmix beeinflusst werden. Bei der Lösung über die Auxwege das Saalpultes musste man immer Kompromisse eingehen und war zudem in aller Regel auch auf eine Hand voll Monitorwege festgelegt – kaum ein erschwinglicher Mixer bot mehr als vier, maximal sechs Monitorwege an. Beim aktuellen „Kanalhunger“ einer vierköpfigen Band mit Stereo-InEars wären alleine acht Monitorwege notwendig.

Ein kleiner Trick, der lange Jahre den Kollegen am Pult viel Ärger erspart hatte, war der sogenannte „Yankee“ oder Y-Adapter, mit dem man ein Mikrofonsignal doppelt auflegen konnte – und damit ein identisches Signal einmal für den Saalmix und parallel für den Monitormix optimieren konnte. So konnte man wenigstens wichtige Kanäle unabhängig voneinander bearbeiten, meist kamen die Sänger in den Genuss, so ein optimales Monitorsignal ohne Kompromisse zu bekommen.

Aktuelle, stetig preiswertere Digitalpulte bieten in dieser Disziplin einen unschlagbaren Vorteil – nämlich jede Menge frei verfügbarer Auxwege. Vier, sechs oder mehr Stereobusse sind keine Seltenheit mehr, was die Mischung von entsprechen vielen InEar-Mixes locker möglich macht. Was trotz der schönen, digitalen Welt aber auch heute noch unvermeidbar bei dieser Methode bleibt ist das Problem des nötigen Kompromisses für Saalmix und Monitormix. Greift ihr zum Beispiel in die Klangregelung ein oder regelt am Gain nach,  um den Saalmix zu perfektionieren, beeinflusst ihr automatisch auch den Monitormix mit.

Moderne Digitalpulte – wie hier Behringers X32 – haben mehr als genug Ausgänge, so dass jeder Musiker seinen persönlichen Mix bekommt.

DYGYTAL – moderne Pulte machen den Yankee überflüssig

Eine sehr komfortable Methode für einen unabhängigen Monitormix bieten aktuelle Digitalpulte bereits für ein überschaubares Budget. Da interne Kanäle praktisch unbegrenzt verfügbar sind, könnt ihr euch den in die Jahre gekommenen Trick mit dem Yankee zunutze machen und sämtliche Eingänge eurer Band digital splitten. Aus der ersten Ebene mit allen Eingängen mischt ihr nun den Saalsound, aus der darunter liegenden Ebene mischt ihr die jeweils benötigten Monitormischungen für eure Band. Vorteil dabei: auch hier passiert beim  Griff zum Gainregler oder der Klangregelung nur da etwas, wo auch etwas passieren soll. Der Monitormix wird nicht vom Saalmix beeinflusst und umgekehrt verändert ein Eingriff am Monitormix nicht das, was euer Publikum hört. Für eine klassische Bandbesetzung mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und ein bisschen Gesang benötigt man etwa 12 – 16 Kanäle, um parallel dazu einen Monitormix über den digitalen Split zu erstellen werden also zwischen 24 und 32 Kanäle gebraucht – eine Kanalzahl, die selbst preiswerte Digitalpulte heute locker bieten.

War das denn schon alles Wissenswerte? Nein, bei Weitem noch nicht. Aber keine Sorge, am 23. November kommt Teil 2 unseres „Im Fokus: InEar-Monitoring“. Dort wird es dann unter anderem um 3D-InEar-Monitoring, Tipps für Wireless-Strecken, den passenden Hörer und vieles mehr gehen. Also, schau wieder vorbei.







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