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Im Fokus: Einstieg ins InEar-Monitoring (Teil 2)

Besser hören = besser spielen

Paul Horgen am 13.12.2015

Besser hören = ...

In Teil 1 unseres InEar-Specials haben wir dir ja die Grundlagen zu Geschichte, Technik und Umsetzung des InEar-Monitorings näher gebracht. Jetzt gehen wir noch mehr in die Details und befassen uns mit Themen wie dem perfekten Mix, Wireless und den richtigen Hörern, liefern dir eine InEar-Checkliste und geben einen Ausblick auf die Zukunftstechnologie 3D-InEar-Monitoring.

In Teil 1 unseres InEar-Specials ging es um die Geschichte und die Grundlagen des InEar-Monitorings. Doch für einen richtig geilen Sound im Ohr braucht man schon etwas mehr. Also, begeben wir uns auf den Weg zum perfekten InEar-Monitoring.

Welche Signale braucht ein guter InEar-Mix – oder: Auf die Mischung kommt's an!

Wer sich mit der Anschaffung eines InEars beschäftigt und erste Versuche mit dem Mix macht, der stellt sehr schnell fest, dass ein guter, brauchbarer InEar-Mix häufig ganz anders klingt, als das Pendant aus dem Wedge. Das liegt zum einen daran, dass durch das InEar die Bühnenlautstärke in der Regel deutlich gedämpft am Ohr ankommt – will sagen, der gewohnte Sound des Gitarrenamps, das Wummern der Bassbox und der Pegel des Drumsets fehlen schon mal. Die müssen also durch den InEar-Mix dazugemischt werden, um ein rundes Gesamtbild zu erzeugen.

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem, was man beim InEar-Mix „Ambience“ nennt – also dem Raumklang, dem Applaus eures Publikums, eben allem, was den Kontakt zu euren Fans ausmacht. Beim konventionellen Monitor immer präsent, beim InEar-Mix quasi Fehlanzeige. Ein bisschen davon kommt womöglich über die Overheads am Drumset oder die Gesangsmikros auf der Bühnenkante an, aber oft ist das nicht genug. Es fehlen der räumliche Eindruck und der Kontakt zum Publikum.

Während ihr bei herkömmlichen Wedges auf der Bühne vielleicht auf viele „Kleinigkeiten“ verzichten konntet, die ohnehin schon laut genug über die Instrumente selbst kamen, werdet ihr also bei einem guten InEar-Mix deutlich mehr Details in der Mischung Mix selbst brauchen. Die Hi-Hat ist ein gutes Beispiel, denn die ist gerade auf kleinen Bühnen selten im Monitor-Mix präsent. Sie ist zwar nicht von sich aus sehr laut, aber dennoch setzt sich ihr Klang gut durch (und hilft beim sauberen Zusammenspiel). Im InEar wird die Hi-Hat aber aller Wahrscheinlichkeit nach untergehen, wenn sie nicht konkret dazu gemischt wird. Ein wenig mag womöglich über Overheads mitkommen, aber um sauber timen zu können, ist das in aller Regel zu wenig. Das bedeutet, dass ihr womöglich auch eure Mikrofone für die Bühne überdenken müsst und bei Bedarf auch ein paar mehr Schallwandler einplanen solltet.

trotz InEar-Monitoring schätzen viele Musiker den Druck und die Atmosphäre von Wedge-Monitorboxen.

Druck und Raum

Ein anderes Beispiel zu diesem Thema: die Kickdrum. Viele Soundtüftler arbeiten hier mit einer Grenzfläche und einem dynamischen Mikrofon. Besonders im Metal-Genre wird eine Kickdrum so und nicht anders mikrofoniert. Der Mann am FoH hat damit natürlich alle Möglichkeiten, einen kreativen Sound aus diesen beiden Quellen zu mischen – im IEM klingen solche Mischprodukte aber häufig suboptimal, überladen und zugekleistert. Daher solltest du überlegen, nur eines der beiden Mikros für den InEar-Mix zu nutzen – das dynamische Mikro zum Beispiel klingt in der Regel knackiger und aufgeräumter, die Grenzfläche satter und voluminöser. Was davon besser zum Gesamtmix auf dem Ohr passt, hängt wie so oft von deinem Geschmack ab.  

Und nachdem wir weiter oben auch schon die Problematik mit dem Raumklang angesprochen haben, gibt’s hier auch gleich die Lösung dafür: Ambience-Mics oder Ambiencebohrungen. Erstere stellt man auf die Bühnenkante, richtet sie auf das Publikum aus und mischt so den Saalsound mit all den Emotionen und Geräuschen wohldosiert auf die InEars. Bitte auf keinen Fall mit auf die PA – das geht furchtbar schief, macht erst den Sound undefinierbar und schlägt dann sofort in fieses Feedback um. Wenn ihr einen Stereomix macht, dann dürft ihr die Ambiencesignale gerne drastisch ins Panorama setzen, um den Musikern auf der Bühne etwas Ortung zu geben. Gut geeignet für diese Aufgabe sind übrigens Kondensatormikrofone mit ihrer sehr engen Aufnahmecharakteristik. So stellt ihr sicher, dass viel Raum und wenig PA auf der Ambience landet.

Die Alternative dazu ist die Ambiencebohrung – dabei geht es um eine kleine, definierte Bohrung in euren Ohrhörern, durch die etwas Umgebungsschall dringen kann. Damit hört die Abschottung von der Außenwelt gut dosiert auf. Solche Bohrungen macht euer Hörgeräteakustiker – bei dem ihr hoffentlich eure Hörer habt anpassen lassen.

Im Profibereich hat jeder Musiker ganz selbstverständlich angepasste Hörer.

Ein guter Hörer ist ein angepasster Hörer!

Die meisten InEar-Systeme werden ab Werk mit einem günstigen Hörer ausgeliefert. Ein netter Service – aber weit entfernt von einem professionell nutzbaren Hörer, der auf der Bühne alle Vorteile eines solchen Systems garantiert. Angepasste Hörer sitzen besser im Ohr, halten auch bei einer hektischen Bühnenshow sicher, bieten höheren Tragekomfort und klingen besser. Wenn du also Wert auf optimales Monitoring legst, dann führt kein Weg am Hörgeräteakustiker vorbei, wo du eine sogenannte Otoplastik, ein Ohrpassstück, anfertigen lassen kannst. Dazu spritzt der Hörgeräteakustiker den Gehörgang mit einer weichen Masse aus, die recht schnell im Ohr aushärtet – dadurch entsteht ein exakter Ohrabdruck.

Nach diesem Modell wird dann später die eigentliche Otoplastik passgenau hergestellt und mit den passenden Bohrungen für die Hörer versehen. Man kann so etwas auch beim Ohrenarzt anfertigen lassen, dort ist dieser Abdruck aber in aller Regel deutlich teurer. Viele Hersteller von Hörern arbeiten daher direkt mit Hörgeräteakustikern zusammen und können euch passende Adressen für den Ohrabdruck nennen. Übrigens: Auch das Innere der Ohrmuschel und des Gehörgangs verändern sich mit der Zeit. Rechnet also damit, dass der angepasste Hörer nicht ewig hält. Dann aber nur die Otoplastik zu wechseln ist nicht teuer.

Bei der Auswahl der Hörer hast du, wie so oft, die Qual der Wahl. Die Preisunterschiede sind gigantisch und die Palette ist breit – Einweghörer, passive Zweiweghörer bis hin zu ausgefeilten Drei- und Mehrwegsystemen sind verfügbar. Da entscheidet neben dem verfügbaren Budget auch ganz häufig der persönliche Geschmack, welchen Hörer und welchen Klang man als am angenehmsten empfindet. Bedenkt aber bitte: So ein Hörer ist eine Investition auf viele Jahre – also lieber etwas mehr in einen besseren Hörer investieren, als schnell unzufrieden mit dem Sound zu werden und dann irgendwann ein neues System kaufen müssen.

Neben dem guten Klang und dem guten Sitz gibt es noch ein paar Dinge, auf die ihr bei den Hörern achten solltet: Haltet sie trocken und sauber, alleine schon aufgrund der eigenen Hygiene. Niemand steckt sich gerne irgendwas Klebriges ins Ohr. Zudem schadet Feuchtigkeit den Hörern und beschädigt womöglich die winzigen Lautsprecher im Inneren – vor allem, da Schweiß meist salzig und damit auch aggressiv ist. Stark beansprucht werden auch die Kabel, insbesondere im Bereich rund um die Ohren und am Stecker. Einige Hersteller bieten genau darum an den Übergangstellen steckbare Kabel an – damit im Falle eines Defekts nicht der ganze Hörer ausgetauscht oder das Kabel vom Fachmann angebracht oder repariert werden muss. Solche Details sind sicherlich auf den ersten Blick etwas teurer, vermeiden aber im Lauf der Zeit hohe Folgekosten.

Mittlerweile setzen auch Traditionalisten wie Joe Bonamassa auf InEar-Monitoring und Wireless-Systeme.

Sender – Empfänger – fertig?

Früher, beim konventionellen Monitoring, war alles klar und einfach. Man brauchte eine Box, einen Verstärkerkanal und einen 31-Band-EQ, um den Monitorsound koppelfrei hinzukriegen. Mehr Wege bedeuten mehr Kanäle, mehr Equalizer und mehr Boxen – also alles ganz einfach.

Nicht mehr ganz so einfach ist es mit einem InEar-System – zumindest wenn ihr den perfekten Sound haben wollt. Am Anfang steht natürlich die Strecke selbst, also Sender und Empfänger. Dazu kommt ein passender Hörer, denn ohne den verschenkt ihr große Teile der Vorteile, die euch ein InEar bietet. Im Gegensatz zu den oft mitgelieferten, einfachen Hörern, bieten angepasste Hörer in der Regel einen besseren Klang, besseren Tragekomfort und eine bessere Isolierung gegen den Bühnenschall. Erst diese Kombination macht einen Hörer wirklich  zu einem guten Hörer und ihr könnt damit das Potential eines solchen Systems zu 100 Prozent auskosten.

Für ein einzelnes System seid ihr damit bereits gut aufgestellt. Als Drummer oder Keyboarder ist es mitunter sogar noch einfacher, denn für Musiker, die ihren Platz nicht wechseln, bietet sich ein drahtgebundenes System an. An die Stelle des Senders und Empfängers tritt dann ein kleiner Aufhol- oder Kopfhörerverstärker, der sein Signal vom Mischer erhält oder – noch einfacher – ein Minimischer. Viele Keyboarder nutzen so ein Set, lassen sich vom Mischer ein Summensignal geben und mischen lediglich noch ihr eigenes Instrument zu.

Kommen noch mehr Strecken in eurer Band dazu, dann ist es mitunter ratsam, anstelle des Antennenwaldes, der mit der Zeit entsteht, in einen sogenannten Combiner zu investieren, der die Antennen mehrerer Strecken zu einer einzigen zusammenfasst. Selbstverständlich klappt das nur mit Systemen eines Herstellers, oft sogar nur einer Serie, ihr solltet euch also bei einer Kaufentscheidung für die Band auf einen Hersteller einigen. Optional könnt ihr so einen Combiner auch noch durch abgesetzte Richtantennen aufrüsten – und gewinnt damit noch mehr Übertragungssicherheit und Reichweite.   

Selbst ist der Musiker: Mittlerweile kann man viele Soundeinstellungen selbst per App erledigen.

Die InEar-Monitoring-Checkliste

Wenn das System erst einmal steht, brauchst du natürlich ein wenig Zeit, um dich auf die neuen Verhältnisse einzustellen. Für diese Zeit haben wir ein paar Tipps zusammengestellt, wie es am Anfang einfacher geht – und wie auch später der Gig mit den InEars besser rockt:

1. Schone deine Ohren. Gib nicht zu viel Gas, achte darauf, die Hörer erst zu tragen, wenn alles am Pult installiert ist und es keine Knackgeräusche mehr geben kann, die das Ohr mit infernalischer Lautstärke erreichen. Oft reicht schon der Bassist oder Gitarrist, der unbedacht sein Instrument absteckt – der entstehende Knall erreicht das Gehör ungleich lauter als er es aus einem herkömmlichen Monitor tun würde.

2. Nutze den Limiter als Lebensversicherung für deine Ohren. Kaum ein IEM-System kommt heute ohne zuschaltbaren Limiter. Nutze ihn! Selbst der versierteste Mischer ist vor Feedbacks oder umkippenden Mikrostativen nicht gefeit – und ohne Limiter werden auch solche Ereignisse höllisch laut im Hörer übertragen. Also denk immer daran: Der Limiter verhindert Schlimmeres.

3. Sei sparsam mit den Höhen. Ein höhenbetonter InEar-Mix ermüdet das Ohr sehr schnell und klingt häufig aggressiv. Das macht müde und unkonzentriert, also misch den Monitorsound lieber etwas verhangen und zurückhaltender.

4. Achte auf die Frequenzen. Darüber haben wir ihr in unserem Funk-Special berichtet. Genau wie bei Funkmikros kommt es auch beim drahtlosen InEar besonders auf sichere – und hier zudem noch latenzarme – Funkübertragung an!

5. Lerne, dem Kollegen am Mischpult klar und nachvollziehbar zu sagen, was du hören willst – und wie das klingen soll. Im Gegensatz zum Wedge-Lautsprecher ist der InEar-Mix viel klinischer und filigraner. „Klingt irgendwie komisch“ motiviert den Techniker dazu, mal rumzuprobieren, wie er den Wedgesound besser machen könnte. Beim InEar hilft das aber nicht weiter, denn der Techniker am Pult wird niemals hören, was du hörst. Also: Lerne, dem Kollegen genaue Ansagen zu machen.

6. Sorge für etwas Raum! Damit sind nicht nur die Ambiencemikros gemeint, sondern auch ein Hauch Raum oder Hall auf der Stimme. Wer ein Digitalpult nutzt, der sollte für diesen Zweck einen eigenen, kleinen und unauffälligen Hall reservieren, der nur für diesen Zweck etwas konstante Umgebung und Natürlichkeit vorgaukelt. Sanft dosiert beeinträchtigt dieser künstliche Raum auch nicht die Intonationsfähigkeit und im Gegensatz zum kreativen Hall für den Saalsound, der mal stärker und mal schwächer ausfällt, je nach Song und Stimmung, gibt der kleine Raum auf dem Ohr dem InEar-Mix so etwas wie eine konstante Stimmung. Die kennt man, die hat man schon gehört und die verändert sich während des gesamten Konzertes nicht – da fühlt man sich gleich wohler auf der Bühne.

7. Vermeide Clipping. Was bei der PA oder auf Wedges womöglich nicht mal auffällt, klingt direkt auf dem Ohr fast immer schauerlich! Hartes Knacken und Klirren strengt zudem das Gehirn an und überfordert das Ohr schnell. Also bleib – wenn die Möglichkeiten besteht – bei der Mischung fürs IEM lieber etwas weiter unter dem optimalen Gain als bei der Mischung für den Saal.

8. Nimm frische Batterien! Oder achte darauf, dass die Akkus für die Show unbedingt frisch geladen sind. Nichts ist ärgerlicher als plötzliche Stille auf dem Ohr – gerade, wenn die Stimmung auf ihrem Höhepunkt ist.


Nun wollen wir uns noch einem Zukunftsthema widmen – dem 3D-InEar-Monitoring. Zum Start ein Videointerview in dem Pascal Schillo von Eskimo Callboy – eine der ersten Bands, die das 3D-Monitoring von Klang nutzen – in dem er berichtet, wie er das innovative System entdeckt hat und wie die Band es nutzt:





Der Blick in die Zukunft: 3D-InEar-Monitoring

„Willst du deinen InEar-Mix mono oder stereo?“ Auf diese Frage könnte die Antwort bald immer öfter lauten „Weder noch!“. Denn die Tüftler der Firma Klang haben ein „3D-InEar-Monitoring“ entwickelt, mit dem der Sound auf den Kopfhörern deutlich offener und räumlicher wird und man einzelne Instrumente viel besser orten und heraushören kann. Alles was man dazu benötigt ist ein spezielles 19"-Gerät (je nach benötigten Strecken sind verschiedene Modelle im Angebot), das man zwischen das Mischpult und die Monitorsender bzw. Kopfhörerverstärker hängt. Der Effekt ist wirklich schwer zu beschreiben, aber der Unterschied ist verblüffend – und verblüffend gut. Die Verteilung der anderen Instrumente im Raum, Lautstärken usw. kann jeder Musiker per App selbst ganz bequem einstellen. Nicht ganz billig, aber wenn man sich erst daran gewöhnt hat, wird man es nicht mehr missen wollen. Unser erstes Antesten war auf jeden Fall ziemlich beeindruckend.

Weitere Infos: Klang


Das war es soweit zum Thema InEar-Monitoring fürs Erste. Doch die Technik entwickelt sich ja weiter. Deshalb werden wir diesen interessanten Bereich sicher bald wieder aufgreifen.

Solltest du Teil 1 dieses Specials verpasst haben, findest du ihn hier.

Und sollten noch Fragen offen sein, dann schreib bitte an info@musicnstuff.de

Jetzt aber viel Spaß mit der Erstellung deines ersten InEar-Monitoring-Setups.







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