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gigmit klärt auf: Wie ticken Booker eigentlich?

Was is das nur für 1 Veranstalter?

Marcus Ruessel/gigmit am 03.05.2017

Was is das nur für ...

Wieso antwortet der Veranstalter mir nicht? Nie ist er erreichbar, immer nur die Mailbox!! Ich würde so gut ins Programm passen – wieso bucht mich der Club nicht?” Solche Fragen stellt sich wohl ein jeder Musiker im Laufe seiner Karriere des öfteren. Wir wollen Licht ins Dunkel bringen und haben dazu Yoyo, den Booker vom Sage Club in Berlin auf den Zahn gefühlt.

Wer kennt das nicht? Nach Monaten des Songwritings und Probens ist man endlich soweit und will die Bretter entern, die die Welt bedeuten – man will auf die Bühne. Also, schnell ein paar passende Clubs rausgesucht, und per Mail mit der Bewerbung versorgt. Und es passiert: Nichts! Also, nachtelefonieren. Macht keinen Spaß, muss aber sein, oder? Wieder kein Erfolg. Mist, was läuft nur falsch, wir sind doch ne Hammerband!

Und hier liegt oft das Problem: Andere Leute – und eben auch und gerade Booker – sehen euch und eure Band durch eine komplett andere Brille als ihr. Da zählt oft eher die Frage: Macht ihr den Club voll und verhaltet euch professionell? Wie wirkt das Bewerungsmaterial? Macht ihr auch Werbung für das Event? Denn sind wir mal ehrlich: In den meisten Fällen ist der Booker eben nicht euer Freund, sondern ein Geschäftspartner. Deshalb zählen Fakten auch mehr als Emotionen. Um noch mehr dazu zu erfahren, sprachen wir mit Yoyo, dem Booker des Berliner Sage Club.

Music nStuff: Hallo Yoyo, warum gehst du eigentlich nie ans Telefon oder beantwortest Mails?
Yoyo:
Hallo erstmal. Also ich kann nicht immer ans Telefon gehen, rufe aber größtenteils zurück. Bei den E-Mails sind momentan 30% ungelesen. Prinzipiell versuche ich alles zu lesen, ich schaffe es aber nicht immer, allen zu antworten. Ich hab 104 Slots pro Jahr zu vergeben und bekomme um die 100 Bewerbungen pro Woche. Klar sind da Absagen vorprogrammiert. Manchmal ziehen diese aber lange Diskussionen nach sich. Die Fragen der Musiker nach dem „Warum?“ sind verständlich, aber eben auch mühselig zu beantworten und oft führt es auch zu nichts. Wenn ich Potential sehe bzw. höre, gebe ich auch noch jungen Bands eine Chance und sage: „Okay, übt nochmal ‘n halbes Jahr und meldet euch dann wieder.“ Und das ist kein Spruch!

MnS: Du bekommst viele Booking-Anfragen von Bands. Wie triffst du deine Entscheidungen? Was muss eine Band mitbringen, um im Sage zu spielen?
Yoyo:
Eine Band, die mein Interesse wecken will, muss irgendwie aus der Masse herauszustechen, aber bitte nicht nach dem Motto „Auffallen um jeden Preis“, denn das kann auch nach hinten losgehen. Bands können sich immer noch mit gutem Songwriting, einem coolen Sound und einer Energie, die live freigesetzt wird, profilieren. Wenn ich mir bei Bands nicht sicher bin, ob sie zu unserem Format „Rock At Sage“ passen, gehe ich auch hin und wieder auf deren Konzerte und überzeuge mich selbst. Für einige Kollegen sind Facebook-Fanzahlen wichtig für die Entscheidung. Für mich ist das eher sekundär in der Bewertung.

Profis wissen genau, was sie beim Soundcheck zu tun haben – bei Amateuren sieht das leider oft anders aus.

Etwas Realität gefällig?

MnS: Auch wenn Veranstalter noch so idealistisch sind und Newcomern eine Chance geben wollen, geht es am Ende ja auch um Kohle. Reden wir also über das liebe Geld. Wie profitieren Musiker UND Veranstalter von einem Event?
Yoyo:
Die Bands bekommen bei uns die Möglichkeit, sich einem Publikum zu präsentieren, das Lust auf einen geilen Abend bei uns hat. Unsere Gäste kommen wegen des Events und entdecken so neue Lieblingsbands. Wir bleiben auch unserer Türpolitik treu: freier Eintritt bis 22 Uhr, danach kostet der Eintritt 8 €. Das ist für zwei Live-Bands mit anschließender Disco auf mehreren Floors nicht viel, zieht aber viele Leute. Bands spielen bei uns sicher nicht in einem leeren Club.  

Wegen des geringen Eintritts können wir natürlich keine Door-Deals eingehen. Wir versuchen aber, einen Großteil der anfallenden Kosten der gebuchten Bands zu deckeln. Lasst uns also von „Aufwandsentschädigungen“ statt „Gage“ sprechen. Wir buchen Berliner Bands, Bands aus dem Umland, ganz Deutschland, aus dem europäischen Ausland und auch von Übersee und versuchen, jede Band soweit wir können, bei den Reisekosten und der Unterkunft zu unterstützen. Catering und guter Service sind bei uns selbstverständlich. Das ist unsere Spezialität und dafür sind wir bekannt.

MnS: Aus Fehlern lernt man ja bekanntlich. Plauder doch mal aus dem Nähkästchen und erzähl uns von Fehlern, die Musiker in der Zusammenarbeit mit dir schon passiert sind.
Yoyo:
Generell kann ich sagen, dass eine gute Präsentation viel wert ist. Wenn ich eine Bewerbung nur mit einem Link zur Facebook-Seite bekomme, auf der ich aber nur ein, zwei schlechte Handyvideos finde (bedeutet hier: verwackelt, verpixelt und mit scheiß Sound), und dann noch den Allerwelts-Bandnamen googlen muss, um mehr Songs zu finden, dann ist es schon vorbei. Dann bin ich raus.

Sollten wir dann doch zueinander gefunden haben, ist es definitiv von Vorteil immer alle Mails auch komplett zu lesen. Häufig werden kurz vor dem Event Fragen gestellt, die schon längst im Mailverlauf geklärt wurden.
Häufig sind auch die Tech Rider nicht auf dem neuesten Stand. Eine beliebte Floskel im Tech Rider: „Wir bringen unseren eigenen Sound-Techniker mit.“ Das gilt meistens für Open Airs, am Ende kommt nämlich niemand mit zu einem Club-Gig.

Vor dem Soundcheck unbedingt alle Kabel, Adapter und Anschlüsse checken!
Ach ja und: Vor dem Soundcheck Zigaretten ruhig schon vordrehen. Das spart uns allen viel Zeit. ;) Gute Abstimmungen vorab erleichtern die Zeit vor dem Konzert ungemein. Für die letzten Absprachen reicht ein kurzes Telefonat oder eine kurze Mail zwei bis drei Tage vorher vollkommen. Sollte am Konzerttag etwas schief gehen oder sollte sich die gebuchte Band verspäten, dann unbedingt sofort anrufen. Anrufen! Keine E-Mail, keine Facebook-Nachricht oder WhatsApp.

MnS: Danke Yoyo!

Auch wenn jeder Veranstalter, jeder Club und jeder Booker andere Konditionen und Auswahlkriterien pflegt und unterschiedlich mit Bandbewerbungen umgeht, haben doch alle eins gemeinsam: Sie wollen ihrem Publikum etwas bieten, um ihre Läden am Laufen zu halten. Das gelingt nur bei einer guten Zusammenarbeit mit Bands, Musikern und DJs. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen zwischen Musiker und Veranstalter, mit dem gemeinsamen Ziel, einen möglichst erfolgreichen Event zu wuppen. Nur so können Clubs bestehen bleiben, Bands gebucht werden und im Idealfall jeder davon profitieren.

Übrigens: Gigs wie die im Sage Club Berlin – und natürlich viele andere in ganz Deutschland – gibt es auf gigmit.com







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