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Education: Berufsfachschulen & Co.

Die Alternative

Jan Hoffmann am 29.06.2016

Die Alternative

Wer sein Hobby Musik oder Tontechnik zum Beruf machen möchte, der sollte eine gute Ausbildung absolvieren. Da gibt es ja mittlerweile einige Angebote. Neben privaten Anbietern und der klassischen Hochschule gibt es mit Berufsfachschulen und ähnlichen Einrichtungen einen Zwischenweg zwischen privat und Universität.

Der Gedanke ist so offensichtlich, dass viele Musiker sicher schon einmal darüber nachgedacht haben: Wie wäre es, das Hobby zum Beruf zu machen? Klar, das klingt natürlich toll, doch wer sich näher damit befasst und sich auch etwas informiert, was man in musikertypischen Berufen verdienen kann – Rockstars hier ausdrücklich ausgenommen ☺ – und wie viel man dafür arbeiten muss, sinkt die Motivation bei vielen schon wieder rapide. Das Gute daran: Wer sich dennoch für diesen Weg entscheidet, der ist wirklich motiviert, das dann auch durchzuziehen.

Und schon taucht das nächste Problem auf: Wie komme ich am besten an mein Ziel? Welche Ausbildungswege gibt es? Wie sind die Aufnahmevoraussetzungen und was die Kosten? Doch bevor es hier jetzt zu negativ wird, gleich eine gute Nachricht: Noch nie gab es so viele Möglichkeiten, eine Ausbildung als Musiker oder Produzent bzw. Tontechniker zu absolvieren wie heute. Da stellt sich gleich die nächste Frage: Gibt es den Ausbildungsweg, den ich mir vorstelle an einer Universität? Und ist es realistisch, die Aufnahmebedingungen dort zu erfüllen? Oder greife ich gleich tief in den Geldbeutel und gönne mir den Besuch einer privaten Ausbildungseinrichtung?

Wenn beide Richtungen jetzt nicht so klingen, als wären sie das Richtige für dich, gibt es noch einen anderen Weg, der teilweise kostenlos oder vergleichsweise günstig ist, wie eine Ausbildung an der Uni, aber dennoch etwas „lockerer“ bzw. thematisch nicht so sehr auf die klassische beziehungsweise E-Musik fokussiert ist. In Bayern gibt es beispielsweise die sogenannten „Berufsfachschulen für Musik“, bei denen man in einer zweijährigen Ausbildung auch im Bereich „Rock/Pop/Jazz“ machen kann. Wie an einer Universität ist die Ausbildung an sich kostenfrei und BAFöG-berechtigt. Aber man benötigt kein Abitur, sondern nur mindestens einen Hauptschulabschluss.

Wer sich jetzt allerdings schon freut, und denkt, dass man so ja ganz leicht eine Ausbildung machen kann, der sei gewarnt. Denn die Ausbildungsplätze an den Berufsfachschulen sind sehr limitiert, die Konkurrenz um sie ist groß, und die Aufnahmeprüfungen echte Hürden. Man sollte also durchaus eine lange Vorbereitungszeit einplanen und am besten schon in den Jahren vor der Aufnahmeprüfung auf sie hinarbeiten. Sich mal eben schnell dafür zu entscheiden, ist eher unrealistisch.  

Neben Berufsfachschulen für Musik gibt es auch Alternativen wie die Popakademie in Mannheim.

Nicht aus Bayern?

Du wohnst nicht in Bayern und möchtest auch nicht dort hinziehen? Aber trotzdem möchtest du Popmusik studieren? Keine Sorge, auch dafür gibt es Angebote, etwa bei der Music College Hannover, der Hamburg School Of Music oder bei der sehr bekannten Popakademie Mannheim. Hier braucht man dann zwar die Hochschulreife, dennoch liegt hier U-Musik und Praxis deutlich mehr im Fokus als bei klassischen Universitäten.

Weitere Infos:

Berufsfachschule für Musik Oberfranken; www.bfm-oberfranken.de


Berufsfachschule für Musik Krumbach, www.bfsm-krumbach.de

Berufsfachschule für Musik (Mittelfranken), http://wp.bfs-musik.de/kontakt/

Max-Keller-Schule, Berufsfachschule für Musik, www.max-keller-schule.de

Berufsfachschule für Musik des Landkreises Deggendorf, www.bfsm-plattling.de

Berufsfachschule für Musik Sulzbach-Rosenberg, www.bfsm-sulzbach.de/

Berufsfachschule MUSICATION Nürnberg, www.bfsm-nuernberg.de

Neue Jazzschool München e. V., www.jazzschool.de

music college Regensburg, www.music-academy.de

Berufsfachschule für Musik des Landkreises Rhön-Grabfeld, www.bfsmusik.de

Berufsfachschule für Musik für Blinde, Sehbehinderte und Sehende, www.bbs-nürnberg.de



Popakademie Mannheim, www.popakademie.de

Music College Hannover, www.musiccollege-hannover.de

Hamburg School Of Music, www.theschool.de

Unser Interviewpartner Lucas Heiby mit seinem Drumset.

Interview mit einem Popakademie-Studenten

Um mehr darüber zu erfahren, warum man sich für so ein Studium entscheidet und wie es einem dabei so ergeht, sprachen wir mit Lucas Heiby, der ein Drum-Studium an der Popakademie in Mannheim absolviert hat.

Music nStuff: Beschreib doch bitte kurz deinen musikalischen Werdegang bis du dich bei der Popakademie beworben hast.
Lucas Heiby:
Musikalisch hat mein Leben eigentlich mit Schlagzeug begonnen. Mein Vater ist Profi-Schlagzeuger und hat mich schon sehr früh an das Instrument herangeführt, er war auch mein Lehrer. Klavier war das erste Instrument was ich dann in einer Musikschule gelernt habe, darauf folgten auch klassische Gitarre, E-Gitarre und E-Bass. Die ersten Bands kamen dann auch über die Musikschule. Nach dem Abitur stand die Frage im Raum, was ich nun mache, und da erfuhr ich auch schon von der Popakademie. Da war mir aber schon klar, dass ich noch etwas an meinen musikalischen Fähigkeiten arbeiten müsste, um dahin zu kommen. Also nahm ich mir ein Jahr um mich auf die Aufnahmeprüfung vorzubereiten. An der Tagesordnung stand viel üben, mit Bands spielen und Musiktheorie pauken. Leider habe ich die Aufnahmeprüfung im ersten Anlauf nicht geschafft und mich daraufhin entschieden, ein Jahr später mein Glück nochmals zu probieren. In der Zwischenzeit ging ich ein Semester auf eine klassische Musikhochschule um besonders auf die Theorie einzugehen. Im zweiten Anlauf gelang mir dann die Aufnahmeprüfung an der Popakademie.

MnS: Ab wann war dir klar, dass du eine Profilaufbahn als Musiker einschlagen willst?
Lucas:
Trotz Drum-Papa war die Profilaufbahn nicht sofort klar. Das liegt vielleicht daran, dass man als kleines Kind alles ein wenig anders sieht, wenn der Papa Abends oft nicht da ist oder an Silvester arbeiten muss. Das Schlagzeug war am Anfang dadurch nicht meine erste Priorität. Das kam mit 15-16, da habe ich die Leidenschaft dafür entdeckt und kurz vor dem Abi wurde mir dann klar, dass ich das auch beruflich machen will.

MnS: Wie bist du auf die Popakademie in Mannheim gestoßen – und warum hast du dich für sie als deine Wunschausbildungsstätte entschieden?
Lucas:
Mein Vater hatte mich damals auf verschiedene Musik-Unis aufmerksam gemacht. Viele davon sind auf Jazz ausgerichtet, oder bieten einen Jazz-Pop Studiengang an; doch allein die Popakademie punktet mit einem wirklich kompletten Pop-Studiengang. Das hat man  bereits beim Durchlesen der Website gemerkt. Wir sind dann auch öfters zu den „Work In Progress“-Clubs gefahren, die dort ein Mal im Monat stattfinden. Dort können Popakademie-Bands auftreten um Songs vor Publikum zu testen. Ich war beeindruckt von den Acts, die auf der Bühne standen, und genau das machten, worauf ich Lust hatte: geile Pop-Musik mit ordentlich „Wumms“. Meine Entscheidung war schnell gefällt: Da wollte ich hin.

Natürlich habe ich mich auch noch an anderen Hochschulen beworben wie in Köln, Stuttgart oder Freiburg, um die Möglichkeit zu haben noch etwas anderes zu sehen. Im Endeffekt hat es mit der Popakademie dann geklappt. Und zum Glück!

Praxiserfahrung zu sammeln ist an der Popakademie ein essenzieller teil der Ausbildung.

Gar nicht so einfach

MnS: Was waren die Voraussetzungen für die Aufnahmeprüfung? Und wie sah diese dann aus?
Lucas:
Bevor man an die Aufnahmeprüfung denken kann, muss man sich erst ein Mal per Post bewerben. Das kann jeder machen, der denkt er könne gut Drums, Gitarre, Bass, Keyboard spielen, singen oder produzieren. Dazu gilt es ein Zulassungsantrag auszufüllen, in dem man Fragen zu seiner Person und zum Werdegang beantworten muss. Dazu muss man noch eine CD/einen USB-Stick mit drei Songs einreichen, davon ein Solo, in dem das gespielte Instrument gut zu hören ist. Ein Live-Video zu einem der Songs sollte ebenfalls vorhanden sein.

Und dann heißt es erst ein Mal zu warten. Ein Paar Wochen nach Einsendeschluss bekommt man schließlich per Mail mitgeteilt ob man weiter ist oder nicht. Wer weiter ist, wird zur Aufnahmeprüfung eingeladen. Die Aufnahmeprüfung verläuft in zwei Teilen. Im ersten Teil geht es darum, eine schriftliche Prüfung abzulegen: Aufgaben zu Musiktheorie, Gehörbildung, allgemeine Musiklehre, usw. Dazu muss der Prüfling noch einen Aufsatz schreiben in dem er zwischen drei Themen wählt, unter anderem einem über Musikbusiness. Die Auswertung erfolgt quasi sofort danach und kurze Zeit nach Abgabe der Prüfung weiß jeder Bescheid, ob er den ersten Teil bestanden hat oder nicht.

Wer diesen ersten Teil bestanden hat, darf zum zweiten Teil der Aufnahmeprüfung. Das ist dann die praktische Prüfung: Hier wird „Live“ gespielt, entweder mit eigener Band oder zum Playalong. Ich habe insgesamt drei Songs vorgespielt, zwei Eigenkompositionen mit Band und ein Playalong. Wenn das alles vorgetragen ist, wird das Publikum aus dem Raum gebeten und man steht alleine auf der Bühne vor einer Reihe von Prüfern. Der jeweilige Hauptfach-Dozent betritt dann die Bühne, in meinem Fall Udo Dahmen als Schlagzeug Dozent, und stellt zusätzliche Aufgaben. Das ist dann die Ad-hoc-Prüfung: verschiedene Stilistiken, Rhythmen und vom Blatt lesen. Danach kam der Bass-Dozent dazu und ich musste seine Bass-Figuren begleiten und die rhythmischen Elemente benennen können. Ist dies gemacht bleibt nur noch das Einzelgespräch. Dort sitzt man dann vor den Prüfern und muss fragen zu seiner Motivation, der Persönlichkeit oder Musik im Allgemeinen beantworten.

MnS: Wie muss man sich den Alltag an der Popakademie vorstellen? Was steht auf dem Lehrplan und worauf liegt der Fokus?
Lucas:
Der Alltag an der Popakademie im ersten Jahr beginnt generell damit, dass von Montag bis Mittwoch von 9:30 bis 16:30 Uhr Vorlesungen stattfinden. Über das Jahr verteilt finden vier Grundkurse statt, mit Themen wie Popmusikproduktion, Artist Development, Existenz- und Unternehmensgründung, Image, Stage und Performance.

Donnerstagsmorgens finden dann die Kurse Musiktheorie und Bodypercussion statt, nachmittags die Hauptfach- und Nebenfach-Unterrichte. Freitage und Wochenenden sind in der Regel frei, da die meisten Studenten ja auch noch Gigs spielen müssen. Vor und nach der Uni ist Proben und Üben angesagt, dafür stehen Proberäume zur Verfügung die man Tag und Nacht benutzen kann. Ab dem dritten Semester kann man mehr Entscheidungen treffen, was man gerne machen möchte. Ich hatte mich neben Pflichtveranstaltungen wie Musiktheorie auch für MB-Basis entschieden. In diesem Kurs wird z.B. mehr auf Steuern, Verträge, Verlage, usw. eingegangen.

Trotz der Tatsache, dass die ersten beiden Semester ziemlich mit Vorlesungen und Hausarbeiten vollgepackt sind, findet man natürlich Zeit für musikalische Kreativität. Jedoch merkt man ab dem dritten Semester wirklich, wie sich die Perspektiven öffnen und man mehr Energie und Zeit für eigene Sachen aufbringen kann. Der Fokus liegt darauf, Kreativität zu wecken und Potenziale zu fördern. Man trifft auf talentierte Musiker, jammt und gründet Bands. Damit sich das Ganze auch entwickelt, gibt es auch Bandcoaching und Performancecoaching, wo erfahrene Dozenten aus der Musikszene unsere jungen Bands coachen und nach Vorne bringen. Es ist aber auch klar, dass der Musiker heutzutage nicht nur spielen können muss, sondern auch das gewisse Know-how zum Thema Musikbusiness braucht, um seine Karriere erfolgreich zu gestalten. Genau das vermittelt die Popakademie.
    

Eine gute Ausbildung ist auch für Musiker eine gute Basis.

Zukunftsaussichten

MnS: Ist es wichtig, neben der Schule auch Praxiserfahrung zu sammeln? Und wie machst du persönlich das (Bands, Unterricht geben usw.)?
Lucas:
Praxiserfahrung ist eine der wichtigsten Eigenschaften des Musikmachens. Vieles kann man nicht aus Skripten, Vorlesungen und Auftritten auf der hauseigenen Bühne lernen. Durch die Connections, die man dort aufbaut, kommt man an Gigs außerhalb des Popakademie-Netzwerks, lernt neue Musiker kennen und erweitert somit sein eigenes Netzwerk. Das Musikstudium ist meiner Meinung nach auch eines der einzigen, in dem der Student bereits vor Abschluss hauptberuflich arbeitet. Ich persönlich spiele in mehreren Bands, die aus dem Studium entstanden sind, einige Bands außerhalb und ich „subbe“ natürlich da wo ich gebraucht werde (Musicals, private Events, größere Konzerte, usw.).

Unterrichten ist eine sehr gute Möglichkeit an Erfahrung zu gewinnen, dafür gibt es im 3. Semester das Programm „School of Rock“ wo die Popakademie mit den Studenten an Schulen im Rhein-Neckar Raum geht und dort einen Tag lang unterrichtet. Dies ermöglicht es auch viel einfacher, an Dozenten- und Lehrer-Jobs heranzukommen, da man etwas Erfahrung mitbringt. Ich selbst unterrichte an einer Musikschule in Ludwigshafen und es ist immer wieder spannend Sachen, die man selbst verstanden hat, anderen Menschen nahezubringen.

MnS: Hast du schon eine Idee, was du später beruflich machen möchtest oder ermöglicht einem die Ausbildung verschiedenste Wege?
Lucas:
Wie ich bereits erwähnte, arbeitet man scvhon neben dem Studium (unterrichten, Gigs, usw.) und wird zum professionellen Musiker. Ziel ist es, durch das Studium in die Musikszene zu kommen und sich langfristig etablieren zu können. Jedem ist es dann überlassen sich danach zu entscheiden, ob er nun diese Laufbahn weiterverfolgen möchte, oder sich etwas anderem widmet. Die Ausbildung ermöglicht dem Musiker eine Art Bestätigung für sein Können.

Man kann sich danach als Recording Artist, Performing Artist, Dozent, usw. bewegen. Unterrichten ist für mich eine Selbstverständlichkeit, die ich es auch nach dem Studium als sehr sinnvoll empfinde, da es dem Musiker eine gewisse berufliche und finanzielle Standfestigkeit bietet. Auch wenn ein Musiker nicht unbedingt ein Diplom braucht, um zu existieren, ist die Tatsache einen Bachelor oder Master in der Tasche zu haben, schon recht positiv um sich von der Masse an Musikern abzuheben.







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