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Test: B.C. Rich JRV Lucky 7 & Warlock Lucky 7

Vorsicht scharf!

Jan Hoffmann am 08.11.2014

Vorsicht scharf!

Um die Gitarren von B.C. Rich war es hierzulande etwas ruhig geworden. Doch an der Qualität der Instrumente kann es eigentlich nicht liegen, wie unsere zackigen siebensaitigen Testmodelle beweisen. Denn hier bekommt man für rund 500 Euro richtig gutes Handwerkszeug für fette Riffs – auf Wunsch sogar mit acht Saiten!

Der Trend zu sieben- und sogar achtsaitigen Gitarren hält – natürlich in einer gewissen Nische – weiter an. Erstaunlicherweise finden sich dort, obwohl viele der Käufer sich musikalisch hauptsächlich im Heavy-Bereich bewegen, zu einem Großteil stromlinienförmige „Superstrat“-Modelle. Dabei würde man doch gerade hier mit reichlich zackigen Instrumenten rechnen, um den Sound auch optisch entsprechend zu unterstützen.

Eine der bekanntesten Marken, wenn es um einprägsame und abgefahrene Korpusdesigns geht, ist unzweifelhaft B.C. Rich. Die Geschichte der von Bernardo Chavez Rico gegründeten Firma reicht zurück bis in die 1960er Jahre, wo dieser allerdings hauptsächlich Flamenco-Instrumente herstellte. Doch schon bald machte er sich gemeinsam mit verschiedenen Designern daran, frischen Wind in die Rock- und Heavy-Szene zu bringen. Einige der bekanntesten Modelle sind dabei die seit Mitte der 1970er erhältliche Bich oder die Anfang der 1980er vorgestellte Warlock – die man heute vor allem mit Kerry King von Slayer verbindet.

Und auch wenn heute keiner der Rico-Familie mehr bei B.C. Rich aktiv ist, profitiert die Firma von dieser langen Historie und der gesammelten Erfahrung. Der Großteil der Instrumente wird mittlerweile in Indonesien hergestellt. So auch unsere beiden Testmodelle, in ihrer Grundform echte Klassiker – hier allerdings in der siebensaitigen Variante. Und während die JRV eine moderne Interpretation der Flying V ist, ist das Warlock-Design ja ein hauseigener Klassiker – mittlerweile nun schon über 30 Jahre am Markt.

Da beide Modelle von den Features her nahezu identisch sind, werde ich hauptsächlich auf die JRV eingehen und anschließend nur die Unterschiede zur Warlock erläutern. Übrigens: Beide Modelle gibt es mit quasi der gleichen Ausstattung auch als Achtsaiter – dann allerdings mit 27"-Mensur. Dann schnappen wir uns die ausladende schwarze Schönheit doch mal.

Für die Übertragung zum Amp sorgen zwei Duncan Designed Blackouts – die günstige Variante dieser Pickups von Seymour Duncan.

Zackig und auf Zack

Der Look der meisten B.C.-Rich-Modelle mag sehr extrovertiert sein, die Konstruktion ist aber grundsolide. An den schmal und lang geschnittenen Mahagonikorpus der JRV Lucky 7 ist ein Ahornhals angeschraubt, den ein Palisandergriffbrett mit 24 Jumbo-Bünden ziert. In Sachen Optik verzichtete man auf Inlays und gönnte dem Hals dafür ein schickes Binding, das sich auch um die spitze Kopfplatte zieht. Ungewöhnlich ist, dass der Korpus in hochglänzendem Schwarz lackiert ist, der Hals dagegen im sogenannten Fast-Black-Satin-Finish kommt. Das sieht man selten. In Sachen Spielgefühl ist das aber auf jeden Fall eine gute Idee, denn bei hochglänzend lackierten Hälsen bleibt man ja gerne mal mit der Hand kleben – hier jedoch gleitet die Greifhand seidenweich den Hals hinauf und hinab.

Auch in Sachen Hardware verzichtet man auf Experimente und setzt auf einfache aber solide Komponenten. Am Steg sitzt eine simple Metallbrücke, die dennoch fein einstellbar ist und der Hand eine gute Auflagefläche bietet. Für beste Schwingungsübertragung werden die Saiten durch den Korpus gezogen. Auf der Gegenseite sorgen ein sauber gearbeiteter Sattel aus synthetischem Graphit und geschlossene Mechaniken für saubere Stimmung. Und das funktioniert auch sehr gut.

Elektronisch sind beide Gitarren ebenfalls sehr straight ausgestattet. Pickup-seitig gibt es zwei aktive Humbucker, die Duncan Designed Blackouts – also die günstig in Fernost gefertigte Variante von Seymour Duncans Aktiv-PU-Klassiker Blackout. Verwaltet werden die beiden über zwei Volume-Potis sowie einen Master-Tone-Poti und einen Dreiweg-Schalter. Dabei ist der Regler über dem Dreiwegschalter für den Halstonabnehmer zuständig und der untere für den Kollegen am Steg. Ob man das jetzt so mag oder nicht, ist Geschmacksache. Wobei Steg-PU- und Tone-Poti so eng zusammenliegen, dass schnelles Abdrehen manchmal schon schwierig ist. Übrigens: Auf der Rockseite befindet sich ein separates Batteriefach, das man einfach aufklappen kann. So dauert der Batteriewechsel auch ohne Werkzeug nur Sekunden.

Elegant und schnittig: Die Kopfplatter der B.C. Richs

So gleich und doch so anders

Schluss mit vielen Worten, ab an die Saiten. Greift man sich die JRV, ist man ob ihres geringen Gewichts erst mal überrascht – bei den Ausmaßen. Doch diese B.C. Rich trägt sich richtig angenehm und fühlt sich auf Anhieb gut an. Im Sitzen kann man sich die beiden Flügel schön zwischen die Schenkel packen und die Gitarre liegt wirklich optimal und richtig bequem. Am Gurt hängt die schlanke Indonesierin auch sehr angenehm, es ist maximal eine ganz kleine Spur von Kopflastigkeit zu spüren – die muss man aber fast schon erzwingen. Ansonsten sitzt hier alles richtig gut.

Schon akustisch verspricht die B.C. Rich einiges, denn sie klingt sehr offen und schwingt intensiv und langanhaltend. Die Kombination aus Ahorn und Mahagoni scheint hier richtig gut zu funktionieren. Dann wollen wir doch mal sehen, was die Duncan-Designed-Pickups so zum Amp schicken. Ich persönlich stehe ja auf Seymour Duncans Blackout-Modelle, bin also optimistisch, dass mir das Ergebnis gefallen wird. Das Klangbild am Amp ist dann auch erwartungsgemäß sehr klar und aufgeräumt, aber keineswegs unterkühlt, wie man es ja aktiven Tonabnehmern gerne vorwirft. In Sachen Output liegen die Duncan Designed etwas unter dem „Industriestandard“ EMG 81, dafür sind sie aber auch deutlich offener und weniger komprimiert. Sehr schön.

Schön ist auch, dass Hals- und Stegtonabnehmer deutlich unterschiedlich klingen und das Tone-Poti deutlich eingreift. So sind wirklich vielfältige Klangfärbungen vom Funk über Blues bis – na klar – Rock und Heavy möglich. Aber keineswegs nur voll auf die Glocke. Letzteres liefert die B.C. Rich natürlich auch und gerne. Besonders beeindruckend ist, wie einem die Pinch Harmonics nur so entgegenfliegen – Instant Zakk Wylde quasi ... Das macht richtig Laune. Weniger überraschend hingegen ist, dass die Gitarre sehr nebengeräuscharm ist – dank ihrer aktiven Pickups. Kleiner Tipp hierzu: Gerade wer viel Stakkatoriffs spielt, sollte etwas zwischen die Saiten an der Kopfplatte klemmen – ein wenig Schaumstoff oder einen Haargummi –, denn hier schwingen die Saiten deutlich hörbar mit. Das ist zwar ganz normal, aber wenn man es nicht weiß, kann einen das richtig nerven.

Die Halsrückseite in mattem Fast Satin Black fühlt sich sehr angenehm an.

Kompakter Korpus, kompakter Sound

Und wie sehr unterscheidet sich der Sound der Warlock Lucky 7 jetzt von dem seiner schlanken Schwester? So viel kann der andere Korpus und der Mahagonihals doch nicht ausmachen, oder? Nun ja, schon beim ersten Anfassen beziehungsweise Anspielen der etwas schwereren Warlock merkt man, dass die Frequenzen hier schon deutlich anders verteilt sind. In den Höhen klar zurückhaltender verschiebt sich das Frequenzbild hier doch ein ganzes Stück Richtung (Tief)Mitten, und es klingt auch deutlich kompakter.

Das passt gut zur Optik und zum Gefühl, das einem die Warlock Lucky 7 vermittelt. Denn im Vergleich mit ihrer Schwester ist sie deutlich kompakter geformt und fühlt sich – trotz ihrer Ecken und Kanten – eher wie eine klassische E-Gitarre an. Sie liegt erstaunlich bequem am Körper, im Sitzen klemmt man die Gitarre wirklich ganz automatisch auf den rechten Oberschenkel, wo sie dann klasse vor einem liegt. Auch die Bespielbarkeit ist toll, bis in höchste Lagen liegt einem nichts im Weg, das macht Laune. Am Gurt verhält sich die Warlock noch unproblematischer als ihre Schwester mit den langen Beinen. Einfach umhängen, einpendeln – und los geht’s.

Am Amp bleibt der rein akustisch gewonnene Eindruck erhalten, die Warlock klingt einfach einen ganzen Schwung fetter, mittiger und kompakter. Man könnte sagen, sie ist eher die Rhythmusgitarre von den beiden – die JRV tendiert eher etwas Richtung Sologitarre. Aber natürlich funktionieren beide Gitarren in beiden Bereichen bestens. Sie sind klanglich doch überraschend flexibel und hauen bei Bedarf ein richtig fettes Brett raus, garniert von heftigen Harmonics. Die Unterschiede zwischen beiden Modellen sind schon deutlich, allerdings eher eine Frage des Geschmacks als der Qualität, denn die ist bei beiden Gitarren – auch in Anbetracht der Preisklasse – richtig gut.

Denn für rund 500 € bekommt man hier viel fürs Geld. Eine tolle Verarbeitung solider Komponenten, die ganz offensichtlich kompetent zusammengestellt wurden. Dass man in Indonesien mittlerweile richtig gute Gitarren bauen kann, ist ja nichts Neues – und die beiden B.C. Richs belegen diese Erkenntnis. Wer auf der Suche nach einer ordentlichen Siebensaiter zum fairen Preis ist und auf abgefahrene Looks steht, für den dürften die beiden Lucky 7s eine echte Überlegung sein. Was man natürlich noch dazurechnen muss, ist der Kauf eines passenden Gigbags oder Koffers, denn in Standardcases oder -gigbags gehen beide Gitarren absolut nicht. Und wie oben erwähnt: Wem sieben Saiten nicht reichen, der bekommt beide Modelle auch in einer achtsaitigen Version namens JRV bzw. Warlock Lucky 8 mit nahezu identischer Ausstattung und 27“ Mensur.

Dank einer Klappe kann man die Batterie schnell und ohne Werkzeug tauschen.

Technische Daten & Wertung

Typ Heavy Siebensaiter
Bauweise
Solidbody E-Gitarre   
Korpus
Mahagoni
Hals
geschraubt, Ahorn (JRV), Mahagoni (Warlock)
Griffbrett

Palisander, 24 Jumbo Bünde

Mensur 648 mm/25,5“
Halsbreite (Sattel) 42,8 mm
Mechaniken geschlossen
Sattel synthetisches Graphit
Brücke
Fixed Bridge
Tonabnehmer

2 x Duncan Designed Blackout (aktiv)

Kontrollfeld

2 x Volume, Tone, 3-Weg-Toggle-Schalter

Finish Korpus: Black (hochglanz); Hals: Fast Black Satin (matt)
Hergestellt in Indonesien

 
Preis (UVP):  je 539 €

Wertung:
+ solide und sauber verarbeitet
+ gute Hardware und Hölzer
+ satter, aggressiver Sound
+ super Preis-Leistungs-Verhältnis
- weder Gigbag noch Koffer dabei

Vertrieb: Music & Sales;
Weitere Infos: www.bcrich-guitars.de







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