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Test: ZOOM ARQ

Ring my Beat

Ein Ring, sie alle zu knechten – angesichts des ringförmigen Controllers wäre das vielleicht ein passendes Motto für Zooms Groovebox ARQ.


Ring my Beat

Kreativ sind sie anscheinend, die Entwickler bei Zoom. Auf die Idee, eine Groovebox mit abnehmbarem Controller zu bauen, muss man erstmal kommen. Das Ganze dann als Performance-Instrument zu bezeichnen, bei dem der Controller ein leuchtender Gummiring ist, wirft die Frage nach der Ernsthaftigkeit des ARQ auf. Doch es lässt sich schnell klären, ob ARQ ein ernstzunehmendes Instrument oder doch nur ein Spielzeug ist. Dazu nimmst du die stabile Basisstation mitsamt Ring aus dem Karton, schließt das beiliegende Netzteil an und legst los.

Einschalten, Ring anfassen und loslegen, so einfach kann es sein. ARQ erfordert wenig musikalische Vorkenntnisse, dafür eine gehörige Portion Neugier. Normalerweise werden elektronische Instrumente über ein Keyboard oder Pads bedient, ein anschlagsdynamischer Ring hingegen ist etwas Besonderes. Er macht seine Aufgabe sehr gut. Die Anschlagsdynamik reagiert hervorragend, tonales Spiel ist ebenso möglich wie ein Einsatz als Stepsequenzer für die internen Klänge oder MIDI-Controller. Der besondere Clou ist, dass du den Ring vom ARQ abnehmen kannst. Anstatt kaum sichtbar irgendwelche Knöpfe zu drücken, bewegst du dich frei auf der Bühne.

Die bunte Beleuchtung des Rings ist dabei mehr als nur ein optischer Show-Effekt. Sie erleichtert dir das Spielen mit dem Controller. Je nach Modus stellt er die Steps eines Klangs dar (dessen Farbe er annimmt), zeigt dir die Belegung deines Sets mit den ausgewählten Klängen (von denen jedes eine andere Farbe erhält) oder erleichtert dir das Spielen mit Loops. Die Felder des Rings sind groß genug, um zielgenau getroffen zu werden. Mithilfe einer Taste lässt du den Ring erkennen, in welchen Bereichen du ihn greifst. Dort deaktiviert er dann die Felder, sodass ein versehentliches Auslösen von Noten oder Controller-Daten durch deinen Griff ausgeschlossen ist.

Im Song- oder Looper-Modus wechselst du sogar die Pattern und Loops durch Auswahl auf dem Ring. Dieser wird an zwei Stellen durch schwarze Felder unterbrochen. In ihnen aktivierst du verschiedene Funktion und startest die Wiedergabe. Außerdem aktivierst du dort Effekte, die du durch die Bewegung des Rings steuerst. So schwungvoll hast du mit Sicherheit noch keine Filterfahrt gemacht, wie durch das Schwenken des ARQ. Dadurch, dass die seitlichen Flächen, Vorder- und Rückseite unabhängig voneinander mit Parametern belegt sein können, hast du über den Ring verteilt schon sehr viele Eingriffsmöglichkeiten.


Der Ring besteht aus vielen anschlagsdynamischen Pads, die bunt beleuchtet werden.

Basis, bitte melden

Ein wenig erinnert das Konzept an Science-Fiction-Filme. Während das ringförmige Raumschiff  wild durch Zeit und Raum schwebt, sorgt die Basis dafür, dass die Kontrolle erhalten bleibt. Sie ist schwerer, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Ihr Unterteil ist aus Metall, sodass sie im rauen Bühnenalltag einen sicheren Stand hat. Den Ring verbindest du leicht über einen magnetischen Anschluss mit der Basis. Über diesen Anschluss lädt er dann seine Akkus auf. Über die Basis wird ARQ mit der Außenwelt verbunden. Jeweils ein Stereo-Ein- und -Ausgang, USB-Anschluss, einen SD-Karten-Schacht und Fußschalteranschluss findest du dort.

An der Basisstation nimmst du außerdem alle grundlegenden Einstellungen vor. Hier wählst und editierst du die Klänge, verwaltest die Pattern und stellst die Effekte ein. Sie ist durch die sinnvolle Beschriftung und klare Anordnung der Regler und Tasten sehr übersichtlich. In der Mitte zeigt das Display die wichtigsten Informationen zu der jeweiligen Funktion. Die wichtigsten Funktionen des ARQ rufst du direkt über entsprechende Buttons auf. Solltest du mal tiefer in die Editierung von Klängen einsteigen oder einige Einstellungen verändern wollen, navigierst du mit zwei Pfeiltasten und dem Select-Encoder durch die Menüs.

Neben dem Push-Encoder für Select gibt es drei weitere Drehregler. Mit ihnen veränderst du in den Menüs zur Klang-Editierung die Werte. Außerdem benötigst du sie zum Aufnehmen von Motion-Sequenzen, da etwa die Filterwerte direkt mit ihnen verändert werden. Neben dem Select-Regler findest du außerdem den Menü-Button. Mit einem Druck auf ihn kommst du zu den Funktionen, mit denen du grundlegende Einstellungen für ARQ vornimmst, den Ring an- beziehungsweise abmeldest (um ihn als Bluetooth-Controller zu verwenden) oder eine SD-Karte formatierst.

Im Audio/MIDI-Manager von Mac OS meldest du mit einem Klick auf Bluetooth den ARQ als Controller an.

Grooves erschaffen

Das neuartige Konzept von ARQ bedingt, dass du für einige Funktionen erstmal einen Blick in die Kurz- oder Bedienungsanleitung werfen solltest. Diese hilft dir dabei, die unterschiedlichen Funktionen des ARQ zu verstehen. So lernst du beispielsweise schnell die Möglichkeiten im Step- und Instrumenten-Modus kennen. Während du am Ring nämlich neue Grooves einspielst, kannst du an der Basis spontane Eingriffe in den Klang vornehmen, Klänge und Effekte editieren sowie den Mix verfeinern. Je nach Modus passt der Ring seine Farbe den Funktionen an. Drumkits etwa erkennst du am vielfarbig beleuchteten Ring.

Etwas verwirrend ist es, dass innerhalb eines Drumkits vermeintlich tonal spielbare Klänge liegen. Dabei rufst du nur über einen Druck auf den Select-Button ein tonales Instrument auf. Davon gibt es dann pro Pattern nur eins, sodass du über die Looper-Funktion gehen musst, um mehrstimmige Kompositionen zu erzeugen. Im Looper kombinierst du spielerisch Pattern, Songs und Audioaufnahmen. Um Pattern und Songs in den Looper einzusetzen, drückst du auf den Capture-Button. Anschließend wählst du einen Speicherplatz für das erzeugte File. Die Files verteilst du dann auf dem Ring, wo du sie startest.

Da du über Capture Pattern mit Motion-Sequenzen für den Looper bereitstellst kannst, lohnt es sich, ein gelungenes Pattern zu kopieren und jede Kopie mit unterschiedlichen Motion-Sequenzen zu versehen. Dadurch kannst du im Looper verschiedene Varianten eines Pattern abrufen. Welche Loops du hörst, legst du durch Antippen auf dem Ring fest. Damit bewegst du dich frei auf der Bühne, während du immer wieder neue Variationen deines Tracks erzeugst. Das Schichten von Loops, erzeugen von Breaks durch Patternwechsel und Filterfahrten geschieht im direkten Kontakt zum Publikum statt verborgen hinter einem Tisch voller Instrumente.

Der Klang

Die Auswahl der Samples, aus denen du deine Klänge erzeugst, ist sehr gelungen. Für viele elektronische Stile, Hip-Hop und Pop findest du geeignete Schlagzeug- und Bassklänge. Dazu noch eine große Anzahl an Pads, Streichern, Klavieren – es ist alles da, was du für einen soliden Groove benötigst. Sogar an verschiedene Synthesizer-Wellenformen haben die Entwickler gedacht, sodass du einen Klang von Grund auf bauen kannst. Mit einem Multimode-Filter, Hüllkurven und LFOs sind alle wesentlichen Synthesizerfunktionen im ARQ vorhanden.

Der Weg zu einem neuen Klang ist immer der gleiche, egal ob du im Key- oder Pad-Modus spielst. Du wählst den Klang aus, den du verändern oder austauschen möchtest. Ein Druck auf den Edit-Button öffnet das entsprechende Menü. Mit den beiden Pfeiltasten neben dem Display navigierst du durch die Blöcke, in denen der Klang verändert wird. Um neue Wellenformen, Filtertypen oder Effekte auszuwählen, navigierst du mit dem Select-Button durch die entsprechenden Menüs. Dass ist teilweise etwas mühselig – hoffentlich kommt ein Update, das die Navigation vereinfacht.  

Um in die Tiefen der Klangeditierung einzusteigen, solltest du zumindest einen Blick in die Kurzanleitung werfen. Leicht verständlich erläutert sie die wichtigsten Details, wie beispielsweise die Zuweisung von Effekten pro Klang und im Mixer. Diese sind solide und leisten gute Dienste. Ein absoluter Bonus ist dabei, dass du Änderungen der Effekteinstellungen innerhalb eines Patterns aufnehmen kannst. Ein kurzes Reverse-Echo auf dem letzten Viertelschlag der Snare, eine Filterfahrt und andere Effektspielereien sind problemlos möglich.

ARQ mit Live und iOS

Inzwischen scheint es zum guten Ton zu gehören, seine Produkte an Ableton Live anzupassen. Bei ARQ ist es die Möglichkeit, den Ring als MIDI-Controller beziehungsweise als Live-Controller einzusetzen. Zumindest bewirbt Zoom den ARQ entsprechend. Im Test entpuppt sich diese Anpassung als ein Live-Projekt, in dem Clips und Scenes durch Controllerdaten an ARQ angepasst sind. Eine akzeptable, aber wenig elegante Methode. Eine Remote-Datei wie bei anderen Controllern wäre die bessere Lösung. Selbst für einige iPad-Apps gibt es passende Remote-Dateien, hoffentlich liefert Zoom bald Entsprechendes nach.

Es wäre ein eleganter Zug, denn ARQ macht als Steuerung für Live 9 viel Spaß. Der Ring ist in Zonen eingeteilt. Du wählst über diese Zonen die Spur aus, die du editieren willst. Neben dem Starten von Clips regelst du die Lautstärke, Panorama, Send A sowie B und schaltest die Spur stumm. Dazu reicht es, wenn du den Ring, wie in der Anleitung beschrieben, als Bluetooth MIDI-Controller aktivierst. In Mac OS wird er dann erkannt und bei Live als MIDI-Controller angezeigt. Indem du das oben erwähnte Projekt lädst, sorgst du für die Zuordnung des Controllers. Es ist übrigens kein Problem, Clips aus diesem Projekt zu löschen, die Zuweisungen bleiben bestehen.

Neben Mac OS kommuniziert ARQ ebenso mit iOS. Dadurch steht dir der Ring als Controller für Bluetooth-MIDI-fähige Apps auf dem iPad und iPhone zur Verfügung. Moog Modular 15 erkannte den Ring auf Anhieb. Die Einbindung in Cubasis 2 verlief ebenso erfolgreich. Auch die internen Klangerzeuger und Apps, die über Inter-Audio eingebunden sind, steuerst du ohne Probleme mit dem Ring. Zusammen mit einem iPad kann ARQ dadurch durchaus ein kleines, leistungsfähiges Live-Set-up ergeben. Das Audio-Signal vom iPad kannst du außerdem noch mit ARQ über den Audio-Eingang bearbeiten oder sogar als Loop aufnehmen.

Um in diesem Projekt für Live 9 deine eigenen Clips zu starten, löschst du einfach die vorhandenen, ohne die MIDI-Zuordnung zu löschen.

Fazit

Insgesamt kann man Zoom zu der gelungenen Idee und der durchdachten Umsetzung gratulieren. ARQ ist ein Instrument, das im Studio, aber vor allem im Bühneneinsatz sehr viel Spaß macht. Wer bereit ist, sich auf den neuartigen Ansatz der Bedienung eines Instruments einzulassen, wird seine Freude haben. Zumal ARQs Vielseitigkeit soweit geht, dass sogar andere Synthesizer und deine DAW über den Ring gesteuert werden. ARQ ist eine Groovebox, die alleine und im Verbund eines größeren Set-ups ihre Stärken ausspielt. Live ist sie durch den bunten Ring zudem ein echter Hingucker.

Allerdings gibt es ein paar Kleinigkeiten, die hoffentlich mit späteren Updates behoben werden. Vor allem die Einbindung in Ableton Live wäre über eine Remote-Datei besser. Weitere Wünsche wären eine schnellere Auswahlmöglichkeit von neuen Klängen im Kit. Mehr tonal spielbare Instrumente pro Pattern wären ebenfalls eine Bereicherung. Das sind allerdings alles eher Schönheitskorrekturen. Das Musizieren mit ARQ macht Spaß. Endlich befreit dich eine Groovebox von den üblichen Einschränkungen elektronischer Instrumente. Statt nur dabei zu sein, groovest du bei der nächsten Show ganz vorne mit!


Bewertung:
+   Ring-Controller mit Bluetooth-MIDI
+   Looper
+   anschlagsdynamische Flächen
+   Vielseitigkeit
-    Klangauswahl umständlich
-    Ableton Live-Einbindung über Projekt statt Remote-Datei

Preis / Technische Daten

Hersteller
ZOOM
Vertrieb
Sound Service
Preis (UVP)
ZOOM ARQ
712,81 EUR

 

 

Technische Daten
Klangerzeugung
531 Samples und 16-stimmige Polyphonie
Anschlüsse
Audio-In/Out USB, Kopfhörer
Stromversorgung
Netzteil, Akkus
Lieferumfang
Zoom ARQ, Netzkabel, Kurzanleitung
Hergestellt in
China

 

 

 



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