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Test: Yamaha Reface CS, DX, CP, YC

Vier Keyboards fürs Retro-Feeling

Die Reface-Modelle unterscheiden sich in Farbe und Tonerzeugung. Wir haben den virtuell-analogen Synthesizer, das E-Piano, die Mini-Orgel und den FM-Synthesizer getestet.


Vier Keyboards ...

Wahrscheinlich wird 2015 als das Jahr in die Synth-Geschichte eingehen, in dem sich viele Hersteller auf alte Stärken besonnen haben. Yamahas Beitrag dazu ist die Reface-Serie. Vier kleine Keyboards mit 32 Mini-Tasten, Lautsprecher sowie Audio-Aus und -Eingängen, MIDI und USB. Die vier Instrumente unterscheiden sich in Farbe und Tonerzeugung, denn jedes ist auf ein Gebiet spezialisiert. Wir haben alle vier, den virtuell-analogen Synthesizer, das E-Piano, die Mini-Orgel und den FM-Synthesizer getestet.

Eine rote Orgel, jeweils ein weißer und schwarzer Synthesizer und ein E-Piano, das ebenfalls schwarz ist, so stellt sich Yamahas neueste Keyboard-Serie vor. Erfahrene Keyboarder werden schon anhand dieser Farben erkennen, welche Klänge das jeweilige Reface erzeugt. Und auch wenn die vier aufgrund ihrer Größe ideal sind, um unterwegs mit wenig Gepäck zu musizieren, stecken im Inneren ausgewachsene Klangerzeuger.

Neben der Farbgebung lassen die jeweiligen Klänge sofort erkennen, welche Legenden Yamaha als Vorbilder genommen hat. Sind es beim Reface CP E-Pianos wie die Rhodes, kommt die Orgel mit Hammond-, Farfisa- und Yamaha-Anleihen daher. Hinter dem Kürzel CS verbergen sich bei Yamaha seit den 1970er Jahren Synthesizer. Wobei der Reface CS technisch eher vom AN-1x inspiriert ist. Ganz offensichtlich sind dagegen die legendären Urahnen des DX. DX 7 und Verwandte lassen grüßen.

Obwohl alle vier Reface-Keyboards Spezialisten für bestimmte lägendäre Klänge sind, haben sie einige Gemeinsamkeiten. So ist etwa die äußere Gehäuseform bei den vieren gleich wie auch die 32 Mini-Tasten. Die Größe dieser Tasten wird einige (wie mich) begeistern, andere stören. Das ist und bleibt halt Geschmacksache. Egal, ob man diese Tastengröße mag oder nicht: Alle vier Keyboards lassen sich hervorragend spielen.

Des Weiteren verfügen die Reface-Keyboards über eingebaute Lautsprecher. Die Möglichkeit, sie einzuschalten und loszulegen, ohne sie erst noch an einen Mixer hängen zu muss, gefällt mir sehr gut. Ideal also für unterwegs, wenn man eine Idee festhalten oder einen Track produzieren will. Allerdings schwächelt der Klang der Lautsprecher – aufgrund der geringen Größe – bei den Bassfrequenzen. Darauf weist Yamaha in der Anleitung sogar ausdrücklich hin. Insofern ist dies kaum zu kritisieren. Über Kopfhörer und Studio-Monitore entfalten die vier dann wie erwartet im Bassbereich ordentlich Druck.

Zur Kommunikation mit weiteren Geräten sind ein USB-Anschluss und MIDI-Buchsen eingebaut – wobei man die MIDI-Buchsen erst durch einen beiliegenden Adapter nutzen kann. Über die USB-Buchse werden nur MIDI-Signale zum Computer übertragen. Für Audio ist ein extra Stereo-Ausgang vorhanden. Daneben findet sich der Anschluss für Kopfhörer und ein Audio-In, über den Signale vom MP3-Player oder von anderen Instrumenten in die Reface-Instrumente als Begleitung beim Üben eingespeist werden können. Um die Klänge in Echtzeit zu beeinflussen, bietet jedes Instrument zudem einen Anschluss für ein Pedal.

Strom erhält jedes der Keyboards über ein externes Netzteil. Leider gibt es keine Zugentlastung gegen plötzliches Herausreißen der Stromversorgung. Im Studio ist das kein Problem, aber wenn auf der Bühne mal ein Mitmusiker über das Kabel stolpert, ist der Strom schnell weg. Alternativ dazu kann jedes Reface mit sechs Batterien betrieben werden. Für die Bühne oder eine Jam-Session am Lagerfeuer eine gute Alternative.

Besitzer eines iPhones oder iPads können zudem im App-Store eine kostenlose App zur Verwaltung und Austausch von Klängen herunter laden. Die App benötigt das Apple Camera Connection Kit, um eine USB-Verbindung mit den Keyboards herzustellen. Nach Anschluss eines Reface lassen sich so ganz einfach eigene Klänge sichern und neue auf die Reface-Keyboards laden. Alternativ dazu hat Yamaha zum Speichern und Austausch von Klängen mit Soundmondo eine Plattform im Internet geschaffen. Hierfür wird allerdings Google Chrome benötigt.


Yamaha Reface-CS: Ein Synthesizer mit vielseitigem Oszillator.

Reface CS – der virtuell-analoge

Beim Reface-CS ist es verkehrt zu denken, es sei nur ein virtuell-analoger Synthesizer, nur weil dessen Ausstattung auf den ersten Blick vielleicht ein wenig spartanisch erscheint. Ein Oszillator, Tiefpass-Filter sowie eine Hüllkurve und ein LFO mögen nach wenig aussehen, um vielseitige Klänge zu erstellen, vor allem wenn man den CS mit analogen Synthesizern in dieser Preisklasse vergleicht. Doch der erste Eindruck täuscht, denn der Oszillator ist vielseitiger als bei den meisten analogen Synthesizern: Mit ein paar einfachen Einstellungen lassen sich aus dem CS auf Basis der Wellenformen vielseitigere Klänge herausholen.

Mit dabei ist natürlich eine Super-Saw, also gegeneinander verstimmte (und modulierbare) Sägezahn-Wellenformen. Eine gute Basis für fette Pads und kraftvolle Bläser-Klänge. Des Weiteren kann die Pulswelle ebenfalls mit einer zweiten, leicht verstimmten angereichert werden. Die anderen drei Wahlmöglichkeiten in der Oszillatoren-Sektion dienen zur Auswahl zwischen einem Oszillator-Sync, einer Ringmodulation oder einer einfachen Frequenzmodulation. Schneidende, metallische Klänge sind somit ebenfalls sehr gut möglich.

Den Filter des achtfach polyfonen Synthesizers moduliert man durch den LFO und die Hüllkurve. Es ist ein reiner Tiefpass-Filter mit einer Flankensteilheit von 18 dB pro Oktave. Ein Wert, den ein legendärer silberfarbener Bass-Synthesizer auch haben soll. Der Cutoff packt kräftig zu und die Resonanz kann ordentlich zwitschern.

Damit du deine Ideen spontan festhalten kannst, ist ein Phrase Looper eingebaut. Dieser speichert bis zu 2.000 Noten. Sammelst du damit erst mal ein paar Ideen, kannst du hinterher immer noch den Klang des Loops ändern.

Yamaha Reface-DX: Endlich wieder ein FM-Synthesizer.

Reface DX – der FM-Synthesizer

Der Reface-DX ist schon auf den ersten Blick einzigartig. Denn Yamaha, Erbauer des wohl populärsten FM-Synthesizers aller Zeiten, dem DX7, baut erstmals seit 1998 wieder einen FM-Synthesizer. Vier Operatoren, die sich weitgehend editieren lassen, dienen der Klangerzeugung. Zur Auswahl stehen dabei zwölf unterschiedliche Algorithmen, die festlegen, wie die Operatoren einander beeinflussen. Dazu kann für jeden Operator eine eigene Stimmung sowie ein Feedbackwert eingestellt werden. Die Bedienung über eine Art Touchpad ermöglicht problemlos ausdrucksstarke Klänge zu erstellen.

Sehr hilfreich beim Editieren ist, dass für jeden wichtigen Parameter ein eigener Taster bereitsteht. Wenn du die Operatoren verändern willst, drückst du erst den Edit- und anschließend den zugehörigen Operator-Taster. Gleiches gilt für globale Parameter wie die Pitch-Envelop. Im Edit-Modus reicht ein Druck auf den entsprechenden Taster und schon öffnet sich die erste Seite des zu verändernden Parameters. Die weiteren Seiten des Parameters erreichst du durch einen erneuten Druck auf den Taster. So einfach kann die FM-Synthese bei einem Hardware-Synthesizer zur Schaffung neuer Klänge genutzt werden.

Es lohnt sich, die Klangerzeugung des DX zu erforschen. Mit der Frequenz-Modulation sind lebendige, digitale Klänge möglich, die sich deutlich von der üblichen subtraktiven Synthese unterscheiden. Die Presets geben einen ersten Eindruck davon, was möglich ist. Klar, das berühmt-berüchtigte DX-E-Piano ist dabei und natürlich knackige Bässe. Doch lebendige Pads oder Bläser sind ebenso möglich. Zur Speicherung eigener Klänge werden die Presets überschrieben.

Das Touchpad, mit dem die Einstellungen für die Klänge verändert werden, ist sehr gut zu bedienen. Insgesamt macht das Reface-DX auf mich einen hervorragenden Eindruck.

Yamaha Reface-CP: Der Spezialist für E-Pianos.

Reface CP – das E-Piano

Realistisch klingende E-Piano-Klänge findet man beim Reface-CP. Sechs unterschiedliche Keyboard-Klassiker, darunter zwei Rhodes-Varianten sowie ein Clavinet und ein Klavier, sind zu diesem Preis kaum zu übertreffen. Vor allem weil sie das Klangverhalten der Vorbilder sehr gut nachahmen und man sie mit den typischen Effekten verzieren kann.

Im Gegensatz zum DX und CS kann man beim CP die Klänge selbst nicht ändern. Wozu auch, bei den Originalen sind es auch erst die Effekte, mit denen der Klang verfeinert wird. Typische Effekte wären je nach Klang Echo, Hall, Chorus und Tremolo beziehungsweise Wah, Phaser, Echo und Hall. All diese kannst du über die großen Regler auf der Oberfläche sehr fein einstellen. Dabei musst du dich bei einigen der Effekte entweder für den einen oder anderen entscheiden. Dass ist allerdings kein Manko, denn es entspricht den häufigsten Kombinationen.

Ein Tremolo etwa belebt oftmals ein E-Piano, während ein Clavinet erst durch den Wah so richtig funky groovt. Chorus und Phaser verwendet man ebenfalls so gut wie nie gemeinsam, so dass hier die Auswahl in Ordnung geht. Sehr schön ist zudem, dass man zwischen zwei unterschiedlichen Echos wählen kann: einem digitalen und der Simulation eines analogen. Das Klangverhalten beider ist deutlich zu unterscheiden. Für zusätzliche Verzerrungen sorgt ein Drive-Regler.

Wichtig für ein authentisches Spiel ist das unterschiedliche Klangverhalten des E-Pianos bei unterschiedlichem Anschlag. Sowohl bei den Rhodes-Varianten wie auch beim Wurlitzer verändert sich der Klang deutlich durch einen sehr harten Anschlag. Das Reface-CP ahmt dieses Verhalten perfekt nach, ein authentisches dynamisches Spiel ist daher möglich. Insgesamt hinterlässt auch es einen sehr guten Eindruck und ist gerade für kleine Homestudios oder Bühnen-Set-ups, in denen klassische E-Piano-Klänge gewünscht sind, eine klare Empfehlung.

Yamaha Reface-YC: Neun Zugriegel für rockende Riffs.

Reface YC – Hammond und mehr

Neben dem DX ist das Reface-YC aus meiner Sicht das zweite Highlight der Serie. Eine neue elektronische Orgel für unter 500 € gab es meines Wissens nach bisher nur als Software. Neun Zugriegel, eine gute Leslie-Simulation sowie die integrierten Effekte sind ein ordentliches Pfund. Selbst wenn du den Hammond-Klang auswählst und die Percussion (eine Art Anschlagsklicken) einschaltest, verhält es sich wie beim berühmten Vorbild. Authentischer geht es kaum.

Dieser erste Eindruck setzt sich bei genauester Betrachtung des Reface-YC weiter fort. Die Zugriegel sind zwar Fader und haben einen kürzeren Weg als bei großen elektronischen Orgeln, doch selbst ein spontanes Ändern der Registrierungen während des Spiels ist damit sehr gut möglich. Je nachdem wie du die neun Zugriegel ziehst (oder schiebst) wird der Klang subtil oder drastisch anders. Einfach mal die tiefen Fußlagen greifen und rausregeln, um einen sehr dünnen hohen Klang zu erhalten. Oder, wenn es basslastiger sein soll, von den hohen nur sehr wenig ziehen – so einfach sorgst du spielerisch für Klangveränderungen. Kombiniert mit der Percussion, die sich vor allem bei der Hammond-Simulation bemerkbar macht, ist die ganze Vielfalt alter Orgeln zu hören. Neben Hammond werden noch weitere Orgel-Legenden simuliert, darunter eine Farfisa und natürlich eine von Yamaha.

Ergänzend dazu ist es möglich die typischen Effekte und damit den Orgelklang zu verfeinern. Eine Leslie-Simulation ist ebenso dabei wie die Auswahl zwischen Chorus und Vibrato sowie ein regelbarer Verzerrer und Hall. Dass die Bedienung des Leslie-Kabinetts ebenfalls einen wichtigen Einfluss auf den Hammond-Klang hat, hat Yamaha bedacht. Wie bei Leslie-Simulationen üblich, sind als Geschwindigkeiten Slow und Fast wählbar. Du kannst aber das Leslie auch abrupt anhalten oder, wenn es mal stören sollte, ganz abschalten.

Wie das CP ist das YC eine sehr gute Simulation klassischer Keyboard-Klänge. Wer also den Klang typischer elektronischer Orgeln sucht, sollte das YC unbedingt anspielen.

Alle Reface Modelle verfügen über die selben Anschlussmöglichkeiten.

Fazit / Bewertung / Technische Daten / Preise

Mit den vier Reface-Keyboards hat Yamaha eine beeindruckende Klangerzeuger-Serie entwickelt. Wer seine Produktion für wenig Geld mit authentischem E-Piano, elektronischer Orgel oder einem vielseitigen Synthesizer bereichern will, sollte unbedingt das entsprechende Instrument der  Reface-Serie antesten. Reface-CP und -YC liefern charakteristische E-Pianos beziehungsweise elektronische Orgeln, deren Klangverhalten und Effektausstattungen für hohe Authentizität sorgen. Reface-CS ist durch die Möglichkeiten des Oszillators vielseitiger als man auf den ersten Blick wahrnimmt. Die klangliche Vielfalt übersteigt die vieler analoger Synthesizer und die achtfache Polyfonie ermöglicht ein mehrstimmiges Spiel.

Das Reface-DX hebt sich in meinen Augen von seinen Geschwistern noch ein wenig ab. Es ist der erste Hardware-FM-Synthesizer von Yamaha seit über zehn Jahren und somit eine klare Empfehlung für alle, die auf der Suche nach lebendigen digitalen Klängen sind. Durch die einfache Bedienung erstellst du schnell Klänge jenseits der bekannten subtraktiven Synthesizer-Klänge. Die Editierung mittels Touchpad ermöglicht einen spielerischen Zugang zur FM-Synthese.

So überraschend die Reface-Serie von Yamaha vorgestellt wurde, so gut sind die einzelnen Modelle. Für jeden musikalischen Stil bieten die vier das richtige Instrument. Dazu kommt die hervorragende Mobilität, die sogar am Lagerfeuer noch für Stimmung sorgt. Somit ist es Yamaha gelungen, sich auf alte Stärken zu besinnen und diese in modernen Geräten zu präsentieren.

Bewertung:
+ authentischer Klang (CP, YC)
+ gute Bedienbarkeit
+ vielseitiger Oszillator (CS)
+ einfache Bedienung (DX)
- Netzkabel ohne Schutz vor unbeabsichtigtem Rausziehen

- Soundmondo unterstützt nur Google Chrome

 

Preis: jeweils 399 €

Vertrieb/Hersteller: Yamaha
Website: www.yamaha.de
Mehr Informationen zu den Reface-Modellen unter:

Produkt: Yamaha Reface-Serie
Gattung: E-Piano (CP), E-Orgel (YC), virtuell-analoger Synthesizer (CS), FM-Synthesizer (DX)
Tasten: 32 Mini-Tasten
Ausstattung: Lautsprecher
Anschlüsse: USB, Audio-Out, Audio-In, MIDI, Kopfhörer, Pedal
Lieferumfang: Keyboard, Netzteil, Anleitung, MIDI-Adapter
Hergestellt in: China

Video zum Test



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