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Test: ROLI Seaboard RISE

Die fünfte Dimension

Nach dem Seaboard GRAND stellte ROLI kürzlich das kleinere Seaboard RISE vor, welches die innovative Sensorik um eine zusätzliche Spieldimension erweitert. Hat das weitaus günstigere RISE das Zeug zum Volks-Seaboard?


Die fünfte ...

Kabelloser Betrieb mit Akku und Bluetooth sowie eine „fünfdimensionale“ Spieloberfläche aus Silikon unterstreichen den futuristischen Ansatz der Firma ROLI beim Seaboard RISE erneut. Mit zusätzlichen Kontrollmöglichkeiten, Windows-Kompatibilität und der weggefallenen Klangerzeugung ist die mobile Keyboard-Alternative nun insbesondere auch für Laptop-Produzenten interessant.

Wie wir bereits in unserem Testbericht zum Seaboard GRAND Stage feststellten (hier gehts zum Test), weist die von ROLI entwickelte Keywaves-Oberfläche einige Besonderheiten auf, die sie grundlegend von einer herkömmlichen Keyboard-Klaviatur unterscheidet: So ermöglicht hier eine durchgängige Silikonoberfläche das differenzierte Spiel von Zwischentönen und fließenden Tonhöhenübergänge oder auch Vibrato- und Aftertouch-Effekte, wie es mit gewöhnlichen schwarzen und weißen Tasten schlicht nicht möglich ist.


Die „schwarzen Tasten“ hat Roli beim Seaboard Rise hell abgesetzt.

K(l)eine Kompromisse?

Seiner kompakten Größe geschuldet, muss das Seaboard RISE mit 25 Keywaves auskommen und umspannt somit gerade einmal zwei Oktaven. Auch fallen die Keywaves im Vergleich zum GRAND etwas kürzer und schmaler aus (125,5 mm gegenüber 165,5 mm beim GRAND). Dies beeinträchtigt die Spielbarkeit kaum und etwas Übung muss ohnehin sein, da das andersartige Konzept mit gewöhnlichem Tastenspiel nur wenig gemein hat. In Sachen Look, Feel und Verarbeitung steht das günstigere RISE dem großen Bruder in Nichts nach: Verbaut im schweren Metallgehäuse wirkt das Seaboard, als sei es durch äußere Einwirkungen kaum zu erschüttern.

Auch Druckpunkte und Gleitfähigkeit der anschmiegsamen Keywaves und Rubberstrips ober- und unterhalb dieser zeugen davon, dass in der Fertigung keine Kompromisse eingegangen wurden. Schönes Detail: Nun hat ROLI die – im Vergleich zu normalen Klaviaturen – „schwarzen Tasten“ farblich mit hellen Streifen abgesetzt, um die Orientierung auf der ansonsten durchgehend dunklen Oberfläche zu verbessern. In Sachen Bedienelemente verfolgt das RISE ein leicht verändertes Konzept: Das „SoundDial“ vom GRAND, welches ein schönes Design-Element, aber nur bedingt praktikabel war, ist je zwei Preset- und Oktavwahl-Tastern, einem XY-Touchpad sowie drei Touchfadern gewichen. Damit geht die Konfiguration und schnelle Anpassung des RISE sehr viel schneller von der Hand, doch dazu später mehr.

Neben USB versteht sich das RISE via Bluetooth auch kabellos mit einem Computer.

Mobil und kabellos

Im Gegensatz zum GRAND verfügt das RISE als reiner MIDI-Controller über keine interne Klangerzeugung und ist daher ausschließlich im Betrieb mit einem Computer spielbar, der nun auch ein Windows-PC sein darf. Besonders spannend für den mobilen Einsatz, kann es außerdem mit zwei Besonderheiten aufwarten: Der interne Akku sowie eine Bluetooth-MIDI-Schnittstelle ermöglichen einen vollständig kabellosen Betrieb. Geladen wird das RISE via USB oder etwas schneller über einen Netzanschluss, wofür jedoch ein zusätzliches Netzteil benötigt wird. Nach Herstellerangabe ermöglicht der Akku bei voller Ladung eine Dauernutzung von 11 bis 12 Stunden. Zugegeben: So lange war das RISE im Test nicht ununterbrochen im Einsatz. Ein problemloser Dauerbetrieb von etwa fünf Stunden zeugte jedoch bereits davon, dass der MIDI-Controller locker auch längere Zugfahrten oder Live-Gigs ohne Aufladen übersteht.

Die Bluetooth-MIDI-Übertragung des RISE ist sehr einfach zu konfigurieren, setzt aber zwingend einen Mac mit OS X 10.10 und Bluetooth-LE-Chip oder ein iPad mit iOS 8 voraus – Windows-Nutzer müssen leider weiterhin dauerhaft das beiliegende USB-Kabel anhängen. So schön der Bluetooth-Betrieb für unterwegs sein kann, würde ich im Studio, aber auch bei einem wichtigeren Live-Gig, trotzdem wenn immer möglich das Kabel vorziehen, denn systembedingt erhöht sich die Latenz des Systems bei kabelloser Nutzung um rund 6 ms, was sich je nach gewähltem Sound und persönlichem Spielstil fühl- und bemerkbar machen kann.

Der mitgelieferte Equator-Synth wurde an die erweiterte Sensorik des RISE angepasst.

Neue Dimension

Das RISE kann entweder die mitgelieferte Equator-Software oder aber beliebige andere MIDI-fähige Synthesizer ansteuern. Alle grundlegenden Funktionen von Equator findet ihr bereits im Seaboard-GRAND-Test (Link zu www.musicnstuff.de/keys/article/test-roli-seaboard-grand-stage.html), seitdem wurden aber ein paar schöne Neuerungen – natürlich mit Rücksicht auf die erweiterte Sensorik des RISE – in den Software-Synthesizer integriert: Nun stehen mit „Strike“, „Glide“, „Slide“, „Press“ und „Lift“ ganze fünf Sensor-Parameter im Modulation-Panel zur Verfügung, die ROLI als fünf Dimensionen betitelt.

„Slide“ dient dabei der Abfrage von vertikalen Bewegungen auf den Keywaves. Wurden Bewegungen von links nach rechts auf der Oberfläche bereits beim GRAND registriert, sind Bewegungen von oben nach unten nämlich aktuell dem neuen RISE-Modell vorbehalten, was die Ausdrucksfähigkeit des Spiels noch weiter steigert. So kann man etwa Filter-Sweeps oder Effekt-Sends per „Slide“-Parameter steuern und einem gewählten Sound auf Wunsch graduell mehr oder weniger Biss geben. Apropos Effekte: Mit Bitcrusher- und Distortion-Modul hat Equator zwei neue Module am Start, die das Klangspektrum des Synthesizers klanglich von leichten Verzerrungen bis hin zur absoluten Zerstörung stimmig erweitern und für experimentellere Sounds weitaus interessanter machen als noch in der Vorversion.

Mittels Dashboard-Software kann man den Spielhilfen auf Wunsch beliebige MIDI-CCs zuweisen.

Spielhilfen

Verzichtete das Seaboard GRAND noch vollständig auf zusätzliche Spielhilfen außerhalb der Keywaves, kann das RISE nun mit drei Touchfadern und einem XY-Touchpad aufwarten. Die Touchfader erfüllen je nach eingestelltem Modus verschiedene Zwecke: Im Expression-Modus steuern sie die Reaktionsfähigkeit der Sensorik für vertikale und horizontale Bewegungen sowie den Druck auf den Keywaves. Dies erweist sich als besonders wertvoll für die schnelle Anpassung auf eigene Vorlieben beim Seaboard-Spiel je nach gewähltem Sound, ohne dafür erst ROLIs spezielle Dashboard-Software öffnen zu müssen. Im MIDI-Modus können sie – etwa für die Nutzung mit Drittanbieter-Plug-Ins – aber auch beliebige MIDI-Controller-Werte ausgeben.

Das feinfühlig steuerbare XY-Touchpad erlaubt zusätzliche Morphings zwischen beliebigen Parametern; sei es durch die freie Zuweisung in Equator oder über gewöhnliche MIDI-CCs bei anderen Software-Synthesizern. Mit letzteren spielt auch das Seaboard RISE nur über Umwege gut zusammen, was an Beschränkungen des MIDI-Standards liegt. So benötigt das RISE für seine erweiterte Funktionalität in vielen Fällen mehrere Plug-In-Instanzen pro Sound. Der Hersteller bietet daher Templates für verschiedene Sequencer an. Die PolyThru-App des Seaboard GRAND, welche das Zusammenspiel zwischen Seaboard und Drittanbieter-Klangerzeugern maßgeblich erleichtert, war zum Zeitpunkt des Tests noch nicht im Lieferumfang des RISE inbegriffen. In Kürze will der Hersteller das Programm aber auch RISE-Kunden für Windows und Mac zugänglich machen.

Für den mobilen Einsatz ist das RISE dünn genug, fällt durch sein robustes Metallgehäuse mit knappen 3 kg jedoch auch etwas schwerer aus.

Fazit / Bewertung / Technische Daten

Das Seaboard RISE ist weitaus mehr als der kleine Bruder des GRAND, sondern eine stimmige Weiterentwicklung, die das alternative Keyboard-Konzept noch einmal deutlich aufwertet. Mit seinem neuen vertikalen Sensor kann es noch nuancenreicher gespielt werden als der Vorgänger und erlaubt über die Touchfader eine weitaus schnellere Anpassung der Keywaves-Oberfläche an verschiedene Sounds. Der kabellose Betrieb, welcher bisher leider Mac-Nutzern vorbehalten ist, erweist sich für reiselustige Laptop-Produzenten als echter Mehrwert. Unter dem Strich bleibt: Wer sich für ein Seaboard interessiert und auf die Klangerzeugung des GRAND verzichten kann, sollte unbedingt das RISE-Modell in Betracht ziehen. Ich würde mir daher wünschen, dass ROLI die erweiterte Sensorik des RISE zukünftig auch noch in größeren Versionen mit 49 und mehr Keywaves anbietet.

Wertung:
+    neuer „Slide“-Sensor für vertikale Bewegungen
+    schnellere Anpassung an verschiedene Sounds
+    hochwertige Verarbeitung, Optik und Haptik
+    guter Grundsound
-    Bluetooth-MIDI bisher nur für Mac OS X

Preis (UVP): 950,81 €

Vertrieb: Sound Service
Weitere Infos: ROLI Seaboard RISE

Technische Daten:
Produkt:          ROLI Seaboard RISE
Gattung:         MIDI-Controller
Tasten:           25 Keywaves und 2 Ribbons mit „5D“-Sensorik, 3 Touchfader, XY-Touchpad
Lieferumfang:  Seaboard, USB-Kabel, Quick-Start-Guide
Hergestellt in:  Europäische Union



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