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Test: Roland System-500

Auferstanden im Eurorack

Mit dem System-500 knüpft Roland im Eurorack-Format an seine analoge Synthesizertradition an.


Auferstanden im ...

Viele Synthesizer-Begeisterte hofften schon länger auf einen neuen analogen Synthesizer von Roland. Als Roland 2015 zusammen mit Malekko das System-500 ankündigte, staunten viele: Ausgerechnet die früheren Modular-Synthesizer System-100m und System-700 standen Pate für Rolands ersten analogen Synthesizer seit Jahrzehnten. Als Eurorack-Module sollen die Legenden also in die Neuzeit befördert worden sein. Mal sehen, inwieweit das stimmt.

Das Aufsehen, das Malekko und Roland mit der Ankündigung des System-500 erzeugten, war groß. Eurorack-Module, die auf den Schaltungen der Roland Synthesizer System-100m und System-700 basieren, sorgen zwangsläufig für hohe Erwartungen in der Synth-Szene. Besonders das System-100m ist durch Musiker wie Depeche Mode, Vince Clark (Erasure, Yazoo), Heaven 17 und Hans Zimmer sehr bekannt. Zu den bekanntesten Nutzern des System-700 gehören neben den schon genannten auch Aphex Twin und Vangelis.

Die Erwartungen an einen voll analogen Modular-Synthesizer, der offiziell in der Tradition dieser beiden Synthesizer-Legenden steht, sind entsprechend hoch. Zu hoch solltest du deine Erwartungen an das System-500 allerdings nicht schrauben, denn bisher wurden nur einige Module der Legenden als Vorbild tatsächlich genommen. So gibt es mit dem Doppel-VCO 512 zwei identische VCOs in einem Modul, dazu das Doppelfilter 521, den Doppel-VCA 530 sowie das Modul 540, das zwei ADSR-Hüllkurven und einen LFO bietet, und das Effektmodul 572.

Andere Module, wie einen Noise-Generator und eine Sample-and-Hold-Schaltung, einen Envelop-Follower, einen Stepsequenzer oder gar ein CV-Gate-Keyboard suchst du vergeblich im System-500. Dabei gab es für das System-100m diese und weitere Funktionen in unterschiedlichen Modulen zu erwerben. Vorbilder für entsprechende System-500-Module würde es also geben. Einige neue Module zur MIDI-Einbindung wären ebenfalls nett. Mal abwarten, ob da noch etwas kommen wird – und bis dahin schauen wir, was das System-500 jetzt schon bietet.


Der VCO 512

Die fünf Module des Sytem-500 brauchen 80 TE (Teileinheiten) in einem Eurorack-Rahmen. Die typischen Doepfer-Rahmen bieten 84 TE pro Reihe, sodass noch 4 TE übrig bleiben. Genug Platz, um noch Multiples oder ein MIDI-to-CV-Interface einzubauen. Denn der Doppel-VCO 512 benötigt, wie jeder VCO, eine CV-Spannung zur Steuerung der Tonhöhe. Roland und Malekko halten sich dabei, wie bei allen technischen Eigenschaften des System-500, an die Eurorack-Norm. Der Einsatz eines MIDI-Moduls anderer Hersteller ist daher sehr einfach.

Getreu seinem Vorbild 112 besteht der 512 aus zwei VCOs. Diese sind exakt gleich aufgebaut. Oben geben sie gleichzeitig die Wellenformen Sägezahn, Dreieck- und Rechteck/Pulswelle aus. Darunter regelst du die Pulswelle beziehungsweise die Stärke, mit der sie moduliert wird. Für die grobe und feine Stimmung der Oszillatoren gibt es jeweils zwei Drehregler. Unten erhält jeder VCO über den Eingang „Key“ seine Tonhöhe. Das kann sowohl die gleiche wie verschiedene Tonhöhen sein. Zwei weitere regelbare Eingänge erlauben die Tonhöhe zu modulieren (etwa für FM-Klänge).

Da jedes der klangerzeugenden und -verändernden Module als Doppelmodul ausgelegt ist, kannst du mit dem System-500 einen zweistimmigen Synthesizer bilden. Eine andere spannende Möglichkeit ergibt sich, wenn du beide VCOs mit unterschiedlichen Tonhöhen anspielst, sie aber über die Sync-Buchsen verbindest. Probiere unbedingt aus, wie unterschiedlich dies bei Soft- und Hard-Sync klingt. Anordnung und Möglichkeiten des Modul 512 machen es zu einer ergiebigen Quelle klanglicher Experimente.

521 - das Filter

Eigentlich ist die Beschreibung des zweiten Moduls als Doppel-Filter noch untertrieben. Bevor du den Klang mit dem regelbaren Tief- und dem zuschaltbaren Hochpassfilter formst, hast du pro Filter einen kleinen Mixer. Du regelst damit die Lautstärke von bis zu drei Wellenformen pro Filter, bevor du diese bearbeitest. Wieder ist eine Reihe Schieberegler dafür vorgesehen, denn das Layout der meisten 500er-Module ist sehr ähnlich strukturiert. Nur das Effekt-Modul fällt etwas aus dem Design-Rahmen.  

Dem Design entsprechend werden Cut-off und Resonanz des Tiefpasses über Drehregler eingestellt. Leider liegen die Resonanz-Regler sehr nahe an der Ausgangsbuchse für das gefilterte Signal. Schwungvolles Drehen am Resonanzregler beim Jammen ist damit kaum möglich. Vielleicht wäre es besser gewesen, statt einer Eingangsbuchse für die Tonhöhen-CV (ohne Regelung des Einflusses auf den Filter) und zweier regelbarer Modulationseingänge pro Filter unten am Modul einen Ausgang und nur zwei regelbare Eingänge anzubringen.

Das Vorbild hat zwar ebenfalls drei Modulationseingänge pro Filter, diese waren aber alle drei regelbar. Etwas weniger Detailtreue zugunsten einer besseren Aufteilung des Platzes auf dem Modul wäre daher ganz angenehm gewesen. Beim Doppel-VCF zeigt sich, dass das kleinere Eurorack-Format gegenüber der ursprünglichen System-100m Nachteile hat. Die kürzeren Regelwege der Schieberegler und der geringere Platz zwischen den Reglern (und Buchsen) stören teilweise. Dafür entschädigt das Filter mit seiner 24 dB-Flankensteilheit pro Oktave mit dem typischen Roland-Filter-Klang.

VCA 530

Ohne einen VCA kommt kein Synthesizer aus. Konsequenterweise ist das entsprechende Modul 530 ebenfalls als Doppel-VCA ausgelegt. Erneut findest du ganz oben bei dem Modul einen Mixer für drei (Audio-)Signale pro VCA. Das entspricht wieder dem historischen Vorbild und ist sehr praktisch. Auf diese Weise hast du die Möglichkeit, unterschiedliche Signale aus den beiden Filtern in einem VCA zu mischen. Etwa indem du den Sägezahn aus VCO 1 in das erste und die Pulswelle in das zweite schickst. VCO 2 stellst du eine Oktave tiefer ein (etwa 32“) und leitest dessen Dreieck direkt in den VCA.

Die Signale vom gefilterten Sägezahn und der Pulswelle zusammen mit dem ungefilterten, tiefer klingenden Dreieck ergeben bei entsprechender Einstellung der Hüllkurve einen ordentlichen Bassklang. Da du im Eurorack zudem problemlos Module anderer Hersteller mit denen des System-500 kombinieren kannst, sind auf diese Weise ebenso ein massiver Stereo-Synth-Klang oder sogenannte Drones möglich. Nur deine Fantasie und die Auswahl deiner Module setzt dir dabei Grenzen. Auf jeden Fall solltest du für solche und  andere Anwendungen beim System-500 mindestens ein Multiple (anderer Hersteller) einplanen.

Die weiteren Funktionen des 530 sind ebenfalls sehr durchdacht. Es gibt neben Ausgängen für jeden VCA (als OUT bezeichnet) zwei Ausgänge, die alle Signale beider VCAs ausgeben (SUM). Du erhältst mit dem 530 also gleich noch einen 6-Kanal-Mixer. Zudem arbeitet jeder VCA entweder in einem linearen oder exponentiellen Modus. Mit dem Drehregler (Initial) öffnest du den VCA soweit wie du möchtest. Er lässt dann unabhängig von den Modulationssignalen den Klang etwas durch. Typisch für Drone-Klänge oder wenn du mit einem VCA-Modulationssignale durch andere Signale modulieren willst.

540 – der Modulationsexperte

Das Modul 540 weicht tatsächlich ein wenig von der bisher gewohnten Doppel-Funktionalität ab. Oben und unten findest du zwei klassische ADSR-Hüllkurven. Du stellst sie per Schieberegler ein und kannst an den Buchsen darüber (beziehungsweise darunter) jeweils zweimal die Hüllkurve und einmal ihre Umkehrung abgreifen. Zum Starten der jeweiligen Kurve verbindest du die Buchse „Ext“ mit einer Quelle für ein Trigger- oder Gate-Signal. Entweder es kommt von einem Keyboard, MIDI-Interface oder Stepsequenzer oder du nutzt für rhythmische Figuren die Rechteck/Pulswelle des LFOs.

Diesen findest du in der Mitte des Modul 540. Er bietet zahlreiche Funktionen, die du nur bei wenigen LFOs im Eurorack in einem Modul findest. Klar, er kann frei in gewählter Frequenz („Freq“-Regler) laufen. Über den Delay-Regler verzögerst du bei Bedarf sein Einsetzen. Hast du die Schalte bei Kybd Trig und Delay Trig auf „off“, läuft der LFO frei. Steht aber einer (oder beide) auf der 1 oder 2, dann startet der LFO mit jedem Trigger-/Gate-Signal, das die betreffende Hüllkurve erreicht, neu. Mit dem Delay-Wert verzögerst du diesen Neustart.

Eine typische Anwendung für diesen verzögerten LFO sind sogenannte „Wobbel“-Bässe. Zusammen mit einer Hüllkurve steuert der LFO die Cut-off-Frequenz des Filters. Durch das verzögerte LFO-Einsetzen baut sich der Klang erst auf, bevor er charakteristisch „wobbelt“.  Neben dem Freq-Regler bestimmt der Schalter Freq-Range die LFO-Geschwindigkeit. Drei Bereiche hast du zur Auswahl. Für die Hüllkurven bestimmst du, ob sie schnell oder langsam verlaufen. Eine nette Funktion beim Erstellen von Klängen sind zudem die beiden manuellen Trigger-Schalter.

572 – der Vintage-Effekt

Als einziges Modul kommt das 572 ohne Schieberegler daher. Zudem bietet es keine Funktion doppelt. Dafür besteht es aus vier unterschiedlichen Sektionen, von denen zwei als Effekt dienen. Ganz oben findest du einen klassischen Phaser. Er bietet einen Audio-Ein- und Ausgang sowie zwei Modulationseingänge. Der erste ermöglicht die Geschwindigkeit des Phaser über eine Steuerspannung zu regeln, der zweite die Mischung aus Effekt- und Originalsignal. Der zweite Effekt, ein Delay, bietet die gleiche Auswahl, nur dass statt der Geschwindigkeit die Delay-Zeit geregelt wird.

Das Delay ist aufgrund seiner kurzen Delay-Zeiten allerdings weniger als Echo, sondern eher als Chorus- und Flanger-Effekt zu verwenden. Es basiert auf einer Eimerkettenschaltung (BBD - Bucket Brigade Device), die früher oft Basis für derartige Effekte war. Nachteil einer solchen Schaltung sind die zunehmenden Störgeräusche bei längeren Delay-Zeiten. Um diese zu unterdrücken, schickst du das Effekt-Signal einfach durch einen Tiefpass. Wenn das Originalsignal dabei kein zweites Mal gefiltert werden soll, splittest du es vorher auf und mischst es anschließend mit dem Effektsignal.

Das untere Drittel des Moduls ist mit zwei nützlichen Hilfsfunktionen ausgestattet. Vorne schwingt ein einfacher LFO. Bekommen der Phaser und das Delay keine externe Spannung zugeführt, bestimmt er deren Geschwindigkeit. Er ist aber ebenso nützlich, um andere Ziele im Synthesizer zu modulieren. Das Gate-Delay daneben erzeugt aus einer am Eingang anliegenden Spannung ein Gate-Signal, das du verzögern kannst. Über Threshold bestimmst du den Pegel, ab dem ein Gate erzeugt wird, Gate-Time regelt die Länge und Delay dessen Verzögerung.


Legendärer Klang im modernen Umfeld

Außer einigen mehr oder weniger guten Klang-Beispielen im Internet und einer älteren Sample-CD von Vince Clarke stand mir leider kein System-100m zum Vergleich zur Verfügung. Subjektiv würde ich aber sagen, das System-500 ist klanglich sehr nahe an seinem Vorbild. Roland stellt zudem eine Reihe sehr nützlicher Tutorial-Videos und Patch-Beispiele auf PDF zur Verfügung, die ich zum Testen komplett durchprobiert habe. Einige der Klänge erinnerten mich sofort an typische 1980er-Jahre Synthesizer-Bands. Beim Erstellen eigener Patches verstärkte sich dieser Eindruck.

Roland und Malekko sind zumindest für meinen klanglichen Geschmack sehr nahe am Vorbild System-100m, so wie es die Nummerierung der Module auch andeutet. Hoffentlich erleben noch weitere System-100m-Module eine Wiedergeburt im Eurorack-Format. Eine System-500-Version des Sequenzer M-182 fände ich gut. Doch noch mehr wäre das Modul 110, das einen VCO, VCF und VCA innerhalb eines Moduls bot, aus meiner Sicht ein idealer Kandidat für eine Wiedergeburt im Eurorack-Format.

Schließlich ergänzen die System-500-Module auch einzeln hervorragend ein bestehendes Eurorack-System. Testweise habe ich immer wieder einzelne Module in mein System eingebunden. Klanglich und funktional bereicherten sie dieses. Egal, ob ich einen der beiden Oszillatoren des 510 mit Doepfers Thru-Zero-Oszillator kombiniert oder die Wavetables aus Waldorfs nw1 durch das Filter gejagt habe, das Ergebnis klang immer gut. Es lohnt sich durchaus, ein bestehendes Rack wenigstens mit einigen der System-500-Module zu erweitern.

Als vollständiges System wird das System-500 in einem transportablen Case ausgeliefert.

Fazit / Wertung / Preis / Technische Daten

Äußerlich lehnt sich das System-500 eindeutig mehr am System-100m als am System-700 an. Fast alle Module sind als Doppel-Module aufgebaut. Somit lässt sich das System-500 wie sein Vorbild zweistimmig spielen. Du benötigst nur ein entsprechendes MIDI-to-CV-Interface. Leider liefert Roland kein passendes im System-500 Complete mit aus, obwohl der sehr stabile Rahmen noch vier freie TE hätte. Zumindest ein Multiple-Modul für CV-/Gate-Signale hätte Roland gleich in diesen freien Platz schrauben können.

Das ist allerdings für mich der einzige Kritikpunkt. Der geringe Abstand zwischen einigen Reglern auf den Modulen ist durch das Eurorack-Format bedingt und daher angesichts der konsequenten Umsetzung der System-100m-Module im kleineren Eurorack kaum vermeidbar. Alle Module sind sowohl im Funktionsumfang wie klanglich sehr nahe an ihren Vorbildern und bereichern auch einzeln das Eurorack. Das gilt selbst für das Effektmodul 572, das zwar je nach Einstellung Nebengeräusche produziert, die allerdings typisch für analoge Schaltungen sind.

Als komplettes Set ist das System-500 ein guter Einstieg in die Welt modularer Synthesizer. Preislich liegt es im normalen Bereich für Komplett-Systeme. Seine Stärke sind klassische Synthesizer-Klänge, die sich wunderbar in jede Mischung einbetten. Mit seinem edlen Klang ist das System-500 eine Empfehlung, wenn du einen modularen Synthesizer suchst, mit dem du schnell typische Synthesizerklänge erstellst. Die Video- und PDF-Tutorials, die Roland bereitstellt, sind dabei sehr gute Hilfen, um das System schnell zu verstehen.

Wertung:
+ Klang und Aufbau sehr nahe am Vorbild System-100m
+ übersichtliche Struktur
+ stabiles Gehäuse
+ zahlreiche Tutorials und Patches werden mitgeliefert und Online bereitgestellt
– kein MIDI-Interface oder CV-/Gate-Multiple


Hersteller/Vertrieb
Mehr Infos
Preis (UVP)
System-500 Complete Set
2.485 EUR
512 (Oszillator)
429 EUR
521 (Filter)
429 EUR
530 (VCA)
429 EUR
540 (Hüllkurven und LFO)
429 EUR
572 (Phaser, Chorus)
429 EUR
SYR-E84 (Case)
395 EUR

 

 

Technische Daten
Konzept
analoge Synthesizer-Module im Eurorack-Format
Module
512 Doppel-VCO, jeweils drei Wellenformen (Sägezahn, Dreieck, Rechteck/Pulswelle), Hard- und Soft-Sync
520 Doppel-VCF, 24 dB-Tiefpass-Filter, zuschaltbarer Hochpass-Filter
530 Doppel-VCA, linear oder exponentiell
540 Modulationsgenerator, 2 ADSR-Hüllkurven mit umschaltbarer Geschwindigkeit, ein LFO mit wählbarem Retrigger
572 Phaser, Chorus/Flanger, LFO und Gate-Delay


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