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Test: Dexibell VIVO S7

Voll im Trend

Italien war schon immer ein Mode-Hot-Spot. Dexibell beweist nun mit dem VIVO S7, dass dies auch für Stage-Pianos gilt.


Voll im Trend

Dexibell heißt das neue Piano- Label aus Italien. Aus der hippen Kollektion, bestehend aus drei Serien mit je zwei Produkten, durchleuchteten wir das VIVO S7 etwas genauer. Und zu bieten hat der schicke Stage-Piano-Jüngling allerhand, vor allem richtig leckere Sounds.

Auch wenn die kreativen Köpfe hinter Dexibell alles andere als Neulinge sind, gehört das Unternehmen zu den aktuell angesagtesten Newcomern der Branche. Zum Launch präsentierten die Italiener drei Serien mit je zwei Produkten. Darunter finden sich E-Pianos für zu Hause, Instrumente mit eingebautem Lautsprecher sowie professionelle Stage-Pianos. Und eines sei gleich gesagt: Hier kann sich wirklich jedes Modell sehen und hören lassen. Vor allem das Stage-Piano VIVO S7 wusste unser Interesse zu wecken. Aber was verbirgt sich hinter den Tasten „100% designed, engineered and manufactured in Italy“?

Erfrischend schlicht präsentiert sich das VIVO S7 optisch. Auf farbige Elemente wurde hier weitestgehend verzichtet. Neben dem schwarz-grauen Gehäuse und der – natürlich – weißen Tastatur sticht nur hie und da etwas Rotes hervor. Dazu gehören etwa bestimmte Markierungen um die Bedienelemente sowie die LEDs der Taster, die bei Aktivierung leuchten. Durch die eher dezente Farbgebung fällt das Instrument weder auf der Bühne noch daheim groß auf, vermittelt aber zugleich einen wertigen Eindruck. Wer nicht mit einer quietschbunten oder spacig-designten Schüssel im Vordergrund stehen möchte, dürfte daran schon mal Gefallen finden.

Für einen schnellen Überblick sorgt das relativ mittig platzierte OLED-Display. Es besitzt eine Auflösung von 128x64 Pixel und zeigt Informationen in einem monochromen Weiß an. Das ist nicht besonders exaltiert, doch in das Konzept des eher dezenten Designs gliedert sich der Bildschirm gekonnt ein. Außerdem reagiert er blitzschnell auf Parameter- oder Preset-Änderungen und ist auch in stockfinsteren Räumen gut ablesbar, ohne dass er den Tastenkünstler in ein unangenehmes Licht rückt.

Was die Verarbeitungsqualität angeht, weiß das VIVO S7 vollauf zu begeistern: Das Stage-Piano macht einen ziemlich stabilen Eindruck, alle Elemente sitzen bombenfest im beziehungsweise am Aluminiumgehäuse und es gibt – bis auf die Encoder – keine abstehenden Teile, die abbrechen könnten. Obendrauf verstärken großzügig-geformte, schwarze Kunststoffrahmen das Instrument seitlich und sorgen dafür, dass es den rauen Bühnenalltag gut übersteht. Trotz seiner 88 Tasten mit Hammermechanik misst das VIVO S7 dabei gerade einmal schlanke 13,5 cm in der Höhe. Zusätzlich ist es mit seinen 17,5 kg gut transportabel, wenn auch kein explizites Fliegengewicht.


Das mittig sitzende Display gibt schnell Aufschluss darüber, welcher Sound aufgerufen ist oder welcher Parameter editiert wird.

Die Oberfläche

Das Bedienfeld des VIVO S7 von Dexibell ist in drei Sektionen unterteilt. In der linken sind Effekte, die eingebaute Record- und Playback-Funktion sowie weitere Features untergebracht – hierzu später mehr. Mittig präsentiert sich das bereits erwähnte Display mit entsprechenden Navigationstastern. Rechts befindet sich schließlich noch der Schnellzugriff auf Sounds inklusive Split-, Layer- und Octave-Taster. Außerhalb der genannten Sektionen wurden die beiden Modulationsräder (links) sowie der Netztaster und Lautstärkeregler (beide rechts) platziert.

Trotz der 47 Taster und acht Regler wirkt das Dexibell VIVO S7 durchaus aufgeräumt. Alle Buttons besitzen einen angenehmen Druckpunkt und bestätigen durch einen deutlichen Klick, dass die entsprechende Funktion ausgewählt wurde. Die Encoder sind gerastet und besitzen – genau wie der Volume-Poti – eine Kappe aus Aluminium, was sich sehr wertig anfühlt. Schön wäre es zudem gewesen, wenn die Drehknöpfe selbst auch aus Metall bestünden – und nicht aus Kunststoff.

Jede der drei Sektionen grenzt sich durch einen anthrazitgrauen Hintergrund vom Rest ab und ist durch Kunststoffabdeckungen geschützt. Leider scheinen die Kunststoffabdeckungen schnell unschöne Kratzer davonzutragen. Das mir vorliegende VIVO S7 etwa wurde offensichtlich bereits von einigen Testern vor mir ausgiebig auf Herz und Nieren geprüft – und Kratzspuren finden sich hier einige. Bei der Handhabung ist also Vorsicht geboten. Glücklicherweise bietet Dexibell mittlerweile gepolsterte Transporttaschen mit integrierten Rollen an. Die passende Schutzhülle zu unserem Testkandidaten namens VIVO DXBAG88 gibt es übrigens für 229 Euro.

Kommen wir zum zentralen Element am VIVO S7: der Tastatur. Es liegt nahe, dass hier ein Produkt aus einem ebenfalls italienischen Hause verbaut wurde. Integriert ist nämlich eine Fatar TP/40M. Die 88 Tasten mit Hammermechanik und Dreipunkt-Sensor besitzen eine mittlere Gewichtung, die für ein gutes Spielgefühl sorgt. Zudem kommt sie mit einer Ivory-Touch-Beschichtung. Diese vermittelt dem Spieler laut Hersteller ein Gefühl wie das von Elfenbein. Zugegeben: Eine Elfenbeintastatur hatte ich noch nicht unter meinen Fingern, doch diese hier fühlt sich durchaus hochwertig und authentisch an – obwohl die Tasten komplett aus Kunststoff bestehen.

In der linken Sektion sind Effekt-Parameter, Record-/Play-Feature und weitere Funktionen angesiedelt.

Anschlussfreude

Rückseitig zeigt sich das VIVO S7 sehr vielfältig in Sachen Anschlüsse. Zu finden sind standardmäßige 6,3-mm-Klinken-Buchsen für die Stereo-Signalausgabe sowie für den Anschluss von bis zu drei Pedalen. Auch auf das MIDI-Trio hat Dexibell nicht verzichtet. Des Weiteren sind zwei USB-Schnittstellen installiert, die den Anschluss eines USB-Sticks und eines Computers erlauben. Etwas schade ist, dass das Stage-Piano via USB kein Audio an den Rechner schicken oder empfangen kann, sondern nur MIDI-Daten. Man kann aber selbstverständlich auf einen USB-Stick aufnehmen und diese Dateien dann am Rechner verwenden.

Weitere Anschlüsse finden sich vorne links. Da heißt es: Klinken-Adapter ade, denn hier stehen gleich zwei Kopfhörerausgänge in 3,5-mm- und in 6,3-mm-Ausführung bereit. Praktisch ist übrigens, dass beide Buchsen zeitgleich genutzt werden können. Dabei lassen sich die Kopfhörerausgänge verhältnismäßig richtig laut aufdrehen. An der Front ist zudem ein Audio-In angebracht. Über diesen lassen sich Playback-Signale in das Stage-Piano einspeisen – etwa von einem MP3-Player. Zusätzliches Playback gibt’s via Bluetooth-Schnittstelle mit der das VIVO S7 zwar Audiodaten empfangen kann. Da wir schon bei Wireless sind: Wi-Fi scheint hier zumindest vorbereitet zu sein, auch wenn die Funktion wohl erst in einer folgenden Software-Version dem Benutzer zur Verfügung stehen wird.

Ein integriertes Netzteil besitzt das VIVO S7 nicht. Dafür findet sich neben dem DC-Input eine zusätzliche Schraube, die den Anschluss mit der Erde ermöglicht. Das passende Netzteil liegt dem Instrument natürlich bei. Genauso wie ein aufsteckbares Notenpult, das auf den ersten Blick ziemlich stylisch aussieht. Dabei bleibt es aber auch. Denn funktional ist es mit seinen dünnen Metallrahmen nur bedingt. Vor allem kleine Notenblätter und Notizzettel fallen hier schnell durch.

Aber genug der Oberflächlichkeiten: Ich starte das Dexibell VIVO S7 – und werden auf die Geduldsprobe gestellt. Gut 40 Sekunden braucht das Instrument, um hochzufahren. Für ein Stage-Piano ist das viel zu lange. Hierfür erhält der Neuling einen dicken Minuspunkt. Immerhin lässt sich das VIVO S7 nicht versehentlich ausschalten: Wird während des Betriebs der Netztaster gedrückt, fragt das Display, ob das Instrument wirklich heruntergefahren werden soll. In Anbetracht der Ladezeit erweist sich das als absolut sinnvoll. Übrigens: die VIVO-Modelle besitzen laut Hersteller ein offenes Betriebssystem, bei dem mit entsprechenden Updates Funktions- und Sound-Erweiterungen möglich sind und mit bisherigen Updates auch schon gemacht wurden. Dadurch dauert das Booten des Betriebssystems zwar länger als bei konventionellen Instrumenten, die diese Möglichkeit nicht bieten, bringt aber dem Anwender langfristig Vorteile. Also nur Gedult beim Hochfahren. ;)

Anschlussvielfalt zeigt das Dexibell VIVO S7 an seiner Rückseite.

Klangfreude

Egal, ob Synthie, Sampler oder Modeler: Jeder Hersteller, der etwas auf sich hält, verpasst seiner eigenen Technologie einen erst einmal kryptisch klingenden Namen. So auch Dexibell, der seinen Algorithmus „T2L-Modelling“ nennt. Hiermit sollen maximale Timbre-Genauigkeit, eine präzise Ansprache und die Personalisierung des Sounds mitunter durch Dämpfer- und Pedalgeräusche ermöglicht werden. Für die Klangerzeugung selbst kommen sogar unschlagbare 320 digitale Oszillatoren zum Einsatz.

Aufwand haben die Italiener auf jeden Fall betrieben, denn vor allem die Klavier- und Orgel-Sounds überzeugen. Dabei sollen insbesondere für die Piano-Sounds Samples mit einer Länge von bis zu 15 Sekunden verwendet werden. Auch was die Auflösung angeht, wird hier einiges geboten: 48 kHz zu 24 Bit – das lässt die gute CD recht alt aussehen. Intern rechnet das VIVO S7 sogar mit 32 Bit Fließkomma. Das kann man eine wirklich amtliche Audio-Qualität nennen.

Hervorragende Klavier-Sounds liefern die Presets „VIVO Grand“, „Pop Grand“, „Classic Grand“ und „Romantic“. Der natürliche Klang in Kombination mit der dezenten, aber durchaus wahrnehmbaren Panoramaaufteilung sorgt hier für ein authentisches Spielerlebnis. Auch die Orgelklänge können sich hören lassen. Besonders die Presets „Reggae Organ“, „Princip&Flute“ und „Church“ wissen dank ihrer Durchsetzungskraft zu begeistern. Gute Sounds liefert das VIVO S7 ebenso in den Bereichen „E-Piano“, „Strings“ und „Pad/Choir“. Eher standardmäßig ertönen hingegen die Presets aus den Sound-Banken „Plucked/Percussive“, „Brass/Synth“ und „Guitar/Bass“.

Kopfhörerbuchsen hält das VIVO S7 gleich zwei parat – eine in 3,5-mm- und eine in 6,3-mm-Ausführung.

Features um Features

Freilich, ein heutiges Stage-Piano muss schon etwas bieten, um der aufgeweckten Konkurrenz das Wasser reichen zu können. Dexibell scheint hier keine Mühen gescheut zu haben und verfolgt dieses Vorhaben zielstrebig. So stellen die Italiener mit einer quasi unlimitierten Polyphonie nahezu jeden Mitbewerber in den Schatten. Funktionen wie das Recorden und Wiedergeben von Sounds auf einen USB-Stick, das Einteilen von Split-Zonen sowie Layering sind hingegen schon seit Urzeiten Must-have-Features.

Keine völlige Neuheit, aber in der Einfachheit seines Gleichen suchend zeigen sich die Funktionen „Chord Enhancer“ und „Chord Freeze“. Bei aktiviertem Chord Enhancer werden einer gespielten Note weitere Töne hinzugefügt – die passende Tonart wird automatisch erkannt. Hingegen ist es über Chord Freeze möglich, mit nur einer Taste einen vorher definierten Akkord oder auch eine bestimmte Tonfolge in jeder Tonhöhe erklingen zu lassen. So kann man sich die Arbeit bei Bedarf erleichtern.

Wie viele Mitbewerber (oft im eher höheren Preisbereich) hält auch Dexibell die Option bereit, Sounds auf das VIVO S7 zu packen. Bislang stehen dafür neun zusätzliche Sounds bereit, die nach der Registrierung über die Hersteller-Website heruntergeladen werden können. Doch auch andere Sound-Libraries mit der Endung „.SF2“ kann das Stage-Piano lesen – und davon gibt es wirklich haufenweise. Sogar eine kostenlose App für iPhone und iPad legt Dexibell oben drauf. Diese hört auf den Namen „Xmure“ und bietet Arranger-Funktionen in echter Audio-Qualität, die das VIVO S7 optimal ergänzen.

Einen Punkt gibt es noch. Dexibell bewirbt seine Sounds mit der Eigenschaft „Holophonic“. Zu verstehen ist darunter eine aufwendige Art des Recordings – meist mit einem sogenannten Holophon –, die eine absolut realistische Darstellung von Schallereignissen verspricht. Und einige der Sounds im VIVO S7 klingen wirklich sehr authentisch und gut. Doch wie immer gilt es seinen Ohren zu vertrauen, ob einem die Holophonic-Sounds wirklich besser gefallen.

Das ansteckbare Notenpult erfüllt seinen Zweck, ist aber bei kleineren Notenblättern eher unpraktisch.

Fazit, technische Daten & Wertung

Branchenneuling Dexibell verdient durchaus Aufmerksamkeit mit dem VIVO S7. Das modische Stage-Piano weiß dabei nicht nur optisch zu überzeugen: Besonders die Piano- sowie Orgel-Sounds können sich hören lassen und stehen etablierten elektronischen Tasteninstrumenten in nichts nach. Preislich ist der italienische Jüngling dabei in der Mittelklasse angesiedelt. Trotz erfolgreicher Markteinführung merkt man dem Instrument an, dass es sich um das erste Lebenszeichen handelt. Bei gewissen Dingen ist noch eine Nachbesserung wünschenswert – zu nennen sind vor allem die lange Hochfahrzeit, das eher unpraktische Notenpult und die Kratzfestigkeit der Kunststoffabdeckungen. Dennoch: Die übersichtliche Gestaltung des VIVO S7 erlaubt einen intuitiven Umgang, was insbesondere Einsteigern entgegenkommt. Dank seiner Funktionsvielfalt, die auch ein tiefes Eingreifen in Klang und Workflow erlaubt, empfiehlt es sich aber genauso für ambitionierte Tastenkünstler.

Tasten

88 gewichtete Tasten in Elfenbein-Optik mit Hammermechanik und Dreifach-Kontakt

Sounds
79 + ladbare User-Sounds
Auflösung 24 Bit zu 48 kHz (32 Bit intern)
Polyphonie unlimitiert dank 320 Oszillatoren
Memory/Presets
81 intern + unlimitiert via USB-Stick
Controller

7 Encoder, Volume-Poti, Pitch-Bend- und Modulationsrad & 47 Taster (davon 2 zuweisbar)

Bluetooth

Audio-Streaming in Richtung Stage-Piano

Anschlüsse
Stereo-Out, Stereo-In, 3 Pedal-Eingänge, USB-Host, USB-Device, 2 Kopfhörerausgänge & MIDI (In, Out und Thru)
Lieferumfang
Stage-Piano, Netzteil, Notenpult & Bedienungsanleitung in Englisch
Maße 135 x 1.330 x 372 mm
Gewicht
17,5 kg

 

Wertung:
+ hervorragende Klavier- und Orgelsounds
+ gute Verarbeitung
+ ansprechendes, edles Design
+ intuitiv bedienbar
– Kunststoffabdeckung verkratzt schnell

Preis: 1.695 Euro

Vertrieb: Mega Audio
Weitere Infos: Dexibell VIVO S7 im Netz



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