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Im Fokus Stepsequenzer

Schritt für Schritt

Stepsequenzer prägen viele moderne Musikstile. Wir stellen dir Funktionsweise und Möglichkeiten und anschließend günstige aktuelle Stepsequenzer vor.


Schritt für Schritt

Stepsequenzer gehören zur Elektronischen Musik wie die E-Gitarre zum Hardrock. Als Ergänzung zu Rolands, Arps und Moogs Modular-Synthesizern und den analogen Synthesizern der 1970er-Jahre beeinflussten sie maßgeblich die Entstehung von Stilen wie Elektro-Pop, Techno und House, die ohne sie gar nicht entstanden wären. Der Clou an Stepsequenzern ist der geringe Funktionsumfang, der zum kreativen Komponieren zwingt. Wir stellen dir die Funktionsweise und Möglichkeiten und anschließend günstige aktuelle Stepsequenzer vor.

Stepsequenzer gehören zu den Erfindungen, ohne die die Musikgeschichte wahrscheinlich ganz anders verlaufen wäre. Hätten Kraftwerk, Klaus Schulze, Tangerin Dream und andere elektronische Musiker der 1970er-Jahre auf die kleinen Geräte zur Steuerung von Synthesizern verzichten müssen, Elektro-Pop und Techno würde es wahrscheinlich nicht geben. Auch für andere Pioniere elektronischer Popmusik wie Depeche Mode, Deutsch Amerikanische Freundschaft oder die ersten Techno-Produzenten aus Detroit waren die sich wiederholenden musikalischen Muster Grundlage ihrer Ideen.

Gerade die ersten Stepsequenzer von Moog und Arp glänzten durch ihre eingeschränkten Möglichkeiten. Bob Moog baute mit dem Modul 960 für seine Modular-Synthesizer einen Stepsequenzer, der nur drei Reihen mit jeweils acht Schritten bot. Diese konnten parallel, hintereinander oder als Mischung aus beidem abgespielt werden. Ob du mit der jeweiligen Spur die Tonhöhe, -länge oder einen anderen Klangparameter modulierst, ist deine freie Entscheidung. Ganz ähnlich funktionierte der ARP 1601, der allerdings statt Dreh- Schieberegler hatte und 16 Schritte  bot.

Der besondere Reiz an Stepsequenzern liegt genau in den Einschränkungen. Das gleichmäßige Fortschreiten der Schritte (Steps) erzeugt eine Art maschinelles Gefühl. Da dir pro Schritt nur sehr wenige Möglichkeiten zur Veränderung von Parametern zur Verfügung stehen und diese sich nach kurzer Abfolge wiederholen, erzeugst du Musik mit einem „ostinaten Charakter“ (s. Torbjörn Ericson: Die Maschine in der Musikpraxis, in popscriptum Nr. 7: Musik und Maschine, www2.hu-berlin.de/fpm/popscrip/themen/pst07/index.htm).


So funktioniert ein Stepsequenzer.

Jeder Schritt ein Ton

Das Prinzip eines Stepsequenzers ist, dass er im Tempo eines Signalgebers (Clock) schrittweise Signale erzeugt. Welche das sind, hängt von seinem Funktionsumfang ab. Zum Standard gehört, dass er ein Trigger-Signal ausgibt. Das heißt, du legst für jeden Schritt (Step) fest, ob ein Klang zu hören ist. Dazu triggert der Stepsequenzer die Hüllkurve des angeschlossenen Synthesizer (oder Drumsounds), die daraufhin entsprechend ihrer Einstellung den VCA des Synthesizers öffnet und wieder schließt.

Mehr Möglichkeiten bieten dir allerdings Stepsequenzer, die neben dem Trigger CV-/Gate- oder MIDI-Signale ausgeben. Wobei du bei einem MIDI-Sequenzer mit den Einschränkungen des MIDI-Protokolls leben musst. Im MIDI-Bereich besteht jeder Schritt immer aus Tonhöhe und -dauer. Bei einem analogen CV-/Gate-Sequenzer bist du hingegen nur durch den Funktionsumfang des Stepsequenzers in deinen Möglichkeiten beschränkt. Besteht er aus jeweils einer separaten Trigger- oder Gate-Reihe sowie einer CV-Reihe, dann kannst du oft das Auslösen eines Tons und die Änderung der Tonhöhe voneinander trennen.

Die Trigger-/Gate-Reihe hat in jedem Stepsequenzer die gleiche Aufgabe wie beim Drumcomputer. Durch Einschalten eines Steps wird an dessen Position beim Durchlaufen der Reihe ein Signal erzeugt, damit ein Ton zu hören ist. Mit der CV-Reihe legst du dazu passend eine Tonhöhe pro Schritt fest. Erzeugt der Stepsequenzer Gate-Signale, also Trigger-Signale, deren Länge du pro Schritt festlegst, ist es möglich, dass du innerhalb der Dauer eines Tons dessen Tonhöhe über die CV-Werte veränderst (Slide oder Glide genannt).

Absolute Klassiker: Während Moog beim 960 (oben) auf Drehregler setzte, wurden beim ARP 1601 (rechts) die Steps über Schieberegler eingestellt.

Analog versus digital

Diese Trennung zwischen Tonhöhe und Dauer ist allerdings eine Spezialität analoger Stepsequenzer. Digitale tun sich oftmals durch die MIDI-bedingte Koppelung von Tondauer und -höhe damit ein wenig schwer. Dafür bieten sie meist die Möglichkeit, Sequenzen zu speichern und zu Songs zu verketten. Eine Reihe von Steps wird dabei als Pattern gezeichnet. Teilweise haben digitale Stepsequenzer, gerade wenn sie fester Bestandteil eines Synthesizers sind (wie etwa bei der TB-303), keinen Regler oder Taster für jeden einzelnen Schritt.

Stepsequenzer, die CV-/Gate-Signale ausgeben und dir einen Slide- (bzw. Glide-)Modus bieten, ermöglichen komplexere kurze Sequenzen, die ausschließlich durch die Anzahl möglicher Schritte begrenzt sind. Die Trennung von Trigger, Gate-Länge und Tonhöhe ermöglicht dir langanhaltende Klänge, bei denen sich über längere Zeit Tonhöhe, Filter-Cutoff und andere Parameter entsprechend der Einstellungen für die Schritte verändern. Das erinnert vom Klangverhalten ein wenig an ein Digeridoo und erzeugt spannende Synthesizerklänge.

Moderne digitale Stepsequenzer verbinden daher zum Teil die Vorteile digitaler Speicherbarkeit mit denen analoger Technik. Eine Möglichkeit sind sogenannte Motion-Sequenzen, also die Steuerung einer bestimmten Anzahl weiterer Parameter pro Schritt neben der Tonhöhe. Noch mehr Möglichkeiten bieten einige, die neben MIDI- auch CV-/Gate-Ausgänge zur Steuerung von Synthesizern bieten. Die durch MIDI erforderliche Koppelung von Tonhöhe und -dauer wird durch die CV-/Gate-Ausgabe der Signale aufgehoben.

Korg SQ-1: Hier handelt es sich um einen analogen Stepsequenzer, der mit jeweils zwei CV-/Gate-Ausgängen besonders gut zu analogen Synthesizern passt.

KORG SQ-1

Zusammen mit der Neuauflage des MS-20 präsentierte KORG den analogen Stepsequenzer SQ-1. Trotz seiner geringen Größe und dem niedrigen Preis bietet er eine Reihe von Funktionen, mit denen er als vielseitiger Ideengeber dein Set-up bereichert. Er ist so aufgebaut, dass du ihn als 2x8- oder 16-Steps-Sequenzer nutzen kannst. Über den großen Drehregler links oben wählst du den gewünschten Modus aus. Je nach Modus übernimmt die untere Reihe im 8-Step-Modus eine andere Aufgabe.

Eine Möglichkeit ist, beide Reihen als eigenständige CV-/Trigger-Reihen laufen zu lassen und damit zwei unterschiedliche Klangerzeuger anzusteuern. Ebenso ist es möglich, mit der unteren Reihe die Gate-Länge der Schritte zu variieren, Slides (das Hinübergleiten von einem Step zum nächsten) zu setzen oder eben mit dem CV-Wert einer Reihe einen Parameter des Synthesizers zu variieren, sofern dieser entsprechende CV-Eingänge bietet. Einige dieser Möglichkeiten erreichst du zusätzlich in den 16-Step-Modi über das einfache Bedienfeld des SQ-1.

Im Zusammenspiel mit einem Modular-Synthesizer machen diese Modi sehr viel Freude. Mit SQ-1 steuerst du aber ebenso gut über MIDI oder USB andere Hard- und Software-Synthesizer. Schließt du den SQ-1 über USB an deinen Rechner an, wird er über MIDI-Clock synchronisiert. Sogar als USB/MIDI-to-CV/Gate-Interface ist der SQ-1 zu gebrauchen. Das Einstellen von CV-Werten über die kleinen Drehregler ist allerdings ein wenig fummelig, spontane Ideen sind trotzdem schnell entwickelt.

Arturia Beatstep Pro: Als Controller und digitaler Stepsequenzer mit umfangreichem Speicher und Zugriff auf viele Parameter ist er der derzeit vielseitigste Stepsequenzer.

Arturia Beatstep

Mit Beatstep hat Arturia einen Stepsequenzer im Programm, der vom Preis und Umfang ein direkter Mitbewerber des SQ-1 ist. Beatstep hat pro Pattern bis zu 16 Schritte. Note-On/Off (Trigger), Gate und Notenhöhe werden separat festgelegt. Er gibt sowohl CV/Gate-Signale wie MIDI aus, steuert also die verschiedensten Synthesizer an. Nebenbei erhältst du mit ihm einen Controller für Softsynth und DAW sowie ein Drumpad. Sein Funktionsumfang macht ihn zu einem guten Helfer, wenn du vor allem mit Softsynth und DAW produzierst.

Wenn du einen etwas umfangreicheren Stepsequenzer suchst, ist der Beatstep Pro mit zwei Instrumenten- und sechszehn Drum-Reihen interessant. Wie beim Beatstep ist der Pro ein Controller für DAW und Softsynth, aber eben auch ein vielseitiger Stepsequenzer. Sogar Slides, das gleiten der Tonhöhe zweier Schritte ohne neues Gate-/Trigger-Signal, ist (mit MIDI-bedingten Einschränkungen) möglich. Das Display zeigt die jeweilige Note des Schrittes, der gerade eingestellt wird, an. Für minimalistische Produktionen wird der Beatstep Pro ausreichen.

Keystep ist Arturias dritter Beitrag zum Thema Stepsequenzer. Deutlicher als die beiden Beatsteps orientiert er sich an den ersten digitalen Stepsequenzern, indem er auf Regler für die einzelnen Schritte verzichtet. Der Vorteil dabei ist, dass du bei Bedarf über den Chord-Modus bei dem Schritt ganze Akkorde aufnimmst. Keystep ermöglicht dir dadurch, ganze Akkordprogressionen zu programmieren. Nachteil der schrittweisen Eingabe ist, dass dir nachträgliche Änderungen schwerer fallen. Nebenbei ist Keystep ein Controller-Keyboard mit einer gut spielbaren Mini-Tastatur.

Native Instruments „Kodiak“: Zum Thema Stepsequenzer ist der neueste Beitrag in NIs Reaktor Blocks der spezielle Shift-Sequenzer.

Stepsequenzer in Synthesizern

Die ersten Stepsequenzer waren Bestandteil von (modularen) Synthesizern. Kompaktere Instrumente wie der Minimoog oder KORG MS-20 kamen ohne sie auf den Markt. Doch mit der aufkommenden Digitaltechnik erhielten Synthesizer wie der Roland SHS-101 oder die TB-303 wieder interne Stepsequenzer. Allerdings beendete die Einführung von MIDI ab 1983 die Ära eingebauter Stepsequenzer fürs Erste. Erst das Aufkommen von Techno und die Renaissance von externen Stepsequenzern wie dem Doepfer MAQ 16/3 beförderten die Wiedergeburt interner Stepsequenzer.

Aktuell hat KORG mit der Volca-Serie, den Electribes sowie Monologue und Minilogue eine Reihe von Synthesizern im Programm, bei denen der Stepsequenzer wesentlicher Bestandteil des Konzeptes ist (Volca-Serie) oder eine bereichernde Funktion (Minilogue und Monologue) darstellt. Rolands Bouthique-Serie enthält ebenfalls stets einen Stepsequenzer. Und auch im JD-XI und JD-XA findest du einen. Für modulare Synthesizer im Eurorack-Format gibt es neben Doepfers A-155 eine Vielzahl weiterer Stepsequenzer, die zum Teil wie der Make Noise Rene ganz neue Konzepte umsetzen.

Sogar DAWs enthalten oftmals einen virtuellen Stepsequenzer. Einer der ersten war der Matrix in Propellerhead Reason 1.0, der eine Gate-Reihe mit einer Noten- und Modulationsreihe kombiniert. In Ableton Live sorgt Max4Live mit dem MonoSequenzer für entsprechende Möglichkeiten. Mit dem Stepdesigner findest du in einigen Cubase-Versionen einen Stepsequenzer. Native Instruments Reaktor enthält ebenfalls eine ganze Reihe von Stepsequenzern, darunter in Reaktor Blocks 1.3 den Shift- und den Curve-Sequenzer, die du einfach zu einem sehr flexiblen Stepsequenzer verknüpfst.

Fazit

Stepsequenzer sind ein spannendes Werkzeug für elektronische Musikproduktionen. Die Beschränkung auf eine geringe Anzahl von Schritten, die im einheitlichen Rhythmus abgerufen werden, sorgt für eine spezielle Herangehensweise in der Produktion. Zum Glück gibt es wieder mehr Stepsequenzer wie die von KORG, Arturia und Doepfers Darktime und Synthesizer, bei denen ein interner Stepsequenzer zum Konzept gehört.

Selbst in den meisten DAWs findest du eine oder mehrere Stepsequenzer-Emulation(en). Dadurch steht dir mit wenig Aufwand und selbst für einen schmalen Geldbeutel die kreative Welt kurzer Sequenzen zur Verfügung. Viel Spaß beim Experimentieren – aber immer daran denken, zwischendurch mal die eine oder andere Sequenz aufzunehmen. Sonst kann niemand hören, wie süchtig du nach diesen kreativen Werkzeugen geworden bist.



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