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Test: Lehle Julian Parametric Boost

Einer für alle(s)

Als extrem flexibler Soundretter in der Not erweist sich der coole Lehle Julian.


Einer für alle(s)

Julian, Lehles neuer Sound-Veredler, setzt da an, wo der vollkommen linear arbeitende Sunday Driver aufhört. Denn der Parametric Boost macht ein Gitarrensignal auf und für alle Fälle fit.

Im Grunde sind wir Gitarristen doch ganz einfach gestrickt, denn „wir wollen alle mehr oder weniger dasselbe“! Das stellte unter anderem auch schon der bekannte und bekennende Chefarzt Dr. Farin Urlaub auf seinem geradezu prophetischen 2005er-Urlaubsopus („Am Ende der Sonne“) fest. Die Probleme liegen dabei eigentlich nur im „mehr oder weniger“. Was das mit Lehles „Julian“ zu tun hat? Nun, dieses Multifunktionstool im typischen stabilen und formschönen Metallgehäuse verspricht Abhilfe.

Ganz gleich, ob ein Eingangssignal nun fetter und größer, stabiler und durchsetzungsfähiger, runder und geschmeidiger oder klarer und transparenter werden soll, mit dem „Julian Parametric Boost“ klappt es einfach besser. Wie der Beiname verrät, ist das Gerät mit einem – sinnvoller Weise aufs Nötigste reduzierten – semi-parametrischen EQ ausgestattet. Dadurch werden die Möglichkeiten einer simplen Vorverstärkerschaltung dramatisch erweitert.

Damit man sich das weite Einsatzgebiet besser vorstellen kann, hat der Hersteller netterweise in der zweisprachigen (Deutsch & Englisch) Bedienungsanleitung einige Anwendungsbeispiele aufgeführt. Und das ist auch gut so. Denn der äußerlich so unscheinbare „Julian“ hat zwar nur vier Potis und zwei Schalter an Bord, ist aber extrem flexibel und erweist sich in der Praxis als wahres Multitalent.

Eine Input- und eine Output-Buchse, da sollte die Einbindung ins eigene Setup keine Fragen aufwerfen, zumindest solange der Signalweg nur aus Instrument, „Julian“ und Verstärker besteht. Wer sich ein bisschen mit dem Thema auseinander gesetzt hat, weiß allerdings, dass hier die Feinabstimmung den entscheidenden Unterschied macht. Wie schon gesagt, „Julian“ kann ganz unterschiedliche Wünsche erfüllen. Insofern sollte man sich überlegen, wie und wobei er denn eigentlich helfen soll.


DIe Anschlusssektion des Lehle Julian ist so einfach gehalten, dass eine Fehlbedienung ausgeschlossen sein sollte.

Nur mal schnell frisch machen

Lehle weist darauf hin, dass es sich um eine Weiterentwicklung der beliebten „Sunday Driver“-Serie handelt. Beginnen wir deshalb unspektakulär, mit der Anwendung als Kabeltreiber: Damit die Wiedergabe empfindlicher passiver Tonabnehmersignale trotz langer Kabelwegen oder beim Anschluss an zu niederohmige Geräteeingänge nicht leidet, wird das Signal von einem hochwertigen klangneutralen Pufferverstärker optimal angepasst und aufgefrischt. Transparenz und Dynamik bleiben somit bestens erhalten.

Bei Mittelstellung des Gain-Reglers sind Ein- und Ausgangssignal gleich laut. Sprich, solche delikaten Aufgaben erledigt „Julian“ so diskret wie ein guter Concierge im Hotel. Wer also, um die Stolperfallen zu minimieren, das Kabel zum Verstärker lieber um die Bühne herum verlegt, kann das gerne tun; übrigens auch, ohne die Boost-Schaltung zu aktivieren. Denn „Julian“ offeriert  dem Signal zunächst eine Eingangsimpedanz von 1 Megaohm, wie sie auch an den meisten Röhrenverstärkern zu finden ist.

Darauf folgt der Buffer-Schaltkreis, der selbst nach dem Durchlaufen vieler Kabelmeter und diverser Stompboxes noch einen „True Sound“ garantiert, wie das in Lehles Terminologie heißt. Nun wissen bekennende Pedalmaniacs längst, dass urtümliche Effekte wie Fuzz-, Wah- oder Treble Booster kein gebuffertes Signal vertragen. Deshalb kann man den „Julian“ auf True Bypass um- und bei Bedarf sogar die Eingangsimpedanz für den Boost-Effekt auf Vintage-korrekte 10 kOhm herunterschalten.

Die Potis des Julian sind extrem robust und werden kaum versehentlich verstellt – aber wenn es mal schnell gehen muss, ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Ganz schön direkt

Außerdem bieten die zuvor beschriebenen Eigenschaften ideale Voraussetzungen, um damit ein blitzsauberes Signal direkt ins Pult oder in ein Aufnahmegerät zu spielen. Die Anpassung übernimmt „Julian“ sozusagen als DI-Box, und den Rest macht dann beispielsweise ein Amp-Modeler oder Plug-In. Das konnte auch schon der „Sunday Driver“. Allerdings hat man hier, jenseits der neutralen 12-Uhr-Position der EQ-Sektion, noch ein paar zusätzliche, wertvolle Möglichkeiten mehr in petto.

Hierzu möchte ich aber erst zwei kleine Kritikpunkte loswerden: Zu Recht weist der Hersteller darauf hin, dass sich die flachen Potiknöpfe wohl kaum versehentlich verstellen dürften – selbst beim losen Transport im Gigbag nicht. Aber da mal eben beim Gig mit verschwitzten Fingern nachzuregeln, könnte schwierig werden. Und, auch wenn das Gerät eh nur vier Knöpfe hat, die schwarze Beschriftung auf dem dunklen Grund ist bei ungünstigen Lichtverhältnissen kaum ablesbar.

Okay, nun möchte man vielleicht mal ein paar brillante, glasklare Licks einspielen, aber das verwendete Instrument hat nur kräftig drückende Humbucker an Bord. Kein Problem: Hi-Z (hohe Eingangsimpedanz) an, etwas Gain zurückdrehen und Treble anheben. Schon besser! Nun kann man mit dem Freq(uency)-Regler noch genau die zu „wolligen“ Mittenfrequenzen anvisieren und mittels Boost-Poti absenken. Das war’s, Sound-Diät abgeschlossen – it’s funky time!

Natürlich geht das Ganze auch anders herum. Für den nächsten Track ist fülliges Jazz-Comping angesagt, aber im Studio steht gerade nur die Strat rum? Auch gut! Hals-Pickup anwählen, die Eingangsimpedanz des „Julian“ auf Lo-Z umschalten und/oder Treble absenken. Boost aufdrehen und mit dem Freq-Poti die gewünschte Dosis Tiefmitten hinzufügen. Schau mal einer an, wie „smooth“ die plötzlich klingen kann!

Wie von Lehle gewohnt ist der Julian blitzsauber und mit besten Komponenten aufgebaut.

Geschmeidige Gain-Prothese

Ach so, du magst es doch lieber fett komprimiert und verzerrt? Na schön, Hi-Z wieder an, Gain und Boost beherzt aufdrehen, und schon presst der dünne Steg-Single-Coil der Schraubhalsplanke erstaunlich satte Leadlines aus dem Plug-In (oder Verstärker), dass die Obertöne nur so fliegen. Experimentiert man nun noch ein bisschen mit den Reglern, ergeben sich Klänge, die mal an klassische Treble Booster, mal an kultige Overdrive-Stompboxes oder auch an ein fest stehendes Wah-Pedal erinnern.

Noch schärfer klingt das Ganze in Kombination mit raubeinigen Röhrenschaltungen alter Schule wie Orange, Vox, Fenders Tweed-Amps oder auch einem Marshall JCM800. Gerade vor einem schön crunchy eingestellten Amp bleibt die sensible Reaktion aufs Volume-Poti der Gitarre voll erhalten. Man kann den „Julian“ nun einfach eingeschaltet lassen und den Rhythm/Lead-Wechsel fließend am Poti vornehmen oder ihn wahlweise per Fußschalter (übrigens knackfrei) als Solo-Booster aktivieren.

Die Gain-Reserven steigen damit selbstverständlich deutlich an (maximale Anhebung +15 dB) und lassen sich auch viel leichter kontrollieren. Die Dynamik ist also intakt, nur irgendwie wird das Klangbild durch Zuschalten des „Julian“ geschmeidiger und transparenter zugleich. In bestimmten Konstellationen reicht man damit schon beinahe an die Leadsounds nobler und kostenintensiver Luxus-Boliden à la Boogie, Bogner und Soldano heran. 

Will man den Julian mit Batterien betreiben, muss man zum Wechsel jedesmal das Gehäuse aufschrauben.

Instant Hot-Rod & Problemlöser

Hätte es den „Julian“ in den shred-freudigen 1980ern schon gegeben, womöglich wäre so manchem Verstärkerklassiker der Gang zum Hot-Rodder erspart geblieben. Zahllose Kult-Amps wurden damals ja gnadenlos verbastelt , dabei wäre die Lösung so einfach gewesen, tja ... Doch, wie schon gesagt, dieses Lehle-Pedal ist mehr als nur eine simple Gain-Prothese, eher schon so etwas wie ein „Erste Hilfe“- Kasten für kleinere und größere Sound-Unfälle aller Art.

So kann man mittels gezielt abgesenkter Mittenfrequenzen auch Hollowbodys und Semiacoustics wirkungsvoll „enthupen“. Diese sind ja wegen ihrer teilakustischen Bauweise bei höheren Lautstärken besonders Feedback-gefährdet. Die Problemfrequenz lässt sich mit dem Freq-Regler zielgenau erfassen und entschärfen. Und schon kann man wieder aufdrehen und weiterspielen, ohne ständig mit der Hand am Poti irgendwelche Rückkopplungen im Zaum halten zu müssen.

Bei Bedarf kann „Julian“ aber auch einer dicken, muffigen „Paula“ mit einer kräftigen Extradosis Hochmitten (Boost- und Freq-Poti voll auf) zu ungeahntem Twang-Appeal verhelfen; oder er sorgt für maximale Durchsetzungskraft in einem dichten Band-Mix. Damit empfiehlt er sich als vielseitiges und superflexibles Klangwerkzeug für alle Gelegenheiten. Stell „Julians“ Fähigkeiten doch ruhig mal selbst auf die Probe und schau, was er für dich und dein Setup tun kann. Du dürftest erstaunt sein!

Mitgeliefert werden Schrauben zur Befestigung des Lehle an einem Pedalboard sowie der passende Adapter für ein Netzteil.

Technische Daten & Wertung

Bauweise
Preamp/EQ/Booster, Bodenpedal
Konstruktion
Metallgehäuse
Anschlüsse
In, Out, 9 - 20 V DC-Buchse
Spannungsversorgung
9-Volt-Blockbatterie, AC- oder DC-Netzteil (9 - 20 V)
Spannungsbedarf
ca. 38 mA
Schalter & Regler

HZ/LZ (Hi/Lo Impedance), TS/TB (True Sound/True Bypass), On/Off; Gain, Freq(uency), Boost, Treble

Gewicht

ca. 500 g

Maße (H x B x T)

48 x 122 x 100 mm

Besonderes umschaltbare Eingangsimpedanz, mechanischer True Bypass oder gepufferter „True Sound“
Hergestellt in Deutschland

 

Wertung:

+ außergewöhnliche Signaltransparenz
+ flexibel und vielseitig nutzbar
+ variable Stromversorgung
+ stabile, sehr wertige Bauweise
+ erstklassige Verarbeitung
- etwas schwere Ablesbarkeit der Beschriftung
- gewöhnungsbedürftige Potiknöpfe


Vertrieb: Lehle; www.lehle.com
Preis (UVP): 215 €
 

 

 



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