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Interview: Green Day

Let’s Punk again

Green Day sind wieder voll da!! Mit frischem Old-School-Sound und reichlich Power.


Let’s Punk again

Green Day melden sich zurück!! Und zwar laut und krachend. Ihr neues Album „Revolution Radio“ weckt mehr als nur Erinnerungen an ihren Sound der 1990er. Wir sprachen mit Billie Joe Armstrong und Tré Cool über diese Entwicklung – und warum Do it Yourself manchmal einfach das Beste ist.

Von der beeindruckend großen Suite des Hotels Fairmont in San Francisco hat man alles im Blick: Links die Golden Gate Bridge, rechts die Gefängnis-Museumsinsel Alcatraz. Doch unsere beiden Gesprächspartner Billie Joe Armstrong (44, Gesang, Gitarre) und Tré Cool (43, Schlagzeug) würdigen die Sehenswürdigkeiten keines Blickes. Sie kennen das ja auch schon, da sie hier und in Oakland auf der anderen Seite der Brücke, zur Welt kamen und bis heute leben. Lieber sprechen die Beiden (Bassist Mike Dirnt, 44 steckt in einem anderen Interview) laut und leidenschaftlich über ihr packendes, insgesamt schon zwölftes, neues Studioalbum „Revolution Radio“.

Ganz bewusst haben sich Billie Joe, Mike und Tré auf der neuen Platte vom eigenen Frühwerk inspirieren lassen. Green Day ist ja nicht von ungefähr die Band, die 1994 mit dem Überalbum „Dookie“ den Punkrock überhaupt erst wieder massenkonsensfähig machte. Anstelle großer Rockopern wie „American Idiot“ oder übermäßig ambitionierter Mammutwerke wie dem 2012 veröffentlichten Dreifach-Album haut das Trio jetzt einfach zwölf Nummern raus, die ohne größere Umwege auf den Punkt kommen. Man hat sich sogar ein neues, kleineres Studio gebaut und die neuen Lieder selbst produziert. Und dass Green Day nicht nur rockt, sondern auch viel zu sagen hat, unterstreichen Songs wie die Single „Bang Bang“, eine kritische Auseinandersetzung mit Amokläufern, Waffengesetzen und Selfie-Narzissmus, „Too Dumb To Die“ oder „Outlaws“.

Music nStuff: Ihr habt euer neues Album ziemlich klammheimlich aufgenommen. Warum diese Geheimniskrämerei?
Tré Cool:
Um den Druck von uns zu nehmen. Wir wollten nicht im Schatten einer Deadline arbeiten, sondern alles sehr in unserem eigenen Tempo, nach eigenem Gusto angehen. Deshalb sind wir drei während der Aufnahmen unter uns geblieben. Wir haben das Album ja auch selbst produziert, das war uns sehr wichtig.

MnS: Hattet ihr einen Plan für „Revolution Radio“?
Billie Joe Armstrong:
Wir wollten ein wirklich kraftvolles Statement abgeben. Unser Ziel war es, die Leute daran zu erinnern, was für eine großartige Band wir sind. Wir wollten laut sein. Wir wollten schnell sein. Wir wollten aber auch intim sein. Ich denke, das ist uns gut gelungen.

MnS: Welcher Song brachte das Album so richtig ins Rollen?
Billie:
Das war „Bang Bang“. Als ich den schrieb, konnte ich richtig fühlen, dass es der Beginn einer neuen Richtung für uns war.



So rockig klangen Green Day schon rund 20 Jahre nicht mehr wie auf dem neuen Album „Revolution Radio“.

Back to the Roots

MnS: Eure Albumtrilogie mit „Un!“, „Dos!“ und „Tré!“ kam 2012. Hattet ihr geplant, vier Jahre lang kein Album zu veröffentlichen?
Tré:
Wir hatten geplant, eine schöne, lange Pause zu machen. Das war nötig, manchmal brauchst du etwas Abstand. Billie ging es nicht so gut, Mikes Frau war ernsthaft erkrankt, um diese Dinge mussten wir uns kümmern. Zum ersten Mal seit vielen Jahren hatten wir den Stecker gezogen und konnten ganz ohne Tourneen und Aufnahmen in uns gehen. Wir waren eine Weile einfach nur Männer, ich zum Beispiel habe geheiratet und die freie Zeit genossen. Meine Frau macht übrigens auch Musik, sie ist Sängerin der Punk-Rock-Band One Less Zero.
Billie: Wir alle sind heimgegangen und haben unser Leben gelebt. Wir wollten uns sehr bewusst nicht gleich wieder in Arbeit stürzen.  Was bei mir übrigens gar nicht geklappt hat (lacht). Ich habe ziemlich schnell ein Album zusammen mit Norah Jones aufgenommen, wir coverten darauf Songs der Everly Brothers („Foreverly“; Anm. d. Red).

MnS: Das neue Album hat einen sehr frischen, unverbrauchten Sound. Es klingt ganz und gar nicht wie die zwölfte Platte von Mittvierzigern. Wie habt ihr das hinbekommen?
Tré:
Wir haben die Gebrauchsanleitung weggeworfen. Und die Meinungen, Einflüsse und Ideen von außen komplett weggelassen. Ich hatte nicht einmal einen Techniker für meine Drums im Studio, ich habe alles selbst gemacht. Ich war nicht mehr mein eigener Drum Tech seit wir „Dookie“ aufnahmen. Das war geil. Wir haben unseren ganz eigenen Sound gefunden und sind strikt unseren eigenen Ohren gefolgt.

MnS: Gefällt dir der Ausdruck „Back to the Roots“, also „Zurück zu den Wuzeln“, um das neue Album zu beschreiben?
Tré:
Die Beschreibung passt. Wir sind unseren Wurzeln zumindest sehr treu, wir ehren sie. Nirgends auf diesem Album bin ich von einem Drum-Computer ersetzt worden, und Gastrapper haben wir auch keine am Start (lacht). Auch keinen DJ!
Billie: In uns brodelt seit jeher ein Vulkan. Seit unserer Anfangstage vor mehr als 25 Jahren im Punk-Club Gilman Street drüben in Oakland sind wir dieses musikalische Erdbeben, das jederzeit hochkochen kann.

Green Day melden sich zurück mit „Revolution Radio“, einer vor Energie nur so strotzenden Scheibe.

Do it like a punk

MnS: Warum habt ihr selbst produziert und nicht wieder mit Top-Leuten wie Rob Cavallo oder Butch Vig?
Tré:
Weil wir es können. Weil wir uns selbst und unseren Vorstellungen vertraut haben. Wir waren uns einfach einig, dass wir keinen Produzenten brauchten, auch wenn die beiden natürlich absolute Cracks sind.
Billie: Wir wollten niemanden dabeihaben. Wir wollten es einfach selbst machen. Ich liebe Rob Cavallo, er hat das verstanden, und in Zukunft werden wir sicher wieder etwas Gemeinsames auf die Beine stellen. Nur: Dieses Mal war es besser so. Nur wir drei in einem Studio, das hatten wir zuletzt 1991 bei „Kerplunk“.

MnS: Wo habt ihr aufgenommen?
Tré:
In unserem neuen Studio, das wir vor zwei Jahren gebaut haben. Es ist in Oakland, genau wie das alte, und wir haben es Otis genannt. Wir sind die erste und einzige Band, die jemals dort aufgenommen hat. Und wir werden wohl immer die einzige bleiben. Uns war wichtig, einen originellen Sound auf diesem Album zu kreieren. Bei vielen Rockbands klingen die Drums und die anderen Instrumente recht ähnlich. Und auch wir selbst wollten wiederholen, was wir mit „American Idiot“ oder „21st Century Breakdown“ gemacht haben, auch soundmäßig. Alles rund um „Revolution Radio“ kommt uns wieder so „Do It Yourself“ vor wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Billie: Wir waren zuvor 15 Jahre in den Jingletown Studios in Oakland, wir brauchten eine Veränderung. Das kleine Otis-Studio hat einen ganz eigenen, wirklich phantastischen Sound, eine eigene Atmosphäre. Wenn Tré loslegte, hörte sich der Raum immer so an, als würde er gleich explodieren.

MnS: Seid ihr bei den Aufnahmen anders vorgegangen als sonst?
Tré:
Ja. Da der Raum deutlich kleiner ist, war ein Set von Mikrofonen sehr nah dran, weitere Mikros standen etwa drei Meter entfernt, und eins haben wir sogar ins Klo gestellt, und die Tür offengelassen. Und eins hatten wir im Flur.

MnS: Wieso das?
Tré:
So bekamen wir offenere Sounds, einen organischen, dynamischen Klang. Wir haben auf Samples oder drastisches Processing komplett verzichtet.




Voll auf die 12!

MnS: Die neuen Songs sind direkter, lauter, weniger Rockoper-mäßig als zuletzt. Ist „Revolution Radio“ eine bewusste Besinnung auf den Kern von Green Day?
Tré:
Für uns ist es das richtige Album zum richtigen Zeitpunkt. Nach der Trilogie 2012 mit gut 40 Songs konnten wir das Rad nicht noch weiter in Richtung Gigantomanie drehen. Auf der anderen Seite haben wir das Gefühl, dass sich viele Leute nach harten Gitarren, nach kernigen, kräftigen Sounds sehnen. Selbst in der Rockmusik liefen lange Zeit die eher luftigen, lockeren Songs sehr gut. Die Leute haben die Schnauze voll von dieser Fluffigkeit, sie wollen wieder was Härteres hören. Und sie wollen wahrhaftige Lieder hören, keinen soften Bullshit. Rockmusik ist unser Leben. Wir werden uns nicht der Fluffigkeit ergeben (lacht).
Billie: Nein, ganz sicher nicht. Ich liebe Energie, ich war immer süchtig nach ihr. Ich denke, Green Day hat sich seine Energie immer behalten, die Wucht von damals, als wir noch im Jugendpunkclub in der Gilman Street in Oakland spielten, hat uns nie verlassen. Ich denke, diese Spannung hörst du in Songs wie „Bouncing Off The Wall“ oder in „Outlaws“.

MnS: Das Album klingt eher wie das Werk von 24-Jährigen als von 44-Jährigen. Wie bekommt ihr es hin, so lebendig zu klingen?
Billie:
Nun ja, ich fühle mich jung. Ich sehe jung aus (lacht). Ich bin jung!

MnS: Singst du in „Youngblood“ über deine ewige Jugendlichkeit?
Billie:
In „Youngblood“ geht es um mich und meine Frau Adrienne. Sie ist seit 22 Jahre eine großartige Muse für mich, eine wunderbare Mutter unserer beiden Söhne Joseph und Jacob sowie nicht zuletzt eine phantastische Liebhaberin (lacht).

MnS: „Revolution Radio“ ein politisches Album?
Billie:
Es ist ein thematisches Album. Wir sind ebenso verwirrt wie alle anderen, warum Schwarze ungestraft von der Polizei erschossen werden, warum Donald Trump als Präsident kandidieren kann, warum überall dieses Chaos herrscht. Ich versuche, diesen ganzen Mist irgendwie für mich im Kopf zu sortieren.

MnS: In „Bang Bang“ versetzt du dich in den Kopf eines Amokschützen. Das klingt beängstigend.
Billie:
Das war es auch. Ich lebe in Kalifornien, San Francisco ist eine sehr liberale, weltoffene Metropole, New York, wo ich einen Zweitwohnsitz habe, ebenfalls. Ich stelle mir den Charakter aus „Bang Bang“ aber als jemanden vor, der irgendwo zwischen den Küsten lebt, und dort ist es oft regelrecht gespenstisch. Meine Mutter kommt aus Oklahoma, das ist eine andere Welt. Staaten wie Utah werden praktisch von ultrareligiösen Mormonen regiert, und du hast Texas, wo die Leute so konservativ und fremdenfeindlich sind, dass sie am liebsten ihren eigenen Staat gründen und sich von den USA trennen würden. Das ist alles verrückt, aber es bringt mich als Songschreiber eben auch auf Ideen. Letztendlich merkst du immer noch, dass Amerika mal der Wilde Westen war.

Green Day sind bereit auch in 2016 wieder ordentlich Ärsche zu treten.

Alles ist politisch

MnS: Ist es richtig, dass du den Titelsong „Revolution Radio“ geschrieben hast, nachdem du in New York bei einer Demonstration mitgelaufen bist?
Billie:
Ja, wir standen im Stau auf der 8th Avenue, und ich bin einfach ausgestiegen und marschiert. Ich wollte einfach Teil dieses Protestzugs sein, auch das ist Punkrock für mich: Punk bedeutet, dass man das System kritisiert, hinterfragt und versucht, die Menschen aus ihrer Wohlfühlzone zu holen. Punk bedeutet für mich mehr als „Fuck The System“, er ist sehr viel konstruktiver als so ein Slogan.

MnS: Du hast kürzlich in einem Interview Donald Trump mit Adolf Hitler verglichen. Bleibst du dabei?
Billie:
Die Schlagzeilen sahen dann doch sehr viel knalliger und reißerischer aus als das, was ich wirklich gesagt habe. Ich möchte ihn jetzt lieber mit Ronald McDonald vergleichen, das trifft es besser. Trump ist ein Clown, ein Witz.

MnS: Wird er in wenigen Monaten eine Fußnote der Geschichte sein?
Billie:
Will er überhaupt Präsident sein? Alles, was er macht, ist, seine Marke zu pushen. Trump dies und Trump jenes. Bald wird er wohl einen Fernsehsender starten, Trump TV. Was immer er tut, ich unterstelle ihm niedere Instinkte und unlautere Motive. Trump ist gierig und meiner Ansicht nach ein schlimmerer Politiker und ein weit scheußlicherer Mensch als George W. Bush.

MnS: Ihr seid jetzt in der „Rock’n’Roll Hall of Fame“. Wie fühlt sich das an?
Tré:
Wahnsinn, oder? Wir sind sehr stolz. Ich glaube, wir sind die jüngsten Mitglieder dieser ehrenwerten Familie. Und wenn es überhaupt Zweifel gab, dass wir in die „Hall of Fame“ gehören, dann wird dieses Album diese Zweifel zu Staub rocken.

MnS: Wird die Band anders wahrgenommen, seit sie in der „Rock’n’Roll Hall of Fame“ ist?
Tré:
Wir tauchen jetzt neuerdings auf dem Radar von Musikfans auf, die älter sind als wir. Das ist etwas Neues für uns. Bislang spielten wir ja hauptsächlich für ein Publikum in unserem Alter und jünger, wobei aus irgendeinem Grund bei jedem neuen Album verlässlich wieder neue 16-jährige, den Punk liebende, Kids vorne in den Konzerten standen. Jetzt aber entdecken uns erstmals auch die Fans des Classic Rock.

MnS: Billie Joe, du musstest wegen einer Alkohol- und Medikamentensucht 2012 eine Tournee abbrechen und warst in stationärer Behandlung. Wie geht es dir heute?
Billie:
Das war eine komische Phase. Ich habe zum Glück noch rechtzeitig gemerkt, dass ich mich um ein paar Dinge in meinem Leben kümmern muss, die außer Kontrolle geraten waren. Ich trinke nun überhaupt keinen Alkohol mehr, stattdessen viel zu viel Kaffee.

MnS: Zum Schluss die Frage: Wird der Rock ’n’ Roll überleben?
Billie:
Natürlich. Was denn sonst? Rockmusik ist sehr lebendig. Irgendwelche Kids werden die Fackel weitertragen. Und wenn es meine eigenen sind. Joe und Jacob spielen beide in Bands, und das machen sie sogar richtig gut (lacht).



Das neue Album

Auf ihrem brandneuen Album „Revolution Radio“, das am 7. Oktober in Deutschland erscheint, gehen Green Day zurück zu ihren Wurzeln – und das nicht nur in Sachen Songwriting, sondern auch in Sachen Soundbild und Herangehensweise. Heraus kommt ein extrem frisch und natürlich rockendes Album, dem es dennoch nicht an Hitpotential fehlt. Schon die ersten Vorabveröffentlichungen wie „Bang Bang“ oder der Titelsong „Revolution Radio“ geben die Richtung vor und machen richtig viel Spaß.

Weitere Infos: Offizielle Website: http://www.greenday.com

Green Day auf Facebook: https://www.facebook.com/GreenDay



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