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Test: Zoom H4n Pro

Rastlos recorden

Der neue H4n Pro von Zoom lädt dazu ein, überall und alles aufzunehmen – in hervorragender Qualität.


Rastlos recorden

Zoom mischt mit seinen mobilen Recordern ganz vorne mit. Im Portfolio des Audio-Spezialisten finden sich dabei sowohl neuartige und innovative als auch relativ klassische Lösungen. Mit dem H4n Pro brachte das japanische Unternehmen jüngst einen multifunktionalen und dennoch spartanischen Pocket-Recorder auf den Markt. Wir haben uns dieses handliche Aufnahmestudio etwas näher angesehen.

Auf den ersten Blick lässt sich nur ein marginaler Unterschied zwischen dem bereits etablierten H4n und dem neuen H4n Pro feststellen. Bis auf wenige designerische Aspekte am Gehäuse finden sich alle Taster – mehr oder weniger – am bekannten Platz, das Display hat die gleiche Größe und auch die Anschlüsse sind identisch. Schaut man jedoch genauer hin, fällt auf, dass die Hülle bei der Pro-Version etwas großzügiger mit Gummi überzogen ist. Dies verstärkt die Lust auf Außeneinsätze. Aber das ist längst nicht alles.

Vor allem Software-seitig bietet das H4n Pro einige Überarbeitungen. Dabei sollen besonders die Sound-Presets erwähnt werden, die aus dem Gitarren-Multi-Effekt-Board G5n stammen. Auch was den Gain-Bereich der integrierten Mikrofone angeht, ist an der Pro-Version so einiges verbessert worden: Wo das H4n einen Gain-Umfang von +7 bis +47 dB bietet, schafft das H4n Pro ganze -16 dB bis +51 dB. Dadurch lassen sich sowohl lautere als auch leisere Schallquellen viel besser auf die digitale Ebene bannen – alles natürlich in bester Audio-Qualität und bei einem Schalldruckpegel von bis zu 140 dB. Doch genug des Vergleichs, fangen wir ganz vorne an.

Das Zoom H4n Pro kommt in einer genau an seine Größe angepassten Kunststoffbox. Diese ist transparent, sodass sich gleich erkennen lässt, ob der Recorder in seiner Garage noch läuft oder nicht. Allerdings wirkt sie nicht so, als sei sie komplett wasserdicht – also: Obacht. Im Lieferumfang finden sich zudem zwei passende Batterien, Bedienungsanleitungen in drei Sprachen und Download-Codes für Cubase LE8 sowie WaveLab LE9, um gleich losproduzieren zu können. Eine Speicherkarte liegt jedoch nicht bei. Aber glücklicherweise sind passende SD-Karten mittlerweile überall für wenige Euro erhältlich.

Schon beim ersten Begutachten des H4n Pro fällt die astreine Verarbeitungsqualität auf: Alles ist ordentlich zusammengesetzt, nichts wackelt, nichts klappert und das Gerät macht einen durch und durch stabilen Eindruck. Obendrauf liegt der Pocket-Recorder gut in der Hand und fühlt sich sehr wertig an. Lediglich kleineren Damenhänden könnte der H4n Pro ein wenig zu klobig sein. Das ist allerdings kein Problem, denn auf der Rückseite lädt ein ¼-Zoll-Flansch dazu ein, das Gerät auf ein Stativ oder direkt an eine Kamera zu schrauben.


Je nach Anwendung kann der XY-Winkel der Mikrofone von 90° auf 120° verändert werden.

Aufnahmeb(e)reit

An der Oberseite des Zoom H4n Pro befinden sich die beiden Mikrofone. Diese wurden so konzipiert, dass sie in starrer und somit perfekter XY-Anordnung stereophone Signale aufnehmen. Das klingt recht unflexibel. Ist es aber nicht, denn durch Drehen der einzelnen Mikros lässt sich der XY-Winkel von 90° auf 120° anpassen. Hierbei gilt: 90° empfehlen sich für fokussiertere Schallquellen wie Konzertaufnahmen oder Interviews, 120° eignen sich hingegen eher für diffusere Umgebungsgeräusche wie sie im klassischen Field-Recording üblich sind.

Neben den integrierten Mikros können mithilfe der beiden Kombi-Buchsen auch externe Mikrofone, Instrumente oder andere Geräte direkt an das H4n Pro angeschlossen werden. Der Recorder bietet dabei die Möglichkeit, entweder 24 oder 48 Volt Phantomspeisung zu liefern. Somit können problemlos externe Kondensatormikrofone direkt angeschlossen und genutzt werden. Doch Vorsicht: die Phantomspeisung lässt sich nur für beide Buchsen gleichzeitig aktivieren – ein angeschlossenes Gerät, das keine Phantompower verträgt, könnte dadurch Schaden nehmen.

Rückseitig am XY-Element findet sich eine weitere 3,5-mm-Buchse für einen externen Schallwandler. Hieran lässt sich beispielsweise ein Lavalier-Mikrofon oder ein Headset anschließen. Sobald diese Buchse genutzt wird, schaltet das H4n Pro die integrierten Mikros ab und nimmt stattdessen das Signal des externen Schallwandlers zweispurig monophon auf. Hier gibt es übrigens noch die Option, die sogenannte Plug-In-Power zu aktivierten, um entsprechende Mikrofone gegebenenfalls mit der nötigen Spannung versorgen zu können.

Drei Aufnahmemodi bietet das Zoom H4n Pro. Im Stereo-Modus können Signalquellen entweder über die integrierten Mikros oder über die beiden Kombi-Buchsen aufgezeichnet werden. Wie die Namensgebung bereits suggeriert, lassen sich im Vier-Kanal-Betrieb alle vier verfügbaren Inputs gleichzeitig recorden. Interessant wird es bei letzterem: dem Multitrack. Das H4n Pro ermöglicht hier Overdub-Recordings mit allem Drum und Dran. Selbst Punch-In und einfaches Mixen der vier Spuren ist möglich. Sind die vier Spuren voll, kann über „Bounce“ alles auf einen Stereo-Track summiert und über die zwei somit frei gewordenen Kanäle weiter recordet werden – diese Methode ist vor allem Nutzern von vierspurigen Tape-Decks bekannt.

Zoom hat dem H4n Pro eine feine Auswahl an Amp-Simulationen aus seinem Multi-Effekt-Board G5n spendiert – und die haben es in sich.

Soundspielerei

Nicht nur als Stand-Alone-Gerät kann das H4n Pro betrieben werden: Über die USB-2.0-Schnittstelle lässt sich der Recorder an einen Computer anschließen und als Audio-Interface nutzen. Leider ist es hierbei jedoch nicht möglich, vierspurig zu recorden. Doch stereophon reicht völlig aus. Zudem erlaubt der Zoom-Neuling es, standardmäßig zwei Spuren zum Kontrollhören vom Rechner zu empfangen. Ist das H4n Pro via USB mit einem Computer verbunden, kann es übrigens auch als SD-Karten-Lesegerät zweckentfremdet werden – und das nicht nur, um die darauf aufgenommenen Files auf den Rechner zu übertragen.

Wie eingangs schon erwähnt, hält das H4n Pro einige Sound-Presets bereit. Diese reichen von solchen für Gitarre und Bass bis hin zu welchen für Gesang – mit insgesamt 50 voreingestellten Patches durchaus nicht wenig. Vor allem die Amp-Simulationen können was: Wie bei einem herkömmlichen Modeler lässt sich hier jeder Parameter nach Belieben einstellen, ein anderer Amp wählen und sogar der gewünschte Sound unter einem von zehn User-Presets abspeichern. Aber wie klingen die Amps denn?

Gitarre angesteckt, eingepegelt und losgelegt. Zoom hat sich bei der Amp-Simulation sichtlich Mühe gegeben. Keines der Presets klingt nach Spielzeugsound – ganz im Gegenteil. Zugegeben, für die Studio-Album-Produktion reichen die Presets nicht unbedingt aus. Sehr wohl aber für Demo-Aufnahmen und das Festhalten spontaner Ideen. Und genau dafür ist das H4n Pro gedacht. Übrigens: von cleanen über crunchige bis hin zu heftig verzerrten Sounds wird hier alles geboten. Trocken sind diese jedoch nicht unbedingt, denn neben den Amp-Simulationen gibt es noch massig Effekte, die je nach Bedarf angepasst und hinzugemischt werden können.

Bei einem richtigen Multi-Tool, das auch für musikalische Zwecke gedacht ist, dürfen gewisse Dinge einfach nicht fehlen. Dazu gehört etwa das Metronom. Dieses schlägt mit 40 bis 250 bpm, lässt sich wie jedes digitale Metronom sehr genau konfigurieren und hält fünf verschiedene Click-Sounds parat, die nicht so unangenehm wie oft bei vergleichbaren Geräten klingen. Praktisch ist vor allem, dass die Metronom-Einstellung selbst während des Playbacks und Recordings angepasst werden können. Ein weiteres wichtiges Tool darf natürlich nicht vergessen werden: das Stimmgerät mit chromatischem Tuner und solchen für Gitarre, Bass und weiteren Stimmungen.

Dank Menu-Taste und Einstellrad auf einer Seite lässt sich der H4n Pro auch gut einhändig bedienen.

Auf freiem Felde

Kommen wir jedoch zum wichtigsten Teil in diesem Test: dem Sound. Die eingebauten Kleinmembraner klingen ordentlich und sind für audiophile Zwecke bestens geeignet. Hierüber sind sogar kleinste Details wahrnehmbar, und selbst bei höchsten Gain-Werten macht sich kaum wahrnehmbares Rauschen bemerkbar. Besonders die hohe Dynamik, die räumliche Tiefe und die schöne stereophone Darstellung von Schallereignissen macht das Aufnehmen mit dem H4n Pro interessant. Am Klang dieses Pocket-Recorders gibt es wirklich nichts zu beanstanden.

Zu spät auf den Record-Button gedrückt? Kein Problem, denn der H4n Pro hält bei einer Samplerate von 44,1 kHz einen Memory-Speicher von zwei Sekunden bereit – und das reicht oft völlig aus. Etwas, das jedoch etwas negativ ins Gewicht fällt, sind die starken Windgeräusche. Selbst bei normalem Schritttempo und dem H4n Pro in der Hand meldet sich ein leichtes Dröhnen zu Wort. Hier hilft entweder ein ordentlicher Lowcut – wenn noch reparabel – oder ein Windschutz. Ein Windschutz aber liegt dem H4n Pro leider nicht bei und schlägt mit gut 35 Euro (UVP) zu Buche.

Was Handhabung und Haptik betrifft, weiß das Zoom H4n Pro zu punkten: Es ist intuitiv und ohne das Studium des Manuals gut bedienbar. Dadurch, dass sich Menu-Button und Einstellrad auf einer Seite befinden, lässt sich der Recorder sogar problemlos einhändig bedienen. Alle Taster besitzen zudem einen angenehmen Druckpunkt, der erst durch gezieltes Betätigen die gewünschte Funktion auslöst. Das ist gut so, denn angesichts dieser willkommenen Schwergängigkeit wird etwa die Aufnahme nicht gestoppt, wenn man versehentlich ans Gerät kommt.

Dank roter auffälliger LEDs weiß man sofort, welcher Input, welcher Aufnahmemodus und welche Spur in der Multitrack-Session aktiv sind. Freilich ist ebenso das Display hintergrundbeleuchtet. Und das in einem freundlichen Hellblau. Auch die Grafiken und Informationen im Display geben schnell Aufschluss darüber, was gerade passiert und wo man sich im Menü befindet. Einen Minuspunkt gibt es hier allerdings für die Trägheit: Zoom hat wohl versucht, beim Wechseln von einer Seite auf eine andere im Menü eine Animation zu hinterlegen. Diese nervt mit der Zeit, da sie auf dem LCD-Display nicht gut zur Geltung kommt und zu lange dauert.

Stimmgerät gefällig? Der Zoom H4n Pro hält einen umfangreichen Tuner fürs richtige Tuning bereit.

Fazit, technische Daten & Wertung

Zoom verzichtet beim H4n Pro auf unnötigen Schnickschnack, spendiert seinem Neuling gleichzeitig jedoch alles Relevante für den Außen- und Inneneinsatz. Dank der vorbildlichen Verarbeitung und der robusten Konstruktion scheint der Recorder immer und überall absolut zuverlässig zu arbeiten – selbst in Situationen, in denen vergleichbare Aufnahmegeräte längst an ihre Grenzen stoßen. In Kombination mit seiner vorbildlichen Audio-Qualität und mehreren Aufnahmemodi lädt der H4n Pro dazu ein, alle, wirklich alle Schallquellen hemmungslos einzufangen.

Gehäuse schwarzer Kunststoff, gummiert
Anschlüsse

2x Kombi-In, Phones/Line-Out, Remote, Ext Mic & USB 2.0

Externer Speicher

SD (16 MB bis 2 GB) & SDHC (4 GB bis 32 GB)

Display 128 x 64 Pixel, hintergrundbeleuchtetes LCD
Lautsprecher eingebauter Mono-Speaker
Mikrofone

eingebaute XY-Mikrofone (90° und 120°)

Aufnahmemodi

Stereo, Vier-Kanal & Multitracking

Betriebsmodi

Stand-Alone, Card-Reader & Audio-Interface

Auflösung max. 24 Bit zu 96 kHz
Formate

WAV & MP3

max. Schalldruckpegel 140 dB
Phantomspeisung 48 V oder 24 V (an Kombi-In)
Stromversorgung 2x AA (Alkaline & NiMH) oder 5 VDC 1A
Zubehör Schutzhülle, Bedienungsanleitung & Download-Codes für Cubase LE8 und WaveLab LE9
Maße (HxBxT) 37 x 73 x 157,2 mm
Gewicht 294 g

 

Wertung:
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
+ bestens geeignet für Außeneinsätze
+ hervorragender Sound
+ viele praktische Funktionen
+ vorbildliche Verarbeitung
– Display etwas träge
– windgeräuschempfindlich

Preis (UVP): 249 €

Vertrieb: Sound Service
Weitere Infos: Zoom H4n Pro im Netz

 

 



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