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Test: Two Notes Torpedo VB-101

Multifunktionaler Schalldämpfer

Sound in Studioqualität, und das jederzeit? Das geht, mit dem Two Notes Torpedo VB-101.


Multifunktionaler ...

Für viele Gitarristen, die ihren Lieblings-Amp längst gefunden haben, bleibt doch die Frage offen, wie man dessen Sound adäquat ins Mischpult oder in den Rechner bekommt. Two Notes liefert mit dem Torpedo VB-101 eine äußerst überzeugende Antwort.

Wie erkennt man, ob auf der Clubbühne oder von der Demo-CD, mit geschlossenen Augen und schon nach den ersten Takten eine typische Amateurband? Peinlicher Weise hört man es in der Regel spätestens, sobald die Gitarre einsetzt. Die kommt zwar gerne laut, aber undefiniert; es sägt, nölt oder rumpelt dahin und klingt dabei so gar nicht straff, druckvoll und dynamisch, wie man sich das eigentlich wünschen würde. Da war wohl die Box nicht gut mikrofoniert ... autsch!

Klar, eine Gitarrenanlage per Mikro abzunehmen, damit sie über die PA oder Studiomonitore richtig fett klingt, erfordert Erfahrung, Geduld und Zeit. Nun ist nicht jeder Musiker auch ausgebildeter Tontechniker oder kann sich einen solchen leisten. Und nicht jeder Tontechniker hat stets die passenden Mikros und die Zeit für aufwändige Amp-Checks übrig. Deshalb tut man als Gitarrist gut daran, das selbst in die Hand zu nehmen. Und dabei kann man jetzt professionell wie nie klingen – Torpedo ab!

Wer meint Franzosen verstünden etwas von Wein und Käse, hat zwar nicht Unrecht, ist aber wohl noch nicht so ganz in der Neuzeit angekommen. Das Label „Two Notes Audio Engineering“ klingt zwar eher nach LA, ist aber tatsächlich in Montpellier beheimatet und auf ausgeklügelte Studiotechnik spezialisiert. Und ganz offensichtlich gehören Gitarristen zum Technik-Team. Denn Two Notes’ Produkte verraten ein ausgeprägtes Verständnis für die besonderen Bedürfnisse unserer saitenzupfenden Zunft.

Auf den ersten Blick wirkt der Torpedo VB-101 in seinem 2-HE-Gehäuse, dem großen, beleuchteten Display und der Mixtur aus Tastern und Drehreglern wie ein typischer, moderner Multieffektprozessor aus dem Studiobereich. Im Grunde ist er das auch, irgendwie. Allerdings widmet er seine gesamte Schaffens- und Prozessorkraft einem gern vernachlässigten Teil der Signalkette: Der optimalen Abnahme von Gitarren- und Bassbox, oder genauer gesagt, deren authentischer Simulation.

Ein guter Gitarren-Sound muss „atmen“, räumlich und dreidimensional wirken, sonst lässt er uns kalt. Kann man so etwas denn überhaupt simulieren? Man kann, sofern genügend Rechenleistung zur Verfügung steht und die Entwickler ihre Algorithmen im Griff haben. Doch bevor wir uns darüber ein Urteil bilden, sehen wir uns erst mal die Ausstattung des VB-101 an. Diese verrät nämlich schon einiges über die durchweg professionellen Ambitionen des Herstellers.


Ein ganzer Raum voll Boxen und Mikros im Miniformat: Two Notes Torpedo VB-101.

On Stage und im Studio

Ein 19“-Gehäuse mit zwei Höheneinheiten bietet an sich reichlich Platz, dennoch erscheint die Rückseite des VB-101-Chassis gut gefüllt. Das ist unter anderem der integrierten Load Box geschuldet, wie der Lüfter am rechten Gehäuserand offenbart, und es erklärt auch das stramme Kampfgewicht des Gerätes. Der Lastwiderstand verträgt maximal 150 Watt, was im Betrieb entsprechend heiß werden kann. Der Lüfter ist also konzeptionell unverzichtbar, erweist sich aber glücklicherweise als angenehm laufruhig.

Live wird man den angeschlossenen Amp in aller Regel nicht stumm betreiben wollen. Deshalb gibt es, neben der Klinkenbuchse für das Signal vom Speaker Output, eine weitere zum Durchschleifen zur Lautsprecherbox. So beschallt die Anlage wie gewohnt den Musiker, während der Mann am Mischpult vom VB-101 ein hochwertiges und zuverlässiges Signal für den Saalmix geliefert bekommt. Spielt die ganze Band mit In-Ear-System und separaten Monitor-Mixturen, könnte man sich die Bühnen-Box also auch sparen.

Wer noch weniger schleppen will, nimmt nur einen Preamp mit und stöpselt diesen an den analogen XLR- Input, der symmetrische und unsymmetrische Signalquellen aufnehmen kann. Eine Kombibuchse, mit Klinkenanschluss in der Mitte, wäre noch eleganter gewesen. Aber es gibt ja Adapter. Damit sich das Ganze nach „richtigen“ Amp anhört, ist im VB-101 nämlich auch eine sehr natürlich klingende Power Amp Simulation integriert, mit diversen Röhrentypen, Class A oder A/B usw. Und das macht absolut Sinn.

Die Rücksteite des VB-101 erweist sich als absolut anschlußfreudig.

Analog zu Digital

Im Studiobetrieb ist die analoge Zusatz-Ausstattung erst recht willkommen. So bietet der VB-101 auch noch einen analogen Pre-Output, der das Eingangssignal lediglich symmetriert ausgibt. Wozu? Reamping heißt hier das Zauberwort; man zieht also bei den Aufnahmen eine parallele, trockene DI-Spur auf den Rechner. Nun hat man die Möglichkeit, den endgültigen Sound erst nach dem Einspielen festzulegen oder, wenn nötig, selbst beim Mix-Down nochmals zu ändern. Das kann so manchen Take retten!

Mit Hilfe der Bearbeitungsmöglichkeiten im VB-101 lässt sich dann schnell und effektiv eine breite Sound-Palette kreieren, wie wir gleich noch sehen werden. Das Beste ist aber nicht die unkomplizierte Handhabung an sich, sondern, dass man ein kreativ nutzbares Tool in die Hand bekommt, um den eigenen Lieblings-Amp mittels verschiedener Cab- und Mikrofonsimulationen vollkommen neue Klänge abzugewinnen. Es ist immer wieder erstaunlich, welchen Anteil diese Bausteine am Gesamt-Sound haben.

Noch verlustfreier geht die Übertragung, wenn man einen Wandlungsschritt auslässt, und das DI-Signal aus dem Rechner direkt in die digitale Ebene des Torpedo transferiert. Hierzu stehen ein AES/EBU und ein S/PDIF-Stereo-Interface zur Verfügung. Die passenden Outputs gibt es selbstredend auch sowie einen Wordclock Sync Input. Außerdem ermöglicht ein USB-Anschluss die Fernbedienung vom Computer aus. Einer reibungslosen Kommunikation zwischen Rechner und VB-101 sollte also nichts im Wege stehen.

Von der Hersteller-Website kann man sich hierfür eine intuitiv bedienbare und auch graphisch ansprechend gemachte Remote-Software herunterladen. Damit hat man unmittelbaren Zugriff auf sämtliche digitalen Features des VB-101. Und das Arbeiten mit dem Gerät macht gleich noch mehr Spaß! Der fortgeschrittene und entsprechend ambitionierte Anwender bekommt außerdem noch ein „Capture“-Programm dazu, mit dem sich die eigene Lieblings-Box analysieren und ins Setup integrieren lässt.

Mit der optionalen Gratis-Software lsst sich das VB-101 noch leichter bedienen.

Power und Pegel

Zunächst schließen wir jedoch den Speaker Out unseres Amps an den Speaker Input des Torpedo an und achten darauf, dass wir dem Impedanzwahlschalter auf 8 Ohm gestellt beziehungsweise den entsprechenden Ausgang gewählt haben. Schade, dass man das nicht am VB-101 umschalten kann. So muss man etwa bei einem alten AC30, der eben nur auf 16 Ohm läuft eine gewisse Fehlanpassung in Kauf nehmen. Dafür verkraftet der interne Lastwiderstand150 Watt, was für die allermeisten Gitarren-Amps ausreichen sollte.

Dennoch ist Vorsicht angebracht bei besonders leistungsstarken Boliden wie Mesa Triple Rectifier, Diezel Herbert, einem alten Marshall Major Top oder Fender Super Twin Combo. Und erst Recht bei Verwendung als virtuelle Bassbox. Ja, richtig gelesen, der Torpedo richtet sich auch an sound-bewusste Bassisten und bietet ein Dutzend spezieller Presets für die tieftönende Abteilung. Denn auch heute noch wird eine Bassanlage mikrofoniert, wenn es richtig rocken soll. Also, langsam mit dem Röhren-SVT!

Vor dem Losdonnern, muss man das Ganze in jedem Fall jedoch erst noch verkabeln; wichtig dabei: Erst alle Anschlüsse vornehmen, dann den Torpedo und danach erst den Verstärker aktivieren. Das Einpegeln ist glücklicherweise unkritisch, da es eine „Safe Gain Adjustment“-Funktion gibt. Man dreht einfach das Input-Level-Poti auf Minimum und spielt ein paar Sekunden lang über den Amp. Dabei stellt das VB-101 eigenständig einen sicheren Arbeitspegel her.

Schade ist nur, dass er sich diesen nicht global merkt, sondern beim Preset-Wechsel auf den dort gespeicherten Pegel zurückspringt. Das kann schon mal in Fummelei ausarten, obwohl man doch eigentlich nur mal eben durch die Presets surfen möchte. Okay, sind die Pegel auf den verwendeten Amp eingestellt und gespeichert, hat sich das Thema natürlich erledigt. Trotzdem, diesen Punkt im Bedienkonzept sollte der Hersteller vielleicht überdenken.

Das Two Notes Torpedo VB-101 bietet reichlich Auswahl an verschiedensten Boxen und Mikros.

Cabinet-Sitzung

Hören wir uns nun an, was die im Torpedo VB-101 angelegten Vorlagen zu bieten haben. Geht man die 66 Werkspresets durch (33 weitere stehen für eigene Kreationen zur Verfügung), wird der Aufbau deutlich. Jedes Preset ist aus mehreren separaten Modulen aufgebaut, nämlich Boxentyp, Mikrofon, Miking-Technik und Post FX. Letzteres bietet einige typische Studiowerkzeuge (Low Cut, EQ, Exciter, Compressor & Spatial Expander), mit denen ein Gitarren-Track in der Regel noch nachbehandelt wird.

Los geht es allerdings mit der Box und dem Lautsprechertyp, die jeweils als Einheit betrachtet werden. Das macht Sinn, weil der eine nicht ohne den anderen funktioniert. Wer schon mal denselben Speaker in unterschiedlichen Cabinets ausprobiert hat, weiß wie viel Einfluss die Gesamtkonstruktion auf den Sound hat. Hier kann man schon einige Zeit mit dem Durchprobieren verbringen, denn die Auswahl ist in der Tat üppig. Wer unter den hier angebotenen Modellen nichts Passendes findet, dem ist vermutlich nicht zu helfen.

Natürlich finden sich darunter die „üblichen Verdächtigen“, also Nachbildungen klassischer Cabinet-Types von Fender, Marshall, Hiwatt, Vox usw. Aber auch diverse moderne Exemplare etwa von Mesa, Engl, Diezel oder VHT sowie Boutique-Teile à la Cornford, Suhr oder Divided by Thirteen sind vertreten. Die wird man in dieser Fülle wohl in keinem Laden vorfinden, um einen Direktvergleich vorzunehmen. Allein das schon macht den VB-101 attraktiv, zumal die Simulationen verblüffend echt wirkten.

Das lässt sich am leichtesten feststellen, wenn man eines der klassischen Modelle mit der heimischen Referenzbox vergleicht. Das heißt, der Vergleich sollte fairer Weise zwischen der Torpedo-Simulation und der mikrofonierten Box stattfinden. Die unmittelbare Wahrnehmung der brüllenden „Echt-Lautsprecher“ wird ja auch stark durch den Raum und den schieren Schalldruck beeinflusst. Und dieser physische Druck lässt sich über herkömmliche, also relativ kompakte Abhörmonitore nicht so ohne Weiteres erzielen.

Auf dem Display sieht man die wichtigsten Infos auf einen Blick.

Virtuelles Studio

Davon abgesehen funktioniert die Cab-Simulation des Torpedo schockierend gut! Nach etwas Finetuning konnte ich das virtuelle Modell „Calif StdC“ praktisch nicht mehr vom Mesa Recto-Cab im Soundlabor unterscheiden. Andererseits traf Modell „Voice 30“ zwar den Grundcharakter, wollte aber nicht wie die „Silverbacks“ des guten alten AC30 klingen. Aber Speaker altern eben, und gerade die alten „Vöxe“ können recht unterschiedlich ausfallen. Womöglich klingt also die Vorlage des Herstellers entsprechend.

Wie bereits erwähnt, werden die Bassisten ebenfalls gut bedient, und auch hier lässt man sich nicht lumpen. Die Vorbilder sind unter anderem die beliebten Ampeg-Kühlschränke, Hartkes knallige Aluminium-Speaker, saftig brummende Vintage-Teile ebenso wie moderne Kompaktformate und überhaupt Speakertypen aller Größen, von 6“ bis 18“. Damit ist vom erdverbundenen Plektron-Rocker bis zum virtuosen Zappeldaumen garantiert für jeden etwas dabei.

Hier geht der Betrieb im virtuellen Studio aber eigentlich erst so richtig los, mit der Auswahl des passenden Mikrofons nämlich. Dafür stehen wiederum acht verschiedene Modelle zur Verfügung, die den typischen Wiedergabecharakter nicht weniger überzeugend abbilden. Simuliert werden unter anderem Bändchenmikros (Beyerdynamics M160N und Royer R121), weit verbreitete dynamische Mikes (Shure SM57 und Beta 52, Sennheiser MD421, Electro Voice RE20) aber auch feine Kondenser (Neumann U87, Blue Dragonfly).

Auch nur einen einzelnen Boxentyp mit den unterschiedlichen Mike-Typen durchzuhören, ergibt schon eine spannende Lehrstunde in Sachen Studiotechnik. Noch intensivieren lässt sich das Erlebnis dann durch die in Entfernung, Achse und Position bestimmbare Miking-Position. Die Menüführung macht optisch sehr schön deutlich, was dabei geschieht. Und die Klangunterschiede sorgen dabei garantiert für manches Aha-Erlebnis nach dem Motto: „So wird das also gemacht!“

Mit dem Two Notes Torpedo VB-101 hat man auch in kleinen Studios maximale Soundauswahl.

Sekt oder Selters?

Abgerundet wird das Setup zu guter Letzt durch die erwähnten Post-FX, die das Signal bei Bedarf entrümpeln (Low Cut), klanglich maßschneidern (5-Band-EQ), auffrischen (Exciter), komprimieren (Comp) oder so in die Breite ziehen (Spatial), dass man sich das Doppeln der Spuren sparen kann. Was man damit noch so alles herausholen kann, zeigt sich höchst eindrucksvoll, wenn man zum Beispiel die moderneren Metal-Presets aus der „Destroy“-Gruppe mit der traditionellen „English“-Sektion vergleicht.

Was nach der finalen Politur aus dem VB-101 herauskommt, darf man schließlich guten Gewissens direkt auf die Festplatte oder irgendein sonstiges Recording-Medium braten. Es sind keine weiteren Maßnahmen mehr nötig, um klanglich mit den eigenen Lieblings-CDs mithalten zu können. Jetzt sollte man nur noch spieltechnisch so fit  und kreativ sein, wie die eigenen Vorbilder. Dann sollte der Karriere als Guitar Hero nichts mehr im Wege stehen. Und falls doch, liegt es zumindest nicht am Sound.

Two Notes’ Torpedo trifft voll ins Ziel und verweist viele der häufig nur nebenbei erledigten, flach und eindimensional klingenden Speaker-Simulationen auf die hinteren Plätze, die man aus Amp-Modelern und selbst Recording-Plugins kennt. Wer schon mal versucht hat, solche Sounds in einem dichten Band-Mix zu platzieren, weiß: Es gibt einen Unterschied zwischen Sekt und Selters! Der nicht gerade zimperliche Preis für dieses Profi-Tool erscheint deshalb vollkommen gerechtfertigt.

Technische Daten:

 

Bauweise
Load Box plus Lautsprecher- und Mikrofonsimulation
Technik
aktiver Lastwiderstand/AD/DA-Konverter mit 24 Bit/192 kHz
Latenz
(Normal Mode) 4,84 ms, (Low Latency Mode) 2,84 ms
Leistungsaufnahme
max. 150 W RMS an 8 Ω
Input
Speaker Input & Speaker Thru (Klinken), Analog Input (XLR), Digital In (S/PDIF & AES/EBU)
Simulation

- Power Amp             EL84, EL34, 6L6, KT88; Class A, Class A/B; Pentode- & Triode-Modus
- Speaker-Types        44 für Gitarre, 13 für Bass
- Mikrofon                 2 x Bändchen, 4 x Dynamisch, 2 x Kondenser; Micro-Position, Phase, Overload
- Studio-FX                Low-Cut, 5-Band EQ, Exciter, Kompressor

Output

- Vorderseite               Headphones (Stereoklinke)
- Rückseite                 Analog Outputs Left & Right (XLR), Digital Out (S/PDIF & AES/EBU)

Peripherie MIDI In & Out/Thru, Worldclock Sync
Gewicht 7,5 kg
Maße (B x H x T) 550 x 430 x 305 mm
Zubehör Netzkabel, USB-Kabel, Torpedo Remote & Capture-Software via Download
Hergestellt in Frankreich

 

Vertrieb: Sound Service; www.sound-service.eu; www.two-notes.com Preis (UVP):    1.903 €

 

Wertung:


+ Exzellente Wiedergabequalität
+ Große klangliche Flexibilität
+ Auswahl der Simulationen
+ Logische Menüführung
+ Umfassende Ausstattung
+ Hochwertige Verarbeitung
-  Load Box nur für 8 Ohm ausgelegt
-  Keine globale Pegelanpassung



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