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Test: Traveler Guitar Escape Classical & Escape Concert

Klein, kleiner, Traveler

Gerade in der Urlaubszeit hat man Zeit in Ruhe Gitarre zu spielen. Wenn die nur nicht so groß wäre. Vorhang auf für Traveler Guitars.


Klein, kleiner, ...

Urlaubszeit, Reisezeit – da will man eigentlich nicht auf eine gute Gitarre verzichten. Schließlich findet sich endlich mal Zeit, in Ruhe zu spielen. Doch mit gewöhnlichen Instrumenten gibt es oft Stress, wenn man sie als Handgepäck mitnehmen möchte. Und die Schlepperei möchte man auch nicht haben. Doch es gibt eine Lösung namens Traveler Guitar.

Wer kennt das nicht: Man steht kurz vor dem Urlaub, hat gerade erst mit dem Kofferpacken begonnen – und schon ist der so gut wie voll. Und auch das zulässige Gewicht ist schnell erreicht. Dabei will man doch nicht ohne Gitarre in den Urlaub fahren. Denn wie kann man besser entspannen, als schön in der Sonne zu sitzen und ganz relaxed Musik zu machen. Naja, es bleibt ja noch das Handgepäck. Doch auch da sind die Vorgaben recht streng was Größe und Gewicht angeht. Und selbst wer nicht mit dem Flugzeug reist, will sich nicht unnötig mit einem großen und schweren Koffer belasten. Eine kleine und leichte Lösung muss her.

Das dachte man sich auch bei Traveler Guitar, wo man nun schon seit über 20 Jahren an der perfekten Reisegitarre arbeitet. Nun gibt es ja zwei Wege, Maße und Gewicht von Gitarren zu verringern: Entweder man belässt einfach das klassische Design und die Größenverhältnisse, wie sie sind und verkleinert quasi alles – oder man bleibt bei den gewohnten Abmessungen in Sachen Hals und Mensur und versucht sämtliche Überhänge soweit wie möglich zu minimieren. Die Kalifornier setzen von Beginn an auf Variante zwei – und sind bei der Reduktion schon erstaunlich weit gekommen ohne auf Sound oder Spielkomfort zu verzichten.

Mittlerweile umfasst das Programm von Traveler Guitar diverse Akustik- und E-Gitarrenmodelle – und sogar Bässe. Als reisefreudiger Musiker hat man also reichlich Auswahl, um das für sich passende Modell zu finden. Ob es eines der winzigen Ultra-Light-Modelle ist oder eines der Traveler-Acoustic-Modelle in Hollowbody-Bauweise, bleibt dann jedem selbst überlassen. Wir bekamen zum Test zwei Modelle aus der mittelgroßen Escape-Reihe: die Escape Concert (quasi die Westerngitarre der Serie) sowie die Escape Classical (eine Nylonstring).


Im Vergleich mit einer normalgroßen Akustikgitarre sieht man, wie kompakt die Traveler Guitars sind

Schön kompakt

Als der Karton mit den beiden Instrumenten bei uns eintrifft, bin ich dennoch erstaunt, wie klein die Gitarren sein müssen. Denn in das Paket mit beiden Gitarren (und zwei Effektpedalen) würde man normalerweise nicht mal eine Gitarre hineinbekommen. Also gleich mal ausgepackt. Beide Modelle sind sicher in passgenauen Gigbags untergebracht – gerade für Reisen sehr praktisch. Um die Instrumente zusätzlich zu schützen, sind sie zusätzlich noch in isolierenden Kunststoffbeuteln verpackt – das ist auf jeden Fall sinnvoll, denn man möchte das Instrument unterwegs ja nicht unnötig belastenden Temperaturschwankungen aussetzen. Mit dabei ist auch ein kurzes Manual sowie Werkzeug zur Einstellung des Halsspannstabs – ansonsten benötigt man auch nichts weiter.

Konstruktionell sind beide Modelle sehr ähnlich aufgebaut. Basis ist ein Hals mit der vollen 25,5“-Mensur, der fest an einen mehrteiligen Erlekorpus mit Zedern- (Classical) beziehungsweise Ahorndecke (Concert) geschraubt ist. Aus Platzspargründen wurde auf eine Kopfplatte verzichtet. Erfreulicherweise benötigt man dennoch keine speziellen Saiten. Bei der Classical werden die Saiten am Sattel wie am Steg ganz klassisch per Knoten befestigt, bei der Concert hängt man am Halsende die Ballends der Saiten ein, am Steg befinden sich ganz gewöhnliche Mechaniken.

Was ungewöhnlich ist, ist der Weg der Saiten zu den Mechaniken. Diese laufen nämlich über Rollen auf die Rückseite der Gitarre, von wo sie Richtung Korpusmitte, wo die Machine Heads sitzen, geführt werden. Das sieht im ersten Moment ziemlich ungewöhnlich aus, funktioniert aber in der Praxis bestens und sehr stimmstabil. Der Korpus selbst ist quasi wie bei einer Solidbody, weswegen beide Instrumente rein akustisch gespielt auch ziemlich leise sind – in etwa wie E-Gitarren. Wer sie also ohne Kopfhörer oder Verstärker nutzen möchte, muss schon in leisen Umgebungen spielen – oder sich doch für die Hollowbodys von Traveler entscheiden.

Um die Instrumente zu günstigen Preisen anbieten zu können, werden diese übrigens in China gefertigt. Aber wer sich jetzt Sorgen um die Verarbeitungsqualität macht, die ist bei beiden Testinstrumenten absolut makellos, da zwickt nichts, da hakt nichts. Die Halsrückseiten sind angenehm satiniert lackiert, die Bundenden schön abgerundet. Und ob Holzarbeiten, Elektronik oder Lackierung – hier gibt es nichts zu meckern. Apropos: Obwohl die Instrumente ja nicht wirklich akustisch sind, sind „Schallloch“ mit Binding und Produktnamen messerscharf in die Decke eingearbeitet, was im Zusammenspiel mit dem hochglänzenden Lack einen schönen 3D-Effekt ergibt.

Kleiner Korpus, großer Sound

Wie bereits erwähnt, sind diese Traveler Guitars für rein akustische Performances weniger geeignet. Doch die Hölzer klingen gut. Und so ist es auch absolut sinnvoll, dass der Hersteller den Instrumenten einen hochwertigen Tonabnehmer samt passendem Preamp spendiert. Beides liefert der deutsche Pickup-Spezialist Shadow. Dabei kommt unter dem Steg das hochgelobte Nanoflex-System zum Einsatz, das für sehr natürlich klingende Sounds sorgt. Bestens ergänzt wird es durch den passenden Preamp, mit dem man nicht nur Lautstärke, Bass und Höhen anpassen, sondern der dank eines Phase-Schalters auch nervige Feedbacks beseitigen kann. Noch interessanter ist allerdings, dass man hier auch einen Kopfhörerausgang sowie einen Aux In zum lautlosen Üben und Spielen zu Songs von einem externen Player hat.

Will man hingegen einen Akustikgitarrenamp oder ein Mischpult ansteuern, nutzt man ganz einfach den Klinkenausgang in der unteren Zarge der Gitarre. So steht auch spontanen Gigs vor größerem Publikum nichts im Wege. Wie praktisch die Entwickler der Traveler Guitars denken, sieht man übrigens auch am leicht zugänglichen Batteriefach, das man ohne Werkzeug öffnen kann und in dem sich zwei AAA-Batterien befinden. Das ist in sofern wichtig, als man diese jederzeit und nahezu überall problemlos und günstig bekommt – im Gegensatz zu Knopfzellen, die in Akustikgitarrenpreamps auch gerne mal verwendet werden.

Nach all diesen Vorschusslorbeeren sollen die Gitarren jetzt aber auch klingen – und das tun sie. Schön warm und satt perlen die Noten der Classical aus den Speakern. Größere Anpassungen mit Bass und Treble spare ich mir, denn das Instrument klingt auch so schon sehr stimmig. Schließt man die Augen, merkt man gar nicht, dass man keine „echte“ Akustikgitarre in Händen hält, alles fühlt sich ganz normal an, und auch der Klang überzeugt – nur wo ist der Korpus hin ;)

Auch die stahlbesaitete Escape Concert gibt sich verstärkt keine Blöße. Sie klingt mehr als fett, da nimmt man lieber etwas die Bässe raus, denn daran mangelt es sicher nicht. Aber das klingt alles wirklich gut und richtig akustisch, klasse. Da weiß offenbar jemand, welche Komponenten man kombinieren muss, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Feine Anpassungen an Amp oder Raum kann man dann mit dem Preamp ja noch machen. Und auch über Kopfhörer macht sich das sehr gut. Schnell noch per Miniklinkenkabel Musik über den Aux In zuspielen, schon kann man optimal üben oder einfach nur jammen – und das ohne seine Umgebung zu stören.

Dank des Shadow-Tonabnehmers und des dazugehörigen Preamps klingen die Testgitarren über Kopfhörer und PA sehr erwachsen

Gelungene Zusammenstellung

Mein erster Kontakt mit den Traveler Guitars verlief absolut zufriedenstellend. Der Hersteller scheint in seiner gut 20-jährigen Firmengeschichte genau gelernt zu haben, worauf es ankommt beziehungsweise wie man es schafft, bei minimalem Platzbedarf maximalen Sound herauszukitzeln. Denn die vielen Details an den beiden Escape-Modellen zeigen deutlich, dass die Konstrukteure in den USA aber auch die Mitarbeiter in der Fertigung in China ihr Handwerk verstehen.

Die Verarbeitung der Gitarren ist richtig toll und die solide sowie bewusst gewählte Hardware rundet das Gesamtpaket schön ab. Die Instrumente klingen schon akustisch wie ihre Full-Size-Vorbilder – nur eben sehr leise. Dieser Grundsound wird dann vom tollen Shadow-System sauber weiterverstärkt – auf Kopfhörer oder PA. Dazu kommt, dass die Traveler Guitars so ausgestattet sind, dass man auch jederzeit unterwegs Ersatz bekommt – ob nun eine Saite reißt oder die Batterien keinen Saft mehr haben.

Zugegeben, die Instrumente sind nicht ganz billig. Aber es handelt sich hier auch keineswegs um Spielzeug, nur weil sie klein sind. Ganz im Gegenteil: Gerade Details wie das Stegsystem bedeuten zusätzlichen Aufwand. Und das man durchweg auf hochwertige Materialien setzt – ob bei Holz oder Hardware – hat eben auch seinen Preis. Dafür hat man aber auch lange Spaß mit seinem Reisepartner und muss sich nicht nach wenigen Jahren schon um Ersatz bemühen.

Über diese speziellen Rollen werden die Saiten reibungsarm auf die Rückseite der Gitarre geführt

Technische Daten & Wertung

Bauweise
Stahlsaitengitarre (Concert)/Nylonstring (Classical), Miniatur-Format
Korpus
 

Decke: Zeder (Classical)/Fichte (Concert); Korpus: Erle (massiv)

 
Hals
Ahorn, geschraubt
Griffbrett & Steg
gedunkeltes Palisander
Bünde 21 Medium (Classical)/22 Medium (Concert)
Bindings Kunststoff
Mensur 650 mm
Tonabnehmer Shadow Nanoflex inkl. Preamp mit Stimmgerät und Kopfhörerausgang
Anschlüsse Aux In (3,5 mm Klinke), Headphones Out (3,5 mm Klinke), Instrument Out (6,3 mm Klinke)
Besonderheiten Extrem kompakt, inkl. passendem Gigbag mit Temperaturschutz, Kopfhörerausgang, Aux-Eingang
Hergestellt in China

 
Wertung:

+ ultrakompakte Bauweise bei Standardmensur
+ tolle Verarbeitung
+ inklusive Gigbag und Temperaturschutz
+ integrierter (Kopfhörer)Vorverstärker + Tuner
+ guter Pickup-Sound
- rein akustisch recht leise

Preis (UVP): je 681,17 €
Info: W-Music Distribution, www.travelerguitar.com/acoustic

 



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