Kontakt -  Heft -  Impressum -  Termine 

Besuche unsere Facebook-Seite Folge uns auf Twitter Videos von MusicnStuff auf Youtube Folge uns auf G+ MusicnStuff auf myspace Besuche unsere Instagram-Seite

Test: Tech 21 Fly Rig 5

Kleines Besteck – großer Auftritt!

Mit Tech 21s neuem Fly Rig 5 bekommt man eine kompakte Universallösung für Gitarristen – mit tollem Sound.


Kleines Besteck – ...

Tech 21 kommt dem Wunsch nach einem problemlosen Sound-Generator für alle Fälle nach, der bewusst nicht auf digitales Modeling setzt. Und was dem Schweizer sein Taschenmesser ist, könnte bald das Fly Rig 5 für Gitarristen werden. Ein kompaktes Stück Ingenieurskunst, mit dem man verschiedenste Aufgaben problemlos erledigen kann.

Die Tüftler und DI-Sound-Pioniere von Tech 21 machen sich ja schon von Berufs wegen ständig Gedanken darüber, was man als saitenzupfender Musiker so brauchen könnte. Immerhin waren sie mit die Ersten, die uns Gitarristen mit einer ernsthaften DI-Lösung für die Aufnahme von Gitarrenamp-Sounds versorgten: Der legendäre „SansAmp“ trat Anfang der 1990er-Jahre seinen Siegeszug an und wurde rasch zu einer Art Industriestandard. Seitdem ist viel passiert.

Nicht erst mit den digitalen Modelern à la Line 6 und Konsorten erfuhr das Konzept starke Konkurrenz. Dennoch hielt man im Hause Tech 21 am eingeschlagenen Kurs fest und weitete das Programm nach und nach auf unterschiedliche Bereiche aus. So konnte man in den letzten Jahren insbesondere auf dem umtriebigen Effektpedalsektor punkten. Und beim neuesten Geniestreich der New Yorker fragt man sich, warum das bislang niemand sonst so konsequent umgesetzt hat.

Dabei erscheint die Idee so einfach wie einleuchtend – nur, man muss eben erst darauf kommen: Für den Fly Rig 5 kombinierte man die hauseigene SansAmp-Schaltung mit dem beliebten D.L.A.-Delay und dem erst jüngst eingeführten Hot-Rod-Plexi-Overdrive. Anschließend packte man das Ganze zusammen in ein superkompaktes, fliegengewichtiges Gehäuse – et voilà: fertig ist das extrem praktische kleine „Immer-dabei“-Besteck, das sogar locker in die meisten Gigbags oder Gitarrenkoffer passt!

Stirnseitig gibt sich das stabile Minichassis extrem aufgeräumt: eine Input-Buchse für die Gitarre, eine Ausgangsbuchse, dazu ein Anschluss für das mitgelieferte 12V-Netzteil, das wars. Setzt man das Gerät unter Strom, sind alle Sektionen erst mal aktiviert, was man unschwer an den fröhlich leuchtenden, farbig schön gegliederten Potis erkennen kann. Doch woran schließt man diesen Minimulti eigentlich am besten an? Nun, mehrere Szenarien sind denkbar; es kommt also ganz darauf an, was man damit vorhat.


Das Fly Rig 5 ist so kompakt, dass es locker in den Koffer oder das Gigbag passt.

Do You D.I.?

Wer den Fly Rig 5 als Not-Amp und Gig-Retter verwendet, falls das Haupt-Rig mal ausfällt, oder, sei es live oder bei einer Recording-Session, erst gar keine Verstärker-Backline auffahren will, kann das Pedal einfach ans Mischpult anschließen. Die bewährte, nach wie vor voll analoge SansAmp-Technologie bereitet das nackte Gitarrensignal praxisgerecht auf. Hier lässt sich bei Bedarf auch schon eine ordentliche Schippe Gain aufladen, die für Classic-Rock-Riffs locker ausreicht.

Der eigentliche Clou des SansAmp ist jedoch seine Fähigkeit, unterschiedliche Amp-Charaktere simulieren zu können – rein analog, wie schon gesagt. Das gelingt hier aufgrund der vertrauten Regelelemente für Drive, Low, Mid, High und Level weitaus leichter und schneller als beim Ur-SansAmp, der noch mittels „Mäuseklavier“ (sprich Mini-Dip-Switches) einzustellen war. Man sollte sich also über die kleinen Potis nicht beschweren. Und für größere wäre auf dem Kompaktgehäuse eh kein Platz mehr.

Gerade bei der DI-Anwendung macht sich der zusätzliche Reverb-Regler nützlich, um dem trockenen Signal den nötigen Raum hinzuzufügen. Hier geht es nun in die digitale Ebene des Gerätes, denn ein mechanischer Federhall hätte schwerlich noch mit ins Gehäuse gepasst. Allerdings wird der Halleffekt dem analogen Hauptsignal nur zugemischt. So ist es auch beim ebenfalls digital arbeitenden Delay-Modul, das intern parallel zum Reverb gefahren wird. Sprich, die Echos werden nicht zusätzlich verhallt.

Basis des Fly Rig 5 ist der Klassiker von Tech 21, der SansAmp. Alleine damit ist man klanglich sehr flexibel.

Naturnah und echologisch

Machen wir doch gleich beim Delay-Effekt weiter. Das hier integrierte Modul basiert auf dem bekannten Boost-D.L.A.-Pedal und ist, trotz digitaler Erzeugung, darauf ausgelegt, den warmen, fetten Effekt eines klassischen Bandechogerätes nachzuahmen. Die Potis „Time“ und „Repeats“ erklären sich von selbst, sprich Zeitabstand und Anzahl der Wiederholungen, dazu kommt „Level“ für den Ausgangspegel. „Drift“ ist da schon etwas spezieller.

Damit lassen sich dem Effekt markante, teilweise leicht unberechenbare Modulationen hinzufügen, wie man sie eben von einem ausgeleierten Tape-Echo kennt. Diese lassen sich nicht nur exakt dosieren. Man kann sie auch als Pseudo-Chorus missbrauchen, indem man „Time“ und „Repeats“ auf Minimum stellt. Sehr praktisch, und klingt auch noch richtig saftig! Zu schade, dass man das nicht programmieren oder zumindest als separaten Effekt abrufen kann.

Doch zurück zu den vorhandenen Möglichkeiten, die ja nicht von schlechten Eltern sind. Der zweite Schalter, „Tap“ genannt, dient selbstredend zum Eintippen des gewünschten Delay-Tempos. Das ist ja sinnvollerweise mittlerweile quasi zu einem Standard-Feature geworden. Ansonsten weiß das bedienfreundliche „DLA“ einfach durch einen angenehm satten und natürlichen Delay-Sound zu gefallen. Und das unabhängig davon, ob Rockabilly-Slapbacks oder Pink-Floyd-Sounds gefragt sind. Mission erfüllt!

Über die Boost-D.L.A-Sektion kann man den Grundsound noch vielfältig verfeinern.

Einfach Gain-ial

Okay, (DI-)Amp, Reverb und Delay, das ist schon mal ziemlich gut. Doch das Fly Rig 5 hat noch mehr zu bieten. Last, not least hat man dem kleinen Tausendsassa auch noch eine Overdrive-Einheit spendiert. Deren Schaltung entstammt dem jüngsten Spross der Familie, der auf den klangvollen Namen „Hot-Rod Plexi“ hört. Damit ist das anvisierte Terrain klar abgesteckt. Britisch raubeinige Zerre à la Mittsechziger Marshall ist hier angesagt, Dank „Hot“-Poti zusätzlich auch in der verschärften Version.

Wie das klingt? Zunächst mal ausgesprochen bissig und druckvoll und dabei beeindruckend dynamisch. Nein, Kuschelrock geht anders. Hier gibt’s die klassischen Qualitäten auf die Glocke und die Ohren. Man muss schon sauber spielen, damit es gut klingt. Und auch die Sustain-Unterstützung ist selbst unter Zuhilfenahme des separat zuschaltbaren „Hot“-Boosters nicht gerade üppig. Wer damit jedoch umzugehen weiß, dürfte das Plexi-Modul nicht so schnell wieder ausschalten. Oha, höchste Suchtgefahr!

Riffs und Licks fliegen vorbei; Hendrix, Cream, Led Zeppelin, Jeff Beck, AC/DC, ZZ-Top, Gary Moore, Michael Schenker, Slash, Bonamassa ... alle schauen kurz rein, um „Hallo“ zu sagen. Und als ich wieder auf die Uhr sehe, sind bereits Stunden vergangen ... hoppla! Da steckt ja wirklich ein Stück rockende Musikgeschichte drin. Also, jetzt mal rundheraus: Allein schon wegen dieser typisch britischen „Brateinheit“ ist dieses Fly Rig 5 ein ganz heißes Eisen.

Außerdem funktionieren diese Sounds genau so gut an einem supercleanen Blackface-Combo wie an einem angerauten britischen Halfstack. Selbst in der DI-Variante – mit nachgeschaltetem SansAmp, ohne sägt es natürlich unschön – bleibt absolut kein Auge trocken. Zumindest solange die angeschlossenen Monitor- oder PA-Boxen irgendwas taugen. Dabei muss man überhaupt nicht lange an den paar Reglern schrauben. Etwas Feinjustierung zur Anpassung an das verwendete Instrument und der Sound steht – Hammer!

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass die Boost-Funktion auch unabhängig vom Plexi-Effekt einsetzbar ist? So lassen sich cleane Leadlines äußerst wirkungsvoll in Szene setzen. Immerhin liefert das „Hot“-Poti am Anschlag einen Pegelschub von satten 21 dB. Aber, wie gesagt, um das zu bemerken, muss man den Plexi-Block erst mal abschalten. (Selbst der Moshpit-gestählte Nacken braucht mal Pause.) Apropos, abschalten: Dabei fällt mir doch tatsächlich ein Minuspunkt auf:

Sämtliche Module des Fly Rig 5, die den Signalpegel aufpumpen, wie Hot-Boost, Plexi-Distortion sowie SansAmp, ziehen leider auch eine hörbare Rauschfahne hinter sich her. Im Kontext einer lauten Live-Band dürfte das kaum eine Rolle spielen. Im Recording-Studio hingegen könnten die erhöhten Nebengeräusche durchaus störend wirken, vor allem wenn man die Module kombiniert. Schade, einen Effektweg zum Einschleifen eines Noisegates gibt es ja leider nicht.

Im Plexi-Bereich dreht sich alles um satt rockende Klänge britischer Herkunft.

Man kann nicht alles haben

Dafür sind die gut klingenden Reverb- und Delay-Effekte die Ruhe selbst. Nichts rauscht, knackt oder macht sich ansonsten unschön bemerkbar. Mancher mag nun vielleicht auf die Idee kommen, diese auch im Effektweg eines Verstärkers nutzen zu wollen. Aber das geht hier nicht so ohne Weiteres, es sei denn, man möchte wirklich auf den Plexi-Overdrive verzichten. Denn dieser gehört naturgemäß nicht in eine FX-Loop, sondern definitiv vor den Verstärker-Input.

Natürlich könnte man den Fly Rig 5 auch anstelle der eigentlichen Vorstufe des Amps nutzen. Dann sollte ein serieller Effektweg vorhanden sein, der möglichst auch auf geringere Pegel einstellbar ist. Denn um eine Endstufe wirklich satt anzusteuern, fehlen sonst ein wenig die Reserven. Für diese Anwendung ist das Tech-21-Pedal also nur bedingt gedacht. Aber, wie zuvor ausgeführt, leistet das Gerät vor dem Verstärker oder am Mischpult ganz hervorragende Dienste.

Wenn die vielen praktischen und wunderbar klingenden Sound-Optionen doch nur programmierbar wären. Und wär’s nur der On-/Off-Status der jeweiligen Sektionen. Dafür hätte so mancher Interessent sicher gerne noch den einen oder anderen Hunni draufgelegt. So bleibt im Ernstfall nur der Step-Tanz und schnelles Nachregeln an den Potis, wenn man etwa von einem dezent modulierten Cleansound auf die High-Gain-Lead-Breitseite mit langem Delay umschalten möchte.

Schade, aber man kann wohl nicht alles haben. Andererseits gibt es genügend Gitarristen, die ihre Stompbox-Sammlung auch lieber ohne Presets und MIDI-Steuerung verwalten möchten. Nicht jeder braucht schließlich gleich so eine umfassende Vollbedienung, was so ein Setup ja immer auch ein wenig komplizierter und teurer macht. Das ist nicht von der Hand zu weisen.

Ist das Teil genial? Verdammt, ja! Könnte man trotzdem noch etwas verbessern? Ja, schon, hm ... Hey, Tech 21, wie wär’s denn mit einem „Fly Rig PRO“ für uns Frickler, mit einem Noise Gate, vielleicht ein paar Speicherplätzen, einer Effekt-Loop? Nur größer sollte es möglichst nicht werden ... Kriegt ihr das hin? Wenn ja, ordere ich schon mal eines im Voraus!


Übrigens: Einen ganz schönen Überblick der Möglichkeiten und des Sounds des Fly Rig 5 von Tech 21 bietet dieses Video:




Auf der Rückseite des Fly Rig 5 ist alles klar strukturiert: Input, Output, Netzteil – fertig.

Technische Daten & Wertung

Typ analoger Amp-Simulator & Multieffekt
Bauweise
Bodenpedal im Metallgehäuse
Anschlüsse In, Out, 12V DC-Buchse
Schalter Hot On, Plexi On, SansAmp On, DLA On & Tap
Regler Hot (Boost); Drive, Tone, Level (Plexi); Drive, Low, Mid, High, Reverb, Level (SansAmp); Time, Drift, Repeats, Level (Delay)
Spannungsversorgung 12 Volt DC-Netzteil
Spannungsbedarf ca. 150 mA
Gewicht ca. 520 g
Maße 25 x 299 x 70 mm
Besonderes

integrierte SansAmp-Schaltung

Hergestellt in USA

 
Wertung:

+ hervorragende Sound-Qualität
+ intelligentes Bedienkonzept und umfassende Ausstattung
+ kompakte Abmessungen
+ stabile Bauweise
+ helle LED-Potis
- Status leider nicht programmierbar
- deutlich hörbare Nebengeräusche bei Boost und/oder Distortion-Settings


Preis (UVP): 356
Vertrieb:
Sound Service
Weitere Infos: www.tech21nyc.com/products/sansamp/flyrig.html



Leser-Kommentare:
Keine Kommentare

Kommentar schreiben...

Das könnte dich auch interessieren:





layout-domain.tmpl