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Test: Schröter Traditional 50 Head & S212OV Cab – Teil 2

Vintage-Flair und moderne Features

Die Features des Schröter Traditional 50 Head können per Director-Floorboard bequem verwaltet werden.


Vintage-Flair und ...

In Teil 1 des Tests des Schröter Traditional 50 Head hatten wir dir ausführlich von den Features und Sounds des Röhrentops berichtet. In Teil 2 zeigen wir dir, wie intelligent der Verstärker aufgebaut ist und was man über die Director-Fußleiste alles steuern kann.

Über die grundsätzlichen Sounds und Features des Schröter Traditional hatten wir dich ja in Teil 1 diees Tests aufgeklärt. Solltest du ihn noch nicht gelesen haben oder dich nur noch begrenzt daran erinnern findest du die erste Hälfte des Artikels hier.

Wir wollen uns jetzt aber den ausgeklügelten Schaltmöglichkeiten dieses tollen Topteils widmen. Denn wir waren mit den Features ja noch gar nicht durch. Auf der Frontplatte finden sich nicht nur zwei Master-Regler für Rhythm- und Solo-Volume, sondern auch noch ein Rise-Poti. Die ersten beiden ermöglichen die gewünschte Pegelabstimmung zwischen Lead- und Akkordarbeit und sorgen weit aufgedreht für cremige Endstufenkompression. Diese klingt hier beim „Traditional 50“-Modell besonders schön satt, wie man das etwa auch von 50-W-Plexitops kennt.

Damit nun nicht gleich der Putz von der Decke rieselt, gibt es auf der Chassis-Rückseite einen weiteren finalen Lautstärkeregler, dessen Wirkungsweise es in sich hat. Da kommt nämlich eine Spezialität des Herstellers zum Einsatz, welche die zuvor justierte Klangfarbe und Sound-Wucht in praktisch jeder halbwegs realistischen Lautstärke bereitstellt. Sinngemäß heißen die stufenlos einstellbaren Settings dann auch „Home“, „Club“ und „Stadion“.

Man kann den Traditional also tatsächlich auch in der heimischen Übungsecke in vollen Zügen genießen. Erzielt wird das Ganze nicht, wie so häufig, mittels „Power Attenuator“ oder ähnlichen Schaltungen. Die Endstufenröhren werden stattdessen nur bis zum „Sweet Spot“ gefahren, aber nicht gnadenlos verheizt. Das schont die Bauteile und damit den Geldbeutel des Users, denn der Röhrenverschleiß bleibt im grünen Bereich.


Dank der flexiblen Effects Loop lassen sich alle Effektgeräte gut integrieren.

Dry & Wet

Vollkommen klangneutral kann eine Pegelreduzierung nicht klingen, weil die Lautsprecher auch noch ein Wörtchen mitzureden haben. Erhalten sie weniger Saft, wirkt der Sound matter. Doch da kommt schon der nächste Joker in Spiel, der zuvor erwähnte „Rise“-Regler: Dieser pumpt beim Aufdrehen Bässe und Höhen auf und lässt das Klangbild größer und muskulöser beziehungsweise härter und transparenter erscheinen. Das erinnert an Loudness- oder Contour-Schalter, wie man sie von anderen Geräten kennt.

Aber, falsche Fährte! Bei kleineren Lautstärken „hungert“ der Speaker und liefert deshalb einen unnatürlich dünnen und harten Sound. Dreht man nun das „Rise“-Poti zu, wird das Klangbild wieder fetter, drückender und organischer. Auch das Spielgefühl profitiert erheblich davon. Natürlich kann man „Rise“ auch unabhängig von der Lautstärkereduktion verwenden. Bei normalen Proberaum- oder Bühnenpegeln gilt also grob gesagt: Blueser drehen zu, Metaller drehen auf – und alle werden glücklich.

Bei einem so umfassend ausgestatteten Amp sollten natürlich auch die Effektliebhaber nicht zu kurz kommen. Keine Sorge, auch für deren Bedürfnisse wurde vorgesorgt, und zwar nicht zu knapp. Wer sich etwa ein professionelles Dry/Wet-System aufbauen will, nutzt hierfür den (ungefilterten) Preamp Out und verstärkt die Effektanteile anschließend extern weiter. Alle übrigen dürfen vertrauensvoll die aufwändige FX-Loop verwenden.

Der Effektweg bietet die Wahl zwischen seriellem und parallelem Betrieb, regelbare Send- und Return-Pegel und ist obendrein noch fernschaltbar. Die Umschaltung geht ohne Nebengeräusche von statten. Dass die Loop ebenso gut mit simplen Stompboxes wie dezidierten 19“-Prozessoren funktioniert, ist da fast schon eine Selbstverständlichkeit. Jeder, der Send und Return auseinanderhalten kann, sollte also eine geeignete Anpassung für die verwendete Effektperipherie herstellen können.

Mit dem Director-Floorboard bietete der Schröter Traditional 50 Head noch deutlich mehr.

Directors Cut

Das Schalten der Loop, der beiden Master sowie der Kanäle erfolgt wahlweise über vier Buchsen für externe Switcher oder den hauseigenen „Director“. Dieses optional erhältliche Floorboard wird über eine verschraubbare 7-Pol-DIN-Buchse angeschlossen und bietet optimalen Zugriff auf sämtliche Schaltfunktionen des Schröter-Amps. Ein etwa sieben Meter langes Kabel wird mitgeliefert. Hochwertige Taster und Schalter verstehen sich bei dem Preis von selbst. Zudem gibt es auf der Unterseite vier Bohrungen, um den Director auf ein größeres Board zu schrauben.

Neben den Switch-Funktionen beinhaltet das stabile Metallgehäuse auch eine „Front Loop“ mit True Hardware Bypass. Ein Wah-Wah oder ein Univibe-Pedal zum Beispiel wären hier bestens aufgehoben. Auch die übrigen Details erscheinen genau durchdacht: So lassen sich die drei Kanäle mit nur einer Schaltbewegung in Rhythmus- oder Solo-Lautstärke anwählen. Außerdem kann man per „Solo Link“-Schalter die FX-Loop im Amp (hier „Back Loop“ genannt) gleichzeitig mit der Solo-Lautstärke aktivieren, sehr praktisch.

Geradezu genial finde ich persönlich die beiden rechts unten angebrachten „Fill In“-Taster. Damit lässt sich entweder der jeweils aktive (AC) Kanal oder der High-Gain-Channel (HG) blitzschnell in den Solo-Mode pushen, so lange man den jeweiligen Taster gedrückt hält. Perfekt, um mal eben einen Fill-In-Part oder auch nur einzelne Töne hervorzuheben. Und ganz ohne den sonst unvermeidlichen Stepptanz. Genau auf solche „Kleinigkeiten“ kommt es in der Praxis an.

Für ein kompaktes Setup bietet sich die Kombination mit der halboffenen Schröter S212OV Cab an.

Speaker-Auswahl

Nicht ohne Grund bietet Schröter zu seinen Amps mittlerweile auch eigene Boxen an. Schließlich haben die klangvollen Kisten erheblichen Einfluss auf den Sound. Wie schon zuvor erwähnt sind die hauseigenen Cabinets aus hochwertigen Materialien gebaut und bestens verarbeitet. Zwei Bauformen sind erhältlich, eine große, fast gerade 4-x-12“-Box (bei der die gesamte Front minimal abgewinkelt ist) und eine wesentlich kompaktere 2-x-12“-Konstruktion mit teilweise offener Gehäuserückseite.

Dazu sind diverse Lautsprecherbestückungen möglich, um unterschiedlichen Geschmäckern und Anforderungen gerecht zu werden. Man kann sie etwa mit Celestion „Vintage 30s“ (wie bei unserem Testmodell), „Greenbacks“ (G12M), „Heritage“ (G12H-30W), den delikaten „Alnico Golds“ oder den „ab Werk eingespielt“ klingenden M75-Modellen des derzeit sehr angesagten Herstellers Scumback bekommen. Deren klanglichen Details einzeln heraus zu arbeiten, würde allerdings einen eigenen Artikel erfordern.

Im Testverlauf konnte der „Traditional 50“ seine Fähigkeiten jedenfalls an einer Vielzahl von Boxen und Lautsprechern erfolgreich unter Beweis stellen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass er flexibel genug ist, um auch mit ganz unterschiedlichen Partnern klar zu kommen. Der Amp verlangt also nicht nach einem bestimmten Typus. Solange die Box einen gewissen Qualitätsstandard wahrt, bleiben der Wohlklang des Schröter und sein typischer Eigencharakter glücklicherweise voll erhalten.

Unser kompaktes aber dennoch vielsaitiges und kraftvolles Testsetup.

In der Boxengasse

Durch das „Brown Sound“-Konzept drängen sich zwar bestimmte britische Lautsprechermodelle geradezu auf. Doch selbst artfremde, etwa typisch amerikanische Speaker (wie Electro-Voice oder Eminence) liefern durchaus klangvolle Ergebnisse. Defensiver, aber auch fetter und runder als die in der Testbox verbauten bissigen Celestion „Vintage 30s“, die sich wiederum mit ihren straffen Bässen und den markanten Hochmitten im dichten Bandsound leichter durchsetzen.

Wer die laute und harte Gangart bevorzugt, wird auch die Kombination mit den aggressiveren Modelle aus dem Celestion-Sortiment, wie dem raubeinigen G12-T75 oder dem kompromisslos drückenden G12-K100, mögen. Allerdings muss ich zugeben, dass der Schröter mir persönlich an einer großvolumigen 4-x-12“er mit „normalen“ G12M „Greenbacks“ am besten gefallen hat. Da klangen einfach alle Einstellungen, von glasklar bis Mega-Highgain besonders ausgewogen und charakterstark.

Besonders hervorzuheben ist, dass das weitgehend unabhängig vom Output Level geschieht. Dabei ist es beileibe keine Selbstverständlichkeit, ein so dynamisches und lebendiges Klangbild, wie es dieser Amp liefert, auch in niedrigere Pegelstände zu retten. Laut und krachend, dass die Wände wackeln, können eigentlich alle. Aber so wohl dosiert und geschmackvoll wie der „Traditional 50“ nur ganz wenige; eben eine Klasse für sich.

Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Ohne Frage kann der „Traditional“ lautstark und druckvoll aufspielen, sofern das gefordert sein sollte. Es ist überhaupt kein Problem, sich damit in einer lauten Band neben einem kraftvollen Heavy-Drummer zu behaupten. Aber der Amp muss eben nicht rabiat ausgefahren werden, um gut zu klingen. Und diese Befreiung vom Diktat schierer Lautstärke wirkt ausgesprochen befreiend. Das sollten uns unsere Ohren wert sein!

Der Schröter ist penibelst verarbeitet. So wünscht man sich das.

Handwired in Germany

Hier stimmt einfach alles: Sound, Flexibilität, Gesamtkonzept und eben dieses ungewohnt intensive Spielgefühl. Man schlägt die Saiten an, und die Reaktion erfolgt so unmittelbar, dass man das Gefühl hat, mit dem Instrument verwachsen zu sein. Kaum gedacht, steht der Ton schon im Raum, wobei jede kleinste Nuance wiedergegeben wird. Der „Traditional“ wartet sozusagen nur darauf, die klangliche Vision des Gitarristen Wirklichkeit werden zu lassen.

Ja, darf es das denn geben, Klanggenuss ganz ohne Reue? Nun ja, für solch erlesenen Ohrenschmaus muss man schon entsprechend tief in die Tasche greifen. Andererseits, wer sich für High-End-Sound und feinste Technik „Handwired in Germany“ begeistern kann, wird die Preisgestaltung als durchaus realistisch empfinden. Ernsthaft, im Vergleich zu manchen gehypten Boutique-Konkurrenten erscheinen Schröters Edel-Amps regelrecht preisgünstig.

Spätestens nach dem ersten Anspielen gesellt sich ein massives „Haben-Wollen-Gefühl“ hinzu, das sich mit nüchternen Vernunftgründen ohnehin kaum wegargumentieren lässt. Sound-Liebhaber und hart arbeitende (Semi-)Profis werden es sich wert sein. Bleibt nur eine Frage offen: Wie erklärt man der Herzallerliebsten, dass der geplante Australientrip leider ausfallen muss? Na, vielleicht lässt man sie den Bespannstoff aussuchen, damit das neue Schröter-Stack dann auch ins Wohnzimmer passt ...

Und wie gesagt, wenn ihr Teil 1 dieses Tests noch nicht gelesen haben sollte: Hier entlang bitte.

Sieht nicht nur toll aus, klingt auch fantastisch: Der Schröter Traditional 50 Head.

Technische Daten & Wertung

Schröter Traditional 50 Head

Bauweise

Gitarren-Topteil in Vollröhrenschaltung (Point-to-Point-Verdrahtung)

Röhrentyp
3 x ECC83-Cz (TAD), 2 x 12AX7 Tung Sol, 2 x EL34B-STR (TAD)
Leistung
50 W RMS an 4, 8 oder 16 Ω
Kanäle
3
Anschlüsse, Regler, Schalter Guitar In, CR-HG Link, (HG Ch.) Gain & Volume, (CR Ch.) Gain, Pre Bass, Treble, Middle, Bass, Channel (Select), (CL Ch.) Gain, Treble, Middle, Bass, Vol
Master-Sektion

(Front:) Solo & Rhy. Volume, Rise, Mains, Standby;
(Rückseite:) Output Power

Peripherie

2 x Speaker Out & Impedance Switch (4, 8, 16 Ohm), Director (7-Pol DIN für Floorboard), Pre-Amp Out, Loop Send & Return, (Loop Mode) True Parallel / Serial, Ext. Switching (CL, HG, Solo Volume, Loop)

Gewicht
ca. 20 kg
Maße (H x B x T)
285 x 720 x 260 mm
Hergestellt in
Deutschland

 

 Schröter S212OV

 

Bauweise

2/3 geschlossenes Gehäuse, gerade

Gehäuse
Birkenschichtholz
Belastbarkeit
120 W (8 Ω)
Lautsprecher
2 x 12“ Celestion „Vintage 30“
Input 1 x Klinke
Gewicht

24,6 kg

Maße (H x B x T)
530 x 750 x 310 mm
Hergestellt in
Deutschland

 

 Schröter Director

 

Bauweise

Switchboard mit integrierter FX-Loop, massives Metallgehäuse

Technik
analoger Signalfluss, True Bypass
Anschlüsse
Guitar (In), (Effects) Send & Return, Amp (Out), 7-Pol DIN-Buchse (kein MIDI-Anschluss!)
Taster

obere Reihe (Solo) Clean, Crunch, High Gain; Back Loop (im Amp), Front Loop (am Director),
untere Reihe (Rhythm) Clean, Crunch, High Gain; Fill In (High Gain & Active Channel),

Schalter Back Loop Solo Link
Gewicht

2 kg

Maße (H x B x T)
47 x 340 x 164 mm (inkl. Schutzbügel)
Hergestellt in Deutschland
Zubehör
7-Pin DIN-Kabel mit Schraubverschlüssen

 

Wertung:

+ Durchweg überragende Sound-Qualität
+ Reaktion auf die Spielweise
+ Flexibilität und Ausstattung
+ Headroom und Power
+ feinfühlige Leistungsreduzierung
+ Konstruktion und Verarbeitung
-  Floorboard nur optional

 

Info: Schröter Amplification; www.schroeteramplification.de
Preise (UVP):
Traditional 50 Head – 3.490 €
S212OV Cab – 840 €
Director Floorboard – 480 € 



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