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Test: Schröter Traditional 50 Head & S212OV Cab – Teil 1

Zeitgemäßer Traditionalist

Mit dem Traditional zeigt Schröter, dass Weltklasse-Boutiqueamps durchaus auch aus Deutschland kommen können


Zeitgemäßer ...

Überraschung – exklusive, unfassbar gut klingende Gitarrenverstärker müssen nicht aus UK oder US-amerikanischen Amp-Boutiquen stammen! Der neue Schröter Traditional Head kommt aus Bayern und lässt so manches Hype-Gerät aus Übersee ganz schön alt aussehen.

Mit dem Zauberwort „Handwired“ lassen sich auf magische Weise Herzen und Brieftaschen vieler Gitarristen öffnen. In den letzten Jahren wird der Verstärkermarkt folglich mit noblen, mehr oder weniger handverdrahteten, vor allem aber hochpreisigen Boutique-Amps regelrecht überschwemmt. Vor allem Technik-Gurus aus USA und UK lassen sich ihr Know-How und das daraus erwachsene Renommee gerne gut bezahlen. Doch was ist mit dem Technikstandort Deutschland? Nun, ganz unauffällig gedeihen hier wahre Perlen.

Natürlich erhöht die geringe Verfügbarkeit nobler US-Geräte in unseren Breiten das Gefühl der Exklusivität; zuweilen aber auch nur den Hype um ein Produkt. Denn nicht immer ist der Luxus-Import, den sich wirklich kaum jemand leisten kann, in der Spielpraxis so überlegen, dass ihn auch jeder haben müsste. Unbestritten liefern viele Boutique-Amps einen charaktervollen Sound, die Betonung liegt in aller Regel jedoch auf „einen“. Flexibilität gilt in manchen Kreisen ja fast schon als Untugend.

Oder ist das nur eine bequeme Ausrede? Dass man das nämlich auch ganz anders sehen kann, zeigen die Geräte, die hierzulande, abseits vom großen Hype der globalen Amp-Szene, zur technischen Perfektion heranreifen. Die erlesenen Röhrenverstärker aus dem Hause Schröter Amplification etwa, deren neues „Traditional“-Modell gerade Premiere feiert, gehören zu dieser neuen Spezies. Sie verbinden traditionelle Technik und Klangeigenschaften gekonnt mit modernen Features, die allerhöchsten Ansprüchen genügen.


Das zugehörige Cabinet kommt mit zwei Celestion-Vintage-30-Speakern.

Echte Wertanlage

Traditionell im besten Sinne ist das Design des zum Test erschienen Quarter-Stacks, bestehend aus 50-Watt Topteil plus 2x12“-Box. Beim Bezugsstoff kann der Interessent aus einer reichhaltigen Palette auswählen. Die vorliegende Ausführung in „Tweed Brown“ ist schon mal ein echtes Schmuckstück. Die deutsche „Wertanlage“ trägt rundum Schutzecken aus Metall und kommt in einer strapazierfähigen Schutzhülle. Längerfristig empfiehlt sich für den Transport aber doch eher ein passendes Flightcase.

Vertrauenerweckend solide wirken die Gehäusekonstruktionen, was sich dann auch im Gewicht bemerkbar macht. Für eine ausgewachsene Gitarrenanlage ist das aber noch vergleichsweise moderat. Der einzelne Tragegriff auf der Oberseite genügt also in beiden Fällen Design und Funktion. Auf der Rückseite des Tops schützt ein stabiles Lochgitter die Röhren beim Transport und im Betrieb die Finger des Gitarristen vor dem Kontakt mit den glimmenden Glaskolben. Sicherheit geht bekanntlich vor.

Die Rückseite der Box ist zu zwei Dritteln geschlossen. Der offen liegende „Mittelstreifen“ gibt den Blick auf die hier verbauten „Vintage 30“ Speaker von Celestion frei. Andere Bestückungen sind, gegen entsprechenden Aufpreis, auch erhältlich. Darüber findet sich nur ein einzelner Klinkenanschluss. Der Stereobetrieb oder ein Durchschleifen des Speaker-Signals zu einer weiteren 8-Ohm-Box ist nicht vorgesehen. Aber dafür gibt es ja zwei parallel geschaltete Speaker Outputs am Amp.

Hier sieht man die penible Verkabelung im Inneren des Schröter.

Konsequentes Konzept

Trotz des schicken Boutique-Looks hat die Optik des „Traditional 50“ – es gibt auch ein bis auf die Verdoppelung der Röhren identisches 100-Watt-Modell – etwas betont Britisches an sich. Das ist  natürlich kein Zufall. Schon das erste Gerät aus der Schröterschen Manufaktur, dessen Sound-Konzept mit dem der „Traditionals“ praktisch identisch ist, hört auf den schönen Namen „BrownArtist“. Weshalb wohl? Es soll uns Normalsterblichen den mythenumrankten „Brown Sound“ à la Edward Van Halen bescheren.

Der noch junge Tapping-King Eddie I. von Holland setzte bekannter Maßen auf voll ausgereizte Plexis von Marshall. Nun ist die Zeit seitdem nicht stehen geblieben. Und weder Bandkollegen noch Publikum lassen sich heute noch von einem Gitarren-Stack gerne mal Gehör und Verdauungsorgane durchpusten. Deshalb hat der Hersteller alles nur Mögliche unternommen, um seinen Punkt zu Punkt verdrahteten Edel-Amps den geliebten Monstersound bei zivilen Pegeln beizubringen.

Allein dazu gehören schon eine Menge technisches Know-How und Erfahrung, worüber Bernhard Schröter, von der Pieke auf gelernter Techniker und renommierter Amp-Spezialist, auch reichlich verfügt. Damit nicht genug, wie schon das Flaggschiff „BrownArtist“ ist der „Traditional“ ein ausgewachsener und voll ausgestatteter Dreikanaler geworden. Und der darf und kann sich selbstbewusst mit allem messen, was der Markt diesbezüglich sonst so hergibt.

Während die Konkurrenz überwiegend auf industriell gefertigte Platinen vertraut, baut Schröter seine Schaltungen konsequent im aufwändigen Point-To-Point-Verfahren mit möglichst kurzen Signalwegen auf. Das kostet bei einem dreikanaligen Verstärker – mit parallel/seriell wählbaren Effektweg und integrierter Leistungsbegrenzung – natürlich enorm viel Zeit und Mühe, was auch die Preisgestaltung erklärt. Dafür ermöglicht es eine unnachahmlich lebendige und impulstreue Wiedergabe, die man sonst eben nicht geboten bekommt.

Der Kanalaufbau des Schröter ist angenehm straight.

Dynamic Drive

Eines der zahlreichen Highlights des „Traditional“, und meiner Ansicht nach das klangliche Herzstück der Schaltung, ist deshalb sein unglaublich dynamischer Crunch-Channel. Dessen Klangmöglichkeiten decken allein schon locker die letzten 50 Jahre Blues- und Rock-Geschichte ab. Ob man nun die Licks des frühen Eric Clapton, die staubtrockenen Riffs der australischen Gebrüder Young oder die flüssigen Lead-Lines eines Joe Bonamassa intoniert – die Mundwinkel gehen in jedem Fall steil nach oben.

Wie nicht anders zu erwarten war, ist der Sound-Charakter grundsätzlich stark britisch geprägt. Straffer Tiefdruck, saftiger Mitten-Punch und ein ausgeprägter Höhengehalt mit kräftigem Biss sind also garantiert. Das heißt, sofern man ihn abruft, was weniger eine Frage der EQ-Settings, als der Spielweise ist. Denn Schröters „Traditional 50“ reagiert so bemerkenswert feinfühlig auf das Input-Signal, dass man sich die Kanalumschaltung glatt sparen könnte. Das muss man erlebt haben!

Von ganz leicht angeraut bis zu lead-tauglichem Overdrive-Gain steuert man den Gitarren-Sound einfach über die Anschlagsintensität und/oder das Volume-Poti am Instrument. Das klappt dermaßen gut, dass man sich ernsthaft fragt, welche technischen Unzulänglichkeiten herkömmliche Verstärker eigentlich davon abhalten, so mit dem Spieler zu interagieren. Im 1:1-Vergleich klingt der eigene Amp geradezu schockierend flach, muffig und indirekt.

Nun wird einem schlagartig klar, wofür die meisten modernen Gitarrenverstärker, die flexibel sein wollen, mehrere Kanäle brauchen: um die Defizite in der Dynamikumsetzung und Tonformung zu kompensieren. Nicht so im Hause Schröter, hier dienen die beiden übrigen als Erweiterung und Gegenpart zum fulminanten Crunch-Channel. So macht „HG“ aus dem Luxus-Overdrive einen veritablen High-Gain-Sound, ohne dabei auch nur ein Quäntchen der exquisiten Klangeigenschaften zu opfern.

Eine Augenweide für Röhrenfans ist das Innenleben des Traditional 50 Head.

Drei mal mehr Sound

Beide Drive-Kanäle, die sich von ihrem herzhaft zupackenden, offenen Grundcharakter her deutlich ähneln, teilen sich konsequenter Weise einen Dreiband-EQ, brüderlich sozusagen. Dabei ist die Vorentzerrung so gewählt ist, dass „CR“ stets etwas mehr Höhenreserven bietet. In der Regel wird man den heißeren HG-Kanal für Leadlines nutzen, während der transparentere CR-Kanal die knackigen Riffsounds zur Verfügung stellt. Die doppelt vorhandenen Gain- und Volume-Potis arbeiten jeweils separat.

Außerdem versieht im CR-Channel noch ein spezieller „Pre Bass“-Regler seinen Dienst. Dieser steuert nicht etwa den Bassgehalt, sondern eher die „Klangbreite“ in Abhängigkeit vom Gain-Regler. Ist letzterer weit aufgedreht, nimmt man „Pre Bass“ zurück, um ein Überschlagen tiefer Frequenzen zu vermeiden, was den Overdrive-Sound wirkungsvoll entschlackt und fokussiert. Den eigentlichen Tiefenschub besorgt dann das reguläre Bass-Poti.

Ein zusätzlicher dreistufiger Minischalter über dem Guitar Input trägt die Aufschrift „CR – HG Link“ und macht es möglich, den „Traditional“ den eigenen Nutzungsgewohnheiten besser anzupassen. Stellung 1 bietet die konventionelle Aufteilung in Clean, Crunch und Lead Channel. Die nächste macht HG zum zweiten Crunch-Kanal, ideal für traditionelle Geschmäcker. Stellung 3 schließlich bläst CR zum zweiten High-Gain-Kanal auf, was insbesondere sustain-hungrigen Lead-Spezialisten und Metallern gefallen wird.

Komplett unabhängig von beiden Drive-Sektionen arbeitet der CL-Channel. Mal ehrlich, wie oft findet man einen High-Gain-Amp mit einer wirklich gut klingenden Clean-Abteilung vor? Höchst selten! Doch hier tönt es so frisch, transparent und gleichzeitig rund, dass man meinen könnte, einen alten „Blackface“-Combo zu spielen. Man braucht weder Hall noch sonstige Weichmachereffekte und ob knackige Country-Tele oder dicke Jazz-Hollowbody – es passt hundertprozentig.

Sogar in der Master-Sektion kann man per Rise-Reler den Sound noch beeinflussen.

Ehrliche Haut

Da wir gerade vom Instrumentarium sprechen, ... der „Traditional 50“ gibt den Eigencharakter selbst baugleicher Gitarren sehr exakt wieder. Dabei zeigt er keine Präferenz für bestimmte Bauformen: Retro oder modern, Solidbody oder halbakustisch, Nashville- oder Baritone-Tuning, Single Coil oder Humbucker, er ist allen gleich wohlgesonnen. Er gibt allen eine Chance; ein Schönfärber will er allerdings trotzdem nicht sein.

Über eine gewisse Güte sollte das angeschlossene Instrument also verfügen. Denn etwaige Schwächen werden ebenso detailliert hörbar, wie die hoffentlich vorhandenen Stärken. Dasselbe gilt sinngemäß für den Gitarristen. Dank der sensiblen Reaktion und der präzisen Wiedergabe merkt man schon, welche Licks man besser noch ein bisschen üben sollte. Andererseits hat der Schröter-Amp nichts Analytisches oder gar Abweisendes an sich, sodass man seine Ehrlichkeit schnell schätzen lernt.

Besonders fasziniert ein weiterer, wesentlicher Aspekt seiner Klangformung, der allerdings nicht leicht zu erklären ist. Na, vielleicht so: Stellt euch zunächst einen total kaputten, synthetisch sägenden Fuzz-Sound vor. Die Übersteuerung des „Traditional“ stellt gewissermaßen das Gegenteil dar. Es fehlt nicht an Verzerrung, Härte oder Biss! Aber selbst bei hoch verdichteten, sengenden High-Gain-Settings geht der Amp nicht in die Knie. Da matscht, sägt und nervt einfach nichts.

Sogar erweiterte Akkorde oder stehende Drone-Töne steckt der „Traditional“ ohne schräge Intermodulationen oder klangliche Ausfälle weg. Damit lässt sich eine E-Gitarre im High-Gain-Modus fast wie eine akustische spielen. Ein fast grenzenloses Spielfeld, nicht nur für Sound-Pioniere und Freestyle-Jazzer! Das ist rare und allerfeinste High-End-Qualität, die man so anderswo kaum finden wird. Keine Frage, Schröters Design- und Lötkunst verdient allerhöchsten Respekt.

Zum Schröter Traditional, der Box und dem Floorboard gibt es allerdings noch eine ganze Menge mehr zu erzählen. Was genau dieses Setup so einzigartig macht, erfährst in Teil 2 dieses Monstertests.

Übrigens: Genau unser Testsetup kann man sich auf der Musikmesse auf dem Gemeinschaftsstand von Amber Pickups und Nick Page Guitars live und aus nächster Nähe anhören, direkt Halle 4.0, Stand J33B. Der zweite Teil des Tests folgt dann direkt nach der Messe.

Mit dem Director-Floorboard sind die Funktionen des Traditional ganz einfach zu steuern.

Technische Daten & Wertung

Schröter Traditional 50 Head

Bauweise

Gitarren-Topteil in Vollröhrenschaltung (Point-to-Point-Verdrahtung)

Röhrentyp
3 x ECC83-Cz (TAD), 2 x 12AX7 Tung Sol, 2 x EL34B-STR (TAD)
Leistung
50 W RMS an 4, 8 oder 16 Ω
Kanäle
3
Anschlüsse, Regler, Schalter Guitar In, CR-HG Link, (HG Ch.) Gain & Volume, (CR Ch.) Gain, Pre Bass, Treble, Middle, Bass, Channel (Select), (CL Ch.) Gain, Treble, Middle, Bass, Vol
Master-Sektion

(Front:) Solo & Rhy. Volume, Rise, Mains, Standby;
(Rückseite:) Output Power

Peripherie

2 x Speaker Out & Impedance Switch (4, 8, 16 Ohm), Director (7-Pol DIN für Floorboard), Pre-Amp Out, Loop Send & Return, (Loop Mode) True Parallel / Serial, Ext. Switching (CL, HG, Solo Volume, Loop)

Gewicht
ca. 20 kg
Maße (H x B x T)
285 x 720 x 260 mm
Hergestellt in
Deutschland

 

 Schröter S212OV

 

Bauweise

2/3 geschlossenes Gehäuse, gerade

Gehäuse
Birkenschichtholz
Belastbarkeit
120 W (8 Ω)
Lautsprecher
2 x 12“ Celestion „Vintage 30“
Input 1 x Klinke
Gewicht

24,6 kg

Maße (H x B x T)
530 x 750 x 310 mm
Hergestellt in
Deutschland

 

 Schröter Director

 

Bauweise

Switchboard mit integrierter FX-Loop, massives Metallgehäuse

Technik
analoger Signalfluss, True Bypass
Anschlüsse
Guitar (In), (Effects) Send & Return, Amp (Out), 7-Pol DIN-Buchse (kein MIDI-Anschluss!)
Taster

obere Reihe (Solo) Clean, Crunch, High Gain; Back Loop (im Amp), Front Loop (am Director),
untere Reihe (Rhythm) Clean, Crunch, High Gain; Fill In (High Gain & Active Channel),

Schalter Back Loop Solo Link
Gewicht

2 kg

Maße (H x B x T)
47 x 340 x 164 mm (inkl. Schutzbügel)
Hergestellt in Deutschland
Zubehör
7-Pin DIN-Kabel mit Schraubverschlüssen

 

Wertung:

+ Durchweg überragende Sound-Qualität
+ Reaktion auf die Spielweise
+ Flexibilität und Ausstattung
+ Headroom und Power
+ feinfühlige Leistungsreduzierung
+ Konstruktion und Verarbeitung
-  Floorboard nur optional

 

Info: Schröter Amplification; www.schroeteramplification.de
Preise (UVP):
Traditional 50 Head – 3.490 €
S212OV Cab – 840 €
Director Floorboard – 480 €



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