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Test: Mooer Micro-Series Compact FX-Pedals (Teil 2)

Abgefahrene Sounds im Miniformat

Kein Platz auf dem Pedalboard aber Bock auf abgefahrene Sounds? Mooer bietet dafür sehr überzeugende Lösungen an.


Abgefahrene Sounds ...

Nachdem wir euch in Teil 1 dieses Tests die Micro FX-Pedals von Mooer grundsätzlich gezeigt haben und im Detail auf die Modelle Flex Boost und Solo eingegangen geht es hier in Teil zwei um Pedale für abgefahrene Sounds. Und die liefern Mooers Elec(tric) Lady, Reecho und Pitch Box sehr überzeugend.

Die beiden Overdrive-Pedale aus Teil 1 dieses Tests haben uns ja schon sehr überzeugt. Jetzt wollen wir aber mal schauen, wie sich die günstigen und kompakten Mooer Compact FX-Pedals bei abgefahreneren Sounds so schlagen. Ring frei also zur zweiten Runde.

Widmen wir uns zum Start etwas geschmeidigeren Klängen wie einem Chorus/Flanger zum Beispiel, der hier unter „Elec(tric) Lady“ firmiert. Nicht nur die Bezeichnung, auch die Farbgebung und das Logo des Mooer-Pedals erinnern an die legendäre „Electric Mistress“ aus dem Hause Electro Harmonix. Das Bedienkonzept entspricht dennoch den übrigen Micro-Pedalen. „Color“ bestimmt tatsächlich die Effektfarbe; links herum gedreht erhält man einen eher weichen und breiten Chorus-Sound.

In der Gegenrichtung wird der Effekt dramatischer verbogen. Das geht mit einem intensiven Gewabber oder „Wuusch“-Effekt los, der an einen vorbeidüsenden Jet erinnert. Im letzten Viertel des Regelweges schließlich wird es dann extrem: von metallischen Ring-Modulator-ähnlichen Settings über schräge Alien-Gesänge bis zur fiesen Selbstoszillation reicht die Palette. Das zweite Mini-Poti nennt sich „Range“ und bearbeitet vor allem die oberen Frequenzbereiche des Effektes.
 
Niedrige Dosierungen klingen dezent und vergleichsweise erdig, dreht man weiter auf wird es immer wolkiger bis man schließlich in die oberen Stratospheren vordringt und der Sound vollends „spacey“ wird. Das sind schon üppige Möglichkeiten, doch der Mini-Switch eröffnet noch mehr. Zwei Grund-Modes stehen zur Verfügung, wobei „Filter“ leicht nasal und eher nach Phasing-Effekt klingt, was etwa zu coolem Retro-Funk oder 80s-Hardrock-Ambiente passt. Das Rate-Poti ist dabei inaktiv.

Das kommt erst im „Normal“-Mode ins Spiel, dann aber richtig! Im unteren Drittel sorgt der Rate-Regler für einen besonders breiten, leicht metallischen Klangeindruck. Auf Halbmast entsteht ein wunderbar schwebender Flange-Effekt wie aus dem Bilderbuch. Im oberen Regelbereich fängt das Signal zunehmend zu eiern an und wird schwirrend bis scheppernd schräg, bleibt aber jederzeit fett und sehr intensiv. Das erinnert dann tatsächlich an EH’s flotte „Mistress“ (siehe oben) – kultverdächtig!

Und hier kannst du hören, was die Elec(tric) Lady so an Sounds erzeugt:



Hallo, Echo ...!

Weniger außerirdisch gebärdet sich das äußerst praktische „Reecho“, das sich insbesondere an die Freunde analoger Delay-Effekte richtet. Hier gibt es keinen neumodischen Schnickschnack wie Tap-Tempo-Eingabe oder dergleichen, sondern nur einen einzelnen „Time“-Regler. Dazu kommen noch „E.(ffect) Level“, was sich wohl selbst erklärt, und „F.(eed)Back“ für die Anzahl der Wiederholungen, womit das Wesentlich ja auch schon gesagt wäre, oder?

Na, nicht ganz, denn die drei umschaltbaren Modes bieten eine hervorragende Auswahl äußerst geschmackvoller Variationen, die allesamt einen ganz eigenen Klangcharakter mitbringen. „Analog“ klingt vergleichsweise kompakt und macht eher einen „kleineren“ Raumeindruck. Das Signal wirkt tight und recht schlank im Bass mit einem angenehm organischen „Plopp“ der einzelnen Wiederholungen. Ein bisschen so, als würde man in einem holzvertäfelten Konzertsaal spielen.

Das ist so ziemlich das Gegenteil eines typischen, eher technisch-sterilen Digital Delays, die ja gerne mal nach gekachelter Kühlkammer tönen, falls sich die Programmierer nicht große Mühe gegeben haben. Deutlich voluminöser, räumlicher und mit einem ordentlichen Schuss Bergpanorama präsentiert sich der „Real Echo“ Mode. Hier klingt der Bassbereich warm, weich und füllig, die Höhen dafür besonders frisch und transparent, für die Extraprise Bergluft gewissermaßen.

„Tape Echo“ schließlich klingt bei schnellen Tonfolgen kurz und knackig mit präzisem Attack. Umso intensiver erscheint dann die schimmernde Modulation des Effektsignals im Ausklang, was das Klangbild ausgesprochen lebendig macht. Gut gelöst, das Ganze! Auch ohne den sonst üblichen Haufen von Parametern, kommt man mit dem Reecho schnell und effektiv zum gewünschten Klangergebnis. Andere Geräte sind da wesentlich komplizierter zu bedienen.

Mit dem Mooer Reecho lassen sich angenehm warme Echo-Sounds erzeugen.

Pitch Boxer mit Fliegengewicht

Last not least bleibt noch die „Pitch Box“, die sich mit aller Kraft, die der interne Mini-Prozessor hergibt, der gezielten Tonhöhenverschiebung widmet; in drei ganz unterschiedlichen Varianten: Im „Harmony“-Modus wird zum Eingangssignal ein entsprechendes Intervall hinzugeneriert. Dreh- und Angelpunkt ist in jedem Fall der große „Pitch“-Drehschalter. In jeweils sieben Stufen unter- oder über dem Signal (von – 24 bis + 24 Halbtönen) lässt sich damit ein starrer Harmonieton erzeugen.

Intelligentes, tonart-korrektes Pitch Shifting sollte man von dem Effektwinzling nicht erwarten. Dennoch lassen sich bei geschickter Auswahl des Intervalls interessante Sounds erzeugen. Ohnehin sind Harmonieeffekte ja für den Moment und weniger für den Dauereinsatz gedacht. Bei „nahen“ Harmonien arbeitet der Effekt recht akkurat; die vom Hersteller versprochene voll polyphone Nutzung überfordert die Schaltung allerdings. Löst man Akkorde in Arpeggien auf, klappt es aber noch ganz ordentlich.

Als 12-String-Simulator eignet sich das Mini-Pedal nur bedingt. Erwartungsgemäß nimmt bei größerem Abstand von der ursprünglichen Tonhöhe auch das Tracking zu und der errechnete Klang wirkt zunehmend synthetischer. Das hört man auch im „Pitch Shift“ Mode, bei dem es als Transponierhilfe dient. Will man das Signal tiefer legen, funktioniert es noch recht ordentlich, etwa bis Position „– 7“. Leichte Drop-Tunings sind somit kein Problem.

Auch eine langsam gezupfte Baritongitarre oder luftige „Tic-Toc“ Basslicks im 60s-Style lassen sich ganz ordentlich simulieren. Eine oder gar zwei Oktaven nach unten transponiert liefert die Pitch Box satt rumpelnde, aber kaum noch musikalisch nutzbare Klänge. Nach oben endet die nutzbare Reichweite noch früher. Drei Halbtöne über dem Input-Signal gehen gerade noch, was zum schnellen Ausprobieren der Tonart ausreicht. Darüber hinaus wird der Sound immer zittriger und schließlich unangenehm zirpend.

Die Mooer Pitch Box hat reichlich verrückte Sounds im Programm.

Von wegen verstimmt

Kommen wir also lieber zur, wenigstens aus meiner Sicht, Paradedisziplin der Pitch Box, dem „Detune“-Modus. Hier erfolgen die Abstufungen nicht in Halbtonschritten, sondern im Cent-Bereich. Ganz leichte Verstimmungen machen das Klangbild breit, transparent und funkelnd brillant. Das mag auf den ersten Höreindruck einem Chorus-Effekt ähneln. Doch der Direktvergleich zeigt, dass der „Detune“-Effekt viel subtiler, feiner und transparenter arbeitet. Vor allem bei Rhythmusarbeit ein echter Bonus.

So lässt sich die Gitarre effektiv „verbreitern“, fast als würde sie gedoppelt – think Eddie Van Halen! Dreht man den Pitch-Drehschalter weiter nach links (geht also tiefer unter das Originalsignal) wird der Sound noch fetter, wuchtiger und weicher. In der Gegenrichtung (nach oben) beginnt der Sound erst leicht zu eiern, um dann intensiv zu schwirren. Erneut klingt das wesentlich kontrollierter und ohne zu „pumpen“, wie es andere Modulationseffekte in extremeren Einstellungen häufig tun.

Der „Detune“-Mode liefert für mich persönlich ganz klar die Highlights der Pitch-Effekte. Experimentierfreudige Musiker, die unkonventionelle Sounds bevorzugen, werden sich aber sicherlich auch mit den „Harmony“ und „Pitch Shift“-Settings anfreunden können. Und damit haben wir Mooers erstaunlich preiswertes Effektsortiment ja erst angekratzt! Man darf also auf die weiteren Micro-Pedals gespannt sein. Ich werde jedenfalls schon mal eine Ecke auf meinem Pedalboard dafür reservieren …

Und hier kannst du mal in die klanglichen Möglichkeiten der Pitch Box reinhören:

Technische Daten und Wertung

Elec Lady

Bauweise
Analoger Flanger, Bodenpedal
Konstruktion
Metallgehäuse
Anschlüsse
In, Out, 9V DC-Buchse
Spannungsversorgung
optionales 9-Volt-DC-Netzteil
Spannungsbedarf
10 mA
Schalter & Regler Rate; (Mini-Potis für) Color & Range; (Mini-Switch für Mode) Filter/Normal; (FX) On/Off
Gewicht

ca. 160 g

Maße (H x B x T)

52 x 42 x 93,5 mm

Besonderes mechanischer True Bypass
Hergestellt in China

 

Reecho

Bauweise
Delay, Bodenpedal
Konstruktion
Metallgehäuse
Anschlüsse
In, Out, 9V DC-Buchse
Spannungsversorgung
optionales 9-Volt-DC-Netzteil
Spannungsbedarf
128 mA
Schalter & Regler Time; (Mini-Potis für) E. Level & F. Back; (Mini-Switch für Mode) Analog/Real Echo/Tape Echo; (FX) On/Off
Gewicht

ca. 160 g

Maße (H x B x T)

52 x 42 x 93,5 mm

Besonderes mechanischer True Bypass
Hergestellt in China

 

Pitch Box

Bauweise
Pitch Shifter, Bodenpedal
Konstruktion
Metallgehäuse
Anschlüsse
In, Out, 9V DC-Buchse
Spannungsversorgung
optionales 9-Volt-DC-Netzteil
Spannungsbedarf
128 mA
Schalter & Regler

Pitch (-24 bis +24); (Mini-Switch für Mode) Harmony/Pitch Shift/Detune; (FX) On/Off

Gewicht

ca. 160 g

Maße (H x B x T)

52 x 42 x 93,5 mm

Besonderes mechanischer True Bypass
Hergestellt in China

 

Vertrieb: Warwick Distribution; www.mooeraudio.com
Preise (UVP):
Elec Lady:    82,24 €
ReEcho:    89,30 €
Pitch Box:    82,24 €

Wertung:
+ Hohe Klangqualität
+ Große Flexibilität
+ Mechanische Bypass-Schaltung
+ Tolle Verarbeitung
+ Durchdachtes Gesamtkonzept
- Pitch Box nur eingeschränkt polyphon nutzbar



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