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Test: LTD Eclipse EC-401VF DMZ TSB

Aufgefrischter Designklassiker

Hey, das Design kenn ich doch!! Ja und nein, denn die LTD EC-401VF klingt anders als erwartet – und richtig geil.


Aufgefrischter ...

Aus der angenehm preisgünstigen LTD-Serie kommt eine neue Reihe von Eclipse-Modellen, die mit DiMarzios Jubiläums-PAFs optisch wie klanglich auf den neuesten Stand gebracht wurden. Das Ergebnis dieser Kombination sieht nicht nur ziemlich scharf aus, es klingt auch so.

Man sollte ein Buch nicht nach dem Umschlag beurteilen. Diese alte Binsenweisheit passt auch wunderbar auf die vorliegende Testgitarre. Denn selbstverständlich kommen uns Optik und Bauweise auf Anhieb bekannt vor – und führen uns damit an der Nase herum. Im Mutterschiff ESP hatte man nämlich schon bei der Entwicklung des Eclipse-Modells Mitte der 1990er-Jahre ganz bewusst darauf geachtet, dem übermächtigen Schatten von Gibsons erster Solidbody nicht zu nahe zu kommen.

Abseits Altväter Sitte bewegen sich die etwas dünnere Korpusbasis mit dem spitzen Cutaway und der ausgesprochen schlanke Hals mit stabilisierendem Kragen am Übergang zur Kopfplatte. Dasselbe gilt für die fetten Jumbobünde, die Grover-Mechaniken mit den deutlich verkleinerten Stimmflügeln und die drei in der Decke eingelassenen Potis mit den geriffelten Chromknöpfen. Auch die ESP-eigenen flaggenförmigen Griffbrett-Inlays, deren Schwung die Kopfplatte aufgreift, markieren Eigenständigkeit.

Großartige Überraschungen lässt die ansonsten altbekannte Konstruktion mit 628-mm-Mensur dennoch nicht erwarten: Ein schlanker, zur Stabilisierung aus drei Streifen zusammengefügter Mahagonihals, ganz traditionell in einen Single-Cutaway-Korpus aus ebensolchem Material eingeleimt. Obendrauf eine Ahorndecke mit zierendem Riegelfurnier in Tobacco Sunburst sowie eine feste Brücke im Tune-O-Matic-Style plus Stop-Tailpiece. Das Hochglanz-Finish ist nicht zu dick und makellos aufgetragen.

Auf der dunkelbraunen Rückseite scheint bei gutem Licht gerade noch die Maserung durch. Da die dünne Lackhaut an den Leimnähten ganz leicht eingesunken ist, sieht man, dass die Mahagonibasis aus drei Blöcken besteht. Rundum eine bemerkenswerte Qualität, die das Werk in Indonesien da abliefert. Inklusive der guten 36th-Anniversary-PAFs von DiMarzio ist das ein sehr stimmiges Angebot. Nur schade, dass man nicht noch ein Gigbag dazu bekommt. Das wäre das Tüpfelchen aufs „i“ gewesen.


Die LTD EC-401VF sieht richtig klasse aus – ein bisschen Tradition, ein wenig Moderne, aber immer mit Stil.

Von wegen doppelt Schlagsahne

Die „Double Creams“ (mit zwei cremefarbenen Spulen) sind ein Markenzeichen von DiMarzio. Noch in den 70s, während Gibsons Produkte und Ruf unter der unkundigen Führung des Norlin-Konzerns litten, hatte sich der geschäftstüchtige Larry diesen Look samt der Produktbezeichnung „PAF“ patentrechtlich gesichert. Die begehrtesten Les-Paul-Modelle der damals schon legendären End-50er und Früh-60er hatten nämlich Tonabnehmer eben dieser Farbvariante.

Dennoch möchte man möglichst niemanden im Unklaren darüber lassen, von welchem Wickeltisch die „Sahnetörtchen“ stammen. Deshalb prangt darauf nun ein schwarzes DiMarzio-Logo. Doch cremig ist hier bestenfalls die Optik, klanglich ist da nämlich mit „Extra-Sahne“ nichts zu wollen. Doch dazu später mehr.

Bei der ersten Probefahrt irritiert zunächst, ähnlich wie bei einem ungewohnten PKW-Cockpit, die Zuordnung der Potis. Der Anschlagshand am nächsten liegt der Regler zur Lautstärkesteuerung des Bridge-Humbuckers. Das mittlere Poti übernimmt selbigen Job für den Hals-Pickup, in der hintersten Position sitzt schließlich der Mastertone-Regler. Die Funktion ist dadurch natürlich keineswegs eingeschränkt. Wer jedoch das klassische Poti-Layout gewohnheitsmäßig nutzt, muss sich erst umgewöhnen. Wer hingegen vor allem den Steg-PU nutzt, dürfte das Vertauschen der Volume Potis eher komfortabel finden, da man so besseren Zugriff auf das entscheidende Poti hat.

In der LTD EC-401VF setzt ESP auf den Klassiker von DiMarzio, den PAF. Doch klassisch heißt hier keinesfalls zahm.

Fitness, statt Fatness

So viel zur modernisierten Ausstattung, nur wie anders kann so eine Gitarre schon sein? Sehr anders! Das maßvolle Gewicht, der schnittige Hals mit den satten Bünden sowie ihr blitzblanker, ungemein präziser Klangcharakter weisen die Eclipse eher als Hightech-Rennmaschine à la Ibanez oder Jackson denn als Gibson-Nachfahrin aus. Kurz, unter diesem eher traditionellen Mäntelchen versteckt sich ein durch und durch modernes Instrument.

Die Bass-Saiten unseres Testmodells klingen so drahtig, wie man es sonst nur „Superstrats“ mit längerer Mensur oder vielleicht einer Zemaitis zutraut. Wem eine Gitarre im „Paula“-Style immer zu träge und dunkel erscheint, der sollte sich mal diese im wahrsten Wortsinn frische Interpretation zu Gemüte führen! Dabei fehlt es der LTD nicht an Fundament. Die tieferen Frequenzen schieben gut, es sind die Mitten, die sich hier in ungewohnter Zurückhaltung üben.

Aus dieser knackigen Grundlage machen die DiMarzios ein kalorienbewusstes Fitness-Menü. Am cleanen Verstärker klingt die Eclipse, mit dem eindrucksvollen Beinamen 401VF DMZ TSB, stramm, perkussiv und detailreich, fast wie eine Tele auf Steroiden! Im Ernst, am Toggleswitch beide Pickups anwählen, am Amp die Bässe absenken – schon lassen sich ebenso gut Pop-kompatible Effektwolken wie knappe Reggae-Skanks oder bissige Funk- und Country-Licks intonieren.

Einen Coilsplit der Doppelspuler vermisst man da kaum. Jazz-Fans jedoch werden sich insgesamt mehr Wärme und Fülle wünschen. Der Hals-TA bleibt trotz zurückgeregeltem Tone-Poti zu spröde für „smoothe“ Handschuh-Sounds. Dafür machen knochentrockene Crunch-Riffs über den Steg-Pickup einen Heidenspaß: „Highway to Hillbilly“ – sozusagen von Sydney bis Nashville, wobei zu dieser unwahrscheinlichen Mixtur auch noch je ein ordentlicher Schuss räudiger Rockabilly und glitzernder Glam-Rock gehören!

Trotz des günstigen Preises findet sich nur tolle Hardware und hervorragende Verarbeitung an der LTD.

Die beißt sich durch

Kein Wunder, betrieb Mr. DiMarzio doch vor Etablierung seines Pickup-Imperiums eine Band mit Gene Simmons, der diese dann als „KISS“ auf Plateausohlen und die Weltbühne hievte. Kurzum, ob mit Pomade oder Schminktopf, es mangelt dem künftigen Besitzer dieser Eclipse hoffentlich nicht an Selbstbewusstsein. Obwohl die 36th-Anniversary-PAFs wenig mit der rüden „Raaaawk“-Attitüde von Larrys erstem Beststeller, dem „Super Distortion“ gemein haben, sind sie alles andere als Kuschelrocker.

Dementsprechend bissig und aggressiv klingt diese LTD-Gitarre und lebt nochmals auf, sobald man mehr Zerre am Verstärker oder Pedal abruft. Ihr leicht kantiger Charakter sorgt dabei jederzeit für straffe Konturen, auch bei durchgetretenem Gas-... , äh, Gain-Pedal. Gut, das war zu erwarten, immerhin gilt die Mutterfirma ESP seit mehr als zwei Jahrzehnten weltweit als einer der führenden Ausstatter im Metal-Bereich. Man sehe sich nur mal die eisenhaltige Artist-Liste an.

Neben Rock- und Metal-Riffs alter Schule sowie modernen Drop-Tunings profitieren aber auch archaische Fuzz-Attacken von der präzisen Ansprache und klaren Auflösung der Eclipse. Damit lässt sich millimetergenau „sägen und fräsen“. Und ganz gleich, wie dicht der Bandsound sein mag oder was die Kollegen auffahren, mit ihren stets etwas kratzbürstigen Hochmitten garantieren DiMarzios PAFs, dass man auch im härteren Geknüppel nicht so leicht untergeht. Einfach Ellbogen raus und ab durch die Mitte!

Es muss aber nicht unbedingt nur knallhart zur Sache gehen. Der Sound dieser Eclipse passt ebenso zu Heavy Rock wie zu Funk mit Federboa oder gar zu Tolle, Tweed und Tattoo! Okay, die roots- und imagebewussten Kollegen sind ja eher „Semi“-konservativ. (Obwohl, „Volbeat“ jemand?) Und Blueser werden ihr Heil wohl auch woanders suchen. Denn trotz ihres eher klassischen Designs ist diese LTD im Herzen eine Vertreterin der Moderne. Gut so, denn Vintage-Klone gibt es ja wirklich schon genug.

Auch an der Kopfplatte zeigt die ESP klassische Anleihen, aber ganz eigenständig modern interpretiert.

Fazit, Technische Daten & Wertung

Klassischer Look mit modfernem Feeling und knalligem Sound? Geht nicht? Dann hast du die LTD Eclipse EC-401VF DMZ TSB noch micht gehört. Denn hinter dem schicken Äußeren und den hochwertigen Komponenten hat die elegante Indonesierin es faustdick hinter den Ohren. Denn ob schicker Heavy Rock, knalliger Funk oder auch moderne Riffgewitter, hier wird richtig was geboten. Wer auf den Look steht, aber doch einen moderneren und knalligen Sound sucht, der liegt hier goldrichtig. Dazu kommt noch der mehr als faire Preis.

Typ moderne Allround-Gitarre
Bauweise
Solidbody im LP-Style
Korpus
Mahagoni (dreiteilig), Decke: Ahornbasis & Flamed-Maple-Furnier, Kunststoff-Binding
Hals
Mahagoni (dreistreifig), eingeleimt
Griffbrett
Palisander, Kunststoff-Binding, 22 Extra-Jumbo Frets
Mensur 628 mm
Halsbreite (Sattel)/12. Bund 42 mm/52 mm
Halsdicke 1. Bund/12. Bund 18 mm/20 mm
Mechaniken Gotoh, Magnum Lock Tuner
Sattel Kunststoff
Brücke
Gotoh TOM Bridge & Tailpiece
Tonabnehmer

2x DiMarzio PAF 36th Anniversary (DP 103)

Kontrollfeld

Volume (Hals-PU), Volume (Steg-PU), Master-Tone, Dreiwegschalter

Hardware-Finish Chrom
Gewicht rund 3,5 kg
Besonderheiten schmaler Korpus, Kragen am Übergang zur Kopfplatte
Hergestellt in Indonesien


Wertung:

+ präzise und dynamische Sounds
+ markanter eigener Charakter
+ optimale Bespielbarkeit
+ makellose Verarbeitung
+ nicht zu schwer
- leider kein Koffer oder Gigbag dabei

Preis (UVP): 1.106 €

@VERTRIEB: Sound Service
Weitere Infos: LTD Eclipse 401VF DMZ TSB

 

 



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