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Test: Line 6 Helix Guitar Processor - Teil 1

So muss (Modeling-)Technik!

Mit seinen neuen Helix-Modellen zeigt Line 6, was aktuell in Sachen Modeling möglich ist. Und das bei innovativer Bedienbarkeit.


So muss ...

Mit dem neuen „Helix“ Guitar Processor schlagen die einstigen Modeling-Pioniere ein neues Kapitel auf. Line 6’ digitale Workstation erweist sich als klanggewaltiges Aggregat, dessen Funktionsfülle und Bedienkonzept aufhorchen lassen. Das wollten wir ganz genau wissen. Also: Auf ins Helix-Universum.

Erst zog die digitale Simulation von Gitarren-Amps, -boxen und -effekten in so ziemlich jedes Gerät ein, mit dem wir Musiker uns umgeben – vom einfachsten Übungscombo über Multieffektgeräte aller Art bis hin zu Mini-Headphone-Amps, Field-Recordern oder Smartphone-Apps. Dass im Überangebot der Modeling-Sounds allzu oft die Qualität ins Hintertreffen geriet, schreckte allerdings auf Dauer ab und ließ zuletzt die Nachfrage nach den guten alten Stompboxes in ungeahnte Höhen schnellen.

Plötzlich war wieder ein individueller Sound gefragt. Doch, was vor gut anderthalb Jahrzehnten mit dem Siegeszug der „roten Bohne“ (aka POD) begann, könnte nun seine Fortsetzung finden. Denn das Konzept der Hightech-Kiste namens Line 6 Helix, soviel gleich vorab, hat das Zeug zum Renner. Bestückt mit zwei extrem leistungsstarken SHARC-Prozessoren, druck- und berührungsempfindlichen Fußtastern und einem farbigen LC-Display, schickt sich „Helix“ an, selbst Modeling-Skeptiker mit seiner virtuellen DNA zu umgarnen.

Beim ersten Zusammentreffen mit dem Gerät ist man zunächst mal von der edlen und doch robusten Aufmachung und den allgemeinen Ausstattungsmerkmalen beeindruckt: Ein gebürstetes, nicht zu schweres Metallgehäuse, solide Schalter, ein großes Expression-Pedal und das genannte Farb-Display, das beinahe schon die Ausmaße eines iPads aufweist. Dazu die zwölf (!) LC-Displays über den mehrfarbigen Fußschaltern und ein Anschlussfeld, das an ein modernes Digitalmischpult erinnert – wow!

Nichts erinnert an die „lustige“ Spielkonsolenhaptik manch anderer Modeler. Vom integrierten Netzteil bis zu den satt einrastenden Fußschaltern macht hier alles einen seriösen und professionellen Eindruck. Kein Zweifel, mit dem Helix Guitar Processor peilt Line 6 die Oberliga an. Die scheint bislang fest in der Hand der Konkurrenz. Doch haben wir es nun erstmals mit einem ernstzunehmenden Herausforderer für das etablierte Fractal Audio „Axe FX II XL+“ zu tun, welches (inklusive Fußschalter) immerhin gut das Doppelte kostet.


Der Signalweg des jeweiligen Presets ist grafisch schön und übersichtlich dargestellt.

Bis ins letzte Detail

Das neue HX-Modeling soll aufgrund der geballten Rechenpower der integrierten Doppel-DSPs feinste Klangdetails und -nuancen erlebbar machen, welche selbst die bisherige „High Definition“-, sprich HD-Serie nicht ermöglichen konnte. So etwas sagen natürlich alle Hersteller gern über ihre neuen Produkte. Bemerkenswert ist jedenfalls das Bedienkonzept, das den Anwender nicht überfordert und zudem die Wahl lässt, ob er zum Editieren die Hände oder lieber die Füße nutzen möchte; dazu später mehr.

Im manuellen Betrieb klickt man sich mittels der ums Display angeordneten Taster und Regler durch das grafisch gut gelöste Bedien-Menü. Im aktiven Preset ist grundsätzlich zunächst das Amp/Cab-Modul aktiv. So kann man direkt die wichtigsten Amp-Parameter nachregeln, sprich, „Drive“, „Ch(annel) Volume“ sowie Dreiband-EQ und „Presence“. Mit den Page-Tastern navigieren wir zur nächsten Seite des Amp/Cab-„Blocks“ – so nennt der Hersteller die verschiedenen klangbestimmenden Module eines Presets.

Nun bieten die Endlosdrehregler unter dem Display Zugriff auf eine aufwendig gemodelte Endstufensektion. „Master“ steuert den Sättigungsgrad, „Sag“ simuliert das „Einsacken“ der Dynamik bei kräftigem Saitenanschlag. „Hum“ und „Ripple“ sorgen für charakteristische Nebeneffekte einer Röhrenschaltung, die sich vor allem in tieffrequenten Intermodulationen äußern. Skurril, aber irgendwie gehört das zum urtümlichen Charme einiger Röhren-Amps dazu.

Darauf folgen „Bias“ und „Bias X“, erster bestimmt den Arbeitspunkt der virtuellen Endstufenröhren: niedrig für „Class A/B“ (strammer und moderner), hoch für „Class A“-Betrieb (vintage-like mit mehr „Schmatz“). Der letzte Parameter variiert schließlich das Poweramp Voicing zwischen extrastraff mit viel Headroom und eher weich mit spürbarer Kompression. Sehr aufwendig – und das war erst das Amp-Modul! Mit einem weiteren Klick des Page-Tasters sehen wir uns nun die Box und deren Mikrofonierung an.

Eines der Highlights des Line 6 Helix ist die durchdachte und intuitive Bedienung die mit wenigern Tastern und Reglern realisiert wurde.

Abnehmen ohne Diät

Mit „Mic“ scrollen wir durch 16 Mikrofon-Models für die Abnahme einer Gitarren- oder Bassanlage. Die Auswahl reicht von dynamischen Typen wie AKGs D112 oder dem unverwüstlichen Shure SM57, über Bändchenmikros à la Royer und Beyerdynamic bis zu feinen Großmembran-Kondensern wie dem noblen Neumann U47. Wer sich schon mal mit dem Thema befasst hat, weiß, warum so viel Auswahl wichtig ist. Denn das passende Mike macht beim Recording oft den entscheidenden Unterschied zwischen „geht so“ und „genial“.

„Distance“ bestimmt den Abstand zum gemodelten Lautsprecher. Mittels „Low Cut“ und „High Cut“ stellt man die gewünschten Trennfrequenzen ein, ab welchen der Sound entrumpelt und/oder abgerundet werden soll. „Early Reflec(tion)“ erlaubt dann noch das Zumischen des simulierten Studio-Raumes und „Level“ bestimmt zuletzt den Ausgangspegel. Dabei hätte ich beinahe vergessen darauf hinzuweisen, dass man auch den Boxentyp selbst bestimmen kann.

Die Boxen-Modelle auf Basis von Impulsantworten stehen übrigens als „Dual“- und „Single“-Block zur Verfügung. Letztere benötigen im Betrieb nur die halbe DSP-Leistung. Da man im Helix auch zwei unterschiedliche Set-ups parallel fahren kann, spielt das bei komplexen Amp-FX-Szenarien durchaus eine Rolle. Fünf Bass- und ganze 25 Gitarren-Models warten auf ihren Einsatz. Sollte das nicht reichen, darf man gerne weitere importieren: Das Helix bietet Platz für bis zu 128 IR-Dateien.

Natürlich lässt sich auch das Verstärker-Modul austauschen. Bei 48 Amp-Modellen, von Vintage-Klassikern über High-Gain-Aggregaten bis zu Boutique-Exoten, kann das aber etwas länger dauern. Hat man seine Auswahl getroffen, darf man das Ganze speichern. Hierzu stehen acht „ Setlists“ zu je 32 „Banks“ mit je vier „Presets“ (oder wahlweise 16 Bänke mit je acht Speicherplätzen) zur Verfügung. Das sollte auch für ambitionierte Großprojekte à la Pink Floyd, U2, Muse oder Porcupine Tree reichen.

Einzelne Elemente wie Box, Amp, Mikros oder Effekte werden schön übersichtlich dargestellt.

Mit Hand und Fuß

Weiter geht der Editierprozess bei den übrigen Modulen, die man zuvor mit dem Joystick anwählt. Im Hauptfenster wird der gewählte Block dann weiß umrandet. Das virtuelle FX-Angebot umfasst insgesamt 93 Stompbox- und Effekttypen sämtlicher Kategorien, vom schlichten Volume-Pedal bis zum schrillen Ringmodulator; darunter digitale Klone kultiger Vintage-Tretbüchsen ebenso wie moderner Klassiker, etwa des nach wie vor beliebten Whammy-Pedals.

Ace, Gitarrist von Skunk Anansie und bekennender FX-Maniac, hätte seinen Spaß, zumal auch seine Lieblings-Amps mit an Bord sind. Obwohl der gemodelte Orange OR80, aus urheberrechtlichen Gründen unter dem Pseudonym „Mandarin 80“, und der gute alte JCM-800 unter „Brit 2204“ firmieren, kann man den Ace-Sounds damit verblüffend nahekommen. Okay, sein berüchtigter „Gonkulator“ ist nicht dabei. Aber sonst ist das FX-Sortiment komplett. Sogar einen Looper mit 60 Sekunden Phrase-Länge gibt es.

Nun hatten wir zuvor aber schon erwähnt, dass sich das Helix mit den Füßen editieren ließe, und zwar so: Im gewählten Preset den Fußschalter des gewünschten Sound-Blocks berühren, nicht drücken. (Hat man den Modus acht Presets pro Bank gewählt, muss man zuerst den Mode-Schalter betätigen.) Schon verteilen sich die FX-Parameter auf die Fußschalter und die aktuellen Werte werden in den Text-Displays angezeigt.

Man tippt nun den zu editierenden an und fährt mit dem Expression-Pedal direkt den gewünschten Wert an. Gibt es mehrere Parameter-Seiten, klickt man selbige nach und nach durch. Schließlich speichert man den geänderten Sound mit einem abschließenden Fußklick ab – oder verlässt den Edit-Vorgang ohne zu speichern, falls man es sich zwischenzeitlich anders überlegt hat. Jedenfalls geht das alles vonstatten, ohne die Hände von der Gitarre genommen zu haben, krass!

Coole Sache: Man kann Sounds. Effekte usw. auch per Fuß einstellen, während man spielt. Sehr praktisch.

Na, auch „incognito“ hier?

Nochmals zurück zum Sound-Sortiment. Zahlreiche Star-Doubles sind hier unter Pseudonym abgestiegen. Dafür gibt es eine Übersichtsliste mit Legende, damit der User nachschauen kann, mit wessen Impersonation er es zu tun hat. Okay, „SV (Beas)T“, „Rectifire“, „Tweed Blues“ oder „Brit J-45“ brauchen wohl keine Erklärung. Diverse Amp-Klassiker von Supro bis Silvertone, Hiwatt oder Marshall- sowie Boutique-Boliden von Divided by 13, Dr. Z, Bogner oder Soldano stehen dann „incognito“ im Gästebuch.

Das gilt ebenso für die Auswahl an Boxen-, Mikrofon- und FX-Typen, die hinter ihren Decknamen nur mehr oder weniger deutlich das gemodelte Original erkennen lassen. (Wer denkt schon bei „Rhino“ an eine SVT-4x10-Box oder bei „Triangle Fuzz“ an einen Big Muff?) Wer also kein ausgemachter Gear Nerd und auch kein Fan von Rätselspielen ist, sollte im Zweifelsfall die Übersichtslisten zurate ziehen. So kommt man schneller zum gewünschten Klangergebnis.

Besagte Listen finden sich, neben zahlreichen weiteren wertvollen Informationen, im umfangreichen, deutschsprachigen Manual, das dem Helix allerdings nicht in gedruckter Form beiliegt. Stattdessen gibt es nur einen USB-Stick mit dem entsprechenden PDF-File. Schön und gut, solange man daheim neben dem Rechner sitzt. Weniger praktisch, wenn man im Proberaum mal eben eine der spezielleren Funktionen nachschlagen möchte.

Möglicherweise möchte der Hersteller den User dadurch motivieren, sich intensiver mit der intuitiven Bedienoberfläche des Helix’ zu befassen. Aber ein solides, gebundenes Manual wäre mir, schon aus haptischen Gründen, trotzdem lieber. Das immerhin 50 Seiten starke Handbuch ist nämlich didaktisch gut gemacht, grafisch bunt und übersichtlich gegliedert, aber leider nicht auf die Schnelle ausgedruckt.

Praktischerweise lassen sich viele Funktionen – auch der Gesamt-EQ – global einstellen. So kann man die Gesamtperformance schnell an die Situation anpassen.

Fazit, Technische Daten und Wertung

Ob Fertigungsqualität, Auswahl an Amps, Boxen, Mikros und Effekten und vor allem auch die Steuerung – das Line 6 Helix überzeugt voll und ganz. Doch wie gut kann man das neue Line-6-Flaggschiff in sein Setup einbinden und vor allem: wie klingt das Helix? Das alles und mehr erfährst du in Teil 2 dieses Tests.

 

Typ

Preamp/FX-Processor/Workstation plus Audio-Interface

Bauweise
Floorboard (massives Metallgehäuse)
Technologie digital, AD/DA-Konverter mit 24 Bit / 192 kHz
Latenz ca. 3,2 ms
Sounds 48 Amp-, 30 Lautsprecher- und 16 Mikrofon-Simulationen (Impulsantworten), 93 Effekte
Presets 128 (ab Werk belegt, insgesamt 1.024 Speicherplätze)
Anschlüsse
Guitar In, Aux In, Mic In, 4 x FX-Loop (Send & Return), 2 x XLR Out, 2 x Klinke Out, Phones, EXP 2, EXP 3, EXT Amp, CV, Variax, MIDI In & Out/Thru, S/PDIF In & Out, AES/EBU/L6 Link Out, USB (2.0)
Bedienelemente

Save, Menu, Home, Amp/Cab-Modul, Parameter-Endlosdrehregler für Preset und Parameter (6 x), Joystick, Bypass, Action, Page (Navigation) < und > , (Output) Volume, Phones (Volume), „Touch“-Fußschalter, Expression Pedal

Schalter & Pedale

12 x Fußschalter, Expression Pedal

Gewicht
rund 6,6 kg
Maße (H x B x T)
558 x 300 x 85 mm
Besonderes extrem leistungsfähige Dual Processor-Technologie (SHARC, 4. Generation), berührungssensible Fußtaster mit mehrfarbigen Leuchtringen und programmierbaren Textfeldern, großformatiges 6,2“ LC-Farb-Display (800 x 480 Pixel), „Hands-Free“-Editieren per Fußtaster und Expression-Pedal, integrierter Phrase-Looper
Hergestellt in
China

 

Wertung:
+ Sound-Qualität und Spielgefühl
+ intuitives und praxistaugliches Bedienkonzept
+ wertige Bauweise
+ internes, global nutzbares Netzteil (100 – 240V)
+ vier Effektwege und Looper-Funktion
+ inkl. Interface (!) für Recording/Reamping usw.
+ umfassende Steuerungs- und Schaltoptionen auch für große Setups
- nur ein Mono-Schaltausgang für externen Verstärker

Preise (UVP):
Helix Guitar Processor:    1.879 €
Helix Rack Guitar Processor:    1.879 €
Helix Control:    499 €

Vertrieb: Yamaha Deutschland
Weitere Infos: Line 6 Helix Guitar Processorhttp://de.line6.com/helix/

 

 



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