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Test: Hughes & Kettner era 1

Als wär es gar kein Amp

Hughes & Kettner mit der perfekten Lösung für Unplugged-Musiker?!? Genau das sind die neuen era-1-Modelle.


Als wär es gar ...

Die deutsche Ampschmiede Hughes & Kettner ist vor allem für ihre Röhrenverstärker für E-Gitarristen bekannt. Doch das könnte sich nun ändern. Denn mit dem era 1 soll Akustikgitarristen und kleinen Acts die ultimative Beschallungslösung angeboten werden. Und das Ergebnis überzeugt mächtig.

Wer kennt sie nicht, die (meist) schick leuchtenden Topteile und Combos aus dem Hause Hughes & Kettner? Kein Wunder, denn was der deutsche Hersteller in den letzten Jahren vor allem für E-Gitarristen rausgehauen hat, ist zu recht schwer angesagt. Doch was ist eigentlich mit Unplugged-Musikern. Die hatten bei den Saarländern nicht wirklich überzeugende Produkte zur Auswahl. Doch das ändert sich gerade. Denn mit den era-1-Modellen zieht man das Thema noch mal ganz neu auf.

Die Wunschliste dabei war ziemlich klar. Die Combos sollten kompakt und leicht sein, dabei aber alles bieten, was man als Solomusiker oder Duo zur Verstärkung akustischer Instrumente und von Gesang braucht – inklusive Effekten. Über allem schwebte aber die Vorgabe, dass das klangliche Ergebnis maximal natürlich klingen sollte, also so, als würde man die Akustikgitarre gar nicht wirklich verstärken, sondern sie einfach nur lauter machen. Das klingt zunächst komisch – aber so viel schon mal vorab: Wenn man die Effekte des era 1 deaktiviert und den Verstärker pur nutzt, kommt es einem oft in der Tat so vor, wenn man Master Volume langsam aufdreht, dass man einen nahtlosen Übergang zwischen dem akustischen Klang des Instruments und dem Verstärker-Sound hinbekommt. Wirklich beeindruckend. Das funktioniert wenig überraschend allerdings vor allem mit guten Akustikgitarren mit überzeugenden Pickup-Systemen.

Doch schauen wir uns den Combo-Verstärker bzw. die Mini-PA doch genauer an. In dem erstaunlich kompakten Gehäuse stecken neben der 250-Watt-Endstufe ein 8“-Lautsprecher und ein 1“-Hochtöner. Apropos Gehäuse: wir hatten zum Test die Version mit Holzoberfläche, die wirklich sehr edel aussieht. Es gibt aber auch eine Variante mit einer sehr robusten schwarzen Beschichtung. Gerade für Musiker, die den Verstärker öfter mal mit in die freie Wildbahn von Proberaum und Konzert nehmen wollen, wohl die bessere Variante. Nicht, dass die Holzversion besonders anfällig für Beschädigungen wäre. Aber wenn es hart auf hart kommt, fährt man mit der schwarzen Version über einen langen Zeitraum sicher deutlich besser.

Ansonsten bietet der Hughes & Kettner era 1 zwei identische Kanäle, die man sowohl für Akustikgitarre, aber auch für andere (eher traditionelle) Instrumente wie auch Gesang nutzen kann – und das in bester Qualität. Beide Kanäle bieten jeweils eine einfache, aber hervorragend klingende und leicht zu bedienende Effektsektion sowie einzeln zuschaltbare Phantomspeisung. Darüber hinaus gibt es einen Aux-Eingang für Playbacks sowie eine Effektschleife, über die man aber auch weiteres Equipment anschließen kann, sowie eine sehr umfangreiche Ein- und Ausgangspalette. Übrigens kommt der kleine Hughes & Kettner mit einer schicken gepolsterten Schutzhülle sowie einem steckbaren Schrägsteller, über den man den Combo in zwei Winkeln ankippen kann – sehr praktisch.


Die beiden ersten Kanäle lassen sich sehr detailliert und feinfühlig einstellen – inklusive eigener Effekte.

Der Aufbau

Dann gehen wir den Aufbau beziehungsweise die Signalkette doch mal von vorne bis hinten durch. Alle Anschlüsse befinden sich übrigens auf der Rückseite des Amps – auch das sorgt für einen sehr sauberen Look und eine sehr übersichtliche Bedienung über das klar strukturierte Bedienpanel auf der Oberseite. Die beiden „wichtigsten“ Eingänge sind zweifellos die Channels 1 und 2, die beide über eine XLR-Klinke-Kombibuchse sowie einzeln zuschaltbare Phantomspeisung verfügen. Hier kann man also sowohl eine Gitarre mit Pickupsystem (und durchaus auch eine E-Gitarre oder einen Bass) wie auch ein Gesangsmikrofon anhängen. Aber auch abgenommene Streich- oder Zupfinstrumente werden hier bestens verarbeitet. Dazu kommt ein Miniklinkeneingang (CH 3) sowie die regelbare Effektschleife im 6,3-mm-Klinkenformat, die man ebenfalls als Input (CH 4) nutzen kann.

Geregelt werden die Kanäle 1 bis 3 über die Oberseite des Hughes & Kettner era 1, wobei Kanal drei lediglich über einen Lautstärkeregler zum Dazumischen verfügt. Kanal 4 ist über den Level-Regler auf der Rückseite steuerbar. Dafür bieten die beiden ersten Kanäle richtig tiefe Eingriffsmöglichkeiten. Los geht es hier jeweil mit dem Gain-Poti (inclusive -10-dB-Taster), um den Input optimal einzupegeln. Dazu kommt ein Dreiband-EQ, mit dem sich durchaus weitreichende, aber immer angenehm klingende Anpassungen machen lassen.

Eine Besonderheit ist der EQ-Taster mit dazugehöriger LED. Dieser (de)aktiviert einen zweiten Klangmode, der EQ reagiert also anders. Welcher besser für den jeweiligen Input geeignet ist, lässt sich so spontan gar nicht sagen. Da entscheidet das Ohr. Hughes & Kettner empfiehlt beispielsweise EQ-Mode 1 eher für Gitarren mit Stahlsaiten, EQ-Mode 2 soll deutlichere Resultate bei Gitarren mit Nylonsaiten liefern. Ebenso ist es mit Stimmen. In der Regel greift laut Hersteller die Klangreglung des EQ-Mode 1 effektiver in Frequenzen einer tieferen (eher männlichen) Stimme ein. Die Klangreglung des EQ-Mode 2 wirkt sich stärker auf höhere (eher weibliche) Stimmen aus. Doch auch hier hilft am Ende nur Ausprobieren. Ansonsten kann man per Shape-Taster pro Kanal noch das Klangbild im Mittenbereich verschlanken und im Hochtonbereich leicht anheben. So werden die Grundtöne im Bass-/Tiefmitten-Bereich sowie die Obertöne in den Vordergrund gerückt. Doch auch hier entscheidet wieder das Ohr je nach Instrument bzw. Stimme und Mikrofon, was besser klingt.

Abgerundet wird der Sound dann noch mit einer jeweils eigenen Effektsektion in den Kanälen 1 und 2. Und obwohl diese je nur über zwei Regler verfügen, kann man eine Menge Effekte mit ihnen abrufen. So stehen verschiedene Varianten von Reverb, Delay, Chorus und Flanger zur Verfügung, die auch in unterschiedlichen Kombinationen genutzt werden können. Man kann also eins der 16 Presets auswählen und dann per FX Volume bestimmen, wie stark es zu hören sein soll. Was aber, wenn man den Effekt noch detaillierter anpassen möchte? Dafür gibt es einen „Trick“. Befindet man sich in einem Effekt und drückt dann EQ/Mode 2 drei Sekunden kommt man in den Programmier-Modus. Dort kann man per Aux-In-Regler etwa die Länge von Reverbs oder die Delay-Zeit ändern, aber auch die Geschwindigkeit von Flanger oder Chorus anpassen. Dann nochmal EQ/Mode 2 für drei Sekunden drücken – fertig. Sehr praktisch.

Weitere Features des era 1 sind die FX Loop, über die man externe Effekte elegant einbinden kann, wenn einem die internen nicht ausreichen, ein Tuner Out, der immer ein Signal liefert, auch wenn der Amp stummgeschaltet ist, sowie der  Footswitch-Eingang, über den man den Amp muten sowie die Effekte ein- und ausschalten kann. Dazu kommt ein DI-Out im XLR-Format, der die Kanäle 1 und 2 ohne Effekte und optimal für den Mischer aufbereitet anbietet. Dazu kann man entscheiden, ob man die beiden Kanäle mit oder ohne EQ des Amps haben möchte und per Ground Lift eventuell auftretende Brummschleifen entfernen. Den Abschluss bilden dann Phones (wobei der Amp bei der Nutzung stummgeschaltet wird) und ein regelbarer Line Out. Zudem kann man das Signal des Amps über den Optical Out auch direkt digital an entsprechend ausgerüstete Geräte weitergeben. Der Hughes & Kettner ist also für vielfältigste Aufgaben vorbereitet. Doch wie klingt er?

Die Master-Sektion ist recht übersichtlich – mehr benötigt man hier aber auch nicht.

Anschalten und genießen

Auch wenn das jetzt eine ganze Menge an Features und Funktionen waren, in der Praxis kann man wirklich ganz leicht und superbequem mit dem Hughes & Kettner era 1 arbeiten. Also, erstmal angenehm positionieren. Dabei hilft der mitgelieferte Schrägsteller (der bei unserem Testamp leider etwas schwer einzusetzen war) mit dessen Hilfe man den Amp um 25° bzw 35° anwinkeln kann, damit er einen direkt beschallt wenn er auf dem Boden steht. Alternativ verfügt er auch über einen Hochständerflansch, dank dessen man ihn schön auf ein PA-Stativ in der optimalen Höhe setzen kann. Zudem ist er mit wenig über 10 kg angenehm leicht und kompakt und damit auch gut zu bewegen.
 
Steht der Amp optimal und sind alle Verbindungen gezogen ist der Rest ganz einfach – und das Gehör das wichtigste „Messinstrument“. Denn den passenden Sound, beispielsweise für eine Steelstring-Akustikgitarre hat man schnell eingestellt, und auch die entsprechenden Effekte. Danach kann man direkt im Klang baden. Denn das Ziel der Entwickler, alle Signale möglichst naturgetreu wiederzugeben, wird hier mustergültig erreicht. Wie Anfangs schon erwähnt fällt es beim lauter drehen des Amps tatsächlich schwer, genau zu bestimmen, was noch von der Akustikgitarre kommt und was schon vom Verstärker. Wenn das nicht das ultimative Lob ist. Diesen tollen Grundklang kann man noch sanft anpassen und verfeinern, aber immer musikalisch und nie heftig. Wer also hofft, ein eher schlecht klingendes Instrument über den Amp aufpolieren zu können, der dürfte enttäuscht werden. Aber das ist ja auch nicht der Anspruch des Hughes & Kettner.

Abgesehen davon ist es vor allem das Spielgefühl das kleinen Combos, das mich begeistert. Denn man fühlt sich und das Instrument von Beginn an toll mit dem Amp verschmolzen und bildet schnell eine Einheit. Zudem habe ich noch keinen Akustikamp gespielt, mit dem man so einfach und angenehm musikalische Feedbacks erzeugen kann – wenn man das denn möchte. Da fühlt man sich als hauptsächlicher E-Gitarrenspieler doppelt zu Hause, cool. Zudem lassen sich damit interessante neue Klänge und Spielweisen abrufen. Und Equipment, das den Musiker inspiriert, ist wirklich selten. Hut ab vor diesem tollen Verstärker.

Die ganzen genannten Features sorgen dann dafür, dass sich der Hughes & Kettner in verschiedensten Situationen immer bestens einbinden lässt. Ob daheim beim Üben mit Kopfhörer, im Proberaum, auf der Bühne oder im Studio – immer ist der Umgang mit dem Amp maximal unkompliziert. Dafür sorgen auch die verschiedenen Ein- und Ausgänge – wobei letztere immer tolle Signale an die angeschlossenen Geräte liefern. So kann man entspannt arbeiten und sich voll und ganz auf seine Performance konzentrieren. Den Rest erledigt der era 1.

Auf der Rückseite des era 1 befinden sich reichlich Anschlüsse für alle Gelegenheiten.

Fazit, Wertung & Technische Daten

Gutes Aussehen, mächtig was auf dem Kasten und dann noch dieser Sound. Das klingt schon ganz gut, oder? Der Hughes & Kettner bietet all das wirklich überzeugend und ist dazu auch noch maximal flexibel einsetzbar. Das Beste dabei: der kleine Combo spielt sich nie in den Vordergrund, sondern will dem Musiker einfach nur eine Stimme geben beziehungsweise diese lauter machen. Die Umsetzung ist wirklich toll gelungen, dazu kommt eine wunderbar edle Verarbeitung und Präzision Made in Germany. Setzt man dann den Preis zu all diesen Argumenten ins Verhältnis, kann man durchaus von einem Schnäppchen sprechen. Und der era 1 dürfte für viele Musiker ein Begleiter fürs Leben werden, denn er leistet sich keine Schwächen und gibt einen tollen musikalischen Partner ab.

Wertung

    + sieht richtig lecker aus
    + wunderbar verarbeitet
    + klingt unfassbar natürlich
    + Vielseitig einstell- und nutzbar
    + schön kompakt und leicht
    + Schutzhülle und Schrägsteller mit dabei
    + Made in Germany

Technische Daten

Bauweise:    Mehrkanalamp/Mini-PA im Comboformat
Technik:    Solid-State-Endstufe
Leistung:    250 W
Kanäle:    4
Anschlüsse:    2 x High Resolution Mic und Instrument Input, Combobuchse, Aux In, 3,5 mm Stereo-Input, 6,3 mm Stereo-Input, FX Send, Tuner, Footswitch, DI Out (XLR), Phones, Line Out, Optical Out
Regler und Schalter: Top: Channel 1 & 2 je -10 dB, Shape, Mute, Gain, EQ Mode, Bass, Mid, Treble, FX Mode, FX Volume, Channel 3: Aux In, Master: Notch, Volume; Back: 2 x Phantom Power, Input Level Channel 4, Pre/Post EQ, Ground Lift, Line Out Level, Power
Gewicht:    rund 10 kg
Maße (HxBxT):    351 x 285 x 290 mm
Hergestellt in:    Deutschland

Preis (UVP): era 1 – 1.426,81 €

Vertrieb: Music & Sales
Weitere Infos: Hughes & Kettner era 1 im Netz



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