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Test: E.W.S. Fuzzy Drive

Muse in Pedalform

Der E.W.S. Fuzzy Drive ist ein inspirierendes Effektpedal das von Boost bis Fuzz diverse Sounds liefert.


Muse in Pedalform

Wenn Gitarristen rein vernunftorientiert denken würden, würde sich wohl kaum jemand noch Effektpedale kaufen – bekommt man doch mittlerweile alles billiger oder direkt im Amp. Und doch erfreuen sich die kleinen Soundkistchen ungebrochener Beliebtheit. Das liegt auch an Geräten wie dem E.W.S. Fuzzy Drive, der deinen Klang auf ein neues Niveau heben kann.

Wir Gitarristen sind schon ein seltsames Völkchen. Ständig auf der Suche nach den ultimativen Sound, dem einzigartigen Teil, das ihrem Setup noch das Sahnehäubchen verpasst – und selten zufrieden. Doch es waren genau diese nie ruhenden Soundsucher, die die Musikwelt um ganz neue Klänge bereicherten, egal ob sie Jimi Hendrix oder Eddie Van Halen hießen. Oftmals galten Effektpedale als wichtiger Bestandteil legendärer Sounds, man denke nur an Van Halens Phase 90, Ritchie Blackmores Treble Boost oder auch Jimi und sein Fuzz Face.

Diesen und vielen weiteren Spielern gemeinsam ist, dass so ein Effektpedal eben nicht einfach nur einen Sound auf die bestehende Signalkette packt, sondern im Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten oftmals ganz eigene „Nebenwirkungen“ auftreten, die extrem inspirierend sein können und manchmal zu komplett neuen Klängen führen. Das ist auch heute noch so, und das insbesondere bei analogen Pedalen.

Genau in diese Kategorie fällt auch das neue Fuzzy Drive des japanischen Herstellers E.W.S., der sich in der Vergangeheit mit der Modifikation diverser Pedale einen sehr guten Namen erarbeitet hat. Seit einiger Zeit bietet man auch komplette Geräte aus eigener Fertigung an – alle in Japan sehr sorgfältig per Hand zusammengestellt. Deshalb sind die Pedale auch nicht ganz billig – dafür bekommt man aber auch einen entsprechenden Gegenwert – auch und gerade klanglich.


Auch an der Unterseite zeigt sich die penible Fertigung per Hand – nur schade, dass man die Bodenplatte zum Batteriewechsel abschrauben muss.

Fuzzen mit Stil

Wir bekamen den neuen Fuzzy Drive zum Test, ein sehr kompaktes Pedal, dass eine Mischung aus Boost, Overdrive und Fuzz darstellt – je nach Einstellung der Regler. Aber beim Auspacken erfreut das E.W.S. zunächst das Auge des Genießers. Das solide Metallgehäuse ist sauber gefertigt, alle Potis und Buchsen sind schön verarbeitet und solide befestigt. Das Fuzzy Drive lässt sich wahlweise per Netzteil oder 9-Volt-Block mit Strom versorgen – für Letzteres muss man allerdings den Boden des Pedals abschrauben. Etwas schade, denn gerade wenn man mit einem Pedalboard arbeitet, wird ein Batteriewechsel dann doch etwas umständlich. Aber gut, die meisten Pedalboarder setzten ja eher auf ein Mehrfachnetzteil. Ansonsten lohnt sich ein Blick ins Innere des Pedals auch wegen der tollen und blitzsauberen Verarbeitung dort. Übrigens: Auf der Unterseite ist die Seriennummer des Pedals handschriftlich aufgetragen – sehr edel.

Abgesehen davon gibt es einen In- und einen Output – fertig. Eben ein klassischer Distortion-Effekt, den man vor den Amp hängt. Auch die Regler auf der Oberseite – komplettiert von einem On-Off-Footswitch – dürften niemanden Überfordern. „Vol“ steuert den Output des Pedals, Gain den Grad der Verzerrung, den man abrufen möchte und „Tone“ ist ein sehr wirkungsvoller Klangregler der den Sound Richtung „Mehr Höhen“ oder „mehr Bässe“ verschiebt. Und mehr gibt es nicht?

Naja, ganz so simpel ist die Geschichte dann doch nicht, denn am Pedal selbst lässt sich zwar nicht viel einstellen – alle Regler arbeiten aber sehr intensiv, so dass man diverse Schattierungen und Funktionen abrufen kann. Dazu kommt – und das ist das Tolle am Fuzzy Drive – dass der Effekt extrem dynamisch auf das angeschlossene Instrument sowie die Pickup-Position, Potistellung und die Spielweise reagiert. So kann man, selbst wenn man am Pedal selbst nichts verändert, eine Vielzahl von Sounds abrufen.

"Nur" drei Regler, aber Zugriff auf eine ganze Palette unterschiedlicher Sounds.

Die friedliche Wespe ...

Na dann wollen wir das Pedal doch direkt mal anschließen. Also, Kabel aus der Gitarre in den Input, Kabel aus dem Output in den Amp, das wars. Netterweise ist bereits eine Batterie im Pedal, wir können also direkt loslegen. Also, den Verstärker erst mal möglichst clean und neutral einstellen um den puren Effektsound zu hören. Den Tone-Poti lassen wir erst mal auf 12 Uhr (praktischerweise hat es eine Mittelrasterung damit man die Neutral-Position leicht findet), um den Grundsound des Fuzzy Drive besser hören zu können.

Zum Start lote ich die Fähigkeiten des E.W.S. als Booster aus – denn auch das soll das Pedal können. Also, Gain komplett zu, statt dessen gebe ich bei Volume ordentlich Gas. So kann man dem Amp ordentlich die Sporen geben, was besonders bei Röhrenamps zu sehr musikalischen Ergebnissen führen kann. Bei Modelingamps & Co sollte man dagegen etwas Vorsicht walten lassen. Denn das E.W.S. drückt wirklich einen satten Pegel aus der Output-Buchse. Das kann dann gerade Digitalschaltungen schon mal überfahren. Was nicht heißen soll, dass der Fuzzy Drive nicht dafür geeignet wäre digitalen Schaltungen mehr Leben einzuhauchen – ganz im Gegenteil. Das macht er erstklassig, man darf es eben nur nicht übertreiben.

Doch zurück zum Fuzzy Drive vor dem cleanen Amp mit zugedrehtem Gain-Poti und Volume am Anschlag. Sogar mit Gain auf 0 muss man das Volume-Poti der Gitarre etwas zudrehen, um komplett clean zu bleiben – dann verpasst man dem Amp einen ordentlichen Lautstärkeschub sowie eine heftige Frischekur. Das knallt richtig schön. Dazu kommt, dass man jetzt in dem vorher völlig übersteuerungsfesten Kanal per Volume-Poti der Gitarre nahtlos zwischen absolut clean und ganz schön crunchy hin und her regeln kann – richtig cool.

Und bereits hier zeigt sich, dass das E.W.S.-Pedal seinem Namen alle Ehre macht. Denn es ist kein klassisches Fuzz – die treten ja gerne sehr grob auf und sind schon fast Klangzerstörer – sondern eher ein Booster/Overdrive mit einem knarzigen Sahnehäubchen oben auf dem Sound. Fuzzy eben. Das Schöne ist auch, dass man diesen „kaputten“ Klanganteil gut mit der Gitarre kontrollieren kann. Dreht man Volume etwas zurück, gibt sich das Pedal sehr zahm, dreht man die Gitarre voll auf, ist der schöne Schmutz sofort voll da.

Auch im Inneren ist der Fuzzy Drive erstklassig verarbeitet

... kann wütend werden

Nun drehen wir Volume am Pedal wieder auf 12 Uhr und schauen mal, was der Gain-Regler so macht. Erfreulicherweise verhält sich das Pedal weiter wie davor – nur eben im deutlich verzerrteren Bereich. Denn auch jetzt hat man mit dem Volume-Poti der Gitarre vollen Zugriff auf den Sound, kann jederzeit nahezu auf clean zurückfahren – und bei aufgedrehtem Regler den Fuzz-Teufel tanzen lassen. Dabei liefert das Fuzzy Drive bei Vollausschlag vor dem cleanen Amp richtig satten Crunch – gerade für Garagenrock und Co absolut klasse.

Nun hat nicht jeder einen cleanen Verstärker oder will das E.W.S. so nutzen. Doch auch vor einem bereits schön zerrenden Amp macht das Fuzzy Drive einen tollen Job, etwa um die Vorstufe noch etwas mehr anzuheizen oder den Amp richtig ins Schwitzen zu bringen. Sehr gut funktioniert auch die Kombination aus schön trockenem Rhythmuscrunch bei deaktiviertem Pedal – ein Tritt auf den Fußschalter und schon hat man einen quasi endlos singenden Lead-Sound – das macht Spaß. Und auch hier hat man per Gitarren-Volume wieder reichlich Möglichkeiten den Sound noch zu beeinflussen. Allerdings fängt man sich bei extremeren Einstellungen des Pedals schon deutliche Nebengeräusche ein. Während des Spielens stört das nicht, aber in Spielpausen sollte man das Pedal eher ausmachen.

Im Overdrive-Bereich agiert das Fuzzy Drive sogar noch geschmeidiger als vor dem cleanen Amp – dreht man Volume an der Gitarre etwas zu, macht das Pedal den Sound einfach breiter und offener. Dreht man voll auf, wird der Sound schön angefettet und singend, da möchte man direkt Carlos Santana zur Jam-Session einladen ;)

Fehlt eigentlich nur noch der Tone-Regler. Mit dem kann man den Klang des Pedals nicht nur optimal auf das verwendete Instrument abstimmen, sondern vor allem Formen. Schön luftig frischer Sound und reichlich Schmutz – dann den Regler im Uhrzeigersinn aufdrehen. Du willst einen richtig fetten, singenden Lead-Sound – dann ab in die Gegenrichtung. Auf jeden Fall packt das Poti ordentlich zu und macht deutliche Klangverbiegungen möglich. So findet man hier sicher den gewünschten Sound.

Legt man das E.W.S. neben ein Pedal im Normalmaß – wie hier das Rocktron Reaction – sieht man, wie kompakt es ist

Für Genießer

So, was haben wir hier denn nun? Zuallererst ein toll verarbeitetes und offenbar mit viel Liebe zum Detail gefertigtes Boutique-Pedal für Klanggenießer. Wer einfach nur bisschen Zerre braucht oder eine zweite Lautstärke für seinen Amp, der muss die rund 200 Euro für dieses Pedal nicht ausgeben. Für solche einfachen Aufgaben bietet der Markt reichlich günstige Angebote. Wer dagegen sein Setup bis ins Detail perfektionieren möchte und auf der Suche nach neuer Inspiration ist, der sollte sich das E.W.S.-Pedal mal zu Gemüte führen.

Denn das Fuzzy Drive will entdeckt werden, man muss sich die Möglichkeiten und Klangschattierungen dieses edlen Teils schon erarbeiten. Dann bietet es einem aber richtig viele Optionen, in welche Richtung man damit möchte beziehungsweise wie man es einsetzt. Auch toll ist, dass man das Pedal mit seinem Instrument quasi fernsteuern kann und alleine mit Volume-Poti und unterschiedlichen Pickup-Positionen unterschiedlichste Sounds hervorzaubern kann.

Feinkost statt Fastfood ist hier das Stichwort, sowohl was die Fertigung des Pedals betrifft, aber auch welche Sounds es liefert. Dafür wird der erfahrene und feinfühlige Spieler dann auch mit bestem Klang und reichlich Inspiration belohnt. Da hat man kleinere Minuspunkte wie den Batteriewechsel oder die Nebengeräusche schnell vergessen. Und dann versteht man auch wieder voll und ganz, warum Effektpedale so beliebt sind. Weil sie eben etwas ganz Eigenes, oft Unberechenbares in den Sound bringen, ganz direkt bedienbar sind – und ganz nebenbei – einfach lecker sind.

Hier bekommst du einen guten Eindruck wie das E.W.S. Fuzzy Drive so klingt:

Technische Daten & Wertung

Bauweise
Boost/Overdrive/Fuzz, Bodenpedal
Konstruktion
Metallgehäuse
Anschlüsse
In, Out, 9V DC-Buchse
Spannungsversorgung
9-V-Block-Batterie, optionales 9-Volt-DC-Netzteil
Spannungsbedarf
7 mA
Schalter & Regler

High Filter, Blend, Bass Filter

Gewicht

ca. 640 g

Maße (H x B x T)

112 x 65 x 50 mm

Besonderes True Bypass, handgefertigt, 9-V-Block trotz sehr kompakter Bauweise
Hergestellt in Japan

 
Wertung:

+ cooles handmade Design
+ sehr sauber gefertigt
+ reagiert sehr dynamisch auf Spielweise und Gitarre
+ vielseitig einsetzbar
+ sehr inspirierend


Vertrieb: W-Music Distribution;
Weitere Infos: E.W.S.
Preis (UVP): 199,88 €



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