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Test: Diezel Lil Fokker - Teil 2

Voll auf die Mütze

Der Sound von Diezel-Amps ist legendär. Auch der Lil Fokker macht da keine Ausnahme.


Voll auf die Mütze

Dass der Lil Fokker von Diezel solide aufgebaut und durchdacht kostruiert ist, hast du in Teil 1 erfahren. Jetzt willst du aber sicher wissen, wie er klingt. Kein Problem, das und mehr findest du hier.

So, nachdem du in Teil 1 dieses Tests erfahren hast, was der Lil Fokker in der Theorie so alles zu bieten hat, wenden wir uns jetzt der Praxis zu und hören uns den schweren Jungen mal an. Ja, also, wie klingt er denn nun, der Lil Fokker (der seinen klangvollen Namen übrigens von einem Doppeldeckerflugzeug hat)? Satt, kraftvoll, auf Wunsch auch raubeinig und wuchtig, und doch vollkommen kontrolliert. Heiß abgestimmt und betont obertonfreundlich lässt er es ordentlich krachen, zeigt aber selbst bei tendenziell rüpelhaftem Benehmen noch eine gewisse Eleganz.

Beim Erstkontakt habe ich einfach mal alle Regler (außer den Master-Volumes) auf 12-Uhr-Position gestellt und nacheinander unterschiedliche Gitarrentypen angeschlossen. Das Ergebnis war absolut überzeugend, egal ob gerade eine Tele, Les Paul, SG oder eine EMG-bestückte Super-Strat dranhing. Wo man bei vielen anderen Verstärkern erst herumschrauben muss, um den „Sweet Spot“ für das jeweilige Instrument zu finden, klingt es hier auf Anhieb richtig geil, Respekt!


Die Rückseite des Lil Fokker ist – gerade im Vergleich mit seinen großen Brüdern – sehr aufgeräumt und auf die wichtigsten Anschlüsse beschränkt.

Nettes Raubein alter Schule

Channel 1 ist für die dezenteren Klänge zuständig, die von perlig transparenten Cleansounds bis zu deftigem Hardrock-Crunch alter Schule reichen. Der Grundcharakter ist dabei angenehm dynamisch, ohne gnadenlos zu werden. Selbst mit hellen Single Coils ist es ein Leichtes diesem Kanal genügend Druck und Fülle zu entlocken. Nicht mal eine beißende Tele wird zum „Eierschneider“. Ja, sogar jazzy Blockchords oder krachende Southern-Rock-Riffs sind machbar.

Dank der zupackenden EQ-Sektion, die dennoch selbst in extremen Einstellungen nie unmusikalisch klingt, erweist sich der vermeintlich simple Zweikanaler als unerwartet vielseitig. Und, während man sich etwa beim superflexiblen VH-4 mit dessen sehr weit reichenden Klangreglern auch leicht mal selbst ins klangliche Abseits befördern kann, behält man hier locker die Kontrolle über die Frequenzen.

Ob knackige Country-Licks oder warme runde Cleansounds, ob Classic Rock zwischen Hendrix, Cream und Led Zeppelin, Psycho-Funk nach Art der Red Hot Chili Peppers oder staubtrockener Hardrock à la AC/DC – alles kein Problem. Mit einer Humbucker-Gitarre reicht der Gain-Pegel sogar noch bis zu krachledernem Hard ’n’ Heavy. Man denke an legendäre NWOBHM-Vertreter wie Judas Priest, Saxon oder Iron Maiden …

Sehr beeindruckend ist dabei die überaus sensible Reaktion auf das Volume-Poti am Instrument. Bei tüchtig aufgedrehtem Gain-Regler wird es zwar beim Runterblenden nicht mehr super-clean. Aber was für ein Sound – old school at its best! Und sollte die Lautstärkebalance dafür dann doch mal nicht mehr ganz optimal passen, hat man ja noch das zweite Master-Volume zur Verfügung. Schalten wir nun mal in den zweiten Kanal.

Über die serielle Loop kann man Effektgeräte optimal in den Signalweg einbetten.

High-Gain mit Stil

Im unteren Drehzahlbereich des Gain-Reglers übernimmt Channel 2 nahtlos von seinem Kollegen, gibt sich hier noch vergleichsweise zivil und klingt auch noch recht authentisch. Man merkt aber an der zunehmenden Verdichtung und der freundlichen Sustain-Unterstützung, dass wir uns nun der Moderne nähern. Spätestens nach einem beherzten Dreh am Gain-Regler dürften dann alle etwaigen Zweifel an der Mission dieses Kanals endgültig ausgeräumt sein.

Die Oktanzahl steigt rasant, die Gain-Reserven sind immens und reichen, wenn es sein muss, bis zum Abwinken. Dabei halten sich die Nebengeräusche angenehm zurück. Passend zum Gain-Inferno wurde der Klangcharakter wuchtig, straff und tragfähig abgestimmt. Es darf und soll also offensichtlich rabiater werden. Er ist aber nicht unerbittlich ehrlich abgeschmeckt und eignet sich damit auch für den klangbewussten Alternative- oder Bluesrocker.

Anders ausgedrückt, wer sein Klangideal irgendwo zwischen ZZ-Top, Slash und Mastodon einordnet, wird bestimmt nicht enttäuscht sein! Auch tief gestimmte NuMetal-Salven sind drin, aber noch viel geiler fand ich breitreifige Southern-Riffs à la Black Stone Cherry, weil der Amp eben so einen gewissen Schuss „Southern Comfort“ mitbringt. Das passt auch bestens zu expressiven Fingerstyle-Techniken – think Mark Knopfler, Doyle Bramhall II oder Jeff Beck.

Zu meinem eigenen Erstaunen hat mir der L’il Fokker übrigens in Verbindung mit aktiven Tonabnehmern besonders gut gefallen. Das klang überhaupt nicht gepresst oder undynamisch, wie man es sonst häufig erleben muss. Vielmehr reagierte der Amp auf jeden Fingerzeig und setzte jede Phrasierung nuanciert und mit der richtigen Dosis Detailreichtum und Feingefühl um. Eine sehr beeindruckende Performance.

Ein absolut makelloser Aufbau der Schaltung ist bei Diezel Ehrensache.

Mühelose Power

Im Verbund mit einer 4-x-12“-Box braucht man den Deep-Regler kaum zu bemühen, es sei denn, man möchte rasch die Verdauung beschleunigen. Vor allem bei höheren Gain-Settings donnert der Amp sonst ehrfurchtgebietend los, wobei man den Sound mittels Presence gezielt nachschärfen kann. Okay, so straff und punktgenau wie Herbert oder D-Moll puncht der Neuling dann doch noch nicht. Er will aber auch gar kein Klon seiner großen, kompromisslosen Brüder sein.

Es geht nicht um maximale Härte, und der Spieler wird nicht bloßgestellt. So lässt sich der Power-Sound gleich wesentlich leichter handhaben. Leadlines haben viel Kraft und werden optimal unterstützt. Dennoch ist der Lil Fokker kein simpler Schönfärber oder gar ein Schmuse-Amp. Er bietet Diezels Sound- und Produktphilosophie aufs Wesentliche reduziert zum bezahlbaren Kurs und gleichzeitig beste Qualität – proudly made in Germany.

Meiner Meinung nach zeigt der Lil Fokker letztlich ganz eigene Qualitäten, die den Diezel-Sound sogar für Gitarristen attraktiv machen, denen die austrainierten Nobelmodelle zu extrem erscheinen. Die geschmackvolle, absolut gelungene Abstimmung der beiden Kanäle, die sich geradezu ideal ergänzen, macht einfach nur Spaß! Der angenehm bezahlbare Preis ist da nur die Zierkirsche auf dieser leckeren Sahnetorte. Insgesamt ein äußerst faires, um nicht zu sagen „heißes“ Angebot.

Mit der Kraft der Röhre: Der Lil Fokker schöpft seine Power aus vier KT-77-Endstufenröhren

Technische Daten & Wertung

Bauweise

Gitarren-Topteil in Vollröhrenbauweise

Röhren
5 x ECC83, 4 x KT-77
Leistung 100 W an 4, 8 oder 16 Ω
Kanäle 2
Regler & Schalter

(Pro Kanal) Gain, Volume, Bass, Mid, Treble;
(Master Sektion) Deep, Presence, Master 1 & 2; Standby, Power

Anschlüsse (Front) Input; (Rückseite) Effects Loop Send & Return (seriell), Footswitch, Speaker Outputs
(2 x 4/2 x 8/1 x 16 Ω)
Gewicht
23 kg
Maße (H x B x T)
742 x 280 x 280 mm
Besonderes

umschaltbare Master Volumes

Hergestellt in
Deutschland

 

Wertung:

+ herausragende Sound-Qualität und -Dynamik
+ charakterstark und doch flexibel
+ überzeugt leise und laut
+ schaltbare Master Volumes
+ klares Bedienkonzept
+ tolle Verarbeitung und Gesamt-Performance
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis


Preis (UVP): 1.590

Vertrieb: Diezel GmbH
Weitere Infos: http://diezel.typo3.inpublica.de/Lil-Fokker.36.0.html

 

 

 



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