Kontakt -  Heft -  Impressum -  Termine -  Newsletter 

Besuche unsere Facebook-Seite Folge uns auf Twitter Videos von MusicnStuff auf Youtube Folge uns auf G+ MusicnStuff auf myspace Besuche unsere Instagram-Seite

Test: Diezel Lil Fokker - Teil 1

Der macht einfach Spaß!

Diezels neuer Lil Fokker ist ein straight aufgebauter Vollröhrenamp, der puren Tube-Amp-Genuss auf höchstem Niveau bietet.


Der macht einfach ...

Wie man am richtigen Ende spart, zeigt der Lil Fokker aus der Werkstatt von Peter Diezel. Der brandneue, verblüffend bezahlbare Bolide verzichtet zwar auf einige luxuriöse Extras seiner großen Geschwister, nicht aber auf den legendären Diezel-Sound – und rockt damit gewaltig ab!

Man wird nicht einfach so zu einer weltweit anerkannten Größe im Amp-Business. Aber wenn es einer verdient hat, dann mit Sicherheit Peter Diezel. Zahllose Reparaturen und Amp-Modifikationen pflasterten den Weg des findigen Franken, bevor er Mitte der 1980er-Jahre mit seinem eigenen durchdachten Schaltungsdesign auftrumpfte. Doch erst, nachdem seine Amps in die Backline von Metallica Einzug gehalten hatten, wurde man weltweit so richtig auf ihn aufmerksam.

Mittlerweile reicht sein Renommee rund um den Globus, denn der Meister behält den Finger am Puls der Zeit: Nach seinem Erstwerk, dem komplexen VH-4, der (mehrfach upgedatet) noch immer in Produktion ist, erfüllte er die Wünsche „böser“ Buben und Mädchen; zunächst mit dem hart gesottenen Herbert-Head und später mit dem tief schürfenden D-Moll. Für den jüngsten Spross kombiniert Diezel nun diese Gene mit einer erstaunlich maßvollen Preisgestaltung.

Damit durchbricht der neueste „Dickschädel“, nonchalant Lil Fokker Head genannt, die Luxusgut-Preisschranke, um auch weniger Betuchten den düsengetriebenen Diezel-Sound zu offerieren. Hierfür mussten natürlich einige Ausstattungsmerkmale, die bei den kostspieligen Edel-Tops für maximalen Komfort sorgen, dem Rotstift zum Opfer fallen. Nicht gespart wurde allerdings bei der Qualität der Bauteile und der gewohnt hochwertigen Fertigung – „Made in Germany“ eben.


Jede Amp bei Diezel wird mit großer Sorgfalt und Hingabe gefertigt.

2 Kanäle x 2 Master Volumes = viel Sound!

Dabei ist der neue Diezel-Head definitiv kein One-Trick-Pony. Konzeptionell holt der „Li’l Fokker“ aus den reduzierten Features das Maximum heraus. Alles, was drin und dran ist, wurde für den jeweiligen Einsatzzweck optimiert. So gibt es zwar nur zwei separate Kanäle. Die sind dafür aber so abgestimmt, dass die gesamte Klangpalette von glasklar bis zur High-Gain-Abrissbirne zur Verfügung steht, ohne dazwischen irgendein Gain-Level auslassen zu müssen.

Beide Kanäle verfügen über je fünf Regler; für Gain, Volume, Treble, Middle und Bass. Kombiniert mit zwei schaltbaren Master-Volumes sowie den Potis für Presence und Deep in der Master-Sektion, bietet der Amp mit der blauen Frontplatte damit eine Fülle von Klangvarianten, die man dem schnörkellosen Konzept nicht unbedingt zutrauen würde. Natürlich kann die Umschaltung der Kanäle (wie auch der Master-Volumes) wahlweise manuell oder per Footswitch erfolgen, wobei letzterer Vorrang hat.

Der Doppelfußschalter wird freundlicherweise gleich mitgeliefert. Das stabile leicht pultförmige Metallgehäuse trägt zwei solide Schalter mit hellen LED-Anzeigen, die den Schaltzustand auch bei Bühnenlicht zweifelsfrei erkennen lassen. Das fest verbundene Anschlusskabel ist von praxisgerechter Länge, allerdings ein wenig störrisch beim Verlegen. Das ließe sich noch verbessern.

Beide Kanäle des Lil Fokker sind sehr straight angelegt – und trotzdem klanglich flexibel.

Die inneren Werte

Seine reichlichen Energiereserven bezieht das Röhrenkraftwerk aus fünf 12AX7-Vorstufenröhren (alle unter Schutzkappen) und vier selektierten KT-77-Pötten, denen man die Leistungsangabe von 100 Watt locker abkauft. Die kräftigen Trafos und der auch im Chassisinneren vorbildlich saubere Aufbau sind nicht nur eine Augenweide für den Technik-Freak, sondern lassen auf Langlebigkeit und souveräne Performance schließen. Selbst der harte Tour-Alltag sollte diesem Amp wenig anhaben können.

Selbstverständlich ist die Schaltung selbst beste Vollröhrentechnik, konsequent und makellos umgesetzt, wie man es von einem echten Diezel-Amp erwartet. Weder an der Stabilität der verwendeten Platinen noch an der Signalführung, noch an der Auswahl oder Befestigung der Bauteile gibt es auch nur das Geringste auszusetzen. Genau wie bei den großen Diezel-Brüdern. Der Preis des Lil Fokker mag auf die Mittelklasse abzielen, sein technischer Aufbau tut das nicht.

Das Gehäuse im robusten, genarbten Kunstlederbezug entspricht exakt dem des eisenharten Herbert. Lediglich auf der Rückseite entdeckt man nochmals den Rotstift. Statt einem Gitter schützt ein ebenfalls straff bezogener Spannplattenstreifen Röhren und Trafos vor Ungemach. Ein einfacher serieller Effektweg verrichtet zuverlässig seinen Dienst, zumindest solange die angeschlossene Peripherie gewisse Qualitätsstandards erfüllt.

Über den mitgelieferten Fußschalter kann man die Kanäle und Master Volumes wechseln.

Reichlich Anschluss

Nun, so viel sollte ohnehin klar sein: Wer an einen solch potenten Röhrenboliden Geräte von fragwürdiger Qualität anschließt, fährt wahrscheinlich auch runderneuerte Reifenreste aus der Sonderangebotskiste. Das ist nicht die allerbeste Idee, was sinngemäß auch für die anzuschließende(n) Lautsprecherbox(en) gilt. Dabei sollte man natürlich auf ausreichende Belastbarkeit achten, denn die Leistungsangabe des Tops ist durchaus ernst gemeint, glaubt mir!

Grundsätzlich passt so ein Fullsize Head ja am besten zu einer (oder auch zwei) klassischen 4-x-12“-Box(en). Allerdings konnte der Lil Fokker seine Fähigkeiten auch an einer kräftigen 2-x-12“er mit Eminence-Wizard-Bestückung eindrucksvoll unter Beweis stellen. Zwar sind auch kompaktere (hoch belastbare) Boxentypen denkbar, aber da wirkt der energiereiche Sound doch etwas gepresst. Und bei der Frage nach dem idealen Lautsprechertyp werden sich die Gelehrten eh wieder streiten.

Meister Diezel selbst verwendet, sicher nicht ohne Grund, gerne Celestions beliebten Vintage-30-Speaker, bevorzugt im massiven 4-x-12“-Gehäuse. Und gepaart mit so einer Heavy-Duty-Box klingt der Amp auch sehr gut, ausgewogen und durchsetzungsstark, keine Frage. Mir persönlich gefiel er allerdings noch besser mit einem etwas traditionelleren „Brüllwürfel“, mit Celestions G12M „Greenbacks“. Dann klingt das Ganze weniger modern, aber dafür noch markanter.

Bevor wir das vergessen: Die Rückseite bietet Speaker-Outputs für 1 x 16 Ohm, 2 x 8 Ohm und 2 x 4 Ohm. Die meistgewünschten Backline-Szenarien sollten damit also zu verwirklichen sein. Wie gesagt, ich kam meinen aktuellen Sound-Vorlieben mit der zuvor genannten „Greenback“-Box am nächsten. Allerdings bin ich maßvollen Umgang mit dem Master-Volume-Regler gewohnt. Wer auf maximale Schubkraft angewiesen ist, wird das wohl anders sehen.

Soweit schon mal zum Aufbau und den Features des Diezel Lil Fokker. Wie der Amp klingt und für wen er besonders interessant ist, erfährst du hier in Teil 2 dieses Tests.

Diezels Lil Fokker arbeitet am besten mit kräftigen großvolumigen Boxen zusammen.

Technische Daten & Wertung

Bauweise

Gitarren-Topteil in Vollröhrenbauweise

Röhren
5 x ECC83, 4 x KT-77
Leistung 100 W an 4, 8 oder 16 Ω
Kanäle 2
Regler & Schalter

(Pro Kanal) Gain, Volume, Bass, Mid, Treble;
(Master Sektion) Deep, Presence, Master 1 & 2; Standby, Power

Anschlüsse (Front) Input; (Rückseite) Effects Loop Send & Return (seriell), Footswitch, Speaker Outputs
(2 x 4/2 x 8/1 x 16 Ω)
Gewicht
23 kg
Maße (H x B x T)
742 x 280 x 280 mm
Besonderes

umschaltbare Master Volumes

Hergestellt in
Deutschland

 

Wertung:

+ herausragende Sound-Qualität und -Dynamik
+ charakterstark und doch flexibel
+ überzeugt leise und laut
+ schaltbare Master Volumes
+ klares Bedienkonzept
+ tolle Verarbeitung und Gesamt-Performance
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis


Preis (UVP): 1.590

Vertrieb: Diezel GmbH
Weitere Infos: http://diezel.typo3.inpublica.de/Lil-Fokker.36.0.html

 

 



Das könnte dich auch interessieren:





layout-domain.tmpl