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Test: Chapman Guitars Standard ML-1 Mahogany

Die greift hart durch

Du hast nur wenig Geld, brauchst aber eine solide Gitarre, die vielseitig ist und alles mitmacht? Wie wäre es mit der Chapman ML-1.


Die greift hart ...

Auch harte Rocker sind öfter mal knapp bei Kasse. Deshalb offeriert Chapman Guitars für erstaunlich kleines Geld die ML-1, eine moderne, rundum Gig-taugliche Axt mit einigen Signature-Features und echter „Heavy“-Attitüde. Und sie bietet überraschend vielseitige Klänge an.

Chapman Guitars ist hierzulande noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Rob „Monkey Lord“ Chapman, Namensgeber und Gallionsfigur des Unternehmens, jedoch könnte zumindest Internet-Usern von seinen launigen YouTube-Videos als Guitar Instructor und Produktpräsentator ein Begriff sein. 2009 bekam der umtriebige Rob vom britischen Instrumentenhersteller/Importeur Gould, deren Produkte er vorgeführt hatte, ein nicht ausschlagbares Angebot: Er sollte seine persönliche Signature-Gitarre konzipieren!

Dieses Instrument sollte dann in Korea in limitierter Stückzahl gebaut werden und anschließend, mit Rob als Zugpferd, in den UK auch regulär in den Handel kommen. Doch was – im Rahmen eines Produkt-Relaunches von Gould – zunächst nur als einzelnes Signature-Modell für den viel beschäftigten Rock-Musiker gedacht war, wurde kurz darauf zur eigenen Marke, eben „Chapman Guitars“. Und dabei hatte der stets gut gelaunte „Monkey Lord“ eine wirklich interessante Idee.

Statt sich in Sachen Design und Ausstattungsmerkmale seines Instruments nur von seinen Vorstellungen von der optimalen Gitarre leiten zu lassen, forderte er seine Fans auf seinem Monkey-Lord-Forum und per Video-Blog auf, eigene Ideen und Wünsche beizusteuern. Aus Hunderten von Zuschriften und seinen persönlichen Anforderungen wurde so letztlich die Gitarre destilliert, die heute als ML-1 (ML steht natürlich für „Monkey Lord“) zu haben ist.


Im Umfeld von Heavy-Equipment fühlt die Chapman Guitars ML-1 sich besonders wohl.

Typ mit Konturen

Mittlerweile sind einige Variationen mit unterschiedlichen Hölzern und auch noch weitere Modelle hinzugekommen; allesamt natürlich „Monkey Lord Approved“. Unser heutiges Testobjekt ist allerdings das Ur-Modell in der ersten Ausführung, die „Monkey Lord One“. Anfangs hatte Mr. Chapman noch mit einem mehr oder weniger konventionellen Design à la Strat geliebäugelt. Doch nach und nach verwandelte es sich, trotz deutlicher Anleihen beim Klassiker, allmählich in ein eigenständiges Instrument.

Die Konstruktion mit geschraubtem Ahornhals und den unterschiedlich langen Cutaways ist natürlich bekannt. Das Vorhandensein dreier Tonabnehmer sowie eines traditionellen Vibratosystems ohne Feinstimmer weist in dieselbe Richtung. Die Kopfplatte im Reversed-Look erinnert eher an eine Tele. Der Korpus besteht aus Mahagoni und ist von den Umrissen her etwas kleiner und schärfer konturiert als das große Vorbild. Diese Kombination erinnert mich spontan an eine Washburn MG90 von Mitte der 90er-Jahre.

Sei’s drum, diesen Style kennt man als sogenannte „Superstrats“ à la Jackson/Charvel oder Ibanez usw. Dazu passt auch die ergonomisch verrundete Halsverbindung mit vier einzeln in Einschlaggewinden versenkten Schrauben. Das erleichtert das Bespielen hoher Lagen, da der Greifhand kein rechteckiger Halsblock samt Konterplatte im Wege steht. Ohnehin ist das griffige Halsformat, das sich einerseits kräftig und stabil und gleichzeitig shred-freundlich anfühlt, ein echtes Highlight der ML-1.

In den tiefen Lagen ist der Halsquerschnitt eine gelungene Mischung aus flacher ‚D’- und ‚U’-Form, bietet also eine gesunde Dicke mit ausgeprägteren „Schultern“. Dabei hat man das Profil intensiv verrundet, damit das Ganze nicht etwa kastenförmig wirkt. Das Ergebnis ist ein echter Wohlfühlhals, der Highspeed-Fans ebenso entgegenkommt wie Traditionalisten, die gerne kräftiger zupacken. Well done, indeed, Mr. Chapman!

Nicht von der „leichten“ Optik täuschen lassen, unser Testmodell ist ein echter Schwergewichts-Champion! Die Les-Paul-typische 4kg-Grenze unterschreitet sie nur ganz knapp. Und, wie man den Einträgen auf dem Chapman-Forum entnehmen kann, ist das durchaus kein Einzelfall. Der deutsche Vertrieb versichert uns, dass das allerdings nicht bei jedem Instrument so ist, es gibt hier wohl große Schwankungen. Wer also ein eher leichtes Exemplar möchte, muss diese gezielt auswählen. Das hohe Gewicht plus eine Tendenz zur Kopflastigkeit führen zu einem Punktabzug bei der Testgitarre.

So ist es kein reines Vergnügen, sich die ML-1 für längere Zeit umzuhängen. Zudem erweist sich die Balance als ungünstig, da sich der Hals partout in der Waagrechten einpendeln will. Und das, obwohl der Korpus schon am Gurt zerrt. Das kann auch nicht allein auf das Konto des – zugegebener Maßen – ziemlich kräftig dimensionierten Ebenholzgriffbretts gehen. Das bedeutet im Umkehrschluss, der so angenehm und locker bespielbare Hals, äußerlich beileibe kein Vintage-Prügel, muss aus ebenso schwerem Holz gefräst sein wie der schön gestreifte Mahagonikorpus. Sustain-Gewinn ja, aber derlei massive Körperlichkeit bringt eben auch gewisse Nachteile mit sich.

Lieber Mr. Chapman, ich hätte da noch zwei Ideen für das Produktsortiment. Wie wär’s mit einer Thinline-Variante mit „Body Chambering“ für die zahlreicher werdenden rückengeplagten Gitarristen? Und dann noch ein heißer Tipp für die Hardcore-Fans, die ausgehöhlte Gitarrenbodys ehrenrührig finden: „Chapman Padded Guitar Straps“ ... Das wäre doch mal sinnvolles Zubehör, oder?

Mit ihrer Pickupauswahl und den Schaltmöglichkeiten bietet die ML-1 Mahagony verschiedenste Sounds an.

Stimmige Ausstattung

Doch zurück zum Testobjekt: Die Hardware kann in dieser Preisklasse natürlich kein Highend-Niveau für sich beanspruchen. Sie funktioniert aber tadellos und gibt keinen Grund zur Beanstandung. Die Mechaniken laufen ordentlich, stabil und gleichmäßig. Nichts hakt oder wackelt. Auch der Sattel aus knochenähnlichem Tusq ist korrekt gekerbt. Die selbst schmierenden Eigenschaften dieses synthetischen Materials gewährleisten einen reibungsarmen Betrieb beim Spielen und auch beim Stimmvorgang.

Zumindest bei artgerechter Nutzung hält das hier verbaute, ungewohnt massige Vintage-Type-Vibrato aus dem Hause Wilkinson (Typ WVPCR) einigermaßen zuverlässig die Stimmung. Für maximale Schwingungsübertragung ist es so montiert, dass es in Ruhelage auf dem Korpus aufliegt. Soweit alles bestens. Nur leider machen die aufgrund der parallel nach hinten versetzten Kopfplatte für den korrekten Sattelandruck der Saiten erforderlichen String Trees die Stimmstabilität teilweise wieder zunichte.

Für extreme Whammy-Action ist das Ganze folglich eher ungeeignet. Wer darauf nicht verzichten mag, sollte sich die ML-1 „Hot Rod“ oder „Norseman“ aus der preislich etwas höher angesiedelten Hot-Rod-Serie ansehen. Diese sind mit einem lizensierten Floyd-Rose-Vibrato bestückt. Toggleswitch und Potis arbeiten jedenfalls unerwartet solide. Letztere sind nicht unbedingt leichtgängig, dafür agieren sie sehr schön gleichmäßig, was in dieser und selbst in höheren Preislagen nicht selbstverständlich ist.

Interessant ist die Schaltung der drei Pickups. Zunächst wählt man über den Toggleswitch den Hals-Single-Coil oder den Steg-Humbucker und in Mittelstellung beide gemeinsam an. Jedem dieser Settings kann man durch Zug am Tone-Poti dann noch den mittleren Singlecoil zuschalten, wobei gleichzeitig die äußere Spule des Humbuckers deaktiviert wird. Daraus ergeben sich dann die deutlich leiseren und transparenteren Kombinationen Hals + Mitte, alle drei PUs und Mitte + Steg.


Einer der großen Pluspunkte der Chapman sind die tollen Hölzer.

Schluss mit luftig

Schon im akustischen Check erweist sich dieses Chapman-Modell als eigensinniger Charakterkopf. Denn was da raus kommt, macht so überhaupt keine Anstalten, irgendwelche Erwartungen an das äußerlich doch recht konventionelle Design zu erfüllen. Das extrem schwere Korpusholz sorgt dafür, dass die Töne sich ungemein satt und wuchtig, wenngleich etwas zäh entwickeln. Dafür klingen sie allerdings auch dermaßen fett und Sustain-reich, als hätte man einen Kompressor zugeschaltet.

Der kräftige, dabei äußerst wohlgeformte Ahornhals fokussiert diese Sound-Wucht zusätzlich. Er liegt satt in der Hand und fordert einen geradezu auf beherzter zuzufassen. Der mit Bedacht gewählte Querschnitt, die naturnah belassene Halsrückseite und die kräftigen Bünde eignen sich aber auch als Grundlage für gepflegtes „Fretburning“. Im Trockendock dominiert damit ein extrem dichter und knalliger Ton, nicht unbedingt filigran, aber sehr stabil mit extrasattem Sustain.

Ganz ähnlich präsentiert sich die ML-1 am cleanen Amp. Zwar ist ihr Ton straff mit ordentlich Draht, wirkt aber auch ein wenig hart und unterkühlt. Die Single Coils lassen zwar den typischen Attack dieser Tonabnehmergattung erkennen, wirken in dem schweren Instrument aber nicht luftig brillant, sondern eher dicht und „nass“. Nicht direkt eindimensional, nur eben wenig komplex in der Darstellung des gespielten Tons. Nun, wenigstens ihre Schaltung macht die ML-1 flexibler.

Allerdings tönen die Single-Coil-Settings wenig traditionell. Klassisches Einspuler-Ambiente erhält man am ehesten bei gezogenem Tone-Poti. Da verschlankt sich das fundamentbetonte Klangbild deutlich und macht Platz für transparente Effekt-Arpeggien und „nasse“ Funk-Licks. Trotz Schraubhalskonstruktion und arttypischer Pickup-Bestückung klingt das Instrument dennoch nicht spritzig und eloquent, sondern eher knallig und ungehobelt. Kurz, das verlangt einfach nach mehr Gain!

Nur gut mit dem Monkey Lord – Rob Chapman weiß eben genau, was er will.

Ready to rumble

Ja, das isses – die ML-1 will rocken, je fester, desto lieber! Dabei stellt man rasch fest, dass man hier mit den gewohnten Amp Settings nicht allzu weit kommt. Erst nach teilweise extremen Änderungen an der Klangregelung (Bässe und Höhen anheben, Mitten ganz raus, Presence auf Maximum) zeigt die Gitarre, dass sie nicht nur prügeln kann, sondern durchaus eine gewisse klangliche Bandbreite zu bieten hat.

Stellt man tüchtig Gain am Amp oder Pedal ein, lässt sich der Sound prima nur mit den Schaltoptionen der Tonabnehmer formen, ganz ohne Kanalumschaltung. Die Palette reicht von scharf und drückend (Neck), über hohlwangig (alle drei PUs) bis zu extra fett (Steg). Der „Guitarnivore“-Humbucker mit seinem Old-School-„Raaawk“-Sound ist allerdings nichts für Feingeister. Er poltert mit der Wucht eines hungrigen T-Rex durchs Sound-Gestrüpp. Daher wohl seine Bezeichnung („Carnivore“ – engl. Raubtier) ...

Da kann man sich das Wah-Pedal oder den Midboost-EQ direkt sparen. Rumpelnde Riffs und sengende Leads klingen gemein, groß und wuchtig (irgendwo zwischen Iommi, Wylde und Michael Schenker) und halten sich nicht mit „unnötigen“ Feinheiten auf. Anders gesagt, wer diese Gitarre im Proberaum auspackt, macht eine klare Ansage: Keine Gefangenen! Ein Schock für feinsinnige Vintage-Fans und sensible Gemüter, ein Fest für krachlederne Rocker, die auf Bikes und Nietengürtel stehen.

Und falls der matt griffige Teak-Schrank-Look zu öko-mäßig erscheinen sollte, es gibt sie natürlich auch in sinisterem Schwarz. Übrigens, ein klassisch britisches Top in der Tradition eines JCM800, Laney oder Orange plus 4x12"-Box(en) setzt den rüpelhaften Charme unseres Testobjekts am besten in Szene. Tweed-Combos bleiben besser eh außen vor. Aber auch moderne Highgain-Spezialisten kommen nur bedingt mit der urwüchsigen Art der ML-1 klar. Da wird der Sound schnell matschig und undifferenziert.

Dank ihrer ungewöhnlichen Schaltung liefert die ML-1 Mahagony nicht die gewohnten Standardsounds.

Getarntes Trainingsgerät

Ein griffiger, ultrastabiler und optimal manövrierbarer Hals wurde hier mit schnittigen Korpuskonturen und einer variablen Tonabnehmerschaltung kombiniert, die insbesondere im Distortion-Bereich punkten kann. Eigentlich haben wir es hier jedoch mit einem schweren Räumgerät zu tun, das sich nur als moderne Highspeed-Axt im vermeintlich schlanken Super-Strat-Style tarnt. So eignet sich die ML-1 gleichermaßen als Hantelersatz für den fitnessbewussten Hardrocker.

Nicht minder „heavy“ sind dann auch die Klangresultate, wobei sie jedoch für straffe NuMetal- oder Industrial-Riffs nicht präzise genug erscheinen. Wer die üppige Sound-Wucht hingegen auf die Spitze treiben will, sollte dickere Saiten aufziehen und runterstimmen. Riffgewitter, Power in Hülle und Fülle, dazu eine effektive Auswahl unterschiedlicher Klang-Presets Dank der schnellen Tonabnehmerschaltung! Wie meinte doch mein Bandkollege in der Probe gereizt: „Spiel ich jetzt hier Bass oder du?“

Insgesamt bewährt sich diese Chapman-Gitarre also weniger als wendiger Allrounder, denn als Spezialgerät für Deftiges und Heftiges. Für Stoner, Doom-Riffer oder Solo-Piloten alter Schule, die ihre Planken gerne in der Waagrechten postieren, ist sie die passende Kampfaxt. Und im Falle einer Saalschlacht kann man sich damit sicherlich ebenso seiner Haut erwehren. Zumindest, falls man Arm- und Schultermuskeln vorher ausreichend trainiert hat. ☺

Schon richtig cool, was für tolle Hölzer und Hardware man hier für sein Geld bekommt.

Fazit, technische Daten und Wertung

Was bleibt hängen? Klare Sache, wer auf klassische Gitarrensounds und Modelle von der Stange steht – was ja nichts schlechtes ist – der ist hier falsch aufgehoben. Die Chapman Guitars ML-1 Mahagony sieht recht traditionell aus, liefert aber komplett eigenständige Sounds und ein anderes Spielgefühl, als man es erwarten würde. Deshalb ist das Modell sicher nicht jedermanns Sache, wird dafür aber sicher ihre Fans finden, die sie umso mehr lieben werden. Kopien der Klassiker gibt es ja schon mehr als genug, oder?

 

Typ hart rockendes Arbeitspferd
Bauweise
Solidbody im ST-Style
Korpus
Mahagoni
Hals
Ahorn, dreistreifig, geschraubt (C-Querschnitt)
Griffbrett
Ebenholz (13.8"-Radius), 22 Extra-Jumbo Frets
Mensur 648 mm
Halsbreite (Sattel)/12. Bund 42,5 mm / 53 mm
Halsdicke 1. Bund/12. Bund 19 mm / 21 mm
Mechaniken Gotoh, gekapselt (M6-Style)
Sattel Tusq
Steg
Wilkinson WVPCR Vibrato (verchromt), aufliegend montiert
Tonabnehmer

2x Chapman Guitars „Extreme Victory“ Single Coil (Hals und Mitte), 1x Chapman Guitars „Guitarnivore“ Humbucker (Steg)

Kontrollfeld

Master-Volume und -Tone, Dreiwegschalter, Humbucker-Split und Middle-Pickup On-/Off-Switch (Push-Pull-Funktion im Tone-Poti)

Hardware-Finish Schwarz
Gewicht rund 3,95 kg
Besonderheiten Schaltung, abgerundete Hals/Korpusverbindung, Gigbag
Hergestellt in Korea

 

Wertung:
+ Powerplay-Sounds
+ Halsformat und Bespielbarkeit
+ schnelle Tonabnehmerschaltung
+ schnörkelloser Look
+ solide Hardware
+ hochklassige Verarbeitung
+ tolles Preis-Leistungs-Verhältnis
- recht hohes Gewicht
- Stimmstabilität

Preis (UVP): 539 €

Anbieter: Thomann
Weitere Infos: Chapman Guitars



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