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Test: Blackstar Artist 30 Combo

Cooking with Classics

Tolle Clean- und Crunch-Sounds? US- und Britisch-Style? Der neue Blackstar Artist 30 Combo schafft den Spagat spielerisch.


Cooking with ...

Unverhofft kommt oft! Hatte man in jüngster Zeit zunehmend den Eindruck, Blackstar hätte sich nun auch mit Haut und Haaren dem Hartmetallgenre verschrieben, kommt mit der neuen „Artist“-Serie endlich wieder frischer Wind in die Retro-Abteilung. Wir bekamen den „großen“ 30-Watt-2-x-12"-Combo zum Test.

Da hat wohl jemand den Boutique-Amp-Markt im Blick. Auf den ersten Blick erscheint der Blackstar „Artist 30“ äußerst zurückhaltend in seiner unauffälligen schwarzen, dabei edlen Erscheinung. Aber natürlich gehört das typisch britische Understatement hier im doppelten Sinne des Wortes zum guten Ton. Die neue „Artist“-Reihe beweist, dass es nicht immer „entweder - oder“ heißen muss, sondern vereint scheinbare Gegensätze.

Die klassische Vollröhrenschaltung sucht in Sachen Sound nämlich den transatlantischen Brückenschlag zwischen England und Kalifornien. Zugegeben, diese Idee erscheint nicht unbedingt revolutionär. Betrachtet man die Evolution der Amp-Technologie näher, stellt man ohnehin rasch fest, dass sich im Grunde alle Neuentwicklungen auf beiden Seiten des Atlantiks, mehr oder weniger deutlich, auf bereits bestehende Konzepte berufen. Wirklich Neues entsteht dabei allerdings eher selten.

Viele Hersteller ahmen minutiös alt bekannte Schaltungsdesigns nach und setzen eben lieber auf das Bewährte. Andere versuchen das Konzept eines Klassikers zu optimieren beziehungsweise maximal auszureizen. Doch nur einige wenige Entwickler gehen den entscheidenden Schritt weiter und mixen gezielt verschiedene Designs miteinander, um bislang ungehörte Klangfarben zu generieren. Blackstars neue „Artist“-Amps gehören zu dieser besonderen Kategorie.

Freilich sieht man ihnen das auf Anhieb gar nicht an. Der unspektakuläre Look erinnert stark an die Vintage inspirierte „Artisan“-Serie, mit der sich der Hersteller vor einigen Jahren erstmals als ernst zu nehmender Konkurrent neben seit Jahrzehnten bekannten Firmen etablieren konnte. Dabei war das Schaltungslayout der „Artisans“ allerdings noch ziemlich eindeutig dem Handbuch britischer Amp-Baukunst entlehnt.


Das Bedienfeld des Blackstar Artist 30 ist angenehm aufgeräumt. Dennoch ist man klanglich sehr flexibel.

Eigene Mixtur

Die Neuen hingegen sind eher zeitgemäße Interpretationen des Themas, was schon die Ausstattung verrät: Zwei unabhängige, umschaltbare Kanäle, Master Volume für die Gesamtlautstärke, Effektweg und DI-Out. Auch ist die Schaltung nicht „hand-wired“, sondern in Platinentechnik aufgebaut. Dies jedoch sauber und penibel, wie von Blackstar gewohnt. Damit lassen sich die Preise, trotz erweiterter Features, ungleich moderater gestalten als bei einer lohnkostenintensiven Point-to-Point-Verdrahtung.

Bemerkenswerterweise bestückt Blackstar die „Artist“-Endstufen mit 6L6-Röhren, die ja nicht gerade zum typisch britischen Technikinventar gehören. Deren genetischen Fingerabdruck kennt man vielmehr von US-Klassikern, wie Fenders „Twin“, „Bandmaster“ oder „Dual Showman“. Verstärkerboliden, die allesamt für maximalen Headroom und stabile Dynamikumsetzung bis in höchste Lautstärkebereiche berühmt und berüchtigt sind.

Laut Herstelleraussage wollte man die „Artist“-Reihe mit den leistungsstarken US-Pentoden flexibler einsetzbar machen, ohne sie zu überfrachten oder die Qualitäten des grundsätzlich immer noch recht puristischen Ansatzes allzu sehr zu verwässern. Während die Overdrive-Abteilung weiterhin britisch raue Sound-Tugenden pflegen darf, soll die Clean-Sektion nun auch kultiviert Kalifornisches offerieren. Klänge also, für die man sonst eher zu „Tweed“ oder „Blackface“-Designs greifen würde.

Des Weiteren hat man sich zum Ziel gesetzt, die Kraft und Klangfülle der vor allem im unteren Drehzahlbereich häufig etwas nüchternen 6L6-Röhren mit der geschmeidigen, saftigen Wiedergabe einer britischen Class-A-Endstufe (à la Vox) zu kombinieren. Ein „großer“ Cleansound und ein besonders „smoothes“ Sättigungsverhalten unter einer Haube? Nun, ob und inwiefern das gelungen ist, erfahren wir spätestens im Sound-Kapitel. Zuvor sehen wir uns das neue Cockpit an.

Der Clean-Kanal ist recht spartanisch und fordert den Spieler dazu heraus, seinen Sound mit Gitarre und Spielweise zu formen.

Kriegt man geregelt

Der Clean-Channel gibt sich schnörkellos: ein Volume-, ein Tone-Poti, fertig. Allerdings darf man in der Master-Sektion noch etwas Reverb zumischen. Der digitale Halleffekt, dessen Höhenwiedergabe man mit dem Schalter „Dark/Light“ beeinflussen kann, ist fernschaltbar, wie die Kanalwahl, der serielle Effektweg leider nicht. Immerhin wird ein passender Doppelfußschalter mitgeliefert, dessen Metallgehäuse schön stabil und mit massiven Tastern sowie hell leuchtenden LEDs bestückt ist.

Nur das fest verbundene Kabel irritiert. Es wirkt zwar hinreichend strapazierfähig, erweist sich aber beim Verlegen als ziemlich störrisch. Und mit seinen knapp vier Metern Gesamtlänge ist es leider nicht lang genug, um es komplett außerhalb der begehbaren „Gefahrenzone“ zu verlegen. Aber austauschen geht hier nicht so einfach. Also, nicht drüber stolpern! Na gut, für die meisten Anforderungen, sprich Proberaum bis Club-Gig, dürfte es locker ausreichen.

Apropos Gig, natürlich würde man sich über eine passende Transporthülle freuen, damit der schicke Combo möglichst lange so ansehnlich bleibt. Vielleicht entscheidet sich der Hersteller ja noch dazu, optional eine anzubieten. Jetzt aber Schluss mit spartanisch – Vorhang auf für Channel 2! Der erscheint mit Gain-Poti, Dreiband-EQ und ISF-Control im Vergleich zum ersten Kanal schon beinahe luxuriös bestückt.

Das firmeneigene „Infinite Shape Feature“ liefert mit einem Dreh eine eher US-amerikanische oder typisch britische Frequenzkurve. Links herum werden Bässe und Brillanz geboostet und Tiefmitten ausgesiebt. Dreht man rechts herum werden eben diese satt drückenden Mittenbereiche betont. So bleiben die Regler für Bass, Mid und Treble frei für klangliches Finetuning beziehungsweise die Anpassung an die angeschlossene Gitarre.

Kanal 2 bietet reichlich Möglichkeiten, den Sound tiefgreifend an die eigenen Vorstellungen anzupassen.

Der Drive-Channel

Spätestens im zweiten Kanal hört man dem Combo deutlich an, aus welchem Stall er kommt. Mit gesundem Punch und kräftigem Biss werden klar und selbstbewusst Sound-Tugenden heraus gestellt, die man definitiv unter UK-Style einordnen darf. Gut so, waren es doch genau diese Qualitäten, mit denen sich Blackstar seinen Platz auf dem Markt erobert hat. Grundsätzlich hart, aber herzlich abgestimmt, wird der Spieler trotzdem nicht bloß gestellt. Richtig gemein wird der „Artist“ also nicht.

Ein angenehm druckvoller Sound mit leicht raubeinigem Charme, der sich grundsätzlich in vielen Genres wohlfühlt, ist hier zu haben. Entfernt erinnert das an den kultisch verehrten AC30, tönt aber fülliger und breiter. Da scheint auch noch ein Schuss „Bluesbreaker“ mit drin zu sein, wobei dem „Artist“ dessen kantige Klangkomponente abgeht. Die Gain-Reserven sind moderat, bedienen aber traditionellen Blues- bis Hardrock-Style mit dynamischen und vor allem charakterstarken Sound-Varianten.

Trotz seines unverkennbar herben Akzents erweist sich der neue Blackstar als gutmütiger Kumpeltyp. Man sollte schon sauber und bewusst spielen, um gut zu klingen, klar. Andererseits kriegt man auch nicht jeden kleinen Spielfehler gnadenlos um die Ohren gehauen. Da gibt es ganz andere Kaliber, die geradezu darauf lauern, einem gewissermaßen die Hosen runterzulassen. Im Vergleich dazu gibt sich dieser Drive-Kanal richtig gesittet und angenehm. Aber noch einmal zurück zu Kollege Saubermann ...

Das Panel auf der Rückseite bietet Reichlich Möglichkeiten, ist aber leider recht schwer zugänglich.

Alles Clean, oder was?

Der Clean-Kanal klingt bemerkenswert frisch, gleichzeitig satt und rund. Eine äußerst willkommene, unerwartet geschmeidige Ergänzung des Blackstar-Sortiments! Da macht sich das neue Endstufenkonzept positiv bemerkbar. Dazu noch eine Prise des schepperfreien Halleffektes, und der Gitarren-Sound erklingt glatt in 3D! Dreht man Volume auf, wird der Sound immer kräftiger und voller, bis man schließlich, abhängig von der verwendeten Gitarre und dem Pickup-Typ, einen Hauch von Übersteuerung erhält.

Mit einer Semiacoustic bewaffnet machen kernige Rockabilly- oder leicht angeraute Britpop-Settings großen Spaß, die nahtlos in dynamische Blues-Licks übergehen. Bis man am Anschlag des Volume-Potis die passende Obertonkörnung für knackigen Country-Rock oder Indie-Geschrammel erhält. So lange die Endstufe allerdings nicht mit ins Geschehen eingreift, bleibt der Kanal seiner Bezeichnung weitgehend treu und das Klangbild noch ein wenig flach.

Bemüht man den Master-Volume-Regler, gewinnt der Klang spürbar an Tiefe und Räumlichkeit. Dabei kann der „Artist 30“ mit seinen beiden Celestion „V-Type“-Zwölfzöllern durchaus laut und in einem engen Club auch mal ein wenig rabiat wirken. Aber er bleibt mit seiner insgesamt doch gemütlich gestimmten 30-Watt-Endstufe weit entfernt von der Abrissbirnenattitüde, die mancher 6L6-Klassiker an den Tag legen kann. Und mal ehrlich: Wann braucht man heute noch solche gnadenlosen Power-Aggregate?

Wer nicht gerade Hallen- oder Open-Air-Gigs ohne PA bestreiten will, ist mit dem „Artist“-Konzept viel besser bedient. Schließlich bietet der Combo nicht nur ein solides Sound-Fundament für den Puristen, der sich alles Weitere mit Gitarre und Volume-Poti erarbeitet, sondern ebenso für den Generalisten, der mit leichtem Gepäck unterwegs ist. Wer mehr Variabilität und Gain braucht, stöpselt halt einfach ein Pedalboard davor – und ab geht die Post!

Die beiden 12"-Speaker sind hinter einem soliden Gitter verborgen.

Kontaktfreudiger Typ

Nun bewahrheitet sich auch die vom Hersteller angekündigte Flexibilität des Konzeptes. Die britische Vor- und die amerikanische Endstufe vereinen tatsächlich zwei Amp-Charaktere in einem Gehäuse. Und das funktioniert in der Praxis bemerkenswert gut. Ob seidig weicher Handschuh-Jazz, Power-Pop oder derber Alternative-Rock angesagt ist, der „Artist 30“ wird‘s schon richten. Auf diesen Partner ist Verlass.

Überhaupt ist der Amp nicht sonderlich wählerisch bei der Partnerwahl. Ob dicke Hollowbody oder schnittige Flying V, er kann sich anpassen. Zudem verträgt er sich mit allen gängigen Gain-Prothesen, vom klassischen Treble Booster oder dem braven „TS-Overdrive“ über böse Metal-Distortion bis zum sägenden Silikon-Fuzz. Raum- und Modulationseffekte sind natürlich am besten vor dem Clean Channel oder gleich in der Effektschleife aufgehoben. Man kann den Entwicklern von Blackstar zweifellos attestieren, dass sie den Artist 30 äußerst gut auf den Einsatz von extrenen Effekten vorbereitet haben. Gut so, denn der Trend zu Pedalen ist ungebrochen, und gerade bei so einem doch recht straighten Verstärker werden viele Spieler die Klangpalette mit Effekten erweitern wollen.

Dazu passend lässt sich die Effektschleife, Dank umschaltbarem Pegel, problemlos auf unterschiedliche Effektgeräte einstellen. Ein altes analoges Boss „Chorus Ensemble“ oder ein MXR Phaser arbeiten hier ebenso gut wie ein modernes Strymon-Pedal oder ein 19"-Prozessor von Eventide. So macht das Freude! Effektgerät-Fetischisten, die Pink Floyd, U2 oder Muse nacheifern möchten, werden sich womöglich vor Begeisterung gleich noch einen zweiten „Artist“ für den Stereobetrieb dazustellen.

Ein Breitwand-Set-up ließe sich aber auch kompakter realisieren: Mit dem Blackstar „Artist 15“ böte sich hierfür der kaum abgespeckte kleinere Bruder unseres Testgerätes an. Aber noch mal zurück zum Ausgangspunkt: Ein „Artist 30“ kann durchaus für sich alleine bestehen, solange man eben kein Super-Mega-Highgain oder extreme Klangfarben braucht. So weit alles bestens, aber einen dicken Minuspunkt fährt sich der neue Blackstar dann doch noch ein.

Leider befinden sich alle Schalter und Anschlüsse für Fußschalter, externe Lautsprecher, FX-Loop samt Level-Switch sowie die Buchse für den durchaus überzeugend klingenden „Speaker Emulated Output“ eingerückt auf der Unterseite des Verstärkerchassis. Also komplett außer Sichtweite des Spielers, es sei den, man legt den Combo auf die Frontbespannung oder stellt ihn auf den Kopf! Und wer möchte im eh schon hektischen Bühnenbetrieb auf der Amp-Rückseite im Blindflug nach der richtigen Buchse oder einem Schalter tasten?

Der Blackstar Artist 30 klingt nicht nur klasse, er sieht auch richtig elegant und lecker aus.

Fazit, technische Daten & Wertung

Sei es drum. Davon abgesehen liefert der neue Blackstar eine rundum überzeugende Vorstellung ab. Quer durch alle Genres kann das nur scheinbare Retro-Konzept satt auftrumpfen. Sicher, den speziellen Anforderungen von Industrial- und Thrashmetal-Fans kann und will dieser Amp nicht genügen. Alle übrigen Gitarristen mit Sinn für guten Ton, die einen charaktervollen Vollröhren-Amp suchen, sollten den „Artist 30“ unbedingt einem persönlichen Testlauf unterziehen.

Bauweise Gitarren-Combo, Vollröhrenschaltung
Röhren
2x ECC83, 2x 6L6
Leistung
30 W an 8 Ω oder 16 Ω
Kanäle
2
Anschlüsse
(Oberseite) Input; (Unterseite) Effects Loop Send & Return, Speaker Emulated Output, 3x Speaker Outputs (1x 16, 1x 8 oder 2x 16 Ohm)
Regler & Schalter (Oberseite): Channel 1 Volume & Tone, CH Select, Channel 2 Gain, Volume, Bass, Mid, Treble, ISF; Reverb Level, Master Volume; Standby, Power(Unterseite.): Reverb (Dark/Light), Loop-Level (+4 / -10 dB), Footswitch
Lautsprecher 2x Celestion 12" V-Type
Gewicht 22,5 kg
Maße (HxBxT) 540 x 690 x 260 mm
Zubehör Netzkabel, FS-8 Doppelfußschalter (für Channel und Reverb)
Besonderes
ISF-Control, digitaler Halleffekt, frequenzkorrigierter DI-Out
Hergestellt in

China

 

Wertung:
+ Sound und Dynamik (clean und verzerrt)
+ eigenständiger Klangcharakter
+ flexibles Retrokonzept
+ satte Leistung und Durchsetzungskraft
+ sehr saubere Verarbeitung
+ gut tragbares Format und Gewicht
- Zugang zu den rückseitigen Bedienelementen
- FX-Loop-Status nicht fernschaltbar

Preis (UVP): 1.427 €

Vertrieb: Sound Service
Info: Blackstar im Netz

 

 



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