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Specials: Bandrecording – Guitars

Saitenklang

Gitarre und Bass kommen in fast jedem Genre zum Einsatz. Genau deswegen sollte jeder Techniker deren Signale optimal einfangen können.


Saitenklang

In so gut wie jeder handgemachten Musik ertönen Saiteninstrumente. Besonders Bass und Gitarre stechen dabei hervor. Um deren Töne für Aufnahmen optimal einzufangen, bedarf es einer durchdachten Herangehensweise.

So gut wie jede Rock-, Pop- und Metal-Band bedient sich akustischer und elektrisch verstärkter Saiteninstrumente – auch wenn sie nicht immer deutlich zu hören sind. Genau aus diesem Grund ist es wichtig, sich als Tontechniker Gedanken um das Recording von Bass und Gitarre zu machen. Dabei ist es nicht nur ausschlaggebend, das Signal gut auf Band zu bringen, sondern es auch im richtigen Kontext der Musik zu behandeln. Das heißt vor allem, dass die Instrumente miteinander in der Mischung harmonieren und funktionieren müssen – nur weil sie alleine perfekt tönen, heißt es nicht, sie würden es auch im Mix.

In der Regel wird diese Recording-Reihenfolge bei Saiteninstrumenten eingehalten: Bass, Rhythmus-Gitarren (elektrisch), Akustikgitarren, Lead-Gitarren (elektrisch) und Solo-Gitarre (elektrisch). Der Bass kommt als erstes dran, da er durch die dicken Saiten die Stimmung länger hält als Gitarren. Stellst du nach bereits eingespielten Gitarren fest, dass das Tuning schwankt, obwohl der Bass richtig gestimmt ist, hast du ein Problem. Dann hilft nur noch alles neu aufnehmen, den Bass immer wieder verstimmen oder entsprechend pitchen.

Apropos Stimmung: Es ist ein leidiges Thema, aber im Prinzip gehört das Instrument nach jedem Song neu gestimmt – am besten immer nach jedem Take. Zwar könnte man meinen, dass sich die Saiten während des Spielens gleichmäßig verstimmen – und das mag in machen Fällen auch so sein –, doch spätestens wenn noch optimal getunte Keyboardsounds darüber ertönen, klingt es unter Umständen schief. Vor allem als Techniker bist du dafür verantwortlich, dass alle Töne so perfekt wie möglich eingefangen werden. Erinnere deine Musiker deswegen immer an das Stimmgerät und lass sie unsauber gespielte Passagen neu einspielen.

Musiker sind nicht immer zuverlässig – sogar wenn es ums eigene Equipment geht. Hat nun der Künstler am Tag der Aufnahme – der in unserem Beispiel zufälligerweise Sonntag ist – keine neuen Batterien für seine aktiven Tonabnehmer dabei, ist die Verzweiflung groß. Halte darum ausnahmslos alle nötigen Tools bereit, die der Gitarrist oder Bassist benötigt. Darunter fallen unter anderem noch Instrumentenkabel, Stimmgeräte, Plektren und sogar Saiten.


Wenn der Gitarrist im Aufnahmeraum performen möchte, sollte er sich hinter dem Amp befinden – dort ist die Lautstärke nicht so hoch wie vor der Box, außerdem kommt es nicht so schnell zu Rückkopplungen.

Räumlichkeit

Bevor es nun an die Aufnahmen geht, gilt es erst zu klären, wie und wo der Musiker aufnehmen möchte. Das heißt vor allem, in welchem Raum der Instrumentalist steht und seine Performance abliefert. Dabei gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Entweder steht er im Aufnahmeraum oder in der Regie. Beide Optionen halten einige Vor- und Nachteile bereit, die schon im Vorfeld zu besprechen sind, damit es später nicht zu Komplikationen kommt.

Steht der Musiker im Aufnahmeraum, muss bedingt durch die hohe Lautstärke der Amps der Kopfhörerverstärker weit aufgedreht werden. Das umgehst du aber, indem du die Box vom Instrumentalisten wegstrahlen lässt. Am besten ist es, der Musiker steht im größtmöglichen Abstand hinter der Box. Zumindest hohe Frequenzen sind dort nicht so laut wahrzunehmen, als wenn man in der direkten Abstrahlrichtung steht. Außerdem braucht der Musiker im Aufnahmeraum unbedingt ein eigenes Mikrofon, das nur der Kommunikation mit dem Techniker dient.

Einfacher lässt es sich kommunizieren, wenn der Künstler in der Regie aufnimmt. Auch das Lautstärkenproblem ist hierin nicht gegeben. Allerdings kann es dich als Techniker nerven, wenn du beispielsweise die Gitarrenspur während des Playbacks EQen möchtest, sie solo schaltest und genau in diesem Zuge schon der Musiker meckert, dass er nur sich selbst hören kann. Entweder erklärst du ihm dann, dass das jetzt für einen guten Sound notwendig ist, oder – noch besser – du weist ihn schon vor dem Einspielen darauf hin, dass für die Klangregelung die Spur alleine ertönen muss.

Zusätzlich besteht noch die Möglichkeit, das Signal via Musiktaxi oder mit einer vergleichbaren Technik über die Telefonleitung oder das Internet zu übertragen. Dabei ist es aber essenziell, dass die Leitungen schnell genug sind, kompatibles Equipment verwendet wird und Musiker sowie Techniker diszipliniert an die Sache herangehen. Zwar ist es für den Künstler schön, dass er alles daheim einspielen kann, aber bei einigen Produkten kommt es unter Umständen zu lästigen Latenzen, die die Arbeiten erschweren.

Am unkompliziertesten lässt sich der Bass aufnehmen, indem der Musiker sein Instrument direkt in der Regie in den Preamp spielt.

Pulsgeber

Da wir bereits anfangs erwähnten, dass der Bass als erster in der Aufnahmekette dran ist, wollen wir uns auch als erstes diesem Instrument widmen. Prinzipiell ist es das Saiteninstrument, das am leichtesten zu handhaben ist – schließlich kommt es hier nicht so schnell zu lästigen Feedbacks und das Tuning bleibt länger stabil. Als schwierig erweist sich aber besonders in der Mischung der Tieftonanteil, der bei zu viel Pegel gerne die Kickdrum überlagert oder plötzlich aus dem Nichts wie eine störende Resonanz ertönt. Doch ein gutes Signal fängt schon an der Schallquelle an – und gut aufgenommen bedeutet wenig nachbearbeitet.

Viele Bassisten spielen ihr Instrument direkt über einen Preamp ein. Sogar direkt an das Mischpult angesteckt lässt sich der Bass einspielen. Das erspart dem Musiker das Schleppen eines meist schweren Bassamps und dem Techniker das Aufstellen von Mikrofonen davor. Wenn du weißt, wie damit umzugehen ist, sind hervorragende Sounds herauszuholen. Um hier einen ampähnlichen Klang zu erzielen, musst du vor allem viel mit EQ, Kompressor und vielleicht sogar einem Distortion-Effekt nachhelfen.

Mehr Klangvariationen erhältst du, wenn du den Bass über einen geeigneten Amp aufnimmst. Wähle hierfür das richtige Mikrofon, da tieffrequente Signale einzufangen sind. Dafür eignen sich beispielsweise spezielle Kickdrum- oder Grenzflächenmikrofone. Gleichzeitig zum Mikrofonsignal kannst du das DI-Signal aus dem Bassverstärker nutzen. Bei manchen Sounds passt es, wenn beide Signale miteinander vermischt werden. Achte hier aber auf die Phase – nicht, dass sich Auslöschungen bemerkbar machen und der Bass dadurch sehr eigenartig klingt.

Bezüglich der Positionierung am Bassamp gibt es mehrere Optionen. Eine davon sieht so aus: Ein Mikrofon kommt bei einer großen Box an das Resonanzloch und ein weiteres wird am Speaker platziert, um daraus eine ausgewogene Mischung zu erstellen – so lassen sich sehr tiefe Töne einfangen. In den meisten Fällen reicht allerdings ein Mikro vor nur einem Speaker aus, da zu viele Bässe in manchen Genres störend wirken. Gehe also bewusst an die Bassaufnahme heran.

Amp und Gitarrist in der Regie, Box im Aufnahmeraum: Sounddesign direkt beim Recording lässt sich am besten realisieren, wenn der Techniker am Verstärker regelt während der Musiker spielt.

Elektrische Verstärkung

Zu den beliebtesten Instrumenten überhaupt zählen E-Gitarren. So vielfältig, wie sie in diversen Stilrichtungen eingesetzt werden, so vielfältig ist auch ihre Klangvariable – der eine mag es clean, der andere stark angecruncht und wiederum ein anderer präferiert ein Brett, das schon fast purem Rauschen gleicht. Egal, wie nun die einzelnen Geschmäcker sind: Du als Tontechniker trägst Sorge dafür, dass das Signal auf optimale Art und Weise aufgenommen wird. Sprich dich am besten vor den Aufnahmen mit dem Künstler ab, welche Vorstellungen er hat.

Elektrische Gitarren werden immer noch am häufigsten über einen echten Röhren- oder Transistoramp recordet. Dazu benötigst du passende Mikrofone – und eigentlich eignen sich so gut wie alle Schallwandler für diesen Zweck. Einige Techniker haben es sich angewöhnt, ein dynamisches Tauschspulen- und ein Großmembrankondensatormikrofon vor die Box zu stellen. Das dynamische sorgt dabei für ausgewogene Tiefen und/oder Mitten, wohingegen das Kondenser für die Feinzeichnung in den Höhen zuständig ist.

Ein guter Ausgangspunkt für die Mikrofone ist die Hälfte des Radius eines Lautsprechers an der Box. Doch nicht jedes Mikro klingt unbedingt am gleichen Punkt gut. Deswegen ist Feintuning notwendig, um den Sweetspot zu finden. Diesen findest du, wenn du einen Assistenten oder den Gitarristen darum bittest, das Mikrofon so lange millimeterweise vor der Box zu verschieben, bis ein optimaler Sound gefunden ist. Auch wenn nicht jedes Mikrofon am Sweetspot des anderen gut klingt, ist es hilfreich, wenn du die Position am Speaker mittels Klebeband markierst, um beim nächsten Mal zu wissen, wo du ansetzen kannst. Außerdem passiert es beim Recording, dass jemand ans Mikrofonstativ stößt und das Mikro nicht mehr richtig steht.

Neben den klassischen Amps gibt es noch digitale Klangmöglichkeiten. Dazu zählen Hardware- und Software-Modeler. Das Praktische daran ist, dass du nicht erst stundenlang nach dem Sweetspot vor der Box suchen musst, sondern gleich einen „perfekten“ Sound hast. Außerdem besteht so keine Problematik mit dem Aufnahmeraum, sofern dieser schlecht klingt. Wählst du diese Methode, brauchst du im Endeffekt nur ein Audio-Interface, an das du die Gitarre beziehungsweise den Output des Modelers ansteckst. Auch wenn es viele Gegenstimmen gibt: In der Endmischung nimmt kaum jemand wahr, dass das Signal von einem Ampsimulator kommt – sofern er authentisch klingt.

Das Signal einer akustischen Gitarre klingt sehr gut, wenn du das Mikrofon in einem Abstand von gut 30 cm ans Griffbrett etwas oberhalb des Resonanzlochs zeigen lässt.

Akustische Maßarbeit

Bei den Aufnahmen von Akustikgitarren ist viel Disziplin notwendig. Das gilt insbesondere für den Musiker. Wenn sich dieser nämlich zu viel vor dem Mikrofon bewegt, wirkt sich das auf den Klang des Instruments aus – ruhig dasitzen ist also gewünscht. Außerdem sollte er auf raschelnden Schmuck und knirschende Klamotten verzichten, da diese über den Gitarrenkorpus hörbar übertragen werden. Beliebte Quellen für Störgeräusche sind noch Schlüssel oder Handys in der Hosentasche. Damit derartiges nicht passiert, liegt es an dir, den Musiker vorher richtig zu briefen.

Akustische Gitarren werden bevorzugt im Aufnahmeraum recordet. Dies bedeutet für die Session allem, dass störende Nebengeräusche, die beispielsweise durch den Techniker entstehen, nicht auf dem Signal zu hören sind. Damit auch das Playback oder der Klick nicht auf der Aufnahme zu hören ist, sind geschlossene Kopfhörer notwendig. Schau also darauf, dass du dem Instrumentalisten angenehme und stark nach außen hin isolierende Modelle anbieten kannst.

Um den Klang von Akustikgitarren einzufangen, eignen sich am besten Kondensatormikrofone. Kleinmembraner kommen hier am häufigsten zum Einsatz, da sie einen relativ unverfälschten Sound erzielen, wohingegen Großmembraner einen eigenen Charakter einbringen – der durchaus wünschenswert sein kann. Eine gute Ausgangsposition hierfür ist das Griffbrett etwas oberhalb des Resonanzlochs. Hier erhältst du sowohl einen definierten, klaren Klang als auch authentische Griffgeräusche. Beim Abstand solltest du darauf achten, dass das Mikro nicht zu nah, aber auch nicht zu weit entfernt vom Instrument positioniert ist – 25 bis 40 cm sind optimal. Interessant ist es auch, eine Akustikgitarre mit XY-Stereo-Mikrofonverfahren aufzunehmen. Die Signale auseinander gepannt ergeben beispielsweise einen bauchigen Sound links und Griffgeräusche rechts.

Wenn genügend Zeit ist, experimentiere doch mit dem Musiker etwas herum. Du kannst ihn beispielsweise darum bitten, über einen Song mit E-Gitarren noch akustische Gitarren zu spielen. Im Mix ist es dir so möglich, bei einigen Passagen die Rhythmusgitarren etwas zu pushen, indem du die akustischen dazu fährst. Was zudem ein guter Effekt sein kann, ist Parallelkompression. Sprich, du lässt das Signal der Akustikgitarre auf einen weiteren Bus zusammenlaufen, komprimierst diesen sehr stark und fährst es langsam dazu – so klingt es gleich viel fetter und breiter.



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