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Special: Saiten für Gitarre, Bass & Co

Der direkte Draht zu bestem Sound

Die passenden Saiten sind ein wichtiger Bestandteil jeder Gitarre. Hier erfährst du, wie du die richtigen für dich findest.


Der direkte Draht ...

Ein großer Teil der Gitarristen ist ja quasi immer unzufrieden mit seinem Sound und kauft sich neues Equipment oder bastelt an seinem Setup herum. Neuer Amp, andere Tonabnehmer, das ganz spezielle Kabel – da wird vor kaum etwas Halt gemacht. Doch eines der wichtigsten Elemente des Klangs übersehen viele gerne: Die Saiten. Sie bilden nicht nur die Verbindung zwischen Spieler und Instrument, nein, sie prägen auch den Sound.

Wer schon mal öfter in einem Musikaliengeschäft war – oder gar dort arbeitet – kennt sicher die Situation. Ein Gitarrist kommt zur Theke und sagt: „Gib mir mal ’ne Packung Gitarrensaiten.“ Auf die Nachfrage nach Marke, Stärke oder gar Material kommt dann eine Antwort wie: „Für E-Gitarre, halt was Günstiges“. Ok, so kann man natürlich schon Saiten kaufen, aber man verschenkt dabei die Möglichkeit, die für den eigenen Geschmack und sein Instrument optimalen Saiten zu finden. Um dir dabei zu helfen, liefert dir dieser Artikel Informationen, welche Unterschiede es bei Gitarrensaiten gibt, wie man mit der Auswahl der Sorte den Sound beeinflussen kann und wie man sein Instrument auf die neuen Saiten perfekt einstellt. Übrigens: Der Fokus liegt hier auf E-Gitarre, nahezu alles kann man aber 1:1 für Akustikgitarre und Bass übernehmen. Und wo Unterschiede bestehen, dort gehe ich extra darauf ein.

Fangen wir doch mit einer scheinbar selbstverständlichen Überlegung an: Welchen Zweck erfüllen die Saiten bei einem Zupfinstrument eigentlich? Das mag fast schon wie eine rhetorische Frage erscheinen, aber wer sich die Antwort immer wieder vor Augen hält, der kann die meisten Themen dieses Specials auch rein theoretisch herleiten.

Grob gesagt funktionieren quasi alle Saiteninstrumente so: Eine (mehr oder weniger) gespannte Saite wird in Schwingung gebracht. Bei Gitarristen und Bassern geschieht das mit Pick oder den Fingern, beim Klavier dagegen mit Hämmern – aber das Prinzip ist das gleiche. Die dabei entstehenden Schwingungen und ihre Obertöne werden dann auf das Objekt, über das sie gespannt sind, übertragen, wodurch dieses – mit all seinen Einzelteilen – auch in Schwingung gerät. Doch dabei bleibt es nicht, denn die Energie wird vom Instrument wieder an die Saiten zurückgegeben – und so geht das hin und her, bis die Energie verbraucht ist. Man kann das natürlich auch stoppen, etwa durch Abdämpfen oder neue Energie dazugeben, beispielsweise mit einem weiteren Anschlag.

Jedenfalls hängt dieser Energieaustausch zwischen Saiten und Instrument ganz erheblich von dessen Konstruktion und Qualität ab. Das ist auch der Grund, warum im Grunde ähnliche Instrumente unterschiedlich klingen, weil eben verschiedene Hölzer (oder andere Materialien), andere Hardware und unterschiedliche Konstruktionsweisen zum Einsatz kommen. Und der rein akustische Klang des Instrumentes ist die Basis der weiteren Signalkette, mag diese auch noch so lang und kompliziert sein. Aber so wie unterschiedliche Gitarren also unterschiedlich klingen, kann sich auch der Sound verschiedener Saiten auf ein und demselben Instrument sehr von einander unterscheiden. Schauen wir uns diesen Schwingungsüberträger also mal genauer an.


Als Gitarrist hat man mehr als genug Auswahl verschiedenster Saiten und Materialien.

Mehr als nur Draht

Sieht man sich bei einem großen Musikalienhändler mal die Auswahl der Saiten an, kann einem schon schwindlig werden. Da gibt es bei einer sehr gebräuchlichen Saitenstärke für E-Gitarre wie etwa .010-.046 locker mal ein paar Dutzend zur Auswahl, die sich auf den ersten Blick kaum von einander unterscheiden, sich aber durchaus in einer Preisrange von einem bis rund 15 Euro bewegen können. Verständlich, dass man da gerade als Einsteiger in die Materie überfordert ist. Dabei unterscheiden sich die Saiten – abgesehen von der Stärke/Dicke – unter anderem in folgenden Punkten:

Material (Kern & Umwicklung)
Herstellung (Land & Konstruktionsprinzip)
Bearbeitung (wurde beispielsweise eine Beschichtung aufgebracht)

Jetzt könnte man meinen, dass die Unterschiede da schon nicht so groß sein können – doch weit gefehlt. Deswegen ist mein erster Rat, wenn man mit dem Klang seines Instruments (auch und gerade bei elektrischen Gitarren und Bässen) unzufrieden ist, auch nicht, daran herumzubasteln, sondern erst mal zu sehen, ob man dessen Defizite nicht vielleicht mit den passenden Saiten minimieren oder sogar beseitigen kann. Habe ich beispielsweise eine Gitarre, die im Bassbereich unangenehm dominant ist, der es dafür in den oberen Frequenzen aber an Spritzigkeit fehlt, könnte man hier mit deutlich heller klingenden Saiten eventuell mehr erreichen, als beispielsweise mit einem Wechsel der Tonabnehmer. Übrigens: Nicht nur für den Spieler ist die Saitenauswahl und -stärke Geschmacksache. Auch viele Instrumente blühen erst auf, wenn sie mit dünneren oder dickeren Saiten bespannt werden. Hier heißt es experimentieren – das lohnt sich wirklich, um das Maximum herauszuholen.

Wer nur selten Saiten wechselt oder Probleme mit einer Nickelallergie hat, für den gibt es beschichtete Saiten, zum Beispiel von Elixir.

Stahl, Nickel und mehr

Quasi der Standard für E-Gitarristen und Basser ist die Kombination aus Stahl und Nickel im Roundwound-Verfahren. Doch natürlich ist Stahl nicht gleich Stahl, und auch ähnlich gefertigte Produkte können sich durchaus unterschiedlich anfühlen. Hier kommt man um ein wenig persönliches Testen nicht herum. Dennoch gibt es diverse Anhaltspunkte zur Orientierung. Grundsätzlich kann man sagen: Je mehr Stahl die Saite prozentual enthält, desto heller klingt sie. Im Gegenzug sind Saiten, die mehr Nickel enthalten prinzipiell wärmer im Klang. Aber auch hier gibt es je nach Hersteller und Herstellungsprozess Unterschiede.

Übrigens: Es gibt einige Gitarristen, die eine Nickelallergie haben und für die deshalb gewöhnliche Saiten sehr unangenehm zu spielen sind. Hier gibt es mittlerweile zum Glück genug Ausweichmöglichkeiten. Ein Weg ist der, Saiten ohne Nickel zu verwenden, etwa reine Stahlsaiten. Wenn die einem klanglich allerdings nicht zusagen, kann man auch auf eine immer größer werdende Auswahl beschichteter Saiten zurückgreifen, etwa von Elixir, Ernie Ball (Slinky Coated), D’Addario (EXP).

Auch für akustische Gitarren gibt es mehr als genug Auswahl, hier ist eine der wichtigsten Anhaltspunkte für den Sound allerdings der Anteil von Bronze in den Saiten. Die meisten Saitenhersteller setzen hier auf sogenannte Bronze-Saiten (hauptsächlich aus Kupfer, klingen sehr warm) oder 80/20 Bronze (hier sind rund 20 % Zinn zugemischt, statt nur etwa 3 bis 10 %, sie klingen deutlich heller und spritziger). Auch für Akustikgitarren gibt es heute verschiedenste Saitenstärken – und auch beschichtete Saiten, die deutlich länger frisch klingen.

Die Umwicklung der Saite macht den Unterschied: Roundwound (oben), Halfwound (mitte) oder Flatwound (unten).

Klingt dicker wirklich besser?

Hat man sich für sein Wunschmaterial entschieden, stellt sich die Frage nach der Saitenstärke. Klingen dickere Saiten wirklich fetter und liefern mehr Output an den Amp? Prinzipiell ist das so – gerade bei elektrischen Instrumenten. Denn deren Tonabnehmer beruhen ja auf dem Prinzip einer schwingenden Saite in einem Magnetfeld – und je mehr da schwingt, desto mehr Energie gibt auch der Tonabnehmer weiter. Hier kommt allerdings auch schon das große Aber: Die dünnere Saite mag weniger Masse haben, sie schwingt dafür aber weiter aus und kann so durchaus die gleiche Energie liefern. Die Unterschiede sind hier also nicht besonders groß.

Wo die Saitenstärke dagegen viel ausmacht, ist der Aspekt, ob man sich als Spieler wohlfühlt. Und hier gibt es wirklich kein Universalrezept. Eddie Van Halen etwa hat einen richtig fetten Sound, spielt aber, was man so hört, einen sehr dünnen .009 - .040-Satz. Zakk Wylde dagegen nutzt im Standard-Tuning einen .009 - .060-Satz – das macht in Sachen Spielgefühl schon einen heftigen Unterschied. Hier muss man seine persönlichen Vorlieben durch Ausprobieren herausarbeiten.

Die meisten Hersteller bespannen ihre Gitarren ab Werk mit einem .009 - .042- oder einem .010 - .046-Satz – was einen guten Start darstellt. Wenn man dann merkt, dass die Saiten zu wenig Spannung haben, kann man beispielsweise mal einen .010 - .052-Satz ausprobieren, und so weiter, bis man die Saiten gefunden hat, mit denen man sich am wohlsten fühlt. Wichtig: Dabei kommt es auch auf die Mensur – also die Länge der schwingenden Saite – an, über die dein Instrument verfügt. Typische Maße sind hier 628 mm (der Standard bei Gibsons Les Paul), 648 mm (zum Beispiel bei den meisten Fender-Modellen zu finden) oder 686 mm (Bariton, besonders beliebt zum Herunterstimmen und bei sieben- und achtsaitigen Gitarren). So fühlen sich die gleichen Saiten bei einer 628-mm-Mensur deutlich weicher an, als etwa beim 686-mm-Maß. Es ist also durchaus vernünftig, bei unterschiedlichen Instrumenten verschiedene Saiten zu nutzen.

Das übrigens nicht nur, weil es sich besser anfühlt oder besser klingt, sondern auch, weil manche Instrumente wie bereits erwähnt durchaus zickig auf bestimmte Saiten oder Materialien reagieren können. Also: Lieber ein paar Sätze mehr ausprobieren, als hier unnötig Performance zu verschenken.

Wenn Saiten schon so schmutzig und verrostet sind ist es höchste Zeit sie zu wechseln.

Und nun?

So blöd es sich vielleicht anhört, da die Saiten eine ganz persönliche und entscheidende Geschichte für die Performance von Spieler und Instrument sind, kommt man hier nicht ums Experimentieren herum – und quasi jeder erfahrene Spieler hat seine Favoriten, auf die er schwört. Erfreulicherweise hat man heutzutage reichlich Auswahl, um seinen ganz persönlichen Lieblingssatz zu finden. Und viele Hersteller bieten auch einzelne Saiten an, so kann man sich völlig unabhängig seinen Lieblingssatz zusammenstellen.

Auch die Frage, wann man Saiten wechseln soll oder muss, ist nicht pauschal zu beantworten. Denn das hängt davon ab, wie oft und intensiv man sie nutzt, wie groß die Ansprüche an den Sound sind – und auch vom eigenen Körper. Denn manche Menschen sondern einen deutlich aggressiveren Schweiß ab als der Durchschnitt – der dann den Lack, aber auch Metallteile wie die Brücke und die Saiten angreift und deutlich schneller abnutzt. Ist das der Fall, kommt man um häufigere Wechsel nicht herum.

Ansonsten steht ein Wechsel dann an, wenn der Sound deutlich nachlässt oder sich so viele Ablagerungen gebildet haben, dass das Spielen einfach unangenehm ist. Diesen Effekt kann man übrigens deutlich verringern, wenn man die Saiten nach dem Spielen zumindest mit einem trockenen Tuch abwischt. Wer noch mehr tun möchte, kann sich auch ein Saitenpflegemittel zulegen, ein Klassiker hier ist beispielsweise GHS Fast Fret, das man vor und nach dem Spielen auf die Saiten auftragen kann.

Du siehst schon, es gibt viele Faktoren, die sich auch noch gegenseitig beeinflussen, wenn es um die Wahl der perfekten Saiten geht. Kurz gesagt ist das Wichtigste, sich bewusst zu machen, wie viel Einfluss die Saiten auf Spielgefühl und Klang haben – und dann nach und nach so lange herumzuprobieren, bis man die optimalen Strings für sich gefunden hat. Viel Spaß und Erfolg bei dieser spannenden Reise.



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